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21. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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WORDS OF FAREWELL
Freundlicher Umgang machte die Szene groß!
Thorsten Dietrich
www.wordsoffarewell.de


Die Newcomer Words Of Farewell aus dem Raum Münster sind für mich ein unbeschriebenes Blatt. Ihr Debütalbum "Immersion" ist echt gut und optisch mal was anderes. Sänger Alexander Otto und Keyboarder Leo Wichmann stellten sich meine Fragen und ich habe das Gefühl nicht die Standardantworten vieler Bands ausgesetzt zu sein.

Words of Farewell

Die beliebte Neulingsfrage, da ich nichts von euch kenne zuerst: Erzählt uns doch kurz den Weg der Band bis heute!

Leo: In Kurzform lautet das ganze wie folgt: Bandgründung um Dezember 2006, Aufnahme einer Demo-EP im Frühjahr 2007, Aufnahme einer Promo 2008, Aufnahme des Debüt-Albums "Immersion" von 2010-2011. Das Album hat uns einen Plattenvertrag mit AFM-Records aus Hamburg beschert und ist seit Ende März Europaweit erhältlich. Einige Besetzungswechsel an Drums und Gitarre, inzwischen eine gut eingespielte und aufeinander abgestimmte Combo, die mittlerweile seit über vier Jahren auf der Bühne steht.

Euer Bandname klingt so wie ein Abschiedsfloskel bei einer Beerdigung, wo kommt der Name her?

Alex: Der Bandname stammt von mir und gibt eigentlich einen recht trivialen Zusammenhang wieder. Abschiedsworte sind mitunter, gerade wenn der Abschied nicht freiwillig ist, wohl die emotional am stärksten geladenen Worte die ein Mensch aussprechen kann. Da es bei unserer Musik und auch meinen Texten primär um Emotion geht, reflektiert der Name die Konzeptualisierung recht gut.

Das Booklet ist ja mit tollen Landschaften in schwarz-weiß bebildert und Wasser spielt da auch eine Rolle, wieso?

Alex: Das Design steht in enger Korrespondenz zu den Texten (etwa "Daybreak", "Vagrant Story" und vor allem "Sundown Serenade"). Da ich für beides verantwortlich bin, war es für mich recht schnell ersichtlich, dass aus der Kombination eine sehr dichte Atmosphäre entstehen kann, wenn man die Konnotationen der Hörer mit Hilfe der Bilder etwas lenken kann. Natur ist für mich als jemand der naturnah aufgewachsen ist unglaublich wichtig und ist daher auch in meinen Texten nahezu omnipräsent, dies spiegelt sich somit auch im Booklet-Design wieder. Die Tatsache, dass es viele Bilder im Booklet gibt die mit Wasser zu tun haben, liegt ebenfalls am lyrischen Konzept, einerseits beziehen sich die Bilder auf "Project Daybreak" und "Sundown Serenade", auf der anderen Seite sind sie die metaphorische Verbildlichung des Albumtitels. Bei dem geht es zwar um das atmosphärische Eintauchen und nicht prinzipiell ums Eintauchen ins Meer, allerdings ist die Analogie dennoch sehr stimmig wie ich finde.

Was ist eigentlich mit dieser Figur die man kaum sieht, ganz klein im Cover und auch auf der Rückseite?

Alex: Die Figur auf dem Cover sowie die auf der Backside sind lyrische Figuren aus den Songtexten.

Außerdem wundere ich mich wirklich, dass kein Bandfoto im Booklet ist, war das bewusst oder habt ihr es vergessen? Gerade heute ist doch Wiederkennung wichtig!

Alex: Ich finde das Bandbild hätte dem restlichen Designkonzept entsprechen müssen um keinen Stilbruch zu bedeuten, und da wir nichts Vernünftiges auf die Beine stellen konnten (etwa eine Fahrt ans Meer & Fotoshooting) habe ich das willentlich raus gelassen. Ich finde außerdem, dass die Musik und alles was ihr zuträglich sein sollte im Vordergrund stehen sollte und nicht die Musiker selbst, außer bei Live Auftritten versteht sich. Und ich denke es kann jeder ebenso gut auf Facebook gehen oder Youtube, wenn er ein Bild von uns Sehen will, das ist in vielen Fällen wohl sogar schneller als die CD aus dem Schrank zu nehmen.

Musikalisch rückt euch ein Sticker des Labels in die Nähe von Insomnium und Dark Tranquillity, siehst du das auch und wenn ja, was würdest du sonst zu eurer Musik sagen?

Alex: Also ich denke, dass wir musikalisch den beiden Bands näher sind als den meisten anderen, von daher stört mich das kein Stück, gerade da wir beide Bands selbst lange Zeit gehört haben und teils noch immer klasse finden.

Was mich etwas stört ist der Gesang, der ist mir zu sehr Standard! Melodic Grunzer halt, nicht zu derb, aber auch nicht zu abwechslungsreich, sind Pläne für klare Töne - sprich Abwechslung vorhanden?

Alex: Da muss ich dich enttäuschen. Gerade in Zeiten wo alle Bands damit rumexperimentieren und die Kombination aus clean und Growls schon fast Genre definierend geworden ist, finde ich es gut dem Trend etwas entgegenzusetzen. Meiner Meinung nach zerstören viele Bands gerade damit ihren Sound weil der Einsatz einfach oft schlecht durchdacht ist und einfach zu schnell in bekannte Muster verfällt, die ich wiederum extrem öde und fade finde. Es gibt nur sehr wenige Bands die mit der Kombination wirklich was Produktives machen, anstatt ihre eigenen Songs zu verschandeln. Des Weiteren finde ich ist es problematisch da ebenso viele Bands die Albumsituation live einfach nicht wiedergeben können, da mit Melodyne und anderem nachgeholfen wurde, so dass die Liveperformance ebenso darunter leidet. Sehr interessant ist auch, das dieser Kritikpunkt doch recht vermehrt auftritt, sich die Hörgewohnheiten somit anscheinend stark gewandelt haben, Amon Amarth, At the Gates oder die frühen Insomnium hatten schließlich auch keine Cleanvocals und niemand stört(e) sich daran. Allerdings bin ich dankbar für die Kritik, ich werde mich anstrengen auf unserem nächsten Album etwas mehr Abwechslung zu bieten.

Words of Farewell

Gute Antwort, aber z.B. Amon Amarth finde ich mittlerweile auch stinklangweilig, besonders was das den Gesang betrifft! In einem großen, deutschen Musikmagazin war mal ein Artikel über die "Pay To Play" Mafia von Veranstaltern und etablierten Bands, habt ihr da auch schon negative Erfahrungen?

Alex: Also bisher hatten wir zugegeben noch nicht viele Auftritte bei denen wir Geld lassen mussten. Es gab lediglich ein paar Fälle bei denen wir dem Veranstalter Karten abkaufen mussten, um diese dann selbst zu verticken. Das ist zwar nicht sonderlich toll, allerdings kann man das gerade bei kleineren Veranstaltungen, die nicht so viel finanzielle Zugkraft haben irgendwie verstehen. Wir werden sehen, ob wir damit nicht noch in Zukunft schlechte Erfahrung machen, hoffentlich nicht. Leo: Das leidige Thema eben. Wir bekamen vor zwei Jahren mal das Angebot, mit einer der größeren Bands auf Tour zu gehen, der Spaß hätte 500 Euro pro Tag im Nightliner gekostet und 300 wenn man selbst gefahren wäre. Man hätte sich auch für eine Show als Support-Act "einkaufen" können. Ich finde das ehrlich gesagt etwas traurig, da es plötzlich nicht mehr um die Musik sondern den Geldbeutel einer Band geht. Auf seine finanziellen statt auf die musikalischen Mittel reduziert zu werden kann mitunter etwas deprimierend sein.

Wurdet ihr schon einmal übel angefeindet wegen eurer Musik ("Keyboards") und eurem sagen wir normalen Outfit? Was haltet ihr von diesen Hardlinern in Kutten, Nieten und Leder, (auch abseits der Bühne) dem wandelnden Klischee. Diese sind ja gerade bei Bands wieder "in" siehe Steelwing, Bullet, Enforcer und Konsorten aber auch im Death / Thrash?

Alex: Als wir angefangen haben war das mit dem Keyboard die Standard-Kritik von vielen Seiten, da wir im Ruhrgebiet doch eine sehr konservative Szene haben. Ich denke allerdings, dass diese in letzter Zeit etwas toleranter geworden ist, so dass das kein "Problem" mehr darstellt. Für unsere Musik sind Keyboards einfach unerlässlich und ich denke nachdem die Leute 1-2 Songs von uns gehört haben sind sie dann nachsichtig weil es einfach stimmig klingt. Was das Outfit angeht ist uns das noch nicht wirklich aufgefallen. Ich kann mich an einen lustigen Kommentar von den Symbiontic Jungs erinnern, wo jemand zu mir meinte er sei sehr skeptisch gewesen als wir auf die Bühne gingen, hätte allerdings dann ein Auge zugedrückt als er merkte, dass wir keinen Hardcore sondern Death Metal machen. Ich kann mir schon vorstellen, dass es einigen Leuten aufstößt, aber bei uns geht's halt nicht um Personen-Kult oder Gruppenzugehörigkeit sondern um die Musik und der Spaß an der Musik. Leute, die sich als Szenepolizei aufspielen, kann ich meist nicht so ganz ernst nehmen. Ich finde es gut, dass sie ihren Spaß an der Musik und allem haben was damit Verbunden ist, andere Leute anzufeinden führt jedoch zu nix außer der Spaltung und dem Zerfall der Metalszene. Und der Zusammenhalt und der freundschaftliche Umgang ist letztlich das, was die Metalszene, mal ab von der geilen Musik, überhaupt erst so groß gemacht hat wie sie heute ist.

Ein langes und gutes Abschlusswort, was mal wieder zeigt, dass in Sachen Newcomer die Metalszene nicht nur "saufende Vollpfosten und Nichtskönner" (Einschätzung eines Bekannten) zu bieten hat. Hier scheint der "Do it yourself" Gedanke immer noch aktuell zu sein.

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