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15. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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STRYDEGOR
Jetzt erst recht!
Steffi Mller
www.strydegor.com


Die Verffentlichungs-Flut, die ber uns Metal-Fans dauerhaft hereinbricht, hat nicht nur ihre negative Seiten. Denn immerhin bietet genau diese Vielzahl an Neuerscheinungen immer besondere berraschungen und Neuentdeckungen, die man sich nicht entgehen lassen solle. So ein besonderer Aha-Effekt beschlich mich, als mir das neue Album von Strydegor in die Hnde fiel. Eine, mir bis dahin noch vllig unbekannte, Combo, die mich mit ihrer Art Death-Metal vllig packten. Nachdem ihre CD "In The Shadow Of Remembrance" bereits in zahlreichen Endlosschleifen meine Anlage beglcken durfte, wurde es fr mich Zeit Nachforschungen zu betreiben. Wo fngt man also an, ja genau, am besten die Jungs persnlich fragen ...

Strydegor

Im Jahre 2005 begann das musikalische Schaffen eurer Band bereits unter dem Namen "The Alphes". Wie und warum kam es berhaupt zum Umbenennung eurer Band in "Strydegor"?

Wir haben die Band 2005 als Schlerband gegrndet und nachdem Clemens 2006 in die Band kam, entwickelte sich unsere Musik in eine hrtere, nordische Richtung und dort merkten wir, dass der alte Name "The Alphes" nicht mehr passend war. Deshalb haben wir beschlossen, uns umzubenennen und mit unserem neuen Stil weiter zu machen.

Und Was bedeutet "Strydegor" eigentlich?

Der Name entstand zwischen Florian und unserem Kumpel Falk, die zusammen in einer Bierlaune eine Black Metal Band grnden wollten, wozu es aber nie kam. Letztendlich gibt es keine Bedeutung fr "Strydegor", aber ich habe schon Deutungen gehrt das "strid" so viel wie Kampf und "gore" auf Englisch Blut bedeutet. Es ist unser Bandname und passt sehr gut zu uns, wie wir finden.

Wie wrdet ihr die die Besonderheit eurer Musik und eurer Version des Viking Metal beschreiben?

Die Bezeichnung Viking Metal ist ja blo eine Schublade der Plattenindustrie, um die Szene besser zu vermarkten. Wir wrden unsere Musik eher als melodischen Death Metal bezeichnen und sehen uns auch eher als Death Metal Band mit klassischen Line-Up: 2 Gitarren, Gesang, Bass und Schlagzeug. Was uns aber im Vergleich zu anderen Bands auszeichnet, sind die abwechslungsreichen Songstrukturen und epischen Melodielufe, welche unserer Meinung nach dem Hrer die kalte, nordische Atmosphre sehr nahe bringen. Und natrlich nicht zu vergessen: die Akustik-Gitarren-Parts, was die ganze Sache nochmal besonders abrundet.

Nervt es da manchmal, oder macht es eher stolz, stndig mit Szenegren wie Amon Amarth verglichen zu werden?

Natrlich ist es schwer sich musikalisch von solchen Szenegren abzuheben, aber im Gegenteil macht es uns stolz, auf eine Stufe mit Bands wie Amon Amarth gestellt zu werden, obwohl man ganz klar sagen muss, dass wir mit vielen Leuten auf Konzerten gesprochen haben und diese ganz klar Unterschiede heraushren. Aber der Vergleich ist doch eine gute Publicity fr unsere Band, also wieso sollte uns das nerven?

Welche Bands wrdet ihr persnlich als eure musikalische Vorbilder benennen?

In den Anfangstagen auf alle Flle obengenannten Bands aus Schweden bzw. berhaupt Bands der skandinavischen Death und Black-Metal-Szene. Aber im Laufe der Jahre haben wir uns natrlich auch weiter entwickelt und so reichen unsere Einflsse von Black Sabbath ber Motrhead bis hin zu Immortal.

Wie und wann kam es schlielich zur ersten Zusammenarbeit mit eurem Label CCP?

Wir haben 2008 eine Demo-CD und eine Demo-EP aufgenommen und diese verschiedenen Plattenlabels zukommen lassen. Eine davon war CCP-Records. Im Endeffekt hat sich dann der Geschftsfhrer Claus Prellinger bei uns gemeldet und sein Interesse an einer Zusammenarbeit mit uns gezeigt. Also haben wir uns den Vertrag zukommen lassen und als alle wichtigen Formalitten geklrt waren, haben wir unterschrieben und dann unser erstes Album verffentlicht.

Was ist der erste Gedanke, wenn pltzlich ein Label anklopft und Interesse an der eigenen Band bekundet?

Natrlich ist man erst einmal berrascht, dass man doch gar nicht so schlecht ist, wie alle behaupten. Kleiner Scherz, besonders wenn man, wie wir damals, mit gerade mal 17-19 Jahren so einen Vertrag unterschreibt, macht einen das besonders stolz, denn diesen Schritt schaffen bekanntlicher weise nicht viele. Wenn man wirklich den Wunsch hat mit seiner Band etwas zu erreichen und aus seinem Heimatort heraus bekanntzuwerden, ist die Zusammenarbeit mit einem Label auf jeden Fall ein groer Schritt nach vorn.

Mit was verdient ihr, neben der Musik, euren normalen Lebensunterhalt?

Jeder, der sich mit Musik beschftigt, wird wohl wissen, dass man in den wenigsten Fllen davon leben kann und dies ist auch bei uns nicht anders. Wir haben alle normale Jobs, gehen tagtglich zur Arbeit und verdienen unseren Unterhalt als Elektroniker, Mechatroniker und Krankenpfleger. Aber dafr stecken wir wirklich den Groteil unserer Freizeit in unsere Band.

Strydegor

Meistens proben wir 2-3 Mal die Woche. Der Groteil von uns wohnt ziemlich dicht bei einander, bis auf unsere guten Freunde und Live-Gitarristen, deren Wohnort von Wismar bis nach Berlin reicht. Aber als Band ist es wirklich wichtig, seine ganze Energie in die Proben zu stecken. Nur so kann man eine wirklich geile Show abliefern und die Fans vor der Bhne begeistern. An den Wochenenden treffen wir uns aber auch einfach so im Proberaum, auf ein paar Biere, schauen uns Filme an und erzhlen ber dieses und jenes.

2009 musstet ihr den traurigen und tragischen Unfalltod eures Gitarristen Slava verkraften und verarbeiten. Habt ihr daran gedacht Strydegor ganz sterben zu lassen?

Dazu hatten wir gar nicht die Zeit, daran zu denken die Band sterben zu lassen. Es war eine wirklich harte Zeit, gerade kurz nach dem Unfall. Wir waren halt jung und wussten erst berhaupt nicht damit umzugehen. Im Laufe der Jahre hat jeder seinen Weg gefunden, mit dem Verlust umzugehen und jeder hat wahrscheinlich Momente, in denen er noch mit einem weinenden und gleichzeitig lachendem Auge zurckdenkt. Aber es war nun mal so, dass die neue CD gerade verffentlicht wurde, wir bereits fr die ersten Konzerte gebucht waren und dann haben wir noch am selben Tag beschlossen, dass wir die Band, egal mit welchen Mitteln, fortfhren werden. Slava htte uns wahrscheinlich in den Arsch getreten, wenn wir einfach alles hingeschmissen htten und somit unseren Traum wie eine Seifenblase htten platzen lassen!

Was war schlielich der entscheidende Punkt trotzdem weiter zu machen?

Der entscheidende Punkt war ganz klar die Untersttzung aller unserer Familien, auch der von Slava und unserer engsten Freunde, mit denen wir zusammen diese schwere Zeit durchgestanden haben. Und dann natrlich die Tatsache, dass es unser gemeinsamer Traum als Band war, aus dem kleinen Ort Hagenow auszubrechen und die Leute mit unserer Musik zu begeistern es wre also ein Verrat an uns selbst gewesen, einfach das Handtuch zu werfen.

Hat sich nach diesem tragischen Ereignis die musikalische und freundschaftliche Zusammenarbeit in der Band verndert?

Ja das hat es auf jeden Fall. Es hat uns noch enger zusammengeschweit und uns wurde erst einmal richtig bewusst, was fr gute Menschen sich doch um uns herum befinden. Ohne die Untersttzung wre vielleicht jeder von uns an dem ganzen Ereignis zugrunde gegangen. Musikalisch hat unsere Musik ein Stck weit mehr Melancholie auf der einen, aber auch ein ganzes Stck mehr Aggressivitt auf der anderen Seite erhalten. Ganz nach dem Motto: Jetzt erst recht!

Das Ergebnis aus eurer Kraft und eurem Tatendrang ist euer neustes, zweites und sehr gelungenes Album "In The Shadow Of Remembrance" entstanden. Setzt sich dieses Album mit einer bestimmten Thematik auseinander?

Die ganze Arbeit rund um das Album war quasi fr uns eine Art Therapie mit dem Verlust von Slava umzugehen. Der Groteil der Songs beschreibt den Zusammenhalt zwischen Brdern und Freunden. Aber auch einige historische bzw. mythologische Themen haben wir in den Texten verarbeitet, so zum Beispiel in dem Song "Vafthrudnisml". Der Song beschreibt den Wettstreit zwischen Odin und dem Riesen Vafthrudnir, dessen Hochmut ihm im Endeffekt zum Verhngnis wurde. Wir versuchen aber unter anderem Themen aus der heutigen Zeit auf die Wikingerzeit zu beziehen bzw. wie die Menschen zur damaligen Zeit mit ihren Problemen umgegangen sind.

Wem wrdet ihr dieses Album ganz besonders ans Herz legen?

Natrlich jedem, der sich in irgendeiner Art und Weise fr Musik interessiert und das drfte auf dieser Welt so ziemlich jeder sein. Wer auf ein klasse Melodic-Death-Metal Album, mit epischen Gitarren-Melodien und klassischen Akustik-Gitarren-Parts steht, der sollte sich unser Album nicht entgehen lassen.

Welchen Song sollte man sich bei diesem Output nicht entgehen lassen, und warum genau diesen?

Jeder Song ist es wert, ihn sich anzuhren. Aber der persnlichste Song ist wahrscheinlich "Waves of Sorrow", denn er enthlt nicht nur das Strophen-Riff, welches Slava zu Lebzeiten mit in den Proberaum gebracht hat, sondern ist sowohl musikalisch als auch lyrisch der Song, der am besten beschreibt, was wir erlebt haben, bzw. wie es mit unserer Band weiter gehen wird.

Gibt es gravierende, auffllige Unterschiede zu eurem ersten Album "Back On Ancient Traces"?

Zum einen hat sich die Soundqualitt entscheidend gesteigert, was daran liegt, dass wir mehr Zeit und Geld in die Aufnahmen gesteckt haben bzw. Claus Prellinger in seinem CCP-Studio eine wirklich gute Mixing und Mastering-Arbeit abgeliefert hat. Zum anderen sind die Songs etwas komplexer und durch strukturierter, ohne dabei aber auf Melodien zu verzichten, die ins Ohr gehen, so wie es auch schon auf der "Back on Ancient Traces" der Fall war. Man hrt dem Album an, dass wir musikalisch um einiges reifer sind, als noch vor 3 Jahren.

Wie entstehen eure Songs, wer bernimmt das Songwriting, wer die Kompositionen und wer die Lyrics?

Ein Groteil der Melodien und Songs stammt von Florian. Wobei man im Proberaum auch gern mal Ideen zusammen schmeit, bis dann schlielich ein Song entsteht, mit dem jeder zufrieden ist. Die Texte stammen sowohl von Florian, als auch von Clemens, da diese sich besonders fr die nordische Mythologie und die Wikingerzeit interessieren. Manchmal entstehen Songs in einer Probe, aber es kann auch vorkommen, dass ein paar Monate vergehen, bis ein Song fertig ist.

Auf was seid ihr nach der Verffentlichung, und nach den doch sehr positiven Feedbacks von "In the Shadow Of Remembrance" am meisten stolz?

Das Feedback, das wir von Freunden, Fans und Magazinen erhalten, ist ein gutes Zeichen dafr, an unserem Traum und an dem Weg, den wir eingeschritten haben, festzuhalten und weiterzumachen. Jede Kritik ist es wert gelesen zu werden und vielleicht werden wir auch das eine oder andere in unsere Band einflieen lassen. Im Groen und Ganzen ist es unbeschreiblich zu sehen, wie man auf Konzerten bzw. Menschen, die unsere CDs kaufen, mit unserer Musik begeistern kann.

Wo wird Strydegor 2012 noch live zu sehen sein?

Bisher sind wir fr einige Festivals gebucht z.B. fr das "Metalfest Ost" in Dessau mit Bands wie Megadeth, Hypocrisy etc.,fr den "Zwergenaufstand" am Starnberger See oder fr das "Fimbul-Festival" in Dettelbach. Und dann stehen natrlich noch einige Club-Gigs an. Eine richtige Tour ist in unserem Falle wohl eher schwierig, aufgrund der Arbeit, aber sollte sich die Mglichkeit dazu ergeben, werden wir dies natrlich wahrnehmen.

Strydegor

Was war bis jetzt das aufregendste und beeindruckendste, was ihr mit Strydegor erleben durftet?

Die wohl aufregendste Erfahrung war ungeschlagen die Tour mit Menhir und Riger im Herbst 2010. War man am ersten Tag in Berlin noch etwas zurckhaltend untereinander, so haben wir es einen Tag spter in Bitterfeld richtig krachen lassen und sind geschlossen in die rtliche Dorfdisko und haben dort zu DJ tzi die Haare schtteln lassen. Oder die Geschichte, als unser Drummer Sven, mit den Jungs von Riger und Menhir, mit einem Transporter mitten in der Nacht von der Strae in Bad Salzungen abgekommen sind und zu Fu die ganze Strecke bis zur Herberge laufen mussten. Die Tour war bisher mit das geilste, was wir erlebt haben und seitdem verstehen wir uns gerade mit den Jungs von Riger besonders gut.

Welche geheimen Wnsche sollten fr eure Band noch in Erfllung gehen?

Viele geile Konzerte spielen, viele neue Songs schreiben und auf eine Scheibe pressen. Und natrlich so viele Leute wie mglich kennenlernen und sie mit unserer Musik begeistern.

Was wrdet ihr unseren Lesern noch gerne mit auf den Weg geben?

Kauft unsere Platten, kommt auf unsere Konzerte, untersttzt die Metal-Szene und wenn ihr ein Ziel im Leben habt, dann reit euch den Arsch auf, um es zu erreichen!

Ja, damit haben diese Jungs verdammt Recht! Diese Band besitzt glcklicher Weise genug Feuer, um an den eigenen Trumen fest zu halten. Denn eins ist sicher, fr meine Ohren ist "Strydegor" bereits eine echte, lohnenswerte Bereicherung!

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