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22. Mai 2013 - Uhr
 
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BLACK MESSIAH
Durch und durch heidnisch!
Steffi Müller
www.black-messiah.de


Mit der Veröffentlichung von "The Final Journey" haben Black Messiah diesmal genau meinen Geschmack getroffen. Gefühlte zweihundert Mal musste alleine meine Repeat-Taste her halten, damit ich den "Ring mit dem Kreuz" und die neue Version vom "Feld der Ehre" in Endlosschleife zu mir nehmen konnte. Höchste Zeit, Sänger Zagan einige Fragen rund um seine Band, über den Pagan Metal und die Einstellung zum Heidentum auszufragen:

Black Messiah Black Messiah

Ihr habt bereits eine lange Band Geschichte hinter euch und in frühen Jahren mit Black Metal begonnen. Haben die viele Besatzungswechsel und die Zeit die Musik automatisch verändert, oder war Pagan Musik eigentlich schon immer euer heimliches Steckenpferd?

Das Phänomen Pagan-Metal existiert ja namentlich noch gar nicht so lange. Als Bathory damals mit "Hammerheart" auf den Markt kam, gab es so etwas nicht. Diese Sparte hat sich erst sehr viel später entwickelt und etabliert. Als der große Black Metal Boom in den 90gern los brach, hat niemand über Pagan Metal auch nur geredet. Ich habe immer schon solche Alben, wie "Hammerheart" oder "Twilight Of The Gods", vergöttert. Mythologien haben mich immer schon fasziniert und selbst zu der Zeit, als wir Black Metal gemacht haben, habe ich schon heidnische Texte geschrieben, die zwar nicht an der nordischen Mythologie angelehnt waren, aber halt durch und durch heidnisch waren. Die vielen Besetzungswechsel haben jedes Mal neues, musikalisches Blut in unseren Sound gespült, thematisch allerdings haben diese Wechsel nichts verändert.

Wie würdest Du selbst die Besonderheit eurer Musik beschreiben?

Ich denke, dass niemand sonst die Geige auf diese Weise im Heavy Metal einsetzt, wie wir. Unser Sound ist schnell und hart, aber trotzdem immer melodiös, pompös und episch. Ich denke, unsere Mixtur aus hartem Metal, Folk, Klassik und Soundtrack-Musik sind unser Stil und unsere Besonderheit. Klar, viele Leute mögen das nicht, aber wir haben Spaß daran und auf Konzerten sieht man ja auch, dass viele Andere das genauso mögen, wie wir selber.

Pagan-Liebhaberinnen, wie ich und vor allem ihr, als Musiker, seit immer den Vorwürfen ausgesetzt, politisch rechts zu sein. Mit welchen passenden Argumenten kann man diesen Vorurteilen den Garaus machen?

Diese Vorurteile entstehen aus der Unwissenheit der Allgemeinheit. Wenn sich jemand einmal die Zeit nimmt, sich historisch mit diesem Thema auseinander zu setzen, wird er ziemlich schnell feststellen, dass die germanische oder auch die nordische Mythologie einige hundert Jahre älter ist, als die Idee des Faschismus oder des Nationalsozialismus. Fakt ist, dass diese Leute in den 30ger Jahren des letzten Jahrhunderts eine ganze Epoche zweckentfremdet haben, um ihr krankes Gedankengut an den Mann zu bringen. Das ist meiner Meinung nach kriminell. Damit zieht man unsere Geschichte und unsere Ahnen in den Dreck. Es gab keine rechtsradikalen Germanen oder Wikinger. Das ist das einzige, schlüssige Argument. Diese beiden Dinge haben einfach gar nichts miteinander zu tun. Ich hasse Leute, die so was behaupten und Nazis hasse ich so wie so, wie die Pest. Solche Typen braucht kein Mensch. Wir haben genügend gehirnamputierte Individuen hier herum rennen, da brauchen wir nicht auch noch Nazis.

Wird man durch diese Anfeindungen automatisch vorsichtiger beim Songwriting, und achtet man besonders darauf, wie die Lyrics verstanden werden könnten? Oder lernt man irgendwann sein musikalisches Ding stur durch zu ziehen?

Ich habe niemals auf eine vorsichtige Art Songs geschrieben. Leute, die so was falsch verstehen wollen, würden das auch tun, wenn ich Texte über Elfen und Blümchen schreiben würde. Ich lasse mir meine Meinung und meinen Spaß sicher nicht von solchen Leuten nehmen. Wichtig ist mir, dass die Leute, die sich mit uns beschäftigen und uns kennen, wissen wie wir sind und was wir aussagen wollen. Alle Anderen sollten sich schlau machen, oder können mich mal. Wir sind nicht darauf angewiesen, von allen geliebt zu werden. So etwas ist ja auch langweilig. Ich provoziere auch ganz gerne, besonders wenn es mit der Kirche zu tun hat. Wie man auch auf dem neuen Album hören kann, sind die Songs sicher nicht vorsichtig getextet.

Mit "The Final Journey" habt ihr seid Februar nun euer neustes und fünftes Album auf dem Markt gebracht. Was hat sich seit der Veröffentlichung getan? Ist die Reaktion auf dieses Werk für euch zufriedenstellend?

Eigentlich schon., ja! 80 Prozent der Reviews sind extrem gut. 15 Prozent haben uns verrissen und der Rest findet uns so lala. Kann ich gut mit leben. Musik ist immer eine Geschmacksfrage. Es kann nicht jedem alles gefallen und das soll es auch nicht. Es gibt hervorragende Platten, die überall verrissen worden sind und es gibt absolute Schrott-Alben, die überall in den Himmel gehoben werden. Ich denke, jeder sollte sich selber ein Bild machen, ob er eine bestimmte Platte mag oder nicht. Es ist wie mit Filmkritiken. Hätte ich nur Filme gesehen, die in den Zeitungen als gut befunden wurden, hätte ich die größten Klassiker verpasst.

Kannst Du unseren Lesen beschreiben. mit was sich "The Final Journey" thematisch auseinander setzt?

Black Messiah Black Messiah

Der erste Teil der Platte sind zusammenhanglose Songs. Einzelne Geschichten, die alle für sich selber stehen. Der zweite Teil, der eigentlich der Namensgeber für die Platte war, erzählt die Geschichte eines Mannes, der ein unehrenhaftes Leben geführt hat und nach seinem Tode nicht nach Walhalla darf, sondern als verdammte Seele auf Immer und Ewig an Bord des Totenschiffes Naglfar seinen Dienst tun muss. All sein Flehen wird von der Göttin Hel nicht beachtet und so segelt er bis ans Ende der Zeit mit diesem Schiff umher.

Warum habt ihr euch bewusst für eine Teilung des Albums in zwei Abschnitte entschieden? Wäre ein gesamtes Konzeptalbum über die Naglfar-Sage nicht sinnvoller gewesen?

Ich weiß nicht, ob es sinnvoller gewesen wäre. Ich denke die Geschichte ist so wie sie ist schlüssig. Warum soll man sie künstlich in die Länge ziehen, um ein Album voll zu bekommen? So hatten wir auch noch die Chance einfach mal wieder ein paar Songs zu machen, die in keinem großen Gesamtwerk stehen. Das war auch mal wieder schön. Wir haben dahingehend aber auch schon viele positive Resonanzen bekommen. Hätten wir einfach nur die Naglfar-Geschichte gemacht, hätte man auf Songs wie "Windloni" oder "Der Ring Mit Dem Kreuz" verzichten müssen. Das wäre schade gewesen.

Wie würdet ihr dieses Gesamtwerk den Metal-Fans besonders schmackhaft machen, die bis jetzt noch nicht hinein gehört haben?

Naja, ich würde sagen, dass die Leute, die uns bisher gemocht haben mit der neuen Scheibe nichts falsch machen können. Leute, die uns bisher nicht mochten, sollten nicht rein hören. Sie werden uns sicher immer noch nicht leiden können. Leute die uns nicht kennen sollten rein hören, um dann zu entscheiden, ob sie uns mögen oder hassen. Ansonsten kann ich sagen, dass ich die Scheibe persönlich sehr mag und sie mir auch schon des Öfteren angehört habe.

Warum hat euer bekanntes "Feld Der Ehre", in der bearbeiteten Versionen, nochmals einen Platz auf "The Final Journey" gefunden?

Weil der Sound des "Oath Of A Warrior"-Albums absolut bescheiden ist und wir uns gedacht haben, es kann nicht schaden, auch den alten Songs mal ein vernünftiges Soundgewand zu geben. Ich denke, das gleiche werden wir sicher noch mal mit einem anderen Song machen. Außerdem haben viele Leute auf Konzerten den Song "Feld Der Ehre" gefordert und so lag das dann nahe, ihn nochmals zu vertonen.

Wer von euch übernimmt bei euch eigentlich das Songwriting und wie entstehen eure Lyrics?

Bei uns sind alle am Songwriting beteiligt. Meistens kommt irgendwer mit einer Idee um die Ecke und wir arbeiten dann gemeinsam daran. Die Songs sind auch erst dann fertig, wenn wirklich alle mit dem Ergebnis zufrieden sind. Das kann auch schon mal eine Zeit dauern, bis das so ist. Ich finde das aber sehr wichtig. Man darf den Spaß nicht verlieren und da ist es notwendig, auch die Songs zu mögen, die man selber produziert. Die Lyrics stammen bisher alle aus meiner Feder. Meistens haben wir einen fertigen Song und danach mache ich mich ans Texten. Ganz selten passiert es auch mal andersherum. Wenn es da ein Thema gibt, welches mich gerade besonders begeistert, kann es schon mal vorkommen, dass ich etwas voreilig bin und die Lyrics schon fertig habe, bevor auch nur eine Note komponiert ist. Das macht es im Endeffekt natürlich etwas schwieriger den Song zu Ende zu bringen, aber bisher haben wir es immer geschafft.

Wie kommt es, dass sich auf euren Alben immer wieder deutsche Lieder mit englischen Songs vermischen?

Purer Zufall. Ich weiß nicht warum sich das so eingebürgert hat. Früher, als wir noch reinen Black Metal gemacht haben, hatten wir nur englische Texte. Irgendwann habe ich dann die Songs "Christenfeind", "Blutsbruder" und "Feld Der Ehre" geschrieben. Das muss so um 1998 gewesen sein. Es hat mir unheimlich Spaß gemacht, deutsch zu singen. Mittlerweile ist es so, dass es immer darauf ankommt, was mir gerade als Erstes einfällt, ob es eine deutsche oder eine englische Hookline beim Text ist. Danach richtet sich das. Es ist also nicht geplant, sondern passiert einfach.

Wenn ihr ein Lied aus dem aktuellen Album heraus picken müsstest, dass besonders gefällt und euch stolz macht, welches würde es sein und warum?

Das ist eine schwierige Frage. Die Scheibe ist mal wieder recht abwechslungsreich geworden und jeder Song ist anders. Ich finde die Naglfar-Saga als ganzes sehr gut. "Windloni" ist uns gut gelungen und "Lindisfarne" auch. Aber ich denke, "Der Ring Mit Dem Kreuz" sticht da doch noch etwas heraus. Ganz einfach, weil er sehr viele Facetten hat, kompositorisch sehr vielschichtig ist und schöne Melodien beinhaltet. Außerdem gefällt mir die Geschichte. Ich würde diesen Titel wählen.

Im Moment ist eurer Homepage zu entnehmen, dass eure Frühjahrs-Tour leider gecancelt wurde. Schade für diejenigen, die sich nun mit neuer Veröffentlichung auf neue Gigs mit euch gefreut haben. Wie kam es dazu?

Leider hat unsere Booking Agentur Konkurs angemeldet. Somit hatte sich das mit der Tour erledigt, was für uns wirklich sehr schlimm ist. So kurzfristig konnte man natürlich nichts anderes für diesen Zeitraum auf die Beine stellen und jetzt hängen wir etwas in der Luft, mit neuem Album und ohne Tour. Das ist nicht gerade optimal. Trotzdem werden wir natürlich versuchen in vielen Gegenden Konzerte zu geben, wenn man uns die Chance dazu bietet.

Black Messiah

Wo und wann kann man euch in 2012 trotzdem Live und in Farbe erleben?

ZAGAN: Wir sind dieses Jahr auf dem "Zwergenaufstand", dem "Hörnerfest", dem "AAARGH-Festival", dem "Pagan Border War" und sicher noch auf einigen anderen Festivals. Ich denke es wird sich noch einiges ergeben.

Wird es trotzdem eine nachgeholte Black Messiah-Tour geben?

Das weiß ich noch nicht. Wir sind ja auch alle berufstätig und müssen schauen, wie es klappt. Falls das der Fall sein sollte, wird diese aber dann erst im Herbst stattfinden können. Aber das ist noch Zukunftsmusik und noch nicht aktuell. Ich hoffe natürlich, dass es klappt und die Götter mit uns sind.

Welche größeren Pläne stehen für Black Messiah im Jahre 2012 noch an?

Ich denke die Pläne sind eigentlich Jahr für Jahr die selben. Viele Konzerte spielen, Spaß an der Musik und der Sache haben, einige Festivals besuchen und neue Songs schreiben. Wenn das immer so klappt, sind wir alle sehr zufrieden.

Könnt ihr uns auch versichern, dass die letzte Reise von Blach Messiah lang noch nicht begonnen hat und der Albumtitel kein böses Omen ist?

Das will ich hoffen. Der Albumtitel hat wirklich nur was mit der Naglfar-Saga zu tun, die wir so genannt haben. Wir haben nicht vor, den Laden dicht zu machen. Wir wollen noch lange Musik machen und auch noch einige Alben aufnehmen. Wenn wir dann alle gesund bleiben, sollte uns das dann auch gelingen. Ich kann also beruhigen. Wir machen weiter und sind sicher noch nicht am Ende.

Und was wünscht man sich für seine eigene Band noch insgeheim, wenn man schon so viele Jahre Musik macht und gewisse Erfolge bereits erleben durfte?

Ich würde gerne irgendwann einmal in Amerika touren. Gerne auch in Südamerika, weil es da viele Leute gibt, die unsere Musik hören. Leider ist das finanziell sehr schwierig. Es geht mir dabei nicht darum Geld zu machen, man müsste nur plus minus Null da wieder raus kommen. Das wäre sicher ein Abenteuer. Ich wäre sofort dabei.

Dann hoffen wir mal, dass die Götter euch auch in dieser Sache unterstützen werden und drücken uns, den Fans und euch die Daumen, dass die Tour-Pläne für dieses Jahr doch noch nicht ganz verworfen werden müssen

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