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24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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PREY FOR NOTHING
Gegen Gut und Böse
Moritz Beese
preyfornothing.com


Mit ihrem Debüt auf Massacre Records begeistern die Israelis von PREY FOR NOTHING nicht nur progressive Metal Fans. Über Metal in Israel, die Philosophie hinter den Texten und die Schwierigkeiten auf Tour zu gehen.

Prey For Nothing

Hallo PREY FOR NOTHING. Danke für eure Zeit ein paar Fragen zu beantworten. Mit wem hab ich die Ehre und wo bist du im Moment?

Hey Moritz, hier ist Yotam "Defiler" Anvi von PREY FOR NOTHING. I mach gerade 30 Minuten Mittagspause (ich arbeite als wissenschaftlicher Berater am MIT in Haifa) und mir gehts gut. Es ist mir eine Freude das Interview mit dir zu machen.

Gratulation zu eurem neuen Album! Das hat mich ja echt umgehauen. Seid ihr denn jetzt auch noch zufrieden mit eurem Werk so ein paar Monate nach dem Release von "Against All Good And Evil"? Ich denke ihr seid alle Perfektionisten, oder?

Ich glaube ich kenne keine Band, die 100% mit ihren musikalischen Leistungen zufrieden ist. Für meinen Teil hätte ich ein paar Gesangsparts auf "Against All Good And Evil" aggressiver und giftiger machen können, nen bisschen direkter, aber das ist natürlich nix was der Platte richtig doll geschadet hat.

Es scheint als seit ihr alle große DEATH Fans. Ist dieser Vergleich für euch ein Kompliment, eine Bürde oder einfach nur ein vollkommen überflüssiger Vergleich?

Ich persönlich nehme das als Kompliment auf. DEATH war einer meiner Lieblingsbands und Chuck war der Sänger und Musiker, der mich am meisten beeinflusst und inspiriert hat, Texte zu schreiben und Musik zu machen. Allerdings sind wir keine Klon Band von DEATH, denke ich. Wir haben da ein paar Grenzen durchstoßen, die in der Diskographie von DEATH nie übertreten worden sind. Dadurch haben wir auf alle Fälle eine eigene Stimme in der Metal Szene. Ich täusche natürlich nicht vor, dass wir die originellste Band der Welt sind, aber wir bringen schon sehr verschiedene Metal Stiele in unserer Musik zusammen, wie z.B. progressives aber auch thrashiges. Wenn man das berücksichtigt, ist DEATH natürlich immer noch unser größter und auch am ehesten erkennbarer Einfluss und in ihren Schuhen zu wandeln ist sicherlich nix als eine Ehre.

Und was denkt ihr über die ganzen ReReleases von DEATH die jetzt den Markt überschwemmen?

Du meinst die Re-Masterten Platten von damals? Ha, das ist doch voll geil. Es ist doch wunderbar die ganzen alten Sachen mit einem amtlichen, klaren Sound zu hören. Und endlich können wir auch verstehen, was der Bass eigentlich gespielt hat, weil der Sound endlich aus dem Mid Bereich rausgeholt worden ist, haha. Ich denke es ist super, dass das Erbe dieser Band weiterlebt und Leute, die damals noch gar nicht die Möglichkeit gehabt haben deren Live Gigs zu sehen, heute die Band mit den Remasterten Platten neu entdecken können. Vor ein paar Jahren haben CYNIC ja auch ihr "Focus" Album remastert, was für die neue Generation an Metal Hörern ja essentiell wichtig ist, da der Sound damals so lahm und verwässert klang, dass man das Album nie mit den Produktionen von heute vergleichen konnte. Im Falle der DEATH Alben ist es natürlich was anderes, weil die sich auch sehr gut verkaufen lassen, aber so lange die Schuldiener Familie ihre Kohle davon bekommt, ist das komplett in Ordnung für mich.

ORPHANED LAND scheinen heutzutage die bekannteste Metal Band aus Israel zu sein. Wie wichtig ist das für die gesamte Szene in Israel und wie wichtig ist das für PREY FOR NOTHING, da Tal Behar nun ja bei euch spielt?

Tal war ja nur deren Tour Gitarist, als ihr eigener nicht konnte. Er war nie wirklicher Teil der Band, so ungefähr wie Ralph Santolla, der nie wirklich bei DEATH war, obwohl er ein paar Touren mitgespielt hat. ORPHANED LAND ist, nach ihrem langem Break, 2001 zur größten Metal Band in Israel geworden, aber Tal hat nur ein paar Touren in Europa und den USA mitgespielt, die Israelischen Fans haben ihn also nie mit ORPHANED LAND spielen sehen, sodass wir nie wirklich in Zusammenhang mit den Jungs gebracht worden sind. Tal war aber auch Mitglied der Thrash Metal Band BETRAYER in den 90er. Die fand ich persönlich ja auch sehr geil und hab deren Demos und EPs oft gehört. Als er dann zu uns stieß, war das schon sehr aufregend für mich. Aber wenn wir das alles mal bei Seite lassen, ist Tal einfach ein sehr erfahrener Spieler und sein Beitrag zu unserem musikalischem Krieg und unserem Sound, hat uns aggressiver und kantiger gemacht.

ORPHANED LAND haben zum Beispiel auch eine Compilation rausgebracht mit dem Titel "Oriental Metal". In Interviews erzählen sie oft über die Szene in Israel und sind auch sehr häufig in Europa unterwegs. Sind die Herren so zu sagen die Israelischen Botschafter wenn es um Metal geht? Und welchen Nutzen zieht ihr daraus?

Ich denke ORPHANED LAND sind für den israelischen Metal das was METALLICA für den Metal in der Welt sind. Sie sind ohne Zweifel die erfolgreichste Band und haben ultra talentierte Musiker an Bord und sind auch zu Vorreitern eines bestimmten Genres geworden. Wie METALLICA, wurden ORPHANED LAND immer progressiver und vertieften sich in ihren Sound, aber das Folgende war auch klar: Auch Nicht-Metalheadz hörten sie und sie sahen sich nicht länger nur als Metal Band, was ja auf beide Bands gleichermaßen zutrifft. Und wenn man die größte Band ist, wird man auch schnell zum Botschafter dieses Genres, ob sie das nun wollen oder nicht. Gut für uns, nahmen ORPHANED LAND das auch gerne so an. Also werden sie hier als Überbringer das Metals gesehen, keine Frage. PREY FOR NOTHING haben davon aber eigentlich nix, was auch gut so ist. Wir wollen nicht als Band gesehen werden, die mit dem Tour Gitarristen von OPHANED LAND spielt. Ungefähr so wie EXODUS nicht als Band in Erinnerung bleiben wollen, in der Kirk Hammett gespielt hat bevor er bei METALLICA einstieg. Ich denke PREY FOR NOTHING haben sich einen Namen und einen Platz als eigenständige Band erspielt. Natürlich sind wir gute Freunde von den Jungs von ORPHANED LAND (Ihr Gitarrist Mati, war als Gastmusiker auf ein paar Konzerten von uns am Start und Kobi Fahri, der Frontmann der Jungs, hat uns viele Tipps gegeben im Laufe der Zeit, wofür wir sehr dankbar sind, Auch Yosi Sassi, ihr unglaublicher Gitarrist und Multi Instrumentalist hat uns sehr unterstützt.) Aber PREY FOR NOTHING stehen auf alle Fälle auf eignen Beinen.

Kannst du uns ein bisschen über die Texte und dern Titel von "Against All Good And Evil" erzählen?

Die Texte behandeln verschiedenste Dinge von Philosophie bis hin zu alten Protest Songs. Wenn ich Texte schreibe, versuche ich immer empfindliche Dinge anzusprechen, die zwar angemessen für Metal Songs sind (wie zum Beispiel Anti Technologie Ideologien oder auch Anti Hippster Songs) aber eben auch nicht zu oft behandelt worden sind. Ich denke das einige Songs, gerade die beiden Titel Tracks, die mit eher existenzialistischen Blick daher kommen, für die einen dies und für die anderen das bedeuten können, aber ich will nicht allzu kryptisch seien. Ich bin schon sehr von Friedrich Nietzsche beeinflusst. Durch die Beschäftigung mit seinen Thesen konnte ich auch einige schwierige philosophische Konflikte aufzeigen. Ist der Mensch von Natur aus gut oder böse? Und wenn er gut ist, ist dann die Unterdrückung der Gesellschaft, in der der Mensch seine Freiheit und seine Grundrechte aberkannt bekommt, böse? Oder anders herum gefragt: Wenn die Gesellschaft die Schwäche des Einzelnen unterdrückt, in dem sie ihm Moral und Werte gibt, ist das dann gut? Der Song führt die Antwort in die Richtung, dass es beides nicht ist. Die Frage in der heutigen Gesellschaft, ob etwas gut oder böse ist, ist sinnlos, weil sie relativ ist. Und alle nicht relativen Dinge haben in der Post Modernen Welt keinen Platz, wie zum Beispiel Religion, alte Sichtweisen von Gott oder auch Gerechtigkeit. Das mahlende Rad zerstört das Gute und das Böse gleichmäßig und ist eigentlich der Ablauf der Zeit der beides obsolet macht.

Wo habt ihr denn eigentlich aufgenommen und wie arbeitet ihr im Studio?

Wir haben das Album im November 2010 im polnischen Hertz Studio aufgenommen. Wir sind nach Polen geflogen, um wesentlich aggressiver und intensiver zu klingen, als es in Israel üblich ist. In den Hertz Studios haben viele extreme Metal Bands wie BEHEMOTH oder DECAPITATED aufgenommen, und daher wussten die Jungs genau was wir brauchten. Unser Debüt Album konnten wir 2007 mit Jacob Hansen aufnehmen, aber dass die beiden Brüder in den Hertz Studios so streng waren, konnten wir nicht ahnen. Nach 17 Tagen und viel viel Blut, Schweiß und Tränen konnten wir das Album dann auch genau in time fertig stellen. Auf den ersten Blick war die Arbeit im Studio einfach. Nachdem wir das Schlagzeug eingespielt hatten, folgten die Gitarren als Basis, danach Gesang, Bass und die Lead Gitarren. Am Ende hatten wir 70 Minuten plus im Kasten. Das haben wir dann auf 70 Minuten gekürzt, was für extremen Metal immer noch ganz schön lang.

Wie schreibt ihr denn eigentlich eure Songs? Jammt ihr oder komponiert ihr?

Alle bis auf einen Song sind von den verschiedensten Schreibern komponiert worden. Yaniv und Tal schrieben ihre Riffs und Iftah hat dann seine Drums drauf gelegt. Der Bass, der Gesang und die Soli kamen danach. Bei "Unmake You" hat allerdings Tal alles konstruiert und Yaniv dann noch mal um arrangiert. Ich denke auch, dass dieser Song etwas außen vor steht, weil er der am modernsten klingende ist. Natürlich passt der super gut zu dem Rest, keine Frage.

Benutzt ihr denn im Studio andere Instrumente, Amps etc pp. als auf der Bühne?

Klar wir haben in Polen die Sachen aus dem Hertz Studio benutzt, was hauptsächlich Mesa, Diesel und Marshall waren, wenn ich mich richtig erinnere. Auf der Bühne haben wir unsere Amps und das sind welche von Peavy und Engel. Unsere Gitarren hatten wir natürlich mit nach Polen genommen, das sind also dieselben wie auf der Bühne.

Prey For Nothing

Die großen Plattenfirmen haben ja unlängst verkündet, dass sie die CD Produktion in naher Zukunft komplett einfrieren werden. Denkt ihr, dass die kleineren Labels das mitmachen? Was ist eigentlich mit Vinyl?

Ich denke, dass die Metal Labels noch eine Weile warten werden, bevor sie auf die komplett digitale Vermarktung umsatteln. Metal hatte seine Hochphase in den 80er und 90er und deswegen herrscht hier immer noch eine Art nostalgische Atmosphäre. Die alten Fans wollen einfach was in der Hand halten, weil sie immer noch drauf stehen, die Verpackung zu öffnen, das Booklet zu lesen und was im Schrank stehen zu haben. Das ist wie ein Ritual. Das fühlt sich einfach gut an. Allerdings ist das bei den Bands, die erst in den letzten Jahren bekannt geworden sind anders. Nicht viele Fans von LAMB OF GOD oder DISTURBED wollen noch ne CD haben. Denen reicht die Musik, die sie irgendwo her bekommen, ob legal oder nicht, macht denen nix aus. Die haben einfach andere Erfahrungen mit dem Konsum von Musik als die alte Garde. Sobald die dann schwinden, wird sich auch der Markt für Metal in die Richtung der großen Labels orientieren.

Ich weiß, dass es sehr teuer für euch ist nach Europa auf Tour zu kommen. Wo tourt ihr denn eigentlich bei euch in der Gegend noch so, neben Israel? Und wo seht ihr den größten Markt für PREY FOR NOTHING?

Leider hatten wir bis jetzt wirklich nicht die Möglichkeit außerhalb von Israel zu touren, aber wie denken schon, dass Deutschland und Österreich die erste Wahl wären, wenn wir den Markt als Indikator für eine gute Tour nehmen würden. Wir stehen allerdings in Kontakt mit ein paar Agenturen, um eventuell dieses oder nächstes Jahr rüber zu kommen.

Also wird es eine Chance geben euch bald in Deutschland zu sehen. Vielleicht organisiert ihr einfach eine Tour mit ORPHANED LAND, SALEM und PREY FOR NOTHING?

Das wäre natürlich der Ober Knaller. Beide Bands, SALEM und ORPHANED LAND sind sehr gute Freunde von uns und haben uns beide sehr inspiriert, als Gründungsväter des Israelischen Metals sozusagen. Und mit denen unterwegs seien zu dürfen wäre schon eine Ehre. Aber als kleinster Fisch im Netzt, müsste da mal jemand bei ORPHANED LAND anfragen, um so was möglich zu machen. Aber auch ohne diesen Plan wird Deutschland definitiv unser erster Tour Stopp seien.

Vielen Dank dann an dich, Yotan für die ausführliche Beantwortung dieser Fragen und der Opferung deiner Mittagspause. Ich hoffe euch demnächst hier irgendwo begrüßen zu können. Die letzten Worte sind natürlich deine.

Keep things metal! Metal kennt keine Volkszugehörigkeiten, keine Form oder Grenzen. Lasst euch nicht von Politikern sagen, wie ihr zu denken habt und denkt dran, dass auch in elenden Löchern wie Israel die Leute ihr Matten zu KREATOR oder BLIND GUARDIAN schwingen. Hails and Iron Up!

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