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20. Mai 2013 - Uhr
 
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KILLL
Es werde Licht!
David Lang
www.killl.org

Selten hat mich eine Band derart beeindruckt, wie es zuletzt die norwegischen KILLL taten. Ihre Mischung aus maschinell-monotonem Krach und extremem Metal, in Verbindung mit einer psychedelisch-aggressiven Lightshow ist ziemlich einzigartig. Ich bin kein großer Interview-Freund, doch in diesem Fall wollte ich ein wenig Licht (hehehe) ins Dunkel bringen. Are Mokkelbost, verantwortlich für Bass, Synthesizer, Gesang, Sampler und Effekte stand mir Rede und Antwort.

Hey Killlers! Wie kamt ihr auf die Idee hinter dem ganzen Konzept und was bedeutet es für euch?

Killl

Unser Drummer, Martin Horntveth, hatte die Idee zur Band und er erzählte einem Freund davon, der zu der Zeit gerade ein Festival vorbereitete, das Ultima. Dieser Freund meinte, er würde uns buchen, würden wir die Band gründen, also taten wir es. Alles entstand in ca. 3 Tagen. KILLL sind ein Nebenprojekt, und als solches muss man effektiv arbeiten, wenn es ans Songwriting geht. So entwickelte sich die Musik langsam, durch das Spielen einiger Konzerte im Jahr und durch das unmittelbare Proben vor Shows. Der visuelle Aspekt der Band entwickelte sich dann erst im Jahr 2005 mit dem Backdrop, den LED-Lichtern und den bunten Stroboskopleuchten aus der Zusammenarbeit zwischen mir und unserem Lichtmann Kyrre (der Mann heißt Kyrre...? Wer die Show gesehen hat, wird jetzt auch schmunzeln müssen, Anm. des Verf.).

Warum benutzt ihr ein drittes "L" in eurem Namen? Ist das nur für die Optik oder steckt eine tiefere Bedeutung dahinter?

Keine tiefere, nur um uns von der schwedischen Black Metal Band Kill abzugrenzen und um den Einsatz unseres Lichtmanns als Bandmitglied zu vermerken.

Ich kann mir vorstellen, dass einige Leute zu euren Shows kommen, die womöglich noch nie mit eurem Stil in Berührung gekommen sind. Die Gesichter dieser Leute müssen unbezahlbar sein. Wie sind die Reaktionen im Publikum normalerweise?

Wie ein aufgeschrecktes Reh auf einer dunklen Straße im Winter, das ins Fernlicht sieht und unfähig ist, sich zu bewegen.

Müssen Besucher eurer Shows eine Verzichtserklärung oder Ähnliches unterschreiben, so dass ihr nicht für mögliche psychologische Schäden haften müsst?

Ha ha! Nein, aber wir sind rechtens dazu verpflichtet, Schilder aufzuhängen, die darauf hinweisen, dass wir die Strobos sehr umfangreich einsetzen. Das ist allgemein üblich in Clubs, denn epileptische Anfälle können schnell ausgelöst werden.

Wie kann ich mir euren Songwriting-Prozess vorstellen? Euer Material ist nicht unbedingt das, was ich mir normalerweise anhöre und um ganz ehrlich zu sein, habe ich so etwas wie eure Musik vorher noch nie gehört.

Das nehme ich als ein Kompliment. Wir versuchen ziemlich einfache und entgegensetzende Elemente in dem Prozess zu verarbeiten und so aufzubauen. Ein Song besteht z.B. aus zwei Riffs, die in Oktaven hin und her transponiert werden. Ein anderer basiert auf einem Drum-Sample, das Schritt für Schritt zerstückelt wird, bis es komplett zersplittert. Dann fügen wir weitere Elemente hinzu. Zudem haben wir eine leicht ungewöhnliche Anordnung, in der alle Instrumente durch mein Mischpult und infolge dessen auch durch meine Effekte laufen. Wir haben auf der Bühne keinerlei Sound, wie beispielsweise den von Verstärkern oder akustischen Drums, was es uns ermöglicht, kurze, vakuum-ähnliche Blöcke der Stille während des Sets zu erschaffen, sowie den gesamten Sound zu verzerren oder komplett zu zerschneiden.

In den eher konventionellen Momenten (wenn man das in dem Fall so nennen kann) eurer Kunst, erinnert ihr mich an Red Harvest auf ziemlich abgefahrenen Drogen. Welche Bands haben euch tatsächlich beeinflusst? Bitte erweitert meinen Horizont!

Wir haben in Bezug auf KILLL untereinander nicht oft über andere Bands gesprochen, eigentlich unterhalten wir uns über komplett andere Musik, wenn wir zusammen sind. Die Hälfte der Band spielt ansonsten sogar überhaupt keinen Metal, wenngleich wir auch alle Metal hören. Die anfängliche Idee war es, aus KILLL eine Live-Kombination aus meinem Solo-Projekt Single Unit und Martins Solo-Projekt, welches unter seinem Namen läuft, zu machen, angereichert mit dem Hardcore-Gitarrenstil von Erlend (git.) und den Metal-Riffs von Espen (git.). Das ist immer noch die zentrale Idee hinter KILLL.

Lasst uns nochmal auf die Live-Shows zu sprechen kommen. Sind diese Shows nicht auch ein extremer Angriff auf eure Sinne? Ich kann mir vorstellen, dass sie euch komplett ausgebrannt zurück lassen, oder haben sie womöglich sogar einen kathartischen Effekt auf euch?

Es hat eine Weile gedauert, ehe man sich daran gewöhnt hat. Die Intensität hin zu nehmen und versuchen, nicht davor zurück zu weichen, machte es leichter, damit umzugehen, das machte es sogar weniger Ekel erregend (im Sinne von Übelkeit, Anm. des Verf.). Es wird zu einer sehr physischen und wundervollen Sache, als würdest du in die Ströme der Musik eintauchen und tausende elektrischer Synapsen würden unaufhörlich ausgelöst. Ich muss zugeben, dass es mich ein wenig süchtig macht, so dass es schon enttäuschend ist, wenn wir plötzlich einmal weniger Lichter in der Show haben. Wenn du deine Raumwahrnehmung verlierst ? das ist das Beste.

Killl

Hattet ihr, oder besser, eure Fans bereits Nervenzusammenbrüche während einer Show?

Nervenzusammenbrüche nein, Übelkeit ja. Die Leute sind aber in der Regel sehr glücklich, wie ein Masochist nach einer Tracht Prügel.

Wie waren die Reaktionen der Presse bisher?

Genau wie die Musik polarisiert; kein Zwischending. Höchstpunktzahl oder eben die niedrigste, was ich aber ebenfalls als Kompliment sehe.

Zunächst war ich verstört, ja ausgezehrt, doch letztlich war ich unwahrscheinlich fasziniert. Wann werden die deutschen Fans euch live sehen und damit ihre Chance auf einen Kollaps erhalten?

Es gibt gerade keine Pläne, nach Deutschland zurück zu kehren. Der einzige geplante Gig ist nächstes Jahr am 20. April im Issue Project Room (Location in Brooklyn, Anm. Des Verf.). Wir lieben es allerdings in Deutschland zu spielen. Ihr und das östliche Europa scheint immer eine gute Wahl zu sein. Eine unserer besten Shows war in einem Keller in Ravensburg, dort war zwar die beschissenste P.A., doch das beste Publikum. Berlin ist auch immer gut.

Gibt es noch irgendwas, das die Leute über euch wissen sollten? Etwas, das manch einer nicht erwarten würde, oder etwas, das ihr schon immer mal einem kleinen Webzine sagen wolltet, das euch unterstützt?

Hört euch unsere andere Musik an, sie ist weit über das Genrespektrum verteilt. Martin schreibt gerade Orchestermusik-Partituren für einen Film und spielt nebenbei bei Jaga Jazzist. Mein Bruder Erlend ist mit seiner Popband Montée regelmäßig in den norwegischen Charts, oder produziert Hip Hop für andere Künstler. Espen entwickelt ein wirklich cooles, elektronisches Soloprojekt namens Pseen, bei dem er analoge Synthies und Drum Computer benutzt und ich mache konzeptionelle, elektronische Musik für ein audio-visuelles Kunstprojekt. Das, nur um ein paar Dinge zu nennen, es gibt noch eine ganze Menge mehr.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast!

Ich danke dir!

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