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24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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LENINGRAD COWBOYS
Verrückte Finnen, Wodka und Rock'n'Roll
Stephan Mertens
www.leningradcowboys.fi


Die wohl schrägsten finnischen Rock 'n' Roll Exporteure meldeten sich im Oktober mit ihrer neuen, partytauglichen Scheibe "Buena Vodka Social Club" zurück. Nach über einer Dekade ohne Veröffentlichung von Eigenkompositionen, präsentierte die Band mit großer Lässigkeit, elf überzeugende Songs, die durch zahlreiche gute Ideen und einem hohen Spaßfaktor überzeugen können. Bassist Timo Tolonen beantwortete meine Fragen zur Bandhistorie, der Entstehung des Albums und Pläne für die Zukunft.

Leningrad Cowboys

Die LENINGRAD COWBOYS gibt es nun schon seit Ende der 80er Jahre. Als Band auf der Suche nach dem Rock'n' Roll seid ihr zum ersten Mal in Aki Kaurismäkis Kultfilm "Leningrad Cowboys Go America" international in Erscheinung getreten. War dies die Geburtsstunde der Band, oder haben die damals aktiven Mitglieder schon vorher zusammen Musik gemacht?

Die LENINGRAD COWBOYS wurden ganz zufällig als Nebenprojekt der legendären, finnischen Punk-Band THE SLEEPY SLEEPERS ins Leben gerufen. Nach dem ersten LC-Film wurde dieses Projekt nach und nach beliebter und der Rest ist Geschichte. Die meisten ursprünglichen Mitglieder der COWBOYS haben bei THE SLEEPY SLEEPERS gespielt, und manche waren als Roadies für die Band tätig.

Nach den beiden Spielfilmen sind weitere Konzertmitschnitte veröffentlicht worden, könnt ihr euch vorstellen, noch einmal in einem richtigen Kinofilm mitzuwirken?

Na klar! Es gibt verschiedene Pläne um wieder zurück auf die Leinwand zu kommen. Ich hoffe, ein dritter Teil des Films kann eines Tages realisiert werden, im Moment sind wir allerdings voll darauf konzentriert auf Tournee zu gehen, Musik zu machen, und eine Menge Spaß zu haben. Wir waren schon immer eine visuelle Band und haben Pläne für einen Konzert-Film, Musikvideos und Kurzfilme. Bis Ergebnisse folgen, kann es jedoch noch dauern, wir sind nicht dafür bekannt, unsere Ideen besonders schnell umzusetzen.

Ihr habt euch in erster Linie weltweit einen Namen durch die ausgefallenen Frisuren und Klamotten gemacht. Ist es da nicht schwer, als gute Musiker ernst genommen zu werden?

Überleg mal, warum sollte jemand Schuhe in Größe 133 tragen und sich die Haare so von der Stirn abstehen lassen, wenn man ernst genommen werden wollte? Ein großer Teil unserer Aufgabe ist es, Entertainer zu sein und die Leute im Publikum zum Lachen zu bringen. Ich denke nicht, dass wir zu ernst genommen werden sollten...

Kommen wir zum neuen Studiomaterial. Wenn man sich euer Album "Buena Vodka Social Club" anhört, könnte man meinen, ihr habt nie was anderes gemacht, als Songs zu schreiben. Wie habt ihr diesen Prozess nach all den Jahren als Live-Band erlebt?

Neues Material zu schreiben war eine gute Herausforderung für uns. Grundsätzlich hatten wir mit unserem Produzenten Marzi Nyman eine gemeinsame Vision, wie die Mischung auf dem Album aussehen sollte. Wir wollten uns nicht in unseren Ideen eingrenzen oder versuchen, bei jedem Song bewusst einen Hit zu landen. Stattdessen haben wir beschlossen, einfach loszulegen und zu schauen, was dabei rauskommt. Nach ein paar Sessions im Proberaum, kristallisierten sich konkrete Ideen für Songs heraus und Marzi wählte diejenigen aus, an denen wir intensiver arbeiteten. Er schrieb auch ein paar abgefahrene Nummern speziell für dieses Album und ich denke, das Ergebnis ist ein recht interessanter Cocktail geworden.

Als erstes ist mir beim Hören der CD aufgefallen, dass die Anzahl der einfließenden Stilrichtungen nahezu unzählbar ist. Die Stücke klingen ziemlich unterschiedlich, wie auf einem guten Sampler. Wie genau gestaltet sich die Entwicklung der Songs bei einer dreizehnköpfigen Band?

Wir fanden es am effektivsten, uns zuerst der Rhythmus-Sektion zuzuwenden. In den meisten Fällen hatten wir schon eine klare, stilistische Idee vom Song als wir ins Studio gingen. Nachdem der Grundrhythmus eingespielt war, fügten wir Bläser und die Gesangs-Parts hinzu. Nachdem das erledigt war, haben wir natürlich alles noch mit dem Akkordeon verunstaltet.

In der Singleauskopplung "All You Need Is Love" trifft Blues Rock auf orientalische Klänge und einen poppigen Refrain, wie kommt man auf so eine abenteuerliche und unterhaltsame Mischung?

Leningrad Cowboys

Rückblickend ist es ziemlich schwierig, den gesamten Prozess zu beschreiben. Im Grunde war es ein sehr gemeinschaftlicher Weg, diese Melodie zu arrangieren. Wir haben einfach viele verschiedene Möglichkeiten ausprobiert, und nach dem Hören der unterschiedlichen Versionen wussten wir, welche die richtige ist. Beim Abmischen des Albums hatten wir noch ein paar Optionen, wie zum Beispiel bei der Gestaltung des Refrains. Wir hatten den Plan, harte und funky Gitarrenklänge zu benutzen, doch wir entschieden uns schließlich dafür, die Melodie mit einer zusätzlichen Akustikgitarre aufzulockern

Die große Europa-Tour startet Ende dieses Monats und wir sind gespannt, was genau den Fan auf den kommenden Konzerten erwarten wird. Wie groß wird in etwa der Anteil der aktuellen Songs sein?

Es ist toll zu hören, dass Ihr euch darauf freut, uns live zu erleben. Wir sind ebenfalls gespannt, wie es wird unser neues Material auf der Bühne zu präsentieren. Es wird eine energiegeladene Show mit ein paar besonderen Gästen, wie E. A. Presley und Mr. Rock Lobster. Jeden Abend werden wir etwa 5 oder 6 Songs vom neuen Album spielen. Um zu sehen, welche vor Publikum am besten funktionieren, werden wir verschiedene ausprobieren. Das wir auch klassisches LENINGRAD COWBOYS-Material spielen, versteht sich von selbst.

In der Geschichte der LENINGRAD COWBOYS gab es viele Wechsel in der Besetzung, habt ihr noch einen Überblick, wie viele Musiker insgesamt im Laufe der Jahre Teil des Ganzen waren? Besteht zu dem ein oder anderen noch Kontakt?

Um ehrlich zu sein, habe ich nie mitgezählt. Selbst wenn mich jemand fragt, wie viele Leute sich gerade auf der Bühne befinden, muss ich auch erst mit den Fingern nachzählen... Wir haben guten Kontakt zu einigen ehemaligen Bandmitgliedern und machen sogar hin und wieder Musik zusammen. Manche besuchen immer noch unsere Konzerte und springen sogar auf der Bühne ein, wenn jemand von der regulären Besetzung krank ist.

Leningrad Cowboys

In der Öffentlichkeit hat es den Anschein, dass innerhalb der Band eine besonders familiäre Stimmung herrscht, kannst du das bestätigen?

Ja, das kann ich. Wir sind untereinander alle gut befreundet, aber das geht noch über die eigentliche Band hinaus. Es zieht sich vielmehr durch die komplette Mannschaft vor und hinter der Bühne. Mit Freunden zu arbeiten macht vieles einfacher und erleichtert es auch, über Schwierigkeiten und Probleme zu sprechen.

Habt ihr schon konkrete Pläne für die Zukunft? Mich persönlich würde es sehr freuen, wenn ihr mit der nächsten Studio Veröffentlichung nicht ganz so lange warten würdet.

Wir planen bereits "Buena Vodka Social Club - Part 2". Wir werden sehr bald neues und interessantes Material schreiben. Darüber hinaus wollen wir nächstes Jahr ein Weihnachtsalbum zusammen mit dem "Rote Armee Chor" veröffentlichen. Allzu lange wirst Du also nicht warten müssen!

Ich wünsche euch viel Spaß und gute Konzerte auf der kommenden Tour. Vielen Dank für die ausführlichen Antworten.

Thank you very many! Ich hoffe, dass ihr alle zu unseren Konzerten kommt.

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