Navigation
                
23. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Band
Titel
Autor
Homepage
>> Als E-Mail versenden
POWERWOLF
Dem Wolf auf der Fährte
Matthias Decklar
www.powerwolf.net


Die rumänischen Saarländer haben sich in den letzten Jahren zu einer der feinsten Adressen des melodischen Metal in deutschen Landen gemausert und auch die vierte Scheibe "Blood Of The Saints" knüpft nahtlos an den starken Vorgängern an. Den Mut zu einer Headliner-Tour hatte man im Lager der Wölfe noch nicht, vielleicht war es auch zunächst geschickter mit den angesagten Sabaton und der Szenegröße Grave Digger gemeinsame Sache zu machen, um ein möglichst großes Publikum zu erreichen. Einer der Greywolf Brüder, Charles stand Rede und Antwort.

In wie weit habt ihr eine Erwartungshaltung an das neue Album, was Reviews und Verkaufszahlen angeht?

Powerwolf

Was Reviews angeht: das ist uns eigentlich Recht egal. Natürlich lesen wir lieber gute Reviews, aber bisher war es im Allgemeinen immer so, dass der Wolf polarisiert hat. Es gibt immer Leute, die uns lieben, aber auch immer Leute die uns hassen. Und das schlägt sich auch in Reviews nieder. Wir schreiben die Songs eh für uns und scheren uns in der Zeit des Songwritings nicht darum, was Kritiker später denken könnten. Natürlich ist es dann, wenn die Platte draußen ist, schön, gute Reviews zu bekommen und vor allem von den Fans zu hören, dass sie zufrieden sind. Aber wie gesagt, in der Zeit in der wir Songs schreiben, denken wir nicht darüber nach. Was die Verkaufszahlen angeht, weißt du eh nie, was passiert. Der Markt ist so instabil, da kannst du gar keine Prognosen wagen. Allerdings war der Charteinstieg mit "Blood Of The Saints" schon ne geile Sache. Wir sind unseren Fans sehr dankbar, dass sie unsere Platten noch kaufen und nicht im Netz runterladen. Das ist heutzutage echt nicht mehr normal und ich weiß das echt zu schätzen.

Ist dir schon aufgefallen, wie viele Bands außer euch und Wolf nun den Namen Wolf irgendwo im Bandnamen untergebracht haben? Früher war das eher eine Sache im Black Metal. Wieso ist der Wolf in Sachen Bandnamen und Cover im Metal so beliebt deiner Meinung nach?

Keine Ahnung warum viele Bands sich für einen "Wolf"-Namen entscheiden. Wir hatten uns damals auf Grund von Attilas Background in Verbindung mit unserer Musik für Powerwolf entschieden, aber für andere Bands kann ich nicht sprechen.

"Lupus Dei" war ein wunderbares Album, das euch viele Türen geöffnet hat, was Medienpräsenz oder Festivals angeht. Beim Nachfolger "Bible Of The Beast" habt ihr bewusst noch dicker aufgetragen, was Bombast und Chöre anging. Dafür musstet ihr auch Kritik einstecken. Ist "Blood Of The Saints" der geforderte Mittelweg oder wolltet ihr nicht irgendwann den Blind Guardian/Manowar-Stempel tragen?

"Bible Of The Beast" war ganz bewusst ein over the top Album. Mehr ging einfach nicht. Hahaha. Vielleicht haben wir da ein bisschen zu dick aufgetragen, aber wir haben damit erreicht, was wir wollten: Wir haben polarisiert. Entweder es wurde geliebt oder gehasst. Das ist mir lieber als wenn Leute die Scheibe einfach nur nett finden. Bei "Blood Of The Saints" haben wir wieder einen Gang zurück geschaltet und mehr Wert auf die Atmosphäre gelegt. Wir wollten ja auch kein zweites "Bible Of The Beast" schreiben. Mit diesem Werk haben wir die Extreme ausgereizt und uns anschließend überlegt, was wir noch machen könnten. Klar, wir erfinden das Rad nicht neu, aber das war auch nie unsere Absicht. Wir versuchen in den stilistischen Grenzen soweit zu wandern wie möglich. Daher denke ich nicht, dass wir irgendwann so aufwendig werden wie Blind Guardian.

Thematisch habt ihr euch von Anfang an festgelegt und bewegt euch textlich ganz oft im mythischen Bereich von Glaube und Aberglaube. Gibt diese Thematik noch ein paar Alben her und vor allem, gehen euch nicht irgendwann die genialen Reime aus?

Das sehen wir von Album zu Album. Mein Bruder Matthew schreibt die Texte. Und ich denke, er wird doch noch einiges in Petto haben. Er ist ein unglaublich belesener Mensch. Und wenn uns in dieser Hinsicht die Ideen ausgehen, dann gibt es auch noch andere Themen, denen man sich widmen kann.

Aus beruflichen Gründen war das Touren bisher sehr schwierig für euch. Jetzt kommt ihr aber mit Grave Digger und Sabaton von einer längeren Reise. Seit ihr auf dem Weg ins Profifach oder nehmt ihr berufliche Auszeiten für die Musikkarriere jetzt in Kauf?

Definitiv nein. Wir wollen unseren Lebensunterhalt nicht mit der Musik verdienen. Wir wollen nicht in Zugzwang kommen, erfolgreich sein zu müssen, das würde dem Wolf das Genick brechen. Wir haben alles sehr loyale Chefs und Kollegen, so dass wir es immer geregelt bekommen, wenn eine Tour ansteht. Die einzig Leidtragenden sind wohl unsere Freundinnen und Frauen. Wenn der ganze Jahresurlaub für die Band draufgeht, bleibt halt manchmal keine Zeit für einen Urlaub zu zweit. Aber wir leben alle schon immer für unsere Musik und unsere Frauen stehen da auch hinter uns…

Als dritte Band in diesem Billing habt ihr sicherlich die Hoffnung, weitere Fans auf euch aufmerksam zu machen, denn 1000 Leute dürften schon drin sein. Reicht euer Status noch nicht für eine eigene Headliner-Tour in den gängigen Clubs, denn 30 Minuten Spielzeit werden euerem Anspruch doch eigentlich nicht mehr gerecht. Ihr habt Hits für mindestens 90 Minuten in der Tasche.

Powerwolf

Na ja, wir hatten jeden Abend 45 Minuten, das war schon okay. Ich denke eine Headliner Tour wäre auch drin, aber wenn du das Angebot bekommst auf so einer Tour zu spielen, dann kannst du nicht nein sagen. Die Resonanz auf diese Tour war überwältigend und hat uns ein gutes Stück weiter gebracht. Außerdem waren alle Bands super relaxt und es war einfach ein Riesenspaß. Dass uns die Tour weitergebracht hat, merken wir im Moment bei unseren Headlinershows, die momentan extrem gut besucht sind.

Wo würdest du die Band in fünf Jahren gerne sehen?

Na, da wo jeder seine Band gerne sehen würde. "Wacken", Main Stage beste Zeit, ausverkaufte Stadiontouren, goldene Platten, hahaha, aber im ernst: Wenn es so weitergeht wie bisher und wir uns von Platte zu Platte steigern können, sind wir sehr zufrieden. Wir wollen einfach mit möglichst vielen Fans unsere Messen feiern und ein bisschen was von der Welt sehen. Ist doch großartig. Einfluss darauf können wir eh nicht nehmen, also feiern wir jede Show als wäre es die letzte.

Wir befinden uns gerade nach der Festivalzeit. Welches der großen Festivals würdest du denn als Fan besuchen und welches hat euch denn als Band bisher am besten gefallen?

Das "Bang Your Head" ist als Besucher sowie immer großartig. Nicht zu groß, nicht zu viele Leute und vor allem keine 10000 Bands. In meinem Alter ist man auch Mal froh, wenn keine Dauerdröhnung wie in Wacken stattfindet. Man kann sich zwischen zwei Bands gut mit anderen Metalheads unterhalten, super. Weltklasse ist auch das "Bloodstock-Festival" in den UK. Eine ganz eigene Atmosphäre, ganz anders als hier in Deutschland. Das "Bloodstock" ist zusammen mit dem "BYH" das Festival, dass wir als Band am geilsten fanden.

Den Ansichten des Oberwolfs ist nichts hinzuzufügen. In der Hoffnung, dass im Frühjahr eine standesgemäße Headliner-Tour durch die deutschen Clubs stattfinden wird, verbleibe ich als Anhänger des Rudels in der Hoffnung, dass noch weitere geile Platten folgen werden und die Band ihre Bodenhaftung niemals verlieren wird.

<< vorheriges Interview
5BUGS - Neues Album, eigenes Label - alles eine [...]
nächstes Interview >>
BRAINSTORM - Leben und Leben lassen




 Weitere Artikel mit/über POWERWOLF: