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23. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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RADIO DEAD ONES
Berlin Calling
Sebastian Braun
www.radiodeadones.de


Auch wenn die Verbindung Punkrock und Berlin nicht grade neu ist und man immer denkt es msste alles schon mal dagewesen sein, spuckt die Hauptstadt immer wieder neue Punk-berraschungen aus. Die RADIO DEAD ONES haben dieses Jahr mit ihrem zweiten Longplayer "AAA" ein erfrischendes Punkrock Album verffentlicht. Wir hatten die Gelegenheit mit Snger Bev eine Runde zu plaudern.

Zuerst einmal: Glckwunsch zum gelungenen zweiten Longplayer "AAA". Neben dem Debtalbum "Radio Dead Ones" gibt es von euch einen Haufen Split-CDs, EPs etc. Immerhin gibt es euch ja auch schon eine ganze Weile. Gar nicht so einfach da durchzublicken, knnt ihr unseren Lesern mal erklren, welche Scheiben von euch wann und wie entstanden sind und was ihr als entscheidende Stationen der Band sehen wrdet?

RADIO DEAD ONES

2005 haben wir unsere erste Vinyl-Single "Out Of Tune" selbst rausgebracht. Es war uns wichtig nicht einfach'ne selbstgebrannte CD bei unseren Shows zu verkaufen, wir wollten unbedingt unseren Kram auf Vinyl gepresst haben. So haben wir dann bis 2008 einige Vinylverffentlichungen auf verschiedenen kleinen Labels gemacht. 6 Releases drften das gewesen sein, wenn ich mich recht erinnere. Dann kam 2008 unser selbstbetiteltes Album raus und da haben wir dann Vinyl und CD parallel rausgebracht auf Bad Dog Records. Das Album ist auf Vinyl mittlerweile nicht mehr erhltlich, genau wie auch smtliche Releases vorher. Wir waren immer Fans von limitiertem Zeug und so werden wir auch weiterhin speziell fr die Leute, die zu unseren Shows kommen und an physischen Tontrgern interessiert sind und nicht nur runterladen, spezielle Verffentlichungen in geringer Stckzahl rausbringen.

Wie wrdet ihr euch musikalisch selber beschreiben? Als Hrer zaubert man ja gerne mal die ein oder andere Schublade aus dem Hut um Bands irgendwo ein zu ordnen. Habt ihr so etwas wie Vorbilder, bzw. Bands und Musiker die euch inspirieren?

Wir haben kein Problem damit, wenn uns die Leute in irgendwelche Schubladen packen. Ich muss aber gestehen, dass ich mich damit schwer tue uns zu kategorisieren. Ja klar, das sagen die meisten Bands von sich - mir geht es aber gar nicht darum dass ich uns als vllig losgelst sehe von irgendeinem Background. Wir kommen ganz klar aus dem PunkRock. Es ist Nichts vllig neu und wir versuchen auch gar nicht das Rad neu zu erfinden. Das Ding ist, dass wir uns aber abgrenzen wollen von diesem ganzen neumodischen Kram, der keine Wurzeln hat, glattpoliert ist oder einfach vllig stumpf und ideenlos irgendwelche Klischees bedient. Leider sieht gerade die deutsche Musiklandschaft sehr trist aus und da wollen wir ganz bewusst rausfallen.

Punk ist ja auch ein gewisses politisches Statement. Wrdet ihr euch als Politisch bezeichnen?

Ja, wir sind politisch, wenn auch nicht vordergrndig. Es ist nicht angebracht unpolitisch zu sein, denn das trgt zur Verbldung bei. Wenn du Leute unterhalten willst, was du nun mal tust wenn du dich auf eine Bhne stellst und Platten machst, dann identifizieren sich die Leute mit dem was du tust - wenn du es gut machst. Wir wollen keine reine Unterhaltungs-und Gutelaune-Band sein. Politik gehrt zum Leben, auch wenn das kein leichtes Thema ist. Niemand sollte jedoch versuchen eine klare politische Richtung bei uns zu suchen. Wir lassen uns vor keinen Karren spannen und Spa ist uns auch trotz Allem sehr wichtig.

Auch auf die Gefahr hin, dass ihr diese Fragen schon X-mal gestellt bekommen habt: Neben eurem Bandnamen RADIO DEAD ONES ist auch die Scheibe mit dem Namen "AAA" nicht gerade selbsterklrend. Wollt ihr da fr uns Licht ins Dunkel bringen?

"AAA" steht fr "Awake And Alive". Es sind drei Jahre zwischen unserem ersten und zweiten Album vergangen. Einige Leute haben uns zwischenzeitlich schon abgeschrieben. Wir haben unsere Booking Agentur verlassen und haben alles selbst gebucht, auerdem kam die Platte auch auf einem anderen Label. Unser Leben hat sich durch das viele Touren verndert und da wollten wir einfach mit der Scheibe und dem Titel zeigen; wir sind noch da!

Das neue Album ist bei dem Label SPV erschienen, welches eigentlich nicht gerade ein typisches Punk-Label ist. Wie kam es dazu? Wie ist der Support? Ich habe gesehen, es gibt zu "Angelina" mittlerweile auch ein offizielles Musikvideo, eure Webseite und Facebook-Side haben ein ansprechendes Design und aktuellen Inhalt. Sind das die Vorteile eines solchen Labels oder seid ihr da selber mit am Start?

Ein Bekannter von uns, den wir durch das Touren hin und wieder getroffen haben, arbeitet bei SPV. Ihm gefllt scheinbar was wir tun und so hat er uns die Mglichkeit gegeben bei SPV die Platte zu verffentlichen. Als kleine Band, die bis Dato so ziemlich alles allein geregelt hat, erffnet das natrlich neue Wege. Der Support luft super; wir werden von der Presse ganz anders bercksichtigt und die Scheibe kommt einfach viel mehr rum. Doch es steht auer Frage, dass ringsherum alles noch an uns hngt. Wir mssen uns selbst den Arsch aufreien, wenn wir irgendwas tun wollen. Man kann nicht davon sprechen, dass sich irgendetwas grundlegend gendert hat, an dem was und wie wir es machen.

Im Promotext zu "AAA" ist von Drogen und bermiger Alkoholkonsum in euren Anfangsjahren die Rede und auch im Video zu "Angelina" spielt das Thema Drogen eine Rolle. Gehren fr euch Sex, Drugs und Rock'n'Roll unbedingt zusammen?

RADIO DEAD ONES

Ich denk schon. Das klingt natrlich wie ein abgedroschenes Klischee, aber wenn du keinen Rock'n'Roll lebst, kannst du ihn auch nicht verkaufen. Wir haben uns in erster Linie immer als Rock'n'Roll-Band gesehen - wir wollten Grenzen austesten und nichts verpassen was nach Rock'n'Roll roch. Leider funktioniert das nicht lange, denn weder Kopf, Krper noch die Menschen um dich rum machen das ewig mit. Wir haben so ziemlich jeden Schei probiert und knnen nun von Zeit zu Zeit mit dem Fu auf dem Bremspedal "gemigten" Rock'n'Roll leben.

Ihr habt euch ja in den letzten Jahren auf unzhligen Konzerten sprichwrtlich "den Arsch abgespielt". Dabei standet ihr mit Gren wie AGNOSTIC FRONT, DIE TOTEN HOSEN, DROPKICK MURPHYS oder den BEATSTEAKS auf der Bhne. Welchen Stellenwert haben fr euch die Livekonzerte? Ich habe gelesen ihr habt gerade ein paar Akustik Shows gegeben. wie knnen wir, die nicht dabei sein durften, uns eure Akustik-Punk Show vorstellen? Habt ihr so etwas fters vor?

Shows zu spielen ist das Wichtigste berhaupt. Wrden wir nicht noch arbeiten mssen, um die Miete zu zahlen, dann kmen wir sicher gar nicht mehr nach Haus und wren nur On The Road. Mir wird ganz schlecht bei dem Gedanken, dass wir uns ab Dezember fr'n halbes Jahr ausklinken werden, um unser drittes Album in aller Ruhe aufzunehmen. Akustik-Shows sind fr uns eine ganz wichtige Sache, aber natrlich auch ein vlliges Kontrastprogramm. Whrend bei den regulren Auftritten Vollgas angesagt ist und auch die Show 'ne Rolle spielt neben dem reinen Spielen, sitzt du bei den akustischen Gigs auf einem Hocker und kannst dich hinter nichts verstecken. Da hast du statt dem Schlagzeug ein Cajon (fr Leute, die nichts damit anzufangen wissen, das ist eine Holzkiste, die durch das Trommeln mit bloen Hnden Tne von sich gibt), der Bass und die Gitarre sind clean und vllig effektfrei und bei der Stimme liegt jeder falsche Ton wie auf einem Prsentierteller. Aber diese Shows treiben viele Leute zu den Auftritten und sind sehr intensiv, darum denk ich dass wir das in Zukunft fter machen werden.

Stichwort Berlin: Ihr seid als Wahlberliner mittlerweile schon einige Jahre in der Hauptstadt unterwegs. Was bedeutet euch die Stadt? Mit "Berlin City" habt ihr ja schon eine Homage an die Stadt verfasst. Ich bin ja bei Besuchen immer wieder fasziniert von der Bewegung in der Stadt und der Vermischung von lauter verrckten Leuten. Die Rock-Szene in Berlin ist ja auch ziemlich aktiv. Was fasziniert euch an der Stadt und der Szene?

Wir leben jetzt gute 10 Jahre hier, d.h. im Prinzip unser komplettes Erwachsenenleben, da konnten wir schon einige Vernderungen erleben. Wir kommen viel rum und so interessant viele Stdte auch sind - Paris, London, Prag, Barcelona, Madrid, Helsinki, Warschau, Hamburg usw. - Berlin ist immer noch unsere absolute Lieblingsstadt. Das Leben ist gnstig, es gibt fast immer einen Grund auszugehen, im Sommer hast du viele Parks, es gibt coole Plattenlden, Clubs, Kneipen usw Auerdem haben wir viele Leute kennengelernt, die wir in anderen Stdten vielleicht nie getroffen htten. Berlin bietet definitiv viele Chancen.

Zu guter Letzt knnt ihr noch loswerden, was euch auf der Seele brennt

Kommt einfach mal bei einer Show von uns vorbei. Wir freuen uns ber jeden, der vorbeischaut. Vielen Dank fr's Interview ... wir sehen uns!

Vielen Dank und viel Erfolg weiterhin!

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