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16. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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HARDLINE
Das beste aus beiden Welten
Thorsten Dietrich
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Hardline sind eine US Hard Rock Band, die nur eine Platte namens „Double Ecclipse“ veröffentlicht haben, eine Platte, die damals (1992) sehr gut ankam. Danach löste sich die Band spontan auf, jetzt nach 10 Jahren sind die Brüder Johnny (Gesang) und Joey (Gitarre) Gioeli mit neuer Mannschaft zurück um eine neues Album zu veröffentlichen, es trägt den sinnigen Titel „II“. Dieses Album weiß auch zu überzeugen, Johnny Gioeli dürfte vielen von seiner Arbeit mit Axel Rudi Pell bekannt sein, wo er seit „Oceans Of Time“ den Gesang übernommen hat und die Platten fantastisch veredelt. Er ist live als Energiebündel bekannt und verströmt positive Energie. Das merkt man auch bei dem Interview, wo ein gutgelaunter Johnny Enthusiasmus und Lebensfreude ausstrahlt und sich als netter Mensch und Gesprächspartner gibt. Was dieser Mann alles am Laufen hat, ist Wahnsinn, für ihn müsste der Tag 48 h haben, da können sich einige Faulenzer mal was abschauen!



Hi Johnny!
Ich bin froh, dass ihr zurück seid. Warum war Hardline so lange tot?

Hahaha, wir waren tot? Im Grunde genommen wollten Joey und ich Hardline umgestalten im Jahre 1995. Wir nahmen uns Gastmusiker wie Mitch Perry, und andere. Mein Bruder Joey und ich wollten etwas härtere Musik machen, mehr in die Richtung Punk, so wie Nine Inch Nails. Aber wir konnten den Rest der Gruppe nicht so recht davon überzeugen. Viele Jahre vergingen und irgendwann bekam ich eine E-Mail von Frontiers Records. Sie fragten nach einer Aufnahme, aber ich sagte nein, weil die anderen nicht damit einverstanden waren. Aber er hörte nicht auf, mir zu e-mailen. Ich fragte meine Frau um Rat, und sie sagte, ich solle nicht darauf eingehen. Schließlich sagte ich dann doch zu. Das war der Grund, warum Hardline so lange brauchte, um weiterzumachen. Es ist schade, dass die anderen Jungs nicht weitermachen wollten. Aber Joey und ich könnten mit jedem zusammen spielen, für uns gibt es keinen Grund, aufzuhören.

Also bist du und Joey Hardline?

Ja, Joey und ich haben Hardline gegründet. Die erste Aufnahme machten wir solo. Wir sind sozusagen die Hard Rock Version von Nelson. Wir fingen an, aufzunehmen und gründeten eine Band. Aber eigentlich ist Hardline ein Soloprojekt bestehend aus Joey und mir.


                                 (Johnny)

Haben/hatten die neuen/alten Mitglieder der Band Einfluss auf die Songs?

Viel Material, das auf der neuen Platte zu finden ist, kommt aus der Vergangenheit. Der Song „Your Eyes“ zum Beispiel ist ein Song, den ich in alten Hardline Tagen geschrieben habe, genauso wie „Die“ oder „Only a Night“. Es gibt also Einflüsse aus der Vergangenheit, aber ich schrieb diese Songs alleine. Ich fragte immer Neil um Hilfe, der an den englischen Aufnahmen arbeitete, und ich schrieb oft tagelang an den Songs. Von den neuen Mitgliedern der Band kommen wenige Einflüsse. Es bin immer noch ich, der die Mehrheit der Songs schreibt. Wie schon bei der ersten Platte sind Joey und ich diejenigen, die die meiste Arbeit für die Alben leisten.

Hast du noch Kontakt zu Neil Part?

Ja, wir sind zwar nicht die besten Freunde, aber wir sehen uns ab und zu.

Ich hörte zum ersten Mal etwas von dir, als du bei Axel Rudi Pell dabei warst. Ich kenne das Debut Album von Hardline gar nicht, weil man es hier nicht kaufen kann. Ich glaube, es ist nur bei Mailorders zu kaufen. Wird es ein Re-release geben?

Ich denke, dass es keine neuen Veröffentlichungen mehr geben wird. Aber es gibt noch genug von diesen Alben, die wahrscheinlich nach Europa importiert werden müssen. Man kann es tatsächlich auch auf vielen Mailorders ergattern, wie zum Beispiel auf Amazon.com, aber auch in Musikläden. Wenn diese das Album nicht haben, müssen sie aber trotzdem in der Lage sein, daran zu kommen. Es ist also nicht so schwer, daran zu kommen. Hast du das Album wirklich nie gehört?

Nein, ich bin mehr der Power-, Thrash - und Death Metal Typ.

Wirklich? Ich auch. Hahaha. Das zweite Hardline Album sollte viel härter werden als das erste. Die Plattenfirma war sich jedoch unsicher, ob sie es so veröffentlichen wollten. Deshalb hat es auch so lang gedauert, bis es endlich raus kam. Also machte ich da weiter, wo wir mit dem ersten Album aufgehört haben und schrieb es um. Ich mag jede Musik. Ich kann Popsongs, genauso wie aggressive Songs singen. Ich liebe einfach die Musik.

Und wie ist dieses härtere Album?

Es ist eine Mischung aus Linkin Park, Puddle of Mud, Soundgarden. Ich bin mir am überlegen, ob ich nicht ein Soloalbum mache. Das wollte ich schon immer mal tun und in den nächsten paar Jahren wird es bestimmt auch passieren.

Durch unser Webzine kam ich zu vielen Melodic Metal Scheiben, die die Labels mir zuschickten. Manche Sachen mag ich, manche sind mir einfach zu poppig.

Ja, das verstehe ich. Auf unseren Songs findest du viele harte Elemente. Manchmal werde ich dessen aber auch überdrüssig und denke, nein, du kannst nicht immer nur harte Musik spielen. Aber trotzdem liebe ich diese harten Sachen, wie zum Beispiel den Song „Wait“. Dieser Song ist FUCKING HEAVY AS HELL! Auf dem Album klingt er aber sanfter, als er tatsächlich ist.

Ich finde, die ersten fünf oder sechs Songs auf dem Album sind die besten. „Hey Girl“ und „Only a Night“ jedoch wirken wie Popsongs im Vergleich zu den anderen. Das ist nicht so mein Fall. Es sollten mehr Gitarren dabei sein.

Ja, ich stimme dir zu. Diese Songs sind etwas für Softies. Auf der japanischen Version der Platte befindet sich ein Bonustrack. Das ist ein sehr alter Hardline Song. Wir haben viele Songs in diesem Stil in unserem Repertoire. Überhaupt haben wir unglaublich viele Songs geschrieben.

Vielleicht befindet sich ja ein Fehler auf meiner CD, aber ich finde, der letzte Song klingt sehr verzogen.

Ja, der Song ist aber so: sehr eigensinnig und verzogen, FUCKING WEIRD.

Das Album ist ideal zum Autofahren. „Hold me down“ mit seinen killenden Riffs ist einer der besten Opener, die ich je gehört habe. Das ist mein Favorit der CD.

Ja, es ist auch mein Favorit.

Auch bietet das Album eine gute Mischung aus allem. Melodische Songs wie „Why?“ und „Do Or die“ wechseln sich mit härteren Sachen ab, das gefällt mir.

Du hast es erfasst. Ich wollte versuchen, die Vergangenheit mit der Zukunft zu verbinden. Zum einen beinhaltet das Album melodische Elemente, wie auch das erste Album, welches eher ein Pop–Album war, und zum anderen härtere Gitarren. Das Ganze steht unter einer moderneren Produktion. Genau das wollte ich erreichen.

Du machst jetzt ganz andere Musik als zu Axel Rudi Pell Zeiten. Das finde ich gut, da keiner eine Axel–Kopie gebrauchen könnte.

Ich denke genauso. Axel Rudi Pell und Hardline sind zwei vollkommen verschiedene Projekte für mich.

Ich habe gehört, dass du ein viel beschäftigter Mann bist. Du hast deine eigene Firma, arbeitest oft mit Axel Rudi zusammen…hast du überhaupt Freizeit?

Ich habe sehr wenig Freizeit. Ich mache meine eigene Musik und arbeite außerdem noch mit einer Gruppe zusammen, die den Namen „Countless“ trägt. Das ist eine lokale Gruppe dieser Gegend, die mich fragte, ob ich für sie singen könnte. Zwischen den Aufnahmen für deren Album helfe ich noch einer anderen Gruppe namens CRUSH 40 bei ihren Aufnahmen. Diese sind bei Sega Entertainments unter Vertrag. Eigentlich gehören mir auch vier Firmen.

Vier?! Wann schläfst du denn?

Sehr wenig. Ein großes Hobby von mir ist Flugzeuge zu fliegen. Das mache ich so oft ich kann in der wenigen Zeit, die mir verbleibt. Dann ist da auch noch meine Tochter, um die ich mich kümmern muss. Ich stehe jeden Morgen um 4:45 auf. Ich trinke einige Proteindrinks, gehe zum Joggen, dann folgen zwei Stunden Fitnesstraining. Danach gehe ich zu meinem Büro, zwischendurch dusche ich, um mich wieder aufzufrischen, arbeite den ganzen Tag für meine vier Firmen, meistens die Mittagszeit durch. Dann fliege ich ein paar Stunden, gehe nach Hause zum Abendessen, spiele mit meiner sechsjährigen Tochter, singe ein bisschen in meinem Studio, und falle danach todmüde in mein Bett. Am nächsten Morgen stehe ich auf und das ganze geht wieder von vorne los. Aber ich werde das noch ein paar Jahre beibehalten.

Das ist hart. Bist du verheiratet?

Ja, ich bin seit einer langen Zeit verheiratet.

Kannst du mir ein bisschen über deine Firmen erzählen?

Sicher. Das Hauptunternehmen ist eine Back Office Operation. Wir handeln mit Dingen, die man übers Informationsorientierte Fernsehen kennt, wie zum Beispiel Credit Cards, Total Jim
usw. Ich kümmere mich um den Vertrieb, die Lagerhaltung, das Verschiffen der Waren. Somit bin ich also sehr beschäftigt. Hier habe ich über 300 Kunden, wir haben hunderttausende Squarefeet an Räumlichkeiten und fast 100 Angestellte. Es gibt viel zu managen. Das Gute daran ist, dass ich nicht Musik machen muss, um Geld zu verdienen. Die Tage, an denen ich als Kind dachte, ich wollte nur Musik machen um der Musik willen, sind vorbei. Die Musik bringt kein Essen auf den Tisch, das macht das Business. Die Musik ist zu meiner inneren Befriedigung da. Sie ist einfach in meinem Blut.

Spielt ihr irgendwann auch noch live?

Wir verhandeln im Moment mit einigen Agenturen und Promotern über eine Europa – Tour. Die Tage, an denen wir sechs oder sieben Monate auf Tour waren, sind vorbei. Ich glaube, wenige Musiker in meinem Alter tun das.

Ich glaube, Black und Death Metal Bands wie zum Beispiel Cannibal Corpse müssen solche Touren machen, um in der Presse präsent zu sein und ihre Fans zu behalten.

Ja, das ist richtig, aber ich kann das nicht mehr. Dafür habe ich zu viel zu tun. Bands wie Night Ranger, die hier in Amerika vor Jahren sehr bekannt waren, machten auch eine Melodic Rock Tour durch Europa. Das ist etwas, was ich mir auch vorstellen könnte. Auf jeden Fall spielen wir im November in Italien, und werden auch ein neues Album in Teneriffa aufnehmen. Tja, ich liebe es halt, beschäftigt zu sein. Vor kurzem nahm ich mir fünf Tage Urlaub, und das war’s dann auch schon wieder.

Im Oktober ist das Axel Rudi Pell - Release und das Release der Doppel – Live – CD. Ihr werdet noch öfters in der Presse vertreten sein.

Das ist cool. Ich mag auch besonders die europäischen Fans. Niemals zuvor habe ich so viel Respekt, Vertrauen und Loyalität erlebt wie in Europa. Die Fans in Amerika verlieren oft sehr schnell das Interesse an dir und wenden sich einer anderen Musik zu.

Ja, ich habe schon von vielen amerikanischen oder australischen Bands gehört, dass die Fans in Europa die loyalsten sind.

Das ist wahr. Wenn ich an mein erstes Release bei MCA Records zurückdenke, werde ich sehr wütend, da unser Manager so sehr auf Amerika fixiert war. Er dachte, wir müssten erst einmal Amerika erobern, bevor wir nach Europa übergehen. In Amerika standen jedoch die großen Bands wie Pearl Jam und Nirvana im Rampenlicht. Das war ein großer Fehler, den wir damals begangen haben.

Ja. Aber ihr habt trotzdem eine große Fangemeinde, wie man in eurem Gästebuch sehen kann.

Ja. Wir hätten uns damals für die Fans mehr zusammenraufen sollen.

Amerika ist ein Land, das ich manchmal nicht verstehen kann. Zum Beispiel soll es Fans geben, die nicht wegen der Musik auf ein Konzert gehen, sondern nur des Spaßes wegen.

Ja, Amerika ist echt verruckt (auf Deutsch). Viele Freunde von mir gehen nicht auf ein Konzert, weil sie die Musik mögen, sondern weil sie einfach nur ausgehen wollen.

Kannst du mir etwas über die Lyrics erzählen?

Sie handeln von menschlichen Beziehungen. Ich bin jetzt 35 Jahre alt und 19 Jahre mit meiner Frau zusammen. Menschen verändern sich in einer solchen Zeit. Während ich meine Songs schrieb, habe ich einige Probleme bewältigen müssen. Der Song „Weight“ zum Beispiel handelt von einem Streit, den ich einmal mit meiner Frau hatte. In dem Moment hatte ich das Gefühl, dass tausend Kilo Steine auf meinen Schultern lasteten. Dieses Gewicht ein Sinnbild für meine Frau. „Your Eyes“ erzählt davon, wie ich auf einmal die Dinge durch die Augen anderer gesehen habe. Das war wichtig für mich, denn ich bin ein totaler Optimist, ich möchte viel aus meinem Leben machen, aber andere Leute sind da anders und ich wollte versuchen, die Welt aus ihrem Blickwinkel zu sehen. Die Texte enthalten viele persönliche Gefühle.

Wie schreibst du einen Song?

Als erstes ist die Musik in meinem Kopf. Ich habe Ideen für bestimmte Riffs, und plötzlich höre ich eine Melodie dazu. Basierend auf dieser Melodie bekomme ich das passende textliche Feeling. Ich komponiere die Songs beim Autofahren, im Studio, einfach überall. Viele Texte fallen mir auf der Autofahrt zum Studio ein. Dann muss ich an die Seite fahren und sie einfach aufschreiben.

Kennen dich die meisten Leute eigentlich von Axel Rudi Pell oder von Hardline?

Von beidem. Wenn ich Shows mit Axel mache, kommen die Fans mit Hardline – CDs, und wenn ich in Europa oder Japan mit Hardline unterwegs bin, kommen sie mit Axel – CDs. Das macht die europäischen Fans so besonders. Sie akzeptieren es, wenn man zwei Dinge gleichzeitig tut. Sie sehen dich als Sänger, egal, ob für Axel Rudi oder für Hardline, sie kommen, um deine Stimme zu hören.
Ich liebe Axel wie einen Bruder. Seine Musik versetzt mich in eine Zeit zurück, in der ich jung war. Damals hörte ich Sachen wie Ronnie James Dio, Priest, Rainbow. Axel spielt diese Art von Musik, deshalb mag ich ihn so.

Kennt man dich in den USA nur als Hardline – Sänger?

Ja, hauptsächlich. Wenn ich mit Klienten rede, sagen sie oft: „Hey, du bist doch dieser Sänger!“ Und sie wissen alles über mich, was ich gerne esse, welche Autos ich fahre usw. Eigentlich habe ich ein tolles Leben. Ich bin einerseits ein Geschäftsmann, der in schicken Anzügen rumlaufen kann, andererseits ein Musiker, der in der Welt herumkommt.

Gut, danke für das Interview, Johnny. Es war schön, mit dir zu plaudern.

Ja, ich hatte auch viel Spaß, schicke mir bitte eine Email wenn es online ist.

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