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11. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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LONG DISTANCE CALLING
Wir haben Spaß auf der Bühne!
Thorsten Dietrich
www.myspace.com/longdistancecalling


Die deutschen Instrumental-Rocker Long Distance Calling haben mit den Jahren ihre Fans ansehnlich vergrößert, waren gerade auf Headlinertour und das dritte Album ist draußen. Deshalb war es mal an der Zeit mit Bassist Jan Hoffmann über das Phänomen Band ohne Sänger zu reden.

Long Distance Calling

Hallo Jan! Als Metalfan habe ich außer Kong in den Neunzigern nie was von instrumentaler Musik mitbekommen, Gitarristen wie Vai und Satriani ausgenommen. Wie kommst du zu solcher Musik?

Hallo erst mal. Wie ich dazu komme? Wie die Jungfrau zum Kinde, haha. Als wir mit LDC angefangen haben, wollten wir ja nicht zwingend eine Instrumentalband sein, es hat sich einfach so ergeben. Wir haben am Anfang mit ein paar Sängern geprobt aber es hat einfach nicht gepasst, unsere Ansprüche waren damals schon ziemlich hoch. Wir haben dann gemerkt, dass die Songs auch ohne Vocals gut funktionieren und sind dann dabei (bis auf die Gastvocals) dabei geblieben.

Ihr werdet gerne als Post-Rock bezeichnet, für mich ein Unwort des Jahres 2010! Was soll der Unfug? Ich denke da an Post DHL: Welche Bezeichnung findest du denn für euch gut?

Ich persönlich finde den Begriff auch ziemlich lahm, da er im Prinzip nichts aussagt. Die meisten typischen "Postrock" Bands haben keinen Sänger, deshalb werden wir meistens mit in diese Schublade geworfen, obwohl das bei uns meine Meinung nach zu wenig ist. Wir verbinden so viele unterschiedliche Einflüsse (u.a. natürlich auch Postrock-Elemente), dass uns diese Schublade nicht gerecht wird. Alles muss immer einen Namen haben, also wenn es schon sein muss, dann bitte progressiver Instrumentalrock.

Euer drittes Album hat den Bandnamen als Titel oder ist unbetitelt. Wie man es halt sieht, wieso macht ihr diese Unsitte auch noch, da wird man immer ganz verwirrt?

Es hat diesmal einfach Sinn gemacht. Das dritte Album ist extrem wichtig für eine Band und dieses Album repräsentiert uns einfach am besten. Außerdem passt der Bandname hervorragend zu dem "Konzept" des Albums, nämlich Raum, Zeit, Entfernung, etc. Wir hatten auch einige Albumtitel in der Hinterhand aber "Long Distance Calling" war diesmal einfach naheliegend und warum in die Ferne schweifen.

Das Album könnte ich auch als ein großer Song unterteilt ansehen, was schon bei Bands wie Edge Of Sanity oder Dream Theater gemacht wurde. Wie siehst du das?

Klar, das hätte man auf jeden Fall machen können aber unsere Musik ist sowieso schon recht fordernd, ich denke das wäre ein bisschen too much gewesen. Im Prinzip sind diese Dinge jedoch immer ein bisschen Augenwischerei, denn es ist in der Regel nie wirklich ein langer Song, sondern verschiedene die eben zu einem Track zusammengefasst wurden. Wir halten es da lieber klassisch (lacht).

Wie radiotauglich sind LDC mit langen Songs ohne Gesang, oder ist da nur das Webradio ein Partner?

Gute Frage. Im kommerziellen Radio haben solche Songformate natürlich keine Chance aber das wollen wir ja auch gar nicht. Webradio ist immer verbreiterter allerdings weiß da auch niemand, wie viele Leute das wirklich hören. Wir machen uns über solche Dinge keine Gedanken, wir spielen lieber Konzerte und erobern so neue Hörergruppen. Am besten funktioniert so etwas natürlich auf großen Festivals und wir haben immer den "Überraschungseffekt", wir merken immer dass die Leute, die noch nie was von uns gehört haben, bei den ersten 1,2 Songs etwas verwirrt sind weil niemand singt und gegen Ende der Show finden sie es dann doch ganz gut!

Ich vergleiche euch gerne vom Prinzip mit Apocalyptica, die machen instrumentale Musik mit Gastsänger, die Finnen haben zwar mehr, aber ohne geht es wohl nicht. Wieso habt ihr welche und warum diesmal John Bush?

Schöner Vergleich (lacht). Aber du hast recht, man kann das sicher in einem gewissen Maße vergleichen auch wenn es musikalisch zwei ganz verschiedene Paar Schuhe sind. Für uns ist es einfach ein netter Bonus für unsere Alben, ein Farbtupfer. Es macht es für uns und die Hörer einfach spannender und gerade John Bush war ja jetzt keine vorhersehbare Wahl und es hat super funktioniert. Wir wollen immer einen Schritt weiter gehen und ich denke das ist uns gelungen.

Long Distance Calling

Kannst du dir vorstellen einfach mal ein Album halb mit Gesang zu machen oder gar ganz mit wechselnden Sängern?

Beides ist nicht unmöglich, wir lassen uns für die Zukunft alle Optionen offen.

Ehrlich gesagt kann ich mir das live nicht vorstellen ohne Sänger! Wie rockend ist doch eine eher atmosphärische Band wie ihr die gerade auf Tour ist und was für Überraschungen baut ihr denn auf der Bühne so ein?

Die meisten Bands, die instrumentale Musik machen sind live sicher eher ruhig, das kann man von uns nicht behaupten. Wir sind live zu 100 % eine Rockband mit allem was dazu gehört. Wir haben Spaß auf der Bühne und versuchen so viel Energie wie möglich zu transportieren. Auf der Releasetour jetzt zum neuen Album hatten wir zusätzlich noch Visuals, um das ganze noch optisch zu untermalen.

Bei euch scheinen keine Mitglieder seit Gründung zu wechseln, seid ihr da ausgeglichener als andere Combos?

Ich weiß nicht, ich denke einfach dass jedem die Band so viel bedeutet, dass man nicht einfach aussteigen würde. Natürlich knallt das bei uns auch mal aber wir wissen was wir aneinander haben und versuchen unsere Egos der Band unterzuordnen. Wir wissen das, was wir gerade zusammen erleben wirklich zu schätzen.

Neben euch kenne und schätze ich Frames, aber ich lese immer hier und da von neuen instrumentalen Post Rock Bands. Ist das wieder ein Trend, wo viele jetzt aufspringen oder ist das schon eine Szene von der ich nix weiß?

Naja, es ist schon eine Art neue Szene entstanden aber wie oben beschrieben sehen wir uns nicht wirklich als Teil dieser Szene, uns interessiert es einfach nicht besonders, wir machen einfach unser Ding. Generell würde ich aber sagen, dass es gerade in den letzten Jahren ein paar sehr gute neue Bands aus Deutschland gibt und das ist doch super. Warum immer in den USA, UK oder Skandinavien nach tollen neuen Bands suchen, wenn man sie genauso gut auch vor der eigenen Tür finden kann.

Wie ich so gehört habe, hat die Band vor eigener Tür eine erfolgreiche Tour hingelegt.

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