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16. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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FATES WARNING
Neues Album mit altem Bekannten
Alexander Meyer
www.fateswarning.com


Ich hatte bislang bereits die Gelegenheit einige meiner Heroen fr My Revelations interviewen zu drfen. Auf meiner ungeschriebenen Wunschliste ganz oben stand von Anfang an Jim Matheos, der musikalische Kopf von Fates Warning, einer meiner absoluten Lieblingsbands. Als FW sich nun berraschenderweise zu einem Kurzabstecher nach Europa begaben, war es dann endlich soweit und Kollege Torsten und ich erhielten eine Audienz. Hret und staunet selbst, was der Meister ber seine musikalische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu sagen hat.

Fates Warning

Jim, ihr seid gerade auf einem Kurzabstecher fr vier Gigs hier in Holland und Deutschland unterwegs. Wie kommt es, dass ihr ohne neues Album im Gepck immer mal wieder bei uns in Europa vorbeischaut?

Nun, in erster Linie, weil man uns immer wieder einldt bei euch zu spielen. Seitdem 2004 unser letztes Album erschien, sind wir eigentlich alle ein bis zwei Jahre hier gewesen, um mit unseren Fans in Kontakt zu bleiben. Wenn jemand uns einldt und es in unseren Terminkalender passt, kommen wir immer wieder gerne hierher.

Und das wissen wir zu schtzen!

Und wir noch mehr! Wie du sagtest, haben wir kein neues Album am Start und trotzdem kommen die Fans, um uns zu sehen. Das ist groartig!

Es ist halt immer ein Vergngen euch live zu erleben. Wenn ich an eure erste Europa Show beim Eastern Metal Festival oder euren Headliner Gig in Wacken 1994 zurckdenke, wird mir ganz warm um`s Herz. Aber lass uns nicht in der Vergangenheit schwelgen, sondern in der Gegenwart bleiben. Auch wenn ihr noch kein neues Material im Gepck habt, so habt ihr doch sicher schon neue Songs geschrieben oder habt zumindest schon ein paar Ideen im Kopf. Kannst du uns denn schon etwas ber das nchste Fates Warning Album sagen?

Nein, das kann ich leider nicht. was das neue Album angeht, befinden wir uns wirklich noch nicht einmal in der Planungsphase. Ray hat eine Menge um die Ohren und ich war zuletzt mit OSI sehr beschftigt. Auerdem werde ich demnchst ein Album mit John Arch aufnehmen, bevor ich im Sommer mit dem Komponieren neuer FW-Stcke beginne, die wir dann hoffentlich nchstes Jahr verffentlichen werden. Es wird also definitiv etwas Neues von uns geben, aber nicht allzu bald.

Du sprichst das Projekt mit John Arch selbst an. Es schwirren seit einiger Zeit Gerchte darber durch die Szene. Wie kam es zu dieser neuerlichen Kooperation? Hast du John nie aus den Augen verloren?

Keinesfalls! Wir waren und sind gute Freunde. Die Sache ist die, dass Ray zuletzt einfach keine Zeit fr FW hatte. Ich wiederum hatte schon das halbe neue FW-Album geschrieben. Als dann John mit dem Wunsch auf mich zukam etwas gemeinsam zu machen, lag es nahe das Material fr ein gemeinsames Projekt zu verwenden und das nchste FW-Album ganz einfach auf nchstes Jahr zu verschieben.

Wie wird das Matheos/Arch-Album klingen? Geht es in Richtung eurer gemeinsamen Klassiker "The Spectre Within" oder "Awaken The Guardian"?

Nicht wirklich. "Awaken The Guardian" ist vor 25 Jahren erschienen! Andererseits klingt Johns Stimme noch genauso einzigartig wie damals. In dieser Beziehung klingen die neuen Stcke natrlich schon ein wenig so. Sagen wir so, es klingt so, wie er und ich 2010 gemeinsam Songs schreiben. Es ist schwer in Worte zu fassen. Aber ich denke die Leute werden es mgen.

Klingt einleuchtend, Johns Soloalbum hatte auch etwas von "Awaken The Guardian" und klang gleichzeitig zeitgem.

Genau. John hat ganz einfach eine einzigartige Stimme, mit einem sehr hohen Wiedererkennungswert. Es klingt wie...nein, ich will eigentlich nicht viel darber sagen und lieber die Musik sprechen lassen. Da das Album schon im Juni erscheinen wird, musst du dich auch gar nicht mehr lange gedulden. Das Ding ist schon so gut wie im Kasten und wenn ich wieder zu Hause bin, werden wir es fertigstellen.

Wer spielt das Album denn ein?

Das aktuelle Fates Warning Line-up mit Joey, Bobby und mir selbst. Frank wird ein paar Soli beitragen.

Also quasi ein neues FW-Album mit eurem alten Snger...

Fates Warning

Richtig. Es gab sogar die Idee es unter dem FW-Banner zu verffentlichen, die wir jedoch dann aus verschiedenen Grnden verworfen haben.

Gibt es denn Plne das Album hier in Europa livehaftig vorzustellen?

Das bezweifele ich stark. John ist ein vielbeschftigter Mann, mit Familie und einem guten Job. Er hat seit 1986 nicht mehr auf der Bhne gestanden und ich denke nicht, dass er sich dem nochmal aussetzen mchte. Ich sage niemals nie, aber es gibt dahingehend zur Zeit wirklich keinerlei Plne.

Jim, du bist jemand, der ber ein riesiges Netzwerk in der progressiven Musikszene verfgt. Welche Projekte hast du derzeit noch in der Pipeline? Ich denke da beispielsweise an Mike Portnoy, der nach seinem Weggang von Dream Theater mit Sicherheit die ein oder andere Lcke in seinem Terminkalender hat.

Nee, nee, Mike hat immer noch genug zu tun! Diese ganze Dream Theater Sache ging ber die Bhne als wir Bobby schon fr das Album mit John Arch engagiert hatten. Ich wei, dass ansonsten Mike gerne dabei gewesen wre. Darber hinaus werden wir noch in diesem Jahr ein neues OSI-Album aufnehmen. Aber auch da wird es wahrscheinlich schwierig sein eine Tour zu verwirklichen, da Kevin Moore und ich ganz einfach in so viele andere Projekte involviert sind.

Fates Warning existieren nun schon seit Anfang der Achtziger. Was waren rckblickend deine glcklichsten und traurigsten Momente als Mitglied dieser Kultband?

Das ist eine sehr schwierige Frage. Anstatt von Momenten wrde ich lieber von guten und weniger guten Phasen in unserer Karriere sprechen. Die "Parallels"-Phase war sicherlich eine tolle Zeit fr uns, sowohl die Aufnahmen als auch die anschlieende Tour. Auch die Tour mit Queensryche und Dream Theater war klasse. Auf der negativen Seite steht sicherlich die "Inside Out"-Phase, in der die Band zeitweise auseinander fiel. Das war uerst deprimierend. Insgesamt fllt die Bilanz allerdings sehr positiv aus.

Das Markenzeichen "progressiv" wird gerade in letzter Zeit hufig kontrovers diskutiert. Was bedeutet es fr dich und wrdest du FW als progressive Band bezeichnen?

Wenn ich uns in eine Schublade stecken msste, wrde ich uns als progressive Metalband bezeichnen, auch wenn das irgendwie limitiert klingt. Das Wort selbst bedeutet heutzutage eigentlich gar nichts mehr. "Progressiv" sollte bedeuten, dass es keine Grenzen fr deine Musik gibt. Leider schrnkt der Begriff heutzutage eher ein und bedeutet, dass du lange, schnelle Songs spielst. In den siebziger Jahren war das noch ganz anders.

Und sollte "progressiv" nicht auch bedeuten, etwas Neues zu kreieren?

Das denke ich auch, aber gerade ist es eher genau umgekehrt und jede zweite Progressivband klingt wie Dream Theater.

Gibt es denn Bands, die du persnlich gut findest und die das Prdikat "progressiv" im ursprnglichen Sinne verdienen.

Ich hre nicht sehr viel Metal, aber die beiden Bands, die ich wirklich fr innovativ in diesem Bereich halte, sind Porcupine Tree und Opeth.

Lass uns zu deiner Musik zurckkehren. Du hast in der Vergangenheit zwei wunderschne akustische Instrumentalalben verffentlicht, die ich sehr liebe. Gibt es weitere Plne in dies Richtung?

Danke. Das wrde ich wirklich gerne tun. Ich habe auch ein paar gute Ideen dafr in der Hinterhand, aber die Realitt sieht leider so aus, dass es fr solcherlei Musik nicht wirklich einen Markt gibt. Es dauert sehr lange ein solches Album zu erschaffen und dazu habe ich momentan ganz einfach nicht die Zeit. Auerdem bestreite ich mit der Musik meinen Lebensunterhalt, sodass ich meine Ressourcen konomisch einteilen muss. Vielleicht spter wieder einmal.

Fates Warning

Das glaube ich dir. Es ist sicher nicht einfach eine Familie von der Musik zu ernhren...

Ich fhle mich priviligiert meinen Lebensunterhalt als Musiker bestreiten zu drfen, auch wenn es nicht immer einfach ist. Von meiner Familie bin ich in der Regel nicht lnger als zwei Wochen getrennt, wenn wir auf Tour sind. In der Vergangenheit als wir noch hufiger und lnger tourten und meine Tochte noch jnger war, war das schon schwieriger. Heute ist sie 14 Jahre alt, da geht das schon besser.

Auf dem Weg hierher unterhielten wir uns ber dies und das, unter anderem auch ber die Situation in deiner Heimat und die politischen Entwicklungen dort. Was hlst du beispielsweise von der Tea Party Bewegung?

Ich habe eine Vereinbarung mit meiner Tochter, dass wenn irgendwann, also frhestens bei den Wahlen 2012, irgendwelche erzkonservativen Republikaner wie die Tea Party Leute an die Regierung kommen, wir umgehend das Land verlassen und nach Europa ziehen werden und zwar nach Griechenland (Anm.: Jim hat griechische Wurzeln.).

Tja, das war`s schon von meiner Seite. Dieses Interview war nicht annhernd so lang wie das, was Ende der Achtziger im Escape mit dir zu lesen war. Erinnerst du dich daran?

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern. Thomas Becker hat mir damals die Fragen auf einer Kassette geschickt. Das Ganze hat ber zwei Stunden gedauert.

Dann will ich aber nicht wissen, wie lange Kollege Becker damals fr die bersetzung und das Abtippen gebraucht haben muss! Nach unserem Interview hatte ich irgendwie das Gefhl, dass Jim das Ganze nicht wirklich genossen hatte. Er hat ja den Ruf eher introvertiert und etwas einsilbig zu sein, sodass ich mir dies nicht ganz so zu Herzen nahm. Als mir der Tourmanager Roger Rutten, der brigens ein super netter Zeitgenosse ist, dann spter sagte, dass Jim das Interview und meine Fragen sehr gefallen haben, war ich schon ein wenig stolz und konnte das anschlieende Konzert noch mehr genieen.

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