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11. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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SACRED OATH
Time For A Revolution
Alexander Meyer
sacredoath.net


Um den wahren Spirit des Metal zu verstehen, muss man mit Menschen reden, die ihn leben. Rob Thorne, seines Zeichens Snger, Gitarrist, Hauptsongwriter und Produzent von SACRED OATH ist solch ein Typ. Dass er darber hinaus mit beiden Fen im Leben steht und ber unkonventionelle politische Ansichten verfgt, macht ihn zu einem uerst interessanten Interviewpartner.

Sacred Oath

Rob, mit "World On Fire" habt ihr im letzten Jahr ein weiteres Meisterwerk verffentlicht. Der Vorgnger war ja schon klasse, aber mit "WOF" habt ihr fr meinen Geschmack, sowohl musikalisch als auch soundtechnisch, nochmals einen Schritt nach vorne gemacht. Wrdest du mir da zustimmen?

Ein weiteres Meisterwerk? Danke dir! Um ehrlich zu sein, hatte ich keine Ahnung wie "WOF" ankommen wrde. Ich habe so schnell gearbeitet, dass es manchmal schwierig ist, die eigne Arbeit objektiv zu bewerten. Natrlich versuche ich immer von Album zu Album besser zu klingen, aber diesmal war das noch schwerer als sonst. Ich war mit "Sacred Oath" sehr zufrieden und alles, was ich wusste, war, dass "WOF" anders klingen sollte. Nicht unbedingt besser, aber halt anders. Das war mein Ziel und rckblickend, wrde ich sagen, dass wir dies erreicht haben. Was die Songs betrifft, bin ich froh, dass sie deiner Meinung nach einen Fortschritt darstellen. Es gibt wirklich ein paar Perlen, wie "Sandrider" oder "World On Fire", die uns auf eine neue Ebene bringen.

Whrend deine sozial-kritischen Texte auf "Sacred Oath" sehr offen formuliert waren, basiert "WOF" auf Frank Herberts Science Fiction-Klassiker "Dune". Was bewog dich dazu, diesmal eine andere lyrische Herangehensweise zu whlen und wo die Parallelen zwischen Herberts "Wstenplanet" und unserer modernen Welt, die dich offensichtlich inspiriert haben?

Als es darum ging die Texte fr "WOF" zu schreiben, hatte ich das Gefhl mir noch einigen politischen Ballast von der Seele schreiben zu mssen. Allerdings wollte ich mich keinesfalls wiederholen. Zu dieser Zeit las ich gerade "Dune" und es schien mir das ideale Szenario fr "WOF" zu sein: Politische Machtkmpfe, kologische Katastrophen und die Abhngigkeit vom "Spice"...genau wie auf der Erde! Auerdem wollte ich den Hrern eine weitere schonungslose Gesellschaftskritik wie auf "Sacred Oath" ersparen, sodass eine Science Fiction-Story wie "Dune" sie etwas von der depremierenden Wirklichkeit ablenken soll.

Viele Rockbands behaupten, dass sie mit ihrer Musik die Leute lediglich unterhalten mchten und dass Politik nichts im Rock 'n Roll zu suchen habe. Wie ist deine Einstellung dazu und was hlst du von den aktuellen politischen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten, wie beispielsweise der Tea Party-Bewegung?

Ich kann die Einstellung dieser Bands verstehen. Aber wir sind keine Mainstreamband, also geht mir das am Arsch vorbei. Ich schreib worber auch immer ich Lust habe. An diesem Punkt in meiner Karriere ziehe ich Inspirationen woher ich sie bekommen kann. In den Staaten ist derzeit viel Unruhe und die Tea Party ist eine Folge daraus. Die Amerikaner fangen an, die Effektivitt unseres demokratischen Systems zu hinterfragen. Es scheint als setze sich immer nur die Macht des groen Geldes durch und als gbe es keine Untersttzung fr den "kleinen Mann" mehr. Das verarbeite ich in dem Song "Revolution". Vielleicht brauchen wir eine.

Lass uns zur Musik zurckkommen. Du bist bei SACRED OATH fr den Groteil des Songwritings und die Produktion verantwortlich. Wrdest du SO als richtige Band oder als dein Soloprojekt bezeichnen? Wie wichtig sind die Anderen in der Band, vor allem Kenny Evans, der mit dir zusammen von Anfang an dabei ist?

SACRED OATH sind ganz klar eine Band. Natrlich stimmt es, dass es bei den meisten Bands einen gibt, der die Sache am Laufen hlt und bei SO nehme ich diese Rolle ein. Aber letztendlich hrst du vier Jungs, die die Songs spielen, egal ob ich sie schreibe oder nicht. Wenn du dir Soundscape oder ein anderes meiner Soploalben anhrst, wirst du feststellen, dass sie kein bichen wie SO klingen. Htten wir ein Label im Rcken, wrde ich sicher nicht jedes Album selbst produzieren. So ist dies aber nunmal die einzige Mglichkeit fr uns berhaupt Alben aufnehmen zu knnen. Glaub mir, ich wrde nur allzu gerne das nchste Album in einem anderen Studio aufnehmen. Manchmal frage ich mich, wie sehr all dies die Entwicklung von SO behindert, aber dann mache ich mir bewusst, dass es nicht anders geht, und dass SO gar nicht existieren wrden, wenn ich die Zgel nicht in die Hand genommen htte. Und auch ohne die anderen Jungs wrde gar nichts laufen. Kenny Evans ist ein immens wichtiger Teil unseres Sounds. Er ist ein toller Schlagzeuger und ein guter Freund. Die Synergie, die wir ber die Jahre entwickelt haben, inspiriert mich auch weiterhin Songs fr "the Oath" zu schreiben.

Sacred Oath

SACRED OATH begannen Mitte der Achtziger. In dem Booklet von "A Crystal Vision" grt ihr zwei meiner Lieblingsbands aus dieser Zeit: Fates Warning und Liege Lord. Whrend FW immer noch aktiv sind, haben LL sich schon vor langer Zeit aufgelst. Was sind die Grundvoraussetzungen fr eine Metalband heutzutage zu berleben? Und was motiviert euch nach all den Jahren immer weiter zu machen?

Es ist schwierig und htte ich kein eigenes Aufnahmestudio, glaube ich nicht, dass man nach "A Crystal Vision" jemals wieder etwas von SO gehrt htte. Ich mache immer weiter neue Alben aus reiner Liebe zur Musik und aus dem Verlangen etwas zu erschaffen. Um ber die Runden zu kommen, gebe ich Privatstunden und betreibe mein Studio. Die anderen Jungs gehen einer geregelten Beschftigung nach. So bestreiten wir unseren Lebensunterhalt. Es ist schwer und sehr frustrierend.

Wie du, hatte auch ich das Glck die Achtziger, denen die meisten Metaller immer noch nachtrauern, als Teeanager erleben zu drfen. Ich denke auch noch gerne an diese Zeit zurck, bin aber gleichzeitig berzeugt davon, dass die heutige Metalszene aufregender denn je ist. Was hat sich seitdem aus deiner Sicht verndert und was hlst du von den Leuten, die sich "die guten alten Zeiten" zurck wnschen?

Die grte Vernderung ist die Musikpiraterie und ihre Auswirkungen auf die Verkaufszahlen. Was das betrifft, werde ich nostalgisch, wenn ich auf die guten alten Zeiten zurckblicke, denn heutzutage ist es fr uns ein einziger Kampf weiterhin Alben aufzunehmen. Ich versuche allerdings nicht in der Vergangenheit zu schwelgen. Ich lebe in der Gegenwart und wir machen hier und jetzt neue Alben. Gleichwohl bin ich kein groer Fan der aktuellen Metalszene, denn es gibt keinerlei interessante Entwicklungen im Gesangsbereich. Das ist eine groe Enttuschung fr mich. Und aus genau diesem Grund kann ich verstehen, warum die Fans die Achtziger vermissen. Die Stimmung war eine andere. Die Musik war anders. Ich glaube es war besser, aber das ist reine Geschmackssache, richtig? Irgendwie haben wir es zu unserer Mission gemacht, die Fahne des traditionellen, klasischen Metals hochzuhalten.

Wie frustriend ist es fr euch ein gttliches Album nach dem anderen in Eigenregie zu verffentlichen, whrend die Musikindustrie eine lausige Band nach der anderen unter Vertrag nimmt, die dann unter Umstnden auch noch Millionen von CDs verkaufen?

It sucks! Allerdings glaube ich nicht daran, dass viele dieser Bands Millionen von CDs verkaufen. Das ist eine Seltenheit heutzutage. Aber sie bekommen das Marketing und den Toursupport, den wir gerne htten. Man bentigt ein gewisses Ego, um trotzdem immer weiter zu machen, aber genau dieses Ego schmerzt, wenn du jeden Tag aufwachst und dich fragst, warum es so hart fr SACRED OATH sein muss.

Witzigerweise ist der vierte Track auf jedem eurer Alben mein Lieblingsstck. Ist das ein Zufall oder platziert ihr die strksten Songs immer auf Position vier? Hast du irgendwelche Lieblingsstcke?

Sacred Oath

Das ist lustig! Ich habe keine Ahnung, warum das so ist. Wir versuchen immer die eingngigsten Songs auf die ersten vier Positionen zu packen. Natrlich habe ich auch meine Lieblinge: "Sandrider", "The Kings Must Die", "Words Upon The Stone", "Bloodstorm", "Counting Zeros", "The Ferryman's Lair"...ich knnte immer so weiter machen...

Wenn ich richtig informiert bin, seid ihr beim "Keep It True"-Festival zum ersten Mal in Deutschland aufgetreten. Diese Show wurde auf eurer Live-CD "Till Death Do Us Part" konserviert. Wie stehen die Chancen euch nochmals live hier zu sehen?

Das stimmt. Wir hatten soviel Spa beim KIT und die Einladung zu diesem Festival war es, die unsere gesamte Europatour ins Rollen brachte. Ich wrde furchtbar gern wieder in Deutschland spielen. Wir versuchen derzeit fr Festivals gebucht zu werden, aber sie scheinen sich nicht fr SO zu interessieren.

Rob, man wird kaum einen engagierteren Metalmusiker als dich finden. Ich wei, wie wichtig dir eure Fans sind. Wie lautet deine letzte Nachricht an all die Oathbangers und Metalheads da drauen?

Keep the faith. Please. Denn der einzige Grund, warum wir all das machen, ist, weil wir daran glauben, und weil die Oathbangers da drauen diesen Glauben mit uns teilen.

Selten war mir ein Appell am Ende so wichtig wie diesmal: Untersttzt diesen Idealisten und bestellt euch auf der oben genannten Homepage zumindest die letzten beiden Sacred Oath-Alben. Ich verspreche ihr werdet es nicht bereuen, wenn ihr auf astreinen US-Metal steht!

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