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13. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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SOLEFALD
Der Mix aus Feuer und Eis macht die Musik!
Steffi Mller
www.myspace.com/solefaldofficial


Das Album "Norrn Livskunst" gehrt bei mir persnlich zu den metallischen Highlights des Jahres 2010. Der richtige Mix aus Metal, der gewissen Portion Innovation, gepaart mit eigenem Charme hat mich beim ersten Reinhren schon berzeugen knnen. Solefald haben es geschafft, mit ihrer Art Musik Grenzen zu sprengen und sich getraut, dem Black-Metal ein neues, vielleicht auch untypisches, Gesicht zu verpassen. Um so spannender war es fr mich, Cornelius Jakhelln einmal genauer ber das Duo Solefald auszufragen, um so einige spannende Hintergrundinformationen zu erhaschen.

Solefald

Wie haben sich Lars und Du eigentlich kennengelernt?

Lars und ich sind uns das erste mal in unserer kleinen Heimatstadt Kristiansand in Norwegen ber den Weg gelaufen. Richtig kennengelernt haben wir uns aber erst auf einer Reise nach Paris. Das war im Jahre 1995. Wir merkten auf diesem Trip schnell, dass wie beide gleich Interessen haben, und besonders in den Bereichen Black-Metal, Kultur, Literatur und bildende Kunst harmonieren. - Und das knnen wohl nicht alle 17 jhrigen Touristen auf dem Weg nach Paris von sich behaupten, oder?

Was war euer spezieller Beweggrund im Jahre 1995 zusammen Solefald ins Leben zu rufen?

Angefangen hat eigentlich alles mit meinem Einstieg in eine Band, die sich Ginnungagap nannte, und die aus mir und noch aus drei anderen Kerlen aus Kristiansand bestand. Nach nur wenigen Proben stie Lars als Keyboarder zu uns. Wir merkten eigentlich schnell, dass es einfach passte und wir viel zu reden hatten, und auch im musikalischem Bereich besaen wir zwei einfach die gleichen Vorstellungen. So machte die Grndung des Duos einfach Sinn. Es war zwar schade, sich von den anderen Mitgliedern zu trennen, aber ab diesem Zeitpunkt gab es nun mal Interessenskonflikte.

War es von Anfang an der Plan, dass ihr als reines Duo zusammen Musik machen wolltet?

Nein, eigentlich bestand kein genauer Plan, irgendwie passierte es einfach, besonders als wir merkten, dass sich Lars und ich auf so vielen Bereichen zusammen ergnzten. Und das beste ist: unser besonderes, gegenseitiges Verstndnis besteht bis heute.

Ermglicht das Duo eine gewisse musikalische Freiheit, wenn man nicht eine ganze Band hinter sich stehen hat, bei der jeder musikalischen Einfluss haben mchte?

Oh ja, klar besitzen wir zu zweit mehr Freiheiten. Seid der Verffentlichung von "The Iceland Odyssey" agieren Lars und ich nicht nur noch als reine Musiker oder Songschreiber. Wir produzieren unsere Alben komplett selber. Ein Solefald-Album aufzunehmen ist also eine vielschichtige Aufgabe. Manches, was wir im Studio produzieren, entsteht ganz spontan. Wir beide arbeiten sogar unabhngig voneinander, schreiben an unterschiedlichen Songs und Vorstellungen. Unsere Ideen fgen sich manchmal ganz intuitiv zusammen. Manchmal braucht es auch gewisse langwierige Prozesse. Aber eigentlich ist es ein Abwgen, ein Ausprobieren und eine Anzahl von Kompromissen, die Lars und ich entwerfen, und das ihr dann unter dem Namen Solefald hren knnt.

Im Zusammenhang mit eurem Namen stt man immer wieder auf den Begriff "Avantgarde-Black-Metal". Wie wrdet ihr Personen euren Stil genauer beschreiben, die euch vorher vielleicht noch nie gehrt haben?

Fr unser erstes Album "The Linear Scaffold" whlten wir eigentlich die Beschreibung: "Rote Musik mit schwarzen Kanten", was der damaligen Zeit angemessen war. Black-Metal mit einer gewissen experimentellen Seite und einer gewissen politischen Idee war das Ganze wohl, was ich aber auch erst spter eigentlich erst richtig realisierte. Viele Leute dachten wir kmen aus der politisch linken Ecke. Aber wir lehnten diese Titulierung eigentlich immer vllig ab. Wenn ich es heute betrachte, war die Betitlung vielleicht sogar richtig. Aber Avantgarde-Black-Metal ist wohl eine angemessenere Beschreibung, fr das, was wir machen, auch in Anbetracht unserer anderen Black-Metal-Kollegen. Ab einem gewissen Zeitpunkt, ich glaube rund um die Verffentlichung von unserem Album "The Iceland Odyssey", begann ich unsere Musik einfach nur Black-Metal zu nennen, und ich hatte die Diskussionen satt, ber das was angeblich "true" und "untrue" sein sollte. Denn eigentlich vertreten wir Black-Metaller doch alle die gleichen Ansichten

Ist es wahr, dass sich sogar einige hartgesottene Black-Metaller von eurer Art Musik und eurem Verstndnis von Black-Metal provoziert fhlten, und es sogar Morddrohungen gegen euch gab?

Solefald

Ja, das stimmt. Einige kleinen, amerikanischen Qulgeister betitelten uns als "arische Bastarde" oder "homosexuelle Hebrer" und machten uns klar, das wir besser nicht in die Staaten kommen sollten. Eine witzige Episode unserer Musikkarriere. Vor allem im Anbetracht der Tatsache, dass ich mich im Moment im Land der Hebrer aufhalte. Und ich bin trotzdem nicht dazu bergegangen mich der Homosexualitt anzuschlieen, und das bleibt auch dabei.

Euer neustes Album "Norrn Livskunst" ist seid November 2010 auf dem Markt. Wie knntest du die Thematik des Albums in ein paar Worten zusammen fassen?

Oh, eine kleine Zusammenfassung in ein paar wenigen Worten? Dann msste die Zusammenfassung eigentlich so lauten: "Norrn Livskunst",was bersetzt so viel wie "die nordische Art zu leben" bedeutet, erzhlt die Geschichte von Norwegen im Jahre 1905. Eine Zeit der Unabhngigkeit, voller Enthusiasmus und Abenteuerlust, Eine Zeit, in der die Nordischen Lnder noch fr eine Periode der Entdeckungen standen und die ersten Arktis Expeditionen lockten. Das ganze Album besttigt unsere schpferischen Werte. Whrend Solefald frher eher politisch und uerst kritisch war, sind wir wohl jetzt dazu bergegangen Geschichten zu erzhlen, die uns besonders bewegen.

Und welche Bedeutung hat dabei das, auf den ersten Blick doch auergewhnliche, Cover-Artwork eures Albums?

Unser neustes Cover stammt von einem Buch aus dem Jahre 1902, und beinhaltete die nordischen Heldengeschichten und Gedichte der Edda. Es ist wohl "Nordischer Jugendstil" und ich fand es sehr passend. Unsere Knstler Trine und Kim haben sich mit ihrer Arbeit wohl selbst bertroffen.

Wenn man die Musik-Kritiken zu "Norrn Livskunst" liest, fllt auf, dass die Hrerschaft durchweg mehr als begeistert auf eure neuste Platte reagiert. Was glaubt ihr, ist euer persnliches Geheimrezept?

Wohl einmal die Tatsache, dass es vier Jahre ruhig um uns war. Das macht die Leute neugierig und hungrig auf etwas Neues. Ich erinnere mich an die Verffentlichung von "Red of Fire". Damals hatten wir auch dermaen gute Besprechungen, aber auch fast drei Jahre Pause. Ich denke die Zeit bringt eine gewisse Aufmerksamkeit mit sich. Dazu kommt, dass wir uns von den ganz komplizierten und schrgen experimentellen Seiten verabschiedet haben. Das Album jetzt ist einfach gesagt mehr Mainstream, im Vergleich zu unseren anderen Verffentlichungen. Vielleicht sollte ich mich im Angesicht dieser Tatsache etwas schmen, aber ich freue mich, dass so viele neue und alte Fans unsere Musik hren und mgen.

Ist es nach so vielen Verffentlichungen eurerseits noch aufregend und interessant, die Entwicklung rund um die eigene Neuverffentlichung mit zu erleben? Oder artet das Ganze Geschehen fr euch manchmal auch in Stress aus?

Ja, nach vier Jahren Pause ist es schn, wieder zurck zu sein. Obwohl, wenn ich genauer berlege, mit der Verffentlichung des Demos "Jernloy" im Jahre 2006 und mit den Sachen, die ber mein eigenes Label "Inhuman Music" verffentlicht wurden, hat eigentlich die vllige Ruhe um uns nie ganz aufgehrt. Aber es ist schn und nicht stressig. Das einzig stressige sind sind wohl die vielen Nachfragen und Email-Interviews, die mich in einer Anzahl erreichen, schneller als ich das Wort "Fuck" ber die Lippen bekomme. Ich strenge mich schon an, alles zu beantworten. Mein Beruf ist ja nun mal auch eigentlich Schriftsteller, also kannst du dir vorstellen, wie viele Emails ich ich hier bewerkstelligen muss. Aber zurck zum Thema: Der Stress lohnt sich allemal, denn die beste Neuigkeit ist: unser Solefald-Nesthkchen "Norrn Livskunst" ist fr den norwegischen Grammy Award nominiert. Genauer gesagt fr den Spellermannsprisen, das wre der norwegische Ausdruck fr diese Verleihung.

Eines meiner persnlichen Highlights auf "Norrn Livskunst" ist der Song "Tittentattenteksti". Agnete Maria Forfang Kjlsrud, bekannt auch durch die Zusammenarbeit mit Dimmu Borgir, bernahm dabei die weiblichen Parts am Mikrofon. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Wir haben Agnete schon vor langer Zeit einmal kennen gelernt und dachten, dass sie einfach perfekt fr diesen Song sei. Ich schrieb die Lyrics, ganz speziell fr sie. Eigentlich ist es ein kindlicher, naiver englischer Kinderreim. Und es funktionierte. Agnete klingt bei diesem Song wie eine kleine naive Gre. Und zum Glck gefllt dieser Song vielen Hrern.

Welchen Song des Album wrdest du als deinen persnlichen "Lieblingssong" nennen und warum genau diesen?

Ich persnlich mag "Vitets Vidd i Verdi". Der Song basiert auf einem eher nachdenklichen Riff, gepaart mit einem krftigen Gekeife und einer sen mnnlichen und weiblichen Gesangsmelodie. Dazu noch ein mchtiger Schlagzeug-Rhythmus und einem Einfluss aus der Popmusik, zusammen mit einem aufflligen Saxophon Soli. Es handelt von der Liebe zu Bchern und zur Literatur.

"Norrn Livskunst" beinhaltet also wieder den gekonnten Mix aus mehreren Stilelementen und fasziniert gleichzeitig durch Genre bergreifende musikalische Arrangements. Gibt es bei so einer musikalischen Vielfalt, die ihr zwei beweist, noch neue Ideen fr ein nchstes Solefald Album? Und welche speziellen Ideen wrdet ihr gerne nochmal in die Tat umsetzen?

Eigentlich haben wir mehr Ideen, als es Bands gibt, die vom Teufel singen. Fr das nchste Solefald-Album habe ich wohl eine ganz neue und spezielle Idee, und Lars dazu wohl noch ganz andere Vorstellungen im Kopf. Wenn man also Feuer und Eis vermischt, kann es bekanntlich wohl sehr hei und sehr feucht werden.

Was ist eigentlich der genau Grund, dass ihr mit Solefald keine Live-Auftritte plant? An mangelndem Zuspruch von Seiten der Fans kann es eindeutig nicht liegen!

Ja, du hast Recht. Aber wir leben in zwei verschiedenen Lndern, weit voneinander entfernt. Und wir beide haben verschiedene Ansichten, was Live-Auftritte angeht. Lars wnscht sich eigentlich eine kleine Show, bei der wir zu zweit unsere Highlights prsentieren knnen Aber ich habe wohl mehr die klassische Rock'n'Roll - Einstellung. Ich kann mir es zu zweit einfach nicht vorstellen, sondern wrde mir lieber eine Gitarre packen und mit einer ganzen Band, mindestens mit 6 Musikern, auf die Bhne gehen. Deswegen liegen diese Plne wohl weiterhin auf Eis

Solefald

Was ist die nchste Zeit rund um Solefald noch geplant? Oder wollt ihr euch nun nach gelungener Arbeit erst einmal wieder anderen Projekten widmen? Und wenn ja, welchen Projekten?

Im Moment halte ich mich in Israel auf und nehme das vierte Studioalbum von unserer Band Sturmgeist auf. Es wird "Zion" heien. Nir Nakay, der Schlagzeuger von Salem, wird die Schlagzeug-Parts des Albums bernehmen. Und ich hoffe noch auf die Mitarbeit einiger Musiker, aus anderen israelischen Metal-Bands. Zum Beispiel: Arallu oder Bartholomeus Night. Das Album wird im Frhling ber mein eigenes Laben "Inhuman Music" verffentlicht werden. Danach folgt schon das nchste Werk, mit einigen Orchester Kompositionen. Besonders freue ich mich auf auf den Ausbau meines Labels. Im letzten September habe ich "Inhuman Music" in das norwegische Label "Kunstmiliz" eingliedern lassen. Auerdem habe ich das dritte Regiment Berlin gegrndet, da ich nun in der deutschen Hauptstadt wohne. Es ist eine Vereinigung, die es sich zur Aufgabe macht, den Black-Metal und die Kunst neu zu berdenken. Eigentlich eine musikalische Gemeinschaft, mit groartigen Mitgliedern.

Noch ein paar Worte, die du unseren Lesern gerne mit auf den Weg geben wrdest?

Ich danke euch fr das Interesse an unserer Musik. Wir sind sehr stolz, dass das Banner, das Manowar dem Metal bergestlpt hat, nun auch ber unserem Namen weht und wir in diesem Sinne zum hohen Metal-Horizont aufsteigen knnen.

Da kann man wohl nur neugierig sein, was Solefald mit diesem Banner im Metal Horizont so anstellen werden. Ich persnlich hoffe nur dringend, nicht wieder vier Jahre auf eine neue Scheibe von den Jungs warten zu mssen. Denn das wre wohl reine Zeitverschwendung!

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