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12. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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THE SHADOW THEORY
Welcome To The Rock Cinema
Alexander Meyer
www.the-shadow-theory.com


"Behind The Black Veil" ist fr mich DAS Metalalbum 2010. Obschon der Name THE SHADOW THEORY noch nicht allzu bekannt ist, sind die Musiker, die sich dahinter verbergen wahrlich keine Unbekannten: Devon Graves ist die Stimme von Psychotic Waltz und Deadsoul Tribe, Johanne James trommelt bei Threshold, Kris Gildenlw spielte neben seinem Bruder Daniel bei Pain Of Salvation und Arne Schuppner, mit dem ich dieses Interview fhrte, schwingt die Axt bei den deutschen Technothrashern Complex 7. Einzig Keyboarder/Songwriter Demi Scott war bislang ein unbeschriebenes Blatt, was sich aber nun schlagartig gendern hat. Aber lest selbst.

Shadow Theory

Arne, vor nicht einmal einem Jahr habe ich ein Interview mit deiner Erstband COMPLEX 7 gemacht. Damals hattest du bereits angekndigt, dass mit THE SHADOW THEORY ein richtiger Hammer zu erwarten sein wird. Nun ist "Behind The Black Veil" endlich erschienen und hat meine hohen Erwartungen noch bertroffen.Wie bist du mit etwas Abstand mit dem Endresultat zufrieden?

Es freut mich natrlich sehr, dass Dir die CD gefllt und wir Deinen Erwartungen gerecht geworden sind. Ich bin mit dem Resultat der langen Arbeit wirklich zufrieden. Ja, ich mag die CD sehr und denke, dass wir da was ganz Schnes zusammengebastelt haben. Vor allem natrlich wegen Devons Gesang. Seit den Anfangstagen von Psychotic Waltz bin ich ein Riesen-Fan von ihm und er ist noch immer einer meiner absoluten Lieblings-Snger. Und dass er dann ausgerechnet auf die Songs, die ich zusammen mit Demi geschrieben habe, seine - meiner Meinung nach - beste Performance seit Jahren abliefert, das ehrt mich sehr. Nach der langen Zeit und den vielen Treffen mit ihm war es schon beinahe ein bisschen normal geworden, mit Devon Graves zusammen zu arbeiten. An dem Tag, als ich endlich die erste Kopie der fertigen CD in Hnden hielt war der Wahnsinn jedoch sofort wieder zurck. Um so mehr, da ich die endgltigen Versionen der Vocals bis dahin noch gar nicht kannte, einige Passagen, so z.B. die komplette "Symphony of Shadows", hatte ich mit Gesang noch nie gehrt. Ich hatte Gnsehaut, als ich einige der fertigen Songs dann zum ersten mal hrte.

Wrdest du bitte kurz erzhlen, wie TST ins Leben gerufen wurde und wie sich der Songwriting - und der Aufnahmeprozess gestaltete, wo doch alle Beteiligten in anderen Bands aktiv und in aller Herren Lnder verstreut sind.

Angefangen hat fr mich alles mit einer E-Mail von Devon, das muss irgendwann im Herbst 2005 gewesen sein, einige Zeit nachdem wir mit Complex 7 im Vorprogramm von Deadsoul Tribe gespielt hatten. In dieser E-Mail stellte er mir die Frage, ob ich nicht in seiner neuen Band spielen wolle, die zu jener Zeit allerdings nur als vage Idee in seinem Kopf existierte. Das war schon strange, wenn auf einmal jemand wie Devon Graves an deine Tr klopft. Natrlich habe ich nicht lange gezgert und ihm sofort zugesagt, auch wenn das deutlich aufregender fr mich war, als sich das jetzt hier anhrt. Danach geschah erst mal eine Weile recht wenig, Devon war damals noch mitten in den Aufnahmen zu "Lullaby for the Devil". Fahrt nahm die Sache dann auf, als Demi ins Spiel kam. Er hatte Devon einen Brief geschrieben mit einer CD voller Kompositionen und der Bitte um seinen Rat, denn Demi war zu der Zeit drauf und dran die Musik an den Nagel zu hngen. Devon war total begeistert von Demis Material und bot ihm umgehend den Platz des bisher gar nicht vorgesehenen Keyboarders an, was sich als absoluter Glcksfall fr TST heraus stellen sollte: Demi ist ein unglaublicher Songwriter! Ich habe noch nie jemanden erlebt, der so schnell Songs schreiben oder arrangieren kann. Wenn ich ihm morgens eine Hand voll Riffs gemailt habe, hatte ich meist abends einen fertigen Song im Posteingang, komplett mit Drums, Bass, Keyboards und - wenn ihm noch Riffs fehlten - zustzlichen Gitarren-Parts. Und letztere waren meist so sehr an meinen Stil angelehnt, dass Devon schon bald nicht mehr auseinander halten konnte, was von mir oder von Demi stammte. Als wir einen Berg an Songs gesammelt hatten, hat Devon seine Favoriten daraus ausgewhlt. Aufgenommen haben wir das Material nach und nach in Devons Studio in sterreich. Die Keyboards und Synth-Sounds von Demi standen weitgehend von Anfang an, zusammen mit Midi-Drums und -Bass. Zwischen meiner ersten Aufnahme-Session und den letzten Gitarren-Takes lagen ber 2 Jahre. Einige Akustik-Gitarren habe ich zuletzt noch schnell im Studio von Thilo Krieger (Desert Inn Studios) in Sinn eingespielt und per Internet just in time zum Mix an Devon geschickt. Kris hat die Bass-Spuren bei sich zu Hause in Holland eingespielt und Johannes Drums wurden wiederum in Devons Studio aufgenommen. Eigentlich ist es in der heutigen Zeit kein wirkliches Problem mehr, wo die einzelnen Instrumente aufgenommen werden, denn unter dem Strich wre das Procedere mit der ganzen Band in einem Studio wohl auch nicht grundlegend anders gewesen.

War ursprnglich nicht Mike Terrana als Schlagzeuger vorgesehen?

Ja, zu der Zeit, als "The Shadow Theory" anfing konkretere Formen anzunehmen und es die ersten Meldungen im Internet und in der Presse ber uns gab war tatschlich Mike Terrana fr die Drums eingeplant. Warum es dann schlussendlich nicht zu dieser Zusammenarbeit kam, hat verschiedene Grnde. Interessanterweise war aber genau Johanne ursprnglich Devons Wunsch-Drummer. Devon hat ihm damals, etwa zur gleichen Zeit wie mir, vorgeschlagen in seiner neuen Band zu spielen. Johanne war grundstzlich sehr begeistert von der Idee, unglcklicherweise hatte er damals jedoch nicht die Zeit und musste somit absagen. Als sich die Sache mit Mike Terrana dann zerschlagen hatte, ging die erste Anfrage also wieder an Johanne - und diesmal war er sofort dabei. Naja, das muss ja so in etwa 4 Jahre nach dem ersten Versuch gewesen sein. Ich mag Johannes Art zu spielen sehr, von daher hat hier die Zeit wohl fr uns gearbeitet.

Shadow Theory

Was war es fr dich fr eine Erfahrung mit solchen Ausnahmeknnern, wie sie sich bei TST gefunden haben, zusammen zu arbeiten? Und wie kam es, dass Devon dir und Demi das Songwriting berlassen hat, wo er doch selbst ein solch hervorragender Songwriter ist?

Warum er uns das Songwriting berlassen hat? Hm, schwierige Frage. Ich glaube zu der damaligen Zeit war Devon einfach ein wenig mde vom "Alles-selbst-tun-mssen", wie es fr ihn bei Deadsoul Tribe ja immer gewesen ist. Er hat es sichtlich genossen, einfach mit der Vielzahl an Ideen, die Demi und ich ihm geliefert haben, herum zu experimentieren, die Stcke nach seinen Ideen zu arrangieren und "nur" noch als Snger aufzutreten - und das auch im Sinne von zuknftig "auf der Bhne auftreten". Wobei ich da die Hoffnung noch nicht ganz aufgeben will, denn manchen TST-Songs wrde live die zweite Gitarre gewiss gut tun. Letztlich hat er mit seinen unglaublichen Gesangslinien dennoch einen enormen Beitrag zum Songwriting geleistet, das darf man bei all dem nicht aus den Augen verlieren. Denn ohne seine Vocals wren die Songs nicht mehr die-selben. Es war immer wieder spannend, einen bereits seit lngerer Zeit bestehenden Song dann endlich mit Devons Gesang zu hren. Dummerweise hatte man hinterher nur noch Devons Stimme im Kopf, egal wie toll die Riffs auch waren... Mit Devon zusammenzuarbeiten ist immer sehr angenehm und entspannt. Er ist einer der freundlichsten Menschen, die du dir vorstellen kannst und bei den Recording-Sessions hatten wir jede Menge Spa. Dennoch arbeitet er sehr professionell und kann auch schon mal unerbittlich sein - und das nicht zuletzt sich selbst gegenber.

"Behind The Black Veil" klingt weit weniger technisch und dein Gitarrenspiel ist noch viel variabeler als bei C7. Kannst du bei TST dein Potenzial noch mehr nutzen?

Es gibt einige grundlegende Unterschiede zwischen C7 und TST, jedoch wrde ich nicht sagen, dass ich mich bei dem einen oder dem anderen mehr ausleben kann. Devon hat die Songs auf "Behind The Black Veil" aus einer riesigen Anzahl an Songs ausgewhlt - es waren an die 200, teilweise fertig ausgearbeitete Songs, teilweise nur Song-Fragmente. Da war auch jede Menge technisches und evtl. zu sehr C7-miges Material dabei - ich kann ja schlielich nicht raus aus meiner Haut. Der grte Teil der Ideen stammt jedoch von Demi, und einige davon inklusive teilweise irrwitziger Gitarrensachen. Die habe ich dann nur noch "spielbar" machen mssen und hier und da meinen persnlichen Touch eingebracht. Somit gibt es zwar nur einen Gitarristen bei TST, die Gitarren-Parts stammen aber aus verschiedenen Federn. Darber hinaus hat Devon die Songs mehrfach hin und her arrangiert und an vielen Stellen allzu ausufernde technische Spielereien gekrzt oder komplett rausgenommen. Und ich muss wohl zugeben: Es hat den Songs oftmals gut getan. Solch eine "Kontroll-Instanz" gibt es bei C7 in der Art nicht. Da geht's einfach immer mit Vollgas in die Vollen!

Auch wenn Devon fr die Texte verantwortlich ist, so hoffe ich, dass du trotzdem etwas zum lyrischen Konzept des Albums sagen kannst. Mich erinnert das Ganze ziemlich an eine KING DIAMOND-Horrorstory, was durch das "Them"-artige Cover von Travis Smith noch verstrkt wird.

Ich mchte hier jetzt nicht die ganze Geschichte erzhlen, denn das wrde all jenen, die sich beim Hren der CD das Booklet zur Hand nehmen und die Texte lesen die Spannung nehmen. Devon hat sich viel Mhe mit den Lyrics gegeben und es gibt im Booklet ein Vorwort und weitere erluternde Passagen parallel zu den Songtexten. Wir verwenden fr TST ja gerne den Ausdruck "Rock Cinema" und somit wre "Behind The Black Veil" wohl am ehesten ein Psycho-Thriller mit starken Horror-Anleihen. Dein Eindruck tuscht Dich also nicht. Die Story dreht sich um einen drogenabhngigen Rock-Star, der von einem Alptraum in den nchsten driftet und allmhlich den berblick verliert, was Realitt ist und was Traum. Und ein Groteil der Handlung findet eben in diesem Haus statt, das Travis so passend auf dem Cover nachempfunden hat. Die Songs auf "Behind the black Veil" funktionieren zwar auch ohne diesen Background, seine gesamte Tiefe entfaltet das Album aber erst im Zusammenspiel mit dieser Geschichte. Dann erklren sich viele der extremen Stimmungswechsel oder teilweise hypnotischen Wiederholungen und man erkennt die unterschiedlichen Personen und Charaktere, die im Verlauf der Story vorgestellt werden, und die Devon so perfekt mit den unterschiedlichen Arten zu singen portraitiert. Meiner Meinung nach ist es ihm wirklich sehr gut gelungen, die unterschiedlichen Stimmungen und Empfindungen des Hauptdarstellers einzufangen und es wre schade, wenn man diese Komponente des Ganzen beim Hren der CD auen vorlassen wrde.

Ist TST eine richtige Band oder nur ein Projekt? Wird man euch also auch live bewundern drfen? Und was bedeutet die Reunion der gttlichen PSYCHOTIC WALTZ fr TST?

Shadow Theory

Nun, wo liegt da eigentlich genau die Grenze zwischen einer richtigen Band und einem Projekt? Ich denke mal, dass TST fr Demi und mich auf jeden Fall mehr als ein Projekt ist und auch fr Devon ist TST mit der Zeit immer wichtiger geworden, auch wenn er es vielleicht anfangs eher als ein Projekt angesehen hat. Zumal er ja auch zwischenzeitlich Deadsoul Tribe auf Eis gelegt hat. Wir haben eine ganze Menge Arbeit und Herzblut in diese CD investiert, da hat sich keiner von uns Gedanken darber gemacht, ob das vielleicht nur ein sogenanntes Projekt sein knnte. Ich denke man hrt den Songs an, dass jeder von uns mit vollem Einsatz dabei war. Und das gilt auch fr Kris und Johanne, die ja am eigentlichen Songwriting nicht beteiligt waren und fr die TST eventuell am ehesten ein Projekt ist. Es ist auf jeden Fall geplant, dass wir mit TST auch live spielen werden. Es gab schon den einen oder anderen Termin, der aber zeitlich nicht machbar war. Da kommt natrlich dann der Umstand hinzu, dass die meisten von uns noch in anderen Bands aktiv sind und wir ziemlich weit in Europa verstreut sind. Aber wir hoffen, dass es spter in 2011 doch noch klappen wird. Was die Reunion von PW fr TST bedeutet, kann ich nicht wirklich sagen. Fr mich persnlich bedeutet sie jedenfalls, dass ich nach fast 20 Jahren eine meiner All-Time-Lieblingsbands endlich mal wieder live sehen werde. Und wer wei: Vielleicht fllt durch den Trubel um die Reunion auch noch etwas PR fr TST ab. Schaden wird es uns in jedem Fall nicht. Wir sind derzeit schon wieder mitten im Songwriting und haben schon ein paar heie Anwrter fr das nchste Album. Also, das "Rock Cinema" hat noch nicht wieder geschlossen!

Was sind deine Plne fr die nchste Zeit, Arne? Wie wird es mit TST, C7 und deinen weiteren musikalischen Projekten weitergehen?

Wie gesagt: Wir sind schon wieder tchtig dabei, Songs fr das nchste TST-Album zu schreiben. Und von den alten 200 Songs sind ja auch noch 189 brig! Dadurch, dass Demi mittlerweile nach sterreich gezogen ist, ist einiges leichter geworden und es wird gewiss nicht wieder 4 Jahre dauern, bis zur nchsten Verffentlichung. Mit Complex 7 verhlt es sich ganz hnlich: Bjrn und ich haben reichlich neues Material, das wir derzeit ausarbeiten und arrangieren. Die strksten Stcke werden wir dann schnellstmglich aufnehmen, dafr steht allerdings noch kein Zeitrahmen fest. Ansonsten versuche ich parallel noch mein Klassik-Projekt "Die Gebr. Poweronoff" (www.diepoweronoffs.de, www.myspace.com/diepoweronoffs) auf so viele Bhnen wie irgend mglich zu bringen. Das ist ein sehr lustiges und entspanntes Konzept, bei dem wir mit drei E-Gitarren, Bass und Schlagzeug die Hits der Klassik nachspielen. Also alles von Mozart bis Rossini, ber Haydn, Beethoven, Bach oder Grieg. Das ist halt mal was ganz anderes, kommt super an, bei einem Publikum, das sich ber drei Generationen erstreckt und macht einfach unglaublich viel Spa. Du siehst: Es gibt noch eine Menge zu tun und langweilig wird mir dabei wohl so schnell nicht werden.

Da erwartet uns also noch so einiges in hoffentlich naher Zukunft! Bis dahin erfreuen wir uns doch einfach weiter an "Behind The Black Veil" und treffen uns alle bei der Psychotic Waltz-Tour im Mrz.

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