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11. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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MAROON
Zerpflücken von Musikrichtungen ist Schwachsinn
Norman Ley
www.maroonhate.com


Anlässlich der Mitte Oktober gestarteten Europa-Tour geht es ab in den Tourbus, um einige Details über die Headliner-Band Maroon zu erfahren. Der auf der Bühne sonst sehr verspielte Sänger André Mowarek gibt sich trotz selbst-verursachtem blauen Auge ernst und redefreudig, schwärmt vom Bandleben und gibt seinen besonders eigenen Senf zur heutigen Situation in der Musik ab.

MAROON

Guten Abend André, vor 10 Tagen hat eure Europa Tour begonnen, wie läufts?

Ja sehr gut bisher, das ist ja wirklich unsere eigene Europa-Tour, wir haben die Locations alle selbst klargemacht und uns die Bands, die wir mitgenommen haben, selbst ausgesucht und hatten bisher keine Probleme, auch bei den bisherigen Gigs in England. Natürlich kann man heute an einem Montag Abend in Koblenz nicht allzuviel erwarten, aber bisher läuft es wunderbar.

Euch hat es ja auch schon über die europäischen Grenzen hinausgebracht. Kannst du etwas über deine schönsten, verwunderlichsten oder vielleicht sogar schlimmsten Erfahrungen berichten?

Puh,also das geilste bisher war auf jeden Fall Japan. Wir sind jetzt schon zwei mal durch Japan getourt und es war beide Male der Wahnsinn. Die Leute dort sind einfach unglaublich und wir wurden unglaublich gut empfangen. Und die Fans in einer Halle mit 1000 Leuten die Maroon gucken gehen, rasten auch wirklich 1000 Leute von der ersten Sekunde bis zur letzten jedes Liedes vollkommen aus. Und was immer wieder erstaunlich ist, ist dass es zwischen den Liedern immer absolut still ist, weil jeder wirklich alles verstehen will, was man sagt. In Japan ist musiktechnisch alles sehr teuer, ob jetzt das Konzert selber oder das Merch, aber da unten kauft jeder alles von uns. An zweiter Stelle kommt dann natürlich Süd-Amerika. Aber wir haben bisher laut Statistiken über 800 Konzerte gespielt und wir sind mit jedem anderen auch zufrieden. Ob jetzt 100 oder 20.000 vor der Bühne stehen, wir werden immer alles geben.

Ihr habt euer aktuelles Album "Order" 2009 veröffentlicht, wie sieht es mit einem Nachfolger aus?

Also es wird auf jeden Fall bei einem neuen Label erscheinen. Wir haben uns nach langjähriger Zusammenarbeit von Century Media getrennt und sind gerade auf der Suche nach einem neuen Label und schicken Demos rum. Fünf neue Stücke sind schon geschrieben, ich kann allerdings noch nicht viel dazu sagen außer dass wir absolut heiß drauf sind. Wir haben und werden viel Neues probieren und die Arbeit an dem Material ist sehr befreiend, wir sind also guter Dinge. Veröffentlichungen wird es allerdings nicht vor Frühjahr nächsten Jahres geben.

Euer Stil und eure Einflüsse haben sich stetig weiterentwickelt, auf dem letzten Album wart ihr vielfältiger als je zuvor, seit sogar teilweise in schwarz-metallische Gefilde gewandert. Was darf man vom neuen Maroon Material erwarten?

Ich finde es ehrlich gesagt doof einzelne Einflüsse zu sagen, es ist Maroon. Es wird sogar noch breiter gefächert sein als "Order", wir setzen uns da keinerlei Grenzen. Das kann wieder Black Metal sein, oder eben auch mehr Hardcore. Wenn man jetzt allerdings sagen würde "das wird wieder mehr Metal" würde das den ganzen Hardcore-Kids nicht gefallen, wenn wir sagen würden "das wird wieder mehr Hardcore", würden sich die Metaller beschweren. Schubladen sind uns völlig egal, eigentlich gibt es bei Metal und Hardcore gar keine Unterschiede. Das sind alles die gleichen Leute und die gleiche Musik. Wenn man sich mal genau mit sagen wir Kreator beschäftigt, wird man ebenfalls viele Punk-Einflüsse hören. Dieses ganze Zerpflücken von Musikrichtungen halte ich für Schwachsinn.

"Schatten" war euer bisher erstes deutschsprachiges Lied, habt ihr euch schon darüber Gedanken gemacht sowas weiter auszuführen, vielleicht auch mal einen größeren Ausflug ins Deutsche zu wagen?

Also ich empfinde das als sehr schwer. Der Text zu "Schatten" war ja auch mehr oder weniger geborgt vom Herrn Friedrich Rückert. Ich selbst hab für mich jedenfalls nicht genug Selbstvertrauen in meine deutsche Dichtkunst, als dass ich mir zutrauen würde, selbst komplette Texte auf Deutsch zu verfassen. Der Grad zwischen peinlich und gut ist da sehr dünn. Ich finde auch, dass es nur wenige Bands gibt, die das bisher gut hinbekommen haben.

Maroon existiert jetzt seit 12 Jahren. Was waren deine Höhepunkte in dieser Zeit?

Natürlich Auftritte, Plattenveröffentlichen, die Zusammenarbeit mit Century Media, wohl einem der größten Metal-Labels, oder wohl eher Labels für extreme Musik überhaupt, das war schon unglaublich für uns als Ost-Deutsche ausm Dorf. So 1999, 2000, 2001 oder so wurden wir dann auf unsere erste Europa-Tour geschickt, natürlich wir los mit total katastrophaler Organisation. Dann haben wir in Italien gespielt und die Leute kannten uns, das war so ein Wow-Effekt. Und klar, die Möglichkeit mit Bands zu touren die wir selber mochten, die Welt-Tourneen.. ich meine, natürlich wäre es cool, wenn Metallica anrufen würden und sagen würden "kommt mit uns fünf Jahre auf Tour", aber das ist natürlich Utopie. Ich bin allerdings dankbar für alle geilen Sachen die so gelaufen, es war und ist wirklich eine Hammerzeit.

Kannst du dir vorstellen was ohne Maroon wäre?

Natürlich, das stell ich mir jeden Tag vor. Ich bin 36 und mittlerweile haben sich ganz neue Sachen in meinem Leben ergeben, die wichtiger sind. Ich habe eine Frau und einen Sohn, der ist 2 1/2. Früher ging die Band über alles und jede Freundin und alles was damit nicht klargekommen ist hatte einfach Pech gehabt. Aber jetzt gibt es Sachen, die ich nicht mehr aufs Spiel setzen würde.

Seid ihr nebenbei eigentlich noch berufstätig oder lebt ihr mittlerweile allein von der Musik?

MAROON

Wir sind nicht mehr tätig. Ich meine jeder von uns könnte einen Job machen, wenn dann allerdings die Band ansteht muss auch sofort von allen aus etwas passieren.

Es ist ja bekannt dass ihr ursprünglich aus der Hardcore-Ecke kommt, was beeinflusst dich heute?

Das ist ne schwere Frage, da ich ja wie gesagt so nichts von Genres halte. Ich bin allerdings eher in den 80ern gefangen und halte nicht viel von dem neuen Zeug, es interessiert mich einfach nicht und es gibt meiner Meinung nach kaum gute neue Bands. Ein Ausnahmebeispiel wäre hierfür Black Listed, die machen sehr geilen Hardcore. Ansonsten bleibt nicht viel bei mir hängen und 90% des Zeugs ist nicht meins.

Womit hat es denn bei dir so angefangen?

Angefangen hat es bei mir mit Gothic. Viele meiner all-time favourites kommen auch daher, wie Depeche Mode, The Cure, Smiths, etc. Dann gings bei mir weiter mit unter anderem Einstürzende Neubauten, darüber kam ich dann zum Industrial, darüber zum EBM. Ich würde auch heute noch lieber aufs "Wave-Gothic-Treffen" in Leipzig fahren als zu irgendwelche Metalfestivals. Für mich ist bei nem Metalfest alles gleich. Deshalb eher das "WGT", da gibts gute, abwechslungsreiche Musik.

Wie sieht das bei euch mit dem Writing-Prozess aus?

Alle zusammen im Proberaum. Es wird zusammen geprobt, zusammen geschrieben und zusammen gespielt. Wir sind da von der alten Schule. So Sachen wie E-Mails schicken von wegen "hier isn neues Riff, guck mal was du damit machen kannst" gibt es bei uns nicht. Klar bringt manchmal einer ein Riff von zuhause mit, aber dann wird als Kollektiv entschieden ob das gut oder scheiße ist und alle ziehen dann mit.

Das wars auch schon, vielen Dank für das Interview. Hast du abschließend noch was zu sagen?

Vielen Dank für das Interesse an der Band und weiterhin viel Spaß beim Konzert.

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