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21. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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WINGER
Viel erlebt und zu erzählen!
Thorsten Schwalbach
www.wingertheband.com


Reb Beach ist für mich einer der stärksten und interessantesten Gitarristen überhaupt. Egal wo oder was er spielt, er schafft es überall, etwas von seinem eigenen sehr virtuosen Stil einzubringen. Da er schon bei einigen meiner Lieblingsbands gespielt hat und mir auch das letzte WINGER - Album "Karma" sehr gut gefällt, nutzte ich die Chance, Reb während der Europatour der Band zu interviewen. Dabei erwies er sich als sehr freundlicher und auskunftsfreudiger Gesprächspartner, weshalb mir dieses Interview sehr viel Spaß gemacht hat. Auch wenn das Ganze schon ein bisschen her ist, seine Antworten sind noch immer interessant und lesenswert.

Winger

Hallo. Lass uns zunächst noch über euer letztes Album "Karma" reden, das mir wirklich sehr gut gefällt. Es klingt für mich rockiger und direkter als das vorherige Album "IV", das eher dunkel und fast schon ein bisschen melancholisch war. Siehst du das ähnlich und wie kam es zu dieser Entwicklung?

Danke, schön das dir "Karma" gefällt. Das Album "IV" war Kips (Winger) Idee, es war ein Album über die Truppen, die über die Welt verteilt ihren Dienst verrichten. Denen wollten wir einfach ein Album widmen. Kip machte damals das ganze Album von Anfang bis Ende. Er gab mir fast schon vor, was ich spielen sollte. Es war einfach sein Album. Und als dann ein neues Album anstand kam er zu mir und meinte, er hätte keine Idee, was für ein Album wir machen sollten und fragte mich, was ich denn machen wollte. Darauf sagte ich, dass ich diesmal gerne ein pures "Bang - Your - Head" - 80er - Jahre - Album machen möchte, das einfach rockt. Halt ein eher einfaches Album, nicht zu kompliziert. Ich dachte auch, dass die Fans diesmal ein solches Album von uns erwarteten, bei dem sie die Songs einfach mitsingen können, zu dem sie abrocken können.

Die Songs auf "Karma" sind sehr unterschiedlich. Neben "straighten" Rockern wie dem Opener "Deal With The Devil" gibt es Stücke wie "Come A Little Closer", die fast schon "poppig" klingen, dann ziemlich heftige Sachen wie "Supernova" oder einen Song wie "After All This Time", der eher bluesorientiert ist mit einen sehr starken Solo. Wie kam es zu dieser Vielseitigkeit?

Oh ja, "All This Time" ist schon sehr bluesig. In diesem Song wollten wir John Roth (dem zweiten Gitarristen der Band) einfach die Möglichkeit geben, mal zu zeigen, was für ein starker Gitarrist er ist. Und das mit der Vielseitigkeit hat sich beim Schreiben der Songs einfach so ergeben. Das war jetzt nicht groß geplant. Bei "After All This Time" kam John halt mit dem bluesigen Riff an und sagte, dass er gerne mal so etwas machen möchte, was einfach seiner Spielweise entspricht. Ich finde nicht, dass dieser Song groß aus dem Album herausbricht, er passt schon gut dazu. Und ein Metalsong wie "Pull Me Under" mit einem starken Riff kommt einfach gut an bei unseren Konzerten. Mit diesem Stück beginnen wir ja bei dieser Tour. Und Kip hat die verschiedenen Dinge zusammengefügt. Er sagte dann auch schon mal, dass wir noch eher einen schnelleren Song bräuchten usw., worauf wir dann auch eingingen. Wir haben das ganze Album in nur 10 Tagen eingespielt, worüber wir sehr stolz sind und wodurch alles sehr spontan klingt. Da kamen uns aber auch moderne Techniken zu gute, weshalb wir sehr gut vorbereitet ins Studio kamen und uns auf das Wesentliche konzentrierten. Dadurch konnte jeder auch zu Hause an manchen Sachen weiterarbeiten, was doch das gemeinsame Aufnehmen sehr erleichtert. Weißt du, ich kann gut Riffs schreiben und habe ein Gefühl dafür, was gut klingt. Und Kip macht aus diesen Sachen dann fertige Songs. Er ist einfach ein sehr professioneller "Arranger", der unsere Ideen zusammenfügt. Er macht ja beispielsweise auch Arrangements für das San Francisco - Ballet, dort hat er schon Auftritte für Ballet und Orchester arrangiert. Und dazu er schreibt ja auch noch die Lyrics und alles andere. Manchmal glaube ich, dass er sich nicht mehr sehr lange mit Rock 'n' Roll beschäftigt. Er steckt so tief in anderen Musikstilen drin, das ist schon unglaublich. Er macht klassische Musik, er schreibt Filmsoundtracks und in all diesen Dingen ist er ein sehr großes Talent. Aber ich hoffe, dass er uns erhalten bleibt, denn ich brauche ja auch einen Job in den Zeiten, in denen ich nichts für WHITESNAKE zu tun habe.

Ihr habt ja WINGER nach einer Pause von fast zehn Jahren vor ein paar Jahren wieder zusammengebracht. Was waren damals die Gründe für diese Reunion?

Von den ganzen Bands aus den 80ern waren wir einfach die Band, die am schlimmsten runtergefallen ist. Und so kamen wir einfach irgendwann zu dem Entschluss, dass es besser ist, eine Pause einzulegen, in der jeder seine eigenen Wege geht. Aber wir haben schon immer gedacht, dass wir irgendwann wieder zusammenkommen. Kip ist ja auch mein bester Freund und so habe ich mindestens zweimal in der Woche mit ihm geredet. Und irgendwann war dann der Zeitpunkt gekommen, für unser Album "IV" auch musikalisch wieder zusammenzukommen. Und natürlich ging es da auch um Geld. Kip und ich, wir kamen wieder zusammen über THE MOB, eine Band bei Frontiers Records, bei der neben mir noch Doug Pinnick und Kelly Keagy von NIGHT RANGER am Schlagzeug spielen. Diese Band hat Kip dann produziert und dabei hat es wirklich große Freude gemacht, wieder zusammen zu arbeiten. Es gab ja immer Anfragen an uns, wieder etwas als WINGER gemeinsam zu machen. Und dann lag es an Kip, wann wir das machen würden, denn die Band ist ja sein Baby. Und durch diese Zusammenarbeit mit THE MOB stimmte er dann zu, dass wir unter dem Bandnamen WINGER wieder zusammenfanden.

Glaubst du eigentlich dass WINGER die Anerkennung erhalten, die sie verdienen? In den 80ern und 90ern wurdet ihr ja gerne in die "Hair Metal" - Ecke gedrängt, wo ihr eigentlich nicht richtig hinpasst. Ihr habt ja immer eher ambitionierte Musik gespielt, die euch auch den Beinamen "DREAM THEATER des Hair Metal" einbrachten. Es scheint so, als ob manche Leute über euch urteilen ohne eure Musik tatsächlich zu kennen.

Ich glaube, dass WINGER einen der schlechtesten Rufe überhaupt in der Rockszene haben. Weißt du, dieser ganze Kram mit BEAVIS AND BUTT-HEAD oder den Videos anderer Bands, in denen WINGER schlecht wegkommen. Wir sahen halt alle ganz gut aus und dann hatten wir einige Songtexte wie "she's only seventeen / her daddy says she's to young...", die schon ziemlich stumpfsinnig waren. Und in unseren Videos, da legte man schon viel Wert auf diese vier gutaussehenden Jungs. So waren wir perfekt um veralbert zu werden. Und dieser Ruf klebte leider an uns als Band dran und so galten wir dann als "cheesy" oder poppig, einfach dieses typische Bild einer Hair Metal - Band. Aber irgendwann erleben uns die Leute live und dann und dann erkennen sie was WINGER wirklich ist. Ich denke dass wir schon gute Songs schreiben und als Musiker einfach besser sind als die Bands, mit denen wir gerne in einen Topf geworfen werden. Das führte sogar soweit, dass Kip 1993, als die Band dann auseinandergebrochen ist, noch nicht einmal in ein McDonald's - Restaurant gehen konnte, ohne ausgelacht zu werden. Aber wir haben auch genug Fehler gemacht und selbst dazu beigetragen, dass das alles so kam.

Du spielst ja auch seit einigen Jahren bei WHITESNAKE, die eine meiner absoluten Lieblingsbands sind. Wie kamst du eigentlich mit David Coverdale in Kontakt und warst du Fan dieser Band bevor du eingestiegen bist?

Schon, aber erst seit dem Album "1987", auf dem "Here I Go Again" drauf ist. Die ganzen Alben davor, die kannte ich fast gar nicht, und eigentlich ist das auch heute noch so, bis auf die Songs, die wir von diesen Alben live spielen. (An dieser Stelle lachte Reb sehr herzlich, was ihn sehr sympathisch macht.) Irgendwie habe ich davon gehört, dass David einen Gitarristen suchte und auch Kip hatte davon gehört. Und irgendwie stellte Kip dann den Kontakt her. Er kennt sehr viele Leute, er ist einfach ein echter Business - Typ mit vielen Kontakten. Danach schickte ich einfach alles von mir an David Coverdale, auch die Live - DVD von DOKKEN, und daraufhin engagierte er mich, besonders wegen meines Gesangs. Ich denke schon, dass ich eine recht gute Stimme für den Background - Gesang habe, auch wenn das heute Abend sicher nicht so rüber kommt. Ich habe mir auf dieser Tour eine heftige Erkältung zugezogen, die meinen Gesang zurzeit ziemlich einschränkt. Aber sonst ist das schon eine Stärke von mir, was mir dann auch zu dem Job bei WHITESNAKE verholfen hat.

Kannst du bitte etwas zu den Unterschieden zwischen WHITESNAKE und WINGER erzählen?

Da gibt es schon deutliche Unterschiede: Hier ein schicker Bus, dort ein Van oder hier das Ritz und dort ein Etap - Hotel. Das sind sehr sehr große Unterschiede. Und in WHITESNAKE bekomme ich gesagt, was ich spielen soll und bei WINGER ist es mir selbst überlassen. WINGER sind Kips und meine Band und da machen wir halt, was wir wollen. Nein, ganz so krass ist es natürlich nicht, ich kriege in WHITESNAKE nicht genau vorgegeben, was ich zu spielen habe. Bei den Soli kann ich mich schon einbringen, aber die grobe Richtung bekomme ich schon. Es ist einfach etwas anderes wenn du deine eigene Musik spielst als wenn du mit einer Band spielst, in der jemand anderes zumindest die Richtung vorgibt.

Du hast ja auch einige Soloalben veröffentlicht. Hast du vor, noch weitere Soloalben zu veröffentlichen?

Ja, das habe ich vor. WHITESNAKE legen ja gerade eine längere Pause ein, und auch in dieser Zeit muss ich ja irgendetwas machen. Da habe ich mir gedacht, einfach ein bisschen an weiterem Solomaterial zu arbeiten. Und ich habe jetzt auch schon einige Songs komplett fertiggestellt.

Auf deiner Homepage habe ich gesehen, dass du auf einigen LPs gespielt hast, die ich wirklich nicht erwartet hätte, z. B. auch auf einem Album der BEE GEES. Ist es wichtig für dich, mit solchen Leuten zusammen zu arbeiten, mit denen du sonst eher nicht zusammenspielst?

Das ist ein wirklich gutes Album. Aber das ist sehr lange her. Ich war damals einfach ein Session - Musiker in New York City. Das hat sich dann einfach so ergeben, dass ich auf diesem Album gespielt habe. Man kriegt bei solchen Sachen ziemlich genau gesagt, was man zu spielen hat, und da macht man schon mal Sachen, die man eigentlich nicht wirklich spielen will. Aber das ist einfach so wenn man als Session - Musiker arbeitet.

Vor einigen Jahren hast du auch eine Zeit lang bei DOKKEN gespielt. Warum hast du diese Band damals eigentlich ziemlich schnell verlassen?

Ich habe damals auf einem Studioalbum und einem Livealbum / einer Live - DVD gespielt. Das waren schon einige Jahre, die ich bei DOKKEN gespielt habe, und dann kam halt das Angebot, bei WHITESNAKE einzusteigen. WHITESNAKE waren definitiv der Grund, warum ich bei DOKKEN ausgestiegen bin. Es war schon ein große Sache, bei DOKKEN zu spielen und ich mag Don Dokken wirklich sehr. Manchmal ist es schon etwas schwierig, mit ihm zusammenzuarbeiten, aber es ist ein toller Typ und wir sind wirklich weiterhin gute Freunde. Und mit unserem Album "Erase The Slate" haben wir dann auch als Supportband für WHITESNAKE getourt. Da musste ich ihm halt irgendwann gestehen, dass ich auf zur Hauptband gehe und er jetzt in als mein Opener spielt. Dann hat mich ja John Norum von EUROPE bei DOKKEN ersetzt, der ja auch in sehr netter Kerl ist.

Winger

Abschließend erlaube ich mir noch eine Frage zu stellen, die mich schon einige Zeit beschäftigt. Vor ziemlich langer Zeit habe ich mal in einem Interview gelesen, dass man dich gefragt hast, was du sagen würdest, wenn du Jimi Hendrix treffen würdest. Und deine Antwort war "Stimm deine Gitarre..." oder etwas in dieser Richtung. Was hast du damals eigentlich gesagt? (Nach dieser Frage musste er erst mal lachen und wusste genau, was ich meinte.)

Ach ja, diese Geschichte. Das war einfach nur ein Joke, und alle, die dabei waren, haben herzlich gelacht. Die haben mich damals gefragt, was ich sagen würde, wenn Jimi Hendrix jetzt in den Raum käme und ich ihm genau einen Satz sagen dürfte. Und da habe ich halt gesagt "Stimm deine Gitarre", aber ich wollte eigentlich sagen "Jimi, hier ist eine Gitarre mit Floyd Rose - System, versuch die mal, die verstimmt sich nicht so schnell", weißt du, dieses stimmstabile Tremolo - System. Jimi war doch immer einer meiner größten Einflüsse, und ich würde ihn nie kritisieren oder veralbern. Aber da wurde dann eine richtig große Sache draus gemacht und überall stand, dass Reb Beach Jimi Hendrix empfehlen würde, seine Gitarre zu stimmen. Dabei ging es eigentlich nur um dieses Floyd Rose - System, das es einfach zu seiner Zeit noch nicht gab und das sicher gut zu seiner Spielweise gepasst hätte. Und die Presse hat die Sache einfach ein bisschen aufgebauscht und das Ganze ohne Bezug zu dem ganzen Zusammenhang wiedergegeben.

Damit möchte ich mich wirklich ganz herzlich bei dir dafür bedanken, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Es hat mir wirklich sehr viel Spaß gemacht. (An dieser Stelle mussten wir das Interview beenden, weil Reb damals zum Soundcheck gerufen wurde.)

Vielen Dank, es hat mir auch Spaß gemacht. Möchtest du zum Abschluss noch ein Foto?

Den letzten Vorschlag haben wir natürlich dankend angenommen. Und obwohl er schon gerufen wurde nahm er sich noch Zeit für Fotos und eine freundliche Verabschiedung. Reb Beach ist wirklich ein netter Kerl und ein toller Interviewpartner. Natürlich wünsche ich ihm hiermit nochmal alles Gute für die Zukunft. Hoffentlich erscheint bald sein damals angekündigtes Soloalbum, auf das ich mich schon jetzt sehr freue.

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