Navigation
                
12. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Band
Titel
Autor
Homepage
>> Als E-Mail versenden
BLOODATTACK
Skorbut und Sniper im Sexshop!
David Lang
www.myspace.com/bloodattack


Es gibt zwar selbst im Underground mittlerweile unzhlige Mglichkeiten seine Band wenigstens semi-professionell darzustellen, doch auch dass erfordert immer noch Zeit und Arbeit. Eine Combo, die bereits schon einige Jahre im Untergrund mitmischt sind die Koblenzer von Bloodattack. Was allein deren Snger Daniel Zimmermann an Engagement zeigt und warum sich so was letztendlich auch auszahlen kann, verrt er uns hchst selbst via Mail.

Erzhl unseren Lesern doch mal kurz, knapp und unterhaltsam die Geschichte der Band!

Schnen guten Tag! Wir sind BLOODATTACK aus Koblenz, Rheinland-Pfalz, direkt aus dem Herzen der allseits gehassten BUGA. Wir sind Anfang 2000 als Projekt gestartet. Mit dabei waren damals noch Loc (heute SIX REASONS TO KILL) und noch ein paar andere Jungs aus dem Umkreis. Ich kam gerade von GOMORRHA, Marc und Gunnar stieen spter von CREUTZFELD mit dazu. Unser Gitarrist Lutz war vorher in einer Neuwieder Boygroup namens TRKISCH POWERBOYS vertreten. Jetzt aber aufzuzhlen wer, wo und wann gezockt hat, wre wohl ziemlich uninteressant, allerdings sieht man uns wohl an, dass wir nicht unbedingt die Jngsten sind, schon viel Musik in unserem Leben gemacht haben und voll auf den ganzen Kram stehen. Bloodattack Ralph und ich sind die Grndungsmitglieder, die von Anfang an dabei sind. Allerdings zocken wir in dieser Besetzung nun seit dem Jahr 2003 und das ist auch gut so. Denn wir sind uns bisher noch nicht so auf den Sack gegangen, wie wir es eigentlich befrchtet haben. Obwohl sich manchmal ein starkes Hassgefhl meinerseits auf unserer letzten Tour nicht unterdrcken lie. Ich hatte mehrfach mein Butterfly-Kampfmesser im Anschlag und wollte es meinen Bandmitgliedern ungebremst von hinten in den Rcken rammen. Ich wurde jedes Mal von den anwesenden Securitys daran gehindert. Wir kennen uns alle schon ziemlich lange, daher wussten wir, wie es denn wohl laufen wrde. Eine andere Konstellation wrde gar nicht funktionieren und BLOODATTACK, ohne einen von den jetzigen Herren, wre eben nicht mehr BLOODATTACK. Anfnglich wurden nur lokale Gigs gespielt. Allerdings war das irgendwann ermdend und man stand vor der Frage ob man aufhrt oder weitermacht. Also haben wir natrlich weitergemacht, wie bescheuert geprobt, Konzerte gespielt, vorm Rechner gehangen um Kontakte zu knpfen und was sonst noch alles dazu gehrt. Mittlerweile ist die Sache ganz gut am Laufen, aber natrlich sind wir immer auf der Suche nach Leuten, die uns untersttzen!!! Wir haben ein Spitzenlabel, bekommen Touren angeboten, haben viele Leute die uns helfen und genieen hohe Rabatte in Bordellen, deutschlandweit. Nun ist es soweit, dass man den Spagat zwischen Arbeit und Band genau planen muss, da es sonst zu viel wird. Immer neue Herausforderungen, die man vorher nicht kannte.

Von eurer ersten, in Eigenregie vertriebenen MCD 2006 bis zu eurem aktuellen Werk "Rotten Leaders" war es mit Sicherheit kein geradliniger Weg. Wie kam es zu der Arbeit mit Bastardized Recordings?

Also eine erste CD d.i.y. zu verffentlichen, ist meist der normale Werdegang, es sei denn, man ist ein absoluter Senkrechtstarter, hat viel Vitamin B(eziehung), hat nur Allstars in der Band oder ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Keines der Dinge traf bei uns zu. Wir sind immer zur falschen Zeit am falschen Ort und zudem haben wir statt Vitamin B wohl eher Vitamin S(korbut). Auerdem ist unsere erste MCD zwar sehr "cool" geworden, ich kan's aber keinem Label verdenken, uns mit diesen Aufnahmen nicht zu signen. Wenn ich mir die Aufnahmen heute anhre bekomme ich stellenweise graue Haare. Sie waren noch viel zu unausgegoren und holprig, um was "Richtiges" damit zu starten. Zu unserem Signing kann alles auf der Homepage von Bastardized Records nachgelesen werden. Dort gibt es eine extra Rubrik, wo wir ein Statement abliefern. Wir sind uns sicher, dass das die beste Entscheidung in unserer Laufbahn war.


Wenn man Jahre lang den Underground atmet und so ziemlich alles um die Kunst herum selber macht, stell ich es mir komisch vor, pltzlich einiges davon fremden Hnden anzuvertrauen. Lsst euch euer Label vllige kreative Kontrolle?

Ja, das tut es. Wir designen weiterhin alles selbst (neues Video, Homepage, Myspace, Facebook, Shirtdesigns, Banner etc.) und die Jungs von Bastardized helfen uns wo und wie sie knnen, die o. g. Dinge Publik zu machen und zu promoten. Sie helfen uns beim Drucken von Merch, posten unsere News auf ihren Seiten, helfen uns beim Booking, promoten unsere CD und was eben alles noch so dazu gehrt. Mit dem Signing auf Bastardized Records haben wir einen groen Sprung in die richtige Richtung getan- wir haben weiterhin die Kontrolle- aber Bastardized helfen uns wo und wann sie knnen! Auerdem ist es nach einer so langen Zeit auch mal sehr erfrischend, nicht immer alles selbst machen zu mssen, sondern es in vertrauenswrdige Hnde zu geben und zu wissen, dass es dort auf jeden Fall bestens gemeistert wird!

Bloodattack

Was hat es mit dem Titel des Albums und dem coolen Zombie-Cover auf sich?

Das Albumcover kommt von Peter Hoffmann, Glashaus-Design. Ein groer, anmutiger Knstler feenhafter Erscheinung , der bereits Designs fr Caliban und HSB entworfen hat. Er ist mit mir befreundet und hat uns das Ganze entworfen, weil er uns mag (hoffe ich). Htte er von uns den Preis verlangt, den er normalerweise fr solche Arbeiten nimmt, wren wir heute noch hher bei unseren Shnen und Tchtern verschuldet. Die fnf Zombies auf dem Cover sind wir, die "Rotten Leaders", was natrlich fr Auenstehende, die unsere unsympathischen, verlebten Affengesichter nicht kennen, nicht unbedingt zu erkennen ist. Wir sind fr den Entwurf des Covers zu Peter nach Kln gefahren und er ist mit uns in den Stadtwald gegangen. Er trug hierbei eine komplette Sniperschtzen-Uniform, warum auch immer. Wir sollten dann in allen erdenklichen Posen fr ihn Modell stehen und er hat das fotografiert. Groen Respekt auch hier fr Peters Professionalitt - trotz unseres dmlichen Aussehens und unseres ausufernd-dmmlichen Verhaltens musste er kaum Lachen und war die Ruhe selbst - dies lag ggf. an seiner Sniperschtzen-Uniform. Ich bat Peter natrlich im Vorhinein um ein etwaiges Artwork, allerdings lieen wir ihm weitgehend freie Hand, da er sowieso alles in diesem Bereich perfekt beherrscht und man ihm voll und ganz vertrauen kann! Auerdem hatten wir kein Interesse an purpurn schimmernden Totenkpfen oder einugigen, blutverschmierten Flamingos. Wir sind mit dem Endprodukt mehr als zufrieden-obwohl dieser Zombiestyle natrlich oft von oberflchlichen, oberlippenflaumtragenden Rezensoren als Einheitscore abgestempelt wird, ohne die Platte einmal richtig gehrt zu haben. Dies ist uns aber, wie so viele Meinungen von vielen grokotzigen Internetindividuen, lediglich scheissegal.

Meiner Promo lagen leider keine Texte bei, dabei htte es mich gerade bei dieser Platte mal interessiert, worum es in "Beverly Hills Chihuahua" oder beispielsweise "Awaking The Butcher" geht. Habt ihr allgemein eine klare Linie oder schliet ihr gewisse Themen von vornherein fr euch aus?

Bei "Beverly Hills Chihuahua" geht's im Allgemeinen um mein Gefhl und meine skurrile Position in einer Gesellschaft mit Personenkreisen, die beispielsweise ihre Hunde in Entenkostmen spazieren tragen und nichts Innovativeres zu tun haben, als sich den ganzen Tag Gedanken um ihre anstehende Schamlippenverkleinerung zu machen. Ein Zitat aus "Awaking The Butcher", der Vielen klar machen sollte, worum es geht: "...my life in chains, that's not in my blood, unleash my fire, sometimes hope's all, all we've got". Ich schreibe die Texte und mache mir immer wieder Notizen, sobald mir etwas fr einen Song einfllt. Gerade in den unmglichsten Momenten fallen mir Textthematiken oder Zeilen ein, die ich 10 Minuten spter wieder vergessen habe - aber seitdem ich ein hochmodernes Superhandy mit Notizfunktion und integrierter Munddusche besitze, kann ich alle meine Ideen sofort notieren und getrost wieder vergessen .Gerade beim Joggen, Zug fahren oder bei der Morgentoilette unverzichtbar, um meine geistigen Ergsse festzuhalten. Eine klare Linie haben wir nicht, unsere Textinhalte reichen vom gesellschaftskritischen Thematiken bis hin zu Verehrungshymnen des C64-Klassikergames. Immer ber das Gleiche in meinen Lyrics zu schreiben und immer todernst zu sein stelle ich mir doch sehr monoton vor. Die besten Songtexte haben fr mich Converge, Black Flag, Catharsis, Ceremony und die Kassierer.

Euer Video zu "Mein Zorn stirbt zuletzt" (endlich mal ein Clip, der Spa macht) lsst vermuten, dass ihr wohl eure Musik, aber euch selbst und das Tough Guy Gehabe der Hardcore-Szene nicht sonderlich ernst nehmt. Wer kam denn auf die Idee und was steckt hinter diesem Text?

Also auf die Idee kam ich in einer Situation geistiger Umnachtung. Leider prgen diese Situationen immer hufiger mein Dasein. Aber das ist ein anderes Thema. Es war uns im Vorhinein klar, dass wir nicht die finanziellen Mglichkeiten haben, um uns in unserem Video aus einem Armyhelikopter abseilen zu lassen, Auerirdische mit Chainguns niederzumetzeln, uns in tanzende Roboter zu verwandeln oder sonstiges. Allerdings wollten wir auch nicht mit verschrnkten Armen da stehen und dazu posieren, wie eine Rentnerin im Keller seziert wird. Die Idee war, uns so darzustellen, wie wir zu uns und unserer Musik stehen. Ich denke das ist gelungen. Wir nehmen uns und Bloodattack schon sehr ernst, aber auf eine andere Art und Weise, wie es manch andere Band tut. Wir sehen es beispielsweise nicht als unsere Aufgabe, sinnlose Gewalt oder unser Vorstadtghetto in unsere Musik zu integrieren. Wir sind aber auch keine Band, die sich Spa, Nchstenliebe und "have some fun my brothers and sisters" zum Aushngeschild macht. Ich denke, dass wir eine gesunde, Einstellung zu unserer Musik und dem haben, was wir tun, mit der ntigen Prise Humor und Punk-Rock. Hinter dem Text des Songs steckt die Aussage, dass viele Menschen (auch gerade in unserer Szene) Tag fr Tag schluchzen und jaulen ber ihr Unglck, ihre aussichtslose Situation, ihr beschissenes Umfeld und ihr verkorkstes Dasein in einem groen Haufen Menschenmll . Es wird immer gehetzt, sich beschwert und trotzdem wird kein Schritt in die ersehnte Richtung getan oder Initiative ergriffen, um etwas an der vermaledeiten Situation zu ndern. Wenn dem doch so ist, wird an der ersten Hrde halt gemacht, da es dann doch zu anstrengend und nervenaufreibend wird. Die Energie, etwas zu bewegen scheint besser darin investiert zu sein, Tiraden darber zu schwingen, wie beschissen alles ist. ndern tut dieses Verhalten nichts, es setzt nichts in Bewegung und alles wird beim Alten bleiben. Arsch hochkriegen - "a day to day fight for myself, a day to day fight against everything": Leider war die Thematik sehr schwer in ein Video zu verpacken, daher haben wir uns hierbei auf visuellen 80's Trash reduziert.

Ihr kommt aus Koblenz, einer relativ groen Stadt, die mit u.a. euch, HORDAK und natrlich SIX REASONS TO KILL eine ziemlich lebendige Szene hat. Fr den groen Durchbruch hat es leider noch bei keiner der genannten gereicht. Dabei investiert ihr, selbst fr einen Auenstehenden wie mich klar zu erkennen, viel Zeit und Arbeit in Bloodattack. Denkst du, dass Bands aus Grostdten wie Berlin oder Hamburg es leichter haben, anerkannt zu werden?

Hmmmm, also ich denke, dass es viele Faktoren gibt, wann sich eine Band durchsetzt. Dadurch, dass ich selbst in einer Band spiele, Shows organisiere, mir alle mglichen Platten anhre, Musikmagazine lese und vieles mehr, wage ich zu behaupten, folgende Analyse aufzustellen zu knnen. Professor Zimmermann sagt: Mir fllt immer wieder auf, dass man mit einer Platte den "Zahn der Zeit" treffen oder etwas Neues, Innovatives bringen muss, was gengend Zuhrer erreicht. Dies haben zuletzt Bands erreicht, die in ihrer Musik, ihrem Auftreten, ihren Liveshows oder ihrer Internetprsenz etwas einbrachten, was unverkennbar war und gefiel. Gute Beispiele aus vergangenen Tagen sind hier sicher AT THE DRIVE IN mit "Relationship Of Command" wegen ihres unverkennbaren, eingngigen Songwritings und ihren turbulenten Liveshows, die einem weiche Knie bereiteten oder MASTODON mit "Leviathan", was an Brachialitt kaum zu toppen war. Aktuell wrde ich hier auch BRING ME THE HORIZON nennen, die zwar in vielen Kreisen sehr "verpnt" sind, aber mit "Suicide Season" eine Platte ablieferten, die vor Energie und Eingngigkeit strotzte und mit einem unverkennbarem Gesang versehen war. Dazu noch ein zugehackter Snger und Neonshirts und Deathcore war "more trendy than ever". Sicher gibt es hier noch viele andere Beispiele, aber ich glaube, es war nie so schwer wie heute, sich Gehr zu verschaffen. Dies hngt nicht mit der Herkunft zusammen, sondern eher mit vielen anderen Dingen.

Du hast viele Jahre lang auf der Bhne eine rote, enge Gummimaske getragen. Wo ist sie hin?

Ja genau, die habe ich mal getragen. Sie ist leider weg. rgerlich. Leider war sie in dem Sexshop, in dem ich sie erworben hatte, nicht mehr erhltlich. Bald habe ich Namenstag, wer mir hierzu eine neue Maske schenken mchte, kann sie gerne liebevoll verpackt zum Stichtag vor meiner Tr ablegen. Danke.

Letzte Worte, ein cineastischer Geheimtipp oder eine favorisierte Pornoseite?

Nun gut, ein absolut cineastischer Geheimtipp, fr den ihr mir sicher die Fe liebkosen mchtet:

Vielen Dank fr das Interview und an alle Leser! My Revelations rules!
Join the Bloodattack!

<< vorheriges Interview
HARDBONE - Rock'N'Roll is still alive
nchstes Interview >>
THE SORROW - Wir rauchen, saufen und ziehen uns schei [...]




 Weitere Artikel mit/ber BLOODATTACK: