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23. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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ATLANTEAN KODEX
Auf die Knie vor den arbeitslosen Akademikern!
Alexander Meyer
www.atlanteankodex.de


Gestern flattert mir das neue ROCK HARD ins Haus und als ich mir die Redaktionscharts anschaue, kann ich meinen Augen kaum glauben. Auf Platz 1 befindet sich tatschlich "The Golden Bough" von ATLANTEAN KODEX. Die fnf Bayern hatten sich aufgemacht den Underground aufzumischen und sind nun offenbar dabei den Metalolymp zu erklimmen. Nicht ohne Stolz prsentieren wir euch also dieses Interview mit den aktuellen Shooting Stars der Metalszene, wohl wissend, dass die Jungs nicht in solchen Kategorien denken. Dies stellen Snger Markus und Gitarrist Manuel durch ihre bescheidenen, geistreichen und witzigen Antworten auf die folgenden Fragen eindrucksvoll unter Beweis.

Atlantean Kodex

"The Golden Bough" hat mich tief beeindruckt. Dabei stehe ich nicht allein, denn die Metalpresse berschlgt sich geradezu vor Lob fr das Album. Habt ihr mit einem solch positiven Echo gerechnet und wie fhlt ihr euch dabei?

Markus: Erstmal Danke fr das positive Feedback; wenn jemand Begriffe wie "tief beeindruckt" im Zusammenhang mit unserem Album verwendet, blst mich das immer noch vllig weg. Auch wenn man sich tatschlich so langsam an den Gedanken gewhnt, dass scheinbar eine Mehrzahl von Kritikern ehrlich begeistert von der Scheibe ist. Aber ich glaube, ich spreche fr die gesamte Band, wenn ich sage, dass wir uns bei solchen Reaktionen immer noch unglubig die Augen reiben. Haben wir mit derart positiven Rezessionen gerechnet? Lass es mich so sagen: Ich denke wir waren zunchst selber ziemlich happy mit den Songs und dem Endprodukt und konnten uns vorstellen, dass das Album "in gewissen Kreisen", die z.B. auch das Demo gut fanden, ganz gut aufgenommen werden wrde. Dass wir nun aber durch die Bank solch groartige Besprechungen bekommen, fhlt sich immer noch etwas unwirklich an. Es ist eine tolle Erfahrung, und wir sind dankbar fr und natrlich auch stolz auf jede neue positive Kritik. Und speziell fr Manuel, der fr dieses Album wirklich unglaublich viel Zeit geopfert und Mhen auf sich genommen hat, sind diese Reaktionen sicher auch eine groartige Belohnung.

Vor der Verffentlichung von "The Golden Bough" wart ihr lediglich im tiefsten Underground aktiv und seid durch die Verffentlichung diverser Demos und EPs in Erscheinung getreten. Was bedeutet es euch "underground" und "true" zu sein?

Markus: Zunchst einmal sind wir als Metal Fans im "Underground" zu Hause, sofern dieser Begriff mit klassischem Heavy Metal assoziiert wird. Und zwar ganz einfach deshalb, weil wir diese Musik lieben, die Vielfalt an groartigen Bands verschiedenster Sub-Genres, die Atmosphre auf entsprechenden Konzerten und Festivals. Ich persnlich hre seit 25 Jahren Heavy Metal, und der Sound ,den ich und auch die anderen Bandmitglieder bevorzugen, spielt sich eben heutzutage - wie eigentlich auch grtenteils in den goldenen 80ern - hauptschlich im sogenannten "Underground" ab. Wir haben uns bei Underground-Konzerten bzw. ber das Unterground-Netzwerk im Internet kennen gelernt. Ohne den Underground wrde es AK also in dieser Form schlicht und einfach nicht geben. Ich denke "Underground" zu sein bedeutet fr uns vor allem, dass wir uns nicht vorstellen knnen jemals irgendwelche musikalischen Kompromisse einzugehen. AK steht fr "Regressive Epic Metal"; wenn dieser Stil uns irgendwann zu kommerziellem Erfolg und zu einem Auftritt bei "Wetten dass?!" verhelfen sollte (woran ich trotz der positiven Reaktionen noch gaaaanz leichte Zweifel hege), dann wre unsere Musik immer noch die gleiche und wir wrden sie noch genauso lieben und spielen wollen. Wenn das dann mehr Leuten zusagt als einem reinen "Underground"-Publikum...ich kann mir nicht vorstellen, dass wir uns dann dagegen wehren und unseren Stil ndern wrden nur um wieder "Underground" zu sein. Allerdings glaube ich fest daran, dass wir folgendem Leitmotiv auf ewig treu bleiben werden: Wacken? Niemals! Ach so, "true" zu sein bedeutet mir persnlich brigens berhaupt nichts...die Statistik bei "Musik-Sammler" zeigt an, dass ich nur 75% Metal in meiner Sammlung habe...das ist leider ein vllig untruer Wert...

Manuel: Was ich in Bezug auf "Underground" noch ergnzen knnte, ist, dass fr mich auch der "do-it-yourself"-Aspekt wichtig ist und der direkte Kontakt zu den Fans, ohne irgendein Management oder eine Booking-Agentur dazwischen. Wir sind in erster Linie selber auch Fans und wollen unseren Kameraden im Underground auf einer Ebene begegnen, ohne irgendwelchen aufgeblasenen Business- oder Promokram dazwischen. Auerdem wollen wir zu 100% die Kontrolle ber AK behalten, um auch weiterhin keine Kompromisse eingehen zu mssen. "Trueness" hat eh nichts mit Musikgeschmack zu tun. Man versucht halt mit einer gewissen Integritt durchs Leben zu gehen, sich nirgends anzubiedern und ehrlich zu bleiben. Wenn das mit "Trueness" gemeint ist, dann okay. Im Metal ist der Begriff meiner Meinung nach ziemlich inhaltsleer geworden. Wurden nicht mal sogar Hammerfall als "True Metal" bezeichnet?

Auf eurer Homepage macht neuerdings sogar Paris Hilton Werbung fr das aktuelle Album. Dies in Verbindung mit ein paar nicht ganz ernst gemeinten Textzeilen, wie "Kneel before ATLANTEAN KODEX", lassen mich vermuten, dass ihr euch und die Truemetalszene nicht ber die Maen ernst nehmt!

Markus: Endlich mal jemand, der das erkennt und den Nagel auf den Kopf trifft! Es ist doch so: Wenn du dir als Band "Epic Metal" auf die Fahne schreibst und dann eine Bandhymne wie "The Atlantean Kodex" komponierst, dann kannst du nicht texten "Hey Leute, wir sind 5 nette Jungs aus Bayern und wir machen so Metal Musik und wir finden die echt ganz gut und so, also wenn ihr Lust habt (und wir wollen natrlich niemand zwingen), dann riskiert doch mal ein hrchen, vielleicht kommt ihr ja mal"auf ein Konzert vorbei, wrden uns echt freuen". Nicht wirklich zwingend "epic", oder? Passender zum Genre ist wohl eher etwas wie "Werft Euch in den Staub, ihr Unwrdigen, und unterwerft Euch dem allmchtigen Kodex, denn wir kommandieren die sthlernen Horden und fhren Euch ins neue Metal Zeitalter". Okay, und wie "ernst" meinen wir das dann? Um Himmels Willen, es wird doch wohl niemand ernsthaft glauben, dass wir im Fellhschen durch den Wald rennen, auf der Suche nach un-truen Posern, die wir dann mit frisch geschmiedetem Stahl das Frchten lehren, sollten sie nicht Willens sein, uns in den Underground zu folgen? Wenn ich nicht wsste, dass beim Texten solcher Songs auch eine gute Portion Selbstironie und Augenzwinkern einfliet, wre ich persnlich nie in der Lage das Ganze als Snger zu interpretieren, ohne mir vllig lcherlich vorzukommen. Das heit aber nicht, dass wir nicht hauptschlich ernste, nachdenkliche, melancholische oder auch tiefgrndige Texte im Mix haben, die man dann auch gerne ernst nehmen und sich damit auseinander setzen darf. Aber deshalb muss man sich selbst und das gesamte Paralleluniversum Heavy Metal trotzdem nicht dermaen ernst nehmen, dass man nicht manchmal auch darber schmunzeln oder Scherze machen kann. Ach ja, und bevor ich es vergesse, wir sind natrlich bereit fr den Metal zu sterben!

Manuel: Also, ich nicht!

Atlantean Kodex

In meiner Rezension von "The Golden Bough" habe ich euch mit den alten Fates Warning, Warlord und Solitude Aeturnus verglichen. Oft werden Manowar als starker Einfluss fr ATLANTEAN KODEX angefhrt, was ich als etwas profan empfinde. Beschreibt bitte selbst einmal eure Einflsse.

Markus: Die Manowar Vergleiche sind oftmals irrefhrend, wenn man sie auf die Manowar der letzten 15-20 Jahre bezieht. Gemeint ist die Frhphase der Band, also die Alben Anfang/Mitte der 80er. Diese werden von AK, euphemistisch gesprochen, sehr geschtzt. Besonders die epischen Tracks stellen definitiv einen starken Einfluss auf unsere Songwriter dar. Bands wie Warlord oder Manilla Road zhlen ebenfalls zu unseren Faves, und die Einflsse aus dem Doombereich (meine persnlichen Gtter sind hier Candlemass) sind sicher auch deutlich. Das mit Fates Warning muss mir irgendwann nochmal jemand erklren, aber auch da bist du nicht der Einzige, der diesen Einfluss entdeckt zu haben glaubt. Eine von dir nicht genannte Parallele, die sonst in fast jeder Rezension auftaucht, sind die epischen Werke von Bathory, und auch damit liegen die Kritiker sicher absolut richtig. Allerdings sollte man diese ganzen Schubladen auch nicht berstrapazieren. Sollten wir wirklich wie eine Mischung aus Fates Warning, Manowar und Bathory klingen, dann kann man das ja schon fast als "eigenstndig" bezeichnen. Ansonsten sind wir ganz einfach Hard Rock und Heavy Metal Fans des gesamten Spektrums von AC/DC bis Slayer. Aber der Haupteinfluss ist sicher klassischer 80er Metal in all seiner Vielfalt, egal ob Mainstream oder Underground. Aufgrund unseres Backgrounds und der persnlichen Vorlieben htten wir wahrscheinlich auch eine Thrash Combo grnden knnen; es gab allerdings eine besondere Motivation fr die Ausrichtung der Band als klassische Metal bzw. Epic Metal Band, nmlich diesem Genre neues Leben einzuhauchen. Nicht aus kommerziellem Kalkl heraus, sondern einfach aus Liebe zu dieser Art Musik, deren Vertreter in der heutigen Szene arg dezimiert sind bzw. in einem ganz speziellen Fall, ihre Glaubwrdigkeit wie auch musikalische Brillanz verloren haben.

Manuel: Ja, wobei wir teilweise schon auch ein wenig weiter ausholen. Ich finde, man hrt teilweise auch raus, dass wir, vor allem Florian und ich, ziemlich auf 1970er-Rock wie Uriah Heep und Rainbow stehen. Dazu noch ein wenig Folk und traditionelle Musik...

Wie schafft ihr es in euren Songs solch eindringliche Klangbilder zu erschaffen, dass man sich beim Hren vorkommt als schreite man durch Landschaften von "Lord Of The Rings"? Welche Autoren und Filmemacher inspirieren euch?

Markus: Es gibt natrlich relativ offensichtliche Haupt-Inspirationsquellen fr die Texte und die Stimmung, die die Musik erzeugen soll: Tolkien, H.P. Lovecraft, Robert E. Howard. Musikalisch erzeugt man diese Art Stimmung sicher eher durch getragene oder gar schleppende Arrangements und "doomige" Riffs und Harmonien. Ein Speed Metal Song drfte eher selten die Assoziation des "durch Landschaften Schreitens" hervorrufen...

Manuel: Vielleicht ist es die mythologische Sprache, die wir verwenden. Auch wenn Tolkien sicher ein riesiger Einfluss ist, schreiben wir ja keine Texte ber den "Herrn der Ringe", sondern halten die Bilder bewusst offen, um jedem Hrer individuelle Assoziationen zu ermglichen. In Verbindung mit der dramatischen Musik und dem Artwork entsteht so vielleicht diese spezielle Atmosphre.

Bitte beschreibt kurz das lyrische Konzept, das hinter "The Golden Bough" steckt und erklrt, warum zum Teufel Metalheads wie ihr sich fr solch schwere Kost interessieren. Auf eurer Homepage sind eure Fachgebiete (z.B. Archologie und Anthropologie) ja bereits aufgelistet. Darf ich davon ausgehen, dass ihr metallische Akademiker seid, zumal euer Englisch wirklich superb ist?

Manuel: Danke, fr das Kompliment. Bevor wir uns auf Atlantean Kodex geeinigt haben, war als Bandname auch "Die arbeitslosen Akademiker" im Gesprch. Haben wir dann aber nicht gemacht, weil sonst jeder gemeint htte, wir klingen wie die "Kassierer".

Markus: Soweit ich unser lyrisches Konzept verstehe - und ich bin teilweise selbst noch dabei es genau zu ergrnden - handelt es sich bei TGB nicht um ein klassisches Konzeptalbum im Sinne des Erzhlens einer Geschichte. Es gibt keine Handlung, eher ein vielen Texten zugrunde liegendes Denkmodell, das sich an das gleichnamige Werk des Anthropologen Sir George Frazer anlehnt.

Manuel: Alles richtig erklrt. Um's ein wenig zu przisieren: Frazer glaubte, alle Religionen Europas sind aus dem magischen Denken steinzeitlicher Vlker entstanden. Er verstand also zum einen Magie als Wurzel der Religion und ging zum anderen davon aus, dass sich z.B. das Christentum auf 12.000 Jahre alte Riten zurckfhren lassen. Das fanden wir sehr spannend, vor allem auch wegen der vielfltigen Bezge, die sich zur Gegenwart, Stichwort: kulturelle Identitt Europas - herstellen lassen.

Markus: Natrlich "bedienen" wir uns wie gesagt, auch bei Tolkien oder anderen klassischen "Sword and Sorcery"- Autoren. Wie sollte es fr eine Epic Metal Band auch anders sein? Allerdings denke ich, dass wir uns textlich schon etwas vom "typischen" Stil dieses Genres abheben, und man sich durchaus mal das Textblatt der CD zu Gemte fhren muss, um die Lyrics einigermaen interpretieren zu knnen. Trotzdem sind viele Dinge auch dann noch nicht wirklich offensichtlich und man wird sich weiterhin fragen, wer denn nun dieser Choronzon eigentlich ist und was er mit Atlantis und dem Kodex zu schaffen hat und ob diese Insel der Gesegneten nun Atlantis sein soll oder wie oder was...selbst der aufmerksame Hrer sollte hier keine Aufklrung erwarten und darf sich ruhig seine eigene Interpretation zurecht basteln. Mein Lieblings-Text ist brigens "Vesperal Hymn", weil ich glaube zu verstehen, was der Texter (in diesem Fall Florian) sagen wollte....aber ich kann mich tuschen...

Ihr seid vor kurzem auf einem kleinen Festival in Portugal aufgetreten. Wie war's?

Manuel: Sehr schn war's. Wie bezahlter Urlaub. (lacht) Die portugiesischen Fans waren fantastisch. Wir mussten zwei Stunden spielen, inklusive zweier Zugaben. Und das mit nur einem Album und einer EP. Wir haben dann ein paar Sachen zweimal gespielt, ich wei nicht, ob es jemand gemerkt hat. Atlantean Kodex

Wie darf man sich eine ATLANTEAN KODEX Show vorstellen und wo kann man euch demnchst mal live erleben?

Markus: (Lacht) Keine Ahnung, wie so eine AK Show aussieht, ich persnlich war noch auf keiner...bisher musste ich mich aufgrund meiner Jobsituation live immer von meinem alten Kumpel Gonzo vertreten lassen, der,was man so hrt,jedes Mal einen fantastischen Job abgeliefert hat. Von den Tapes und Videos her zu urteilen, fllt mir allerdings spontan ein Begriff ein, der eine AK Show wohl recht gut beschreibt: intensiv. Meine persnliche AK Feuertaufe wird voraussichtlich am 16.04.2011 beim "Hammer of Doom Festival" in Wrzburg stattfinden. Zum Thema Touring: Aufgrund unserer jeweiligen Lebensumstnde wird AK wohl nie eine Touringband sein. Das ist schade, aber ganz einfach ein Fakt.

Wie seid ihr eigentlich an das kleine aber feine CRUZ DEL SUR Label geraten, bei dem u.a. die gttlichen While Heaven Wept unter Vertrag stehen? Wie wr`s mit einer Tour gemeinsam mit euren Labelgenossen?

Manuel: Enrico hatte uns live auf dem "Hammer of Doom III" gesehen und war von unserer Show sehr angetan. Da Cruz del Sur ohnehin unser Traumlabel war - eben wegen Bands wie Slough Feg, WHW oder Pharaoh - und ich Enrico als uerst professionellen, aber trotzdem absolut integren Menschen vorher schon lnger kannte, haben wir einfach mal angefragt. Alles Weitere waren dann nur noch Formalitten.

Hier drft ihr loswerden, was ihr einem Millionenpublikum schon immer sagen wolltet.

Manuel: Rumstehen und lssig ausschauen! In diesem Sinne.

...wrde ich eher sagen "Mitten im Leben stehen und sich von dem Trubel um AK nicht aus der Ruhe bringen lassen"! Lasst uns doch mal schauen, ob wir es nicht schaffen "The Golden Bough" sogar in die Verkaufscharts zu katapultieren! Noch nie war mir eine Empfehlung so ernst wie diese: Kauft euch das Album, setzt euch Kopfhrer auf, dimmt das Licht und taucht ein in die Welt von ATLANTEAN KODEX!

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