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22. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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KAMELOT
Auch ein Computer ist ein Instrument!
Thorsten Dietrich
www.kamelot.com


Bei vielen Bands machen immer die gleichen Musiker die Promoarbeit. So sind auch bei Kamelot Roy Khan und Thom Youngblood die Mnner fr die Interviews. Ich schnappte mir jedoch den aus Deutschland stammenden Keyboarder der Band, Oliver Palotai um Auskunft ber die Band zu bekommen.

Kamelot

Deinen Namen kennt man im Zusammenhang als Tourkeyboarder / Gitarrist fr namenhafte Acts wie Doro, Blaze Bayley und Circle II Circle, bevor du bei Kamelot eingestiegen bist, wie bist du dazu gekommen professionell Musik zu machen? Erzhl doch mal was.

Meine Entscheidung, professioneller Musiker zu werden, stand mit 15 nach der Grndung meiner ersten Band fest. Allerdings waren wir da noch die Helden in einem kleinen, schwbischen Dorf und meine Eltern bezahlten die Rechnungen. Dementsprechend leicht fllt man solche Entscheidungen. Ich hatte dann noch eine kurze, wenig erfolgreiche Begegnung mit der Realitt, als ich mich nach dem Abitur mit einem geisteswissenschaftlichen Studium in Tbingen gegen die Unbilden des Musikbusiness absichern wollte. Mitten in einer Vorlesung stand ich dann pltzlich auf und verlie die Fakultt mit dem Gedanken: Selbst wenn ich unter einer Brcke schlafen muss, mache ich von jetzt an nur noch Musik. Grund war, dass eine Hlfte der Studenten um mich herum mit verzcktem Gesichtsausdruck dem Dozenten und irgendwelchen frhmittelalterlichen Gedichten lauschte, whrend der Rest rumhockte wie in der Schule. Nun, ich gehrte zum Rest und wusste endgltig, wo ich hingehrte. Ich machte dann die Aufnahmeprfung auf einer Musikhochschule und studierte Jazz und Klassik.

Hast du eigentlich nur noch fr Kamelot und deine zweite Band Sons Of Season Zeit mit der du ja wirklich viele Gigs in letzter Zeit bei uns in der Ecke zockst?

Von Kamelot allein kann ich nicht leben und Sons Of Seasons muss noch geraume Zeit wachsen, bis die Band keine Geldvernichtungsmaschine mehr ist. Auerdem brauche ich Abwechslung. Als mein Kerngebiet sehe ich Komposition, Orchestration und Produktion. D.h. ich schreibe die symphonischen Parts fr Bands und Projekte, bringe Solo-Snger zu dem Punkt, wo sie sich Labels anbieten knnen etc. Zu guter Letzt gebe ich ambitionierten Musikern Privatunterricht.

Bei Kamelot ist das Lineup seit einiger Zeit stabil, berrascht hat mich den Ausstieg des langjhrigen Bassisten Glenn Barry fr den Sean Tibbets kam. So viel gelesen habe ich da nicht drber, war das eine Geschichte die ohne Probleme ablief?

Relativ problemlos. Glenn hatte seit einiger Zeit keinen Spa mehr am Touren. Ich konnte ihn teilweise verstehen: Touren bedeutet hauptschlich Rumsitzen und Warten oder unglaublich viel Zeit mit Aktivitten wie Duschen oder Frhstcken zu verbringen, weil man auf Tour alles mit 15 Leuten teilen muss und nicht immer gleich an der Reihe ist. Glenn wurde auch Vater eines zweiten Kindes und hatte neben Kamelot einen festen Job. Letzterer lsst sich oft nicht mit dem Touren vereinbaren.

Aktuell ist euer Snger Roy Khan krank. Die US-Tour wurde trotz Verpflichtung eines Ersatzsngers abgesagt. Wie geht es Roy und wie geht es nun weiter?

Kamelot

Roy hat immens viel Energie in das neue Album gesteckt. Ich nehme an, es hat ihn ausgebrannt. Danach kann einem eine weitere Kraftanstrengung wie eine solche Tour wie eine unberwindbare Mauer vorkommen. Wir werden sehen, wann er die Batterie wieder aufgeladen hat.

Das neue Album ist optisch ein richtiger Augenschmaus was Booklet und Cover betrifft. Glaubst du so etwas muss heutzutage sein um berhaupt noch eine echte CD zu verkaufen?

Klar, man muss den Fans etwas bieten. Ich persnlich kaufe mir immer CDs meiner favorisierten Bands, weil ich wei, dass die optische Prsentation Hand in Hand geht mit der Musik. Auerdem ist es ein Dankeschn an alle ehrlichen Musikfans, die wissen, dass das berleben von Bands davon abhngt, dass Musik nicht illegal konsumiert wird.

Alben wie "Karma", "Epica" und teilweise auch "Black Halo" sind meiner Meinung nach etwas softer und haben ein paar Nummern die etwas raus stechen und poppiger wirken. Bei "Poetry For The Poisoned" fhle ich mich mehr als Soundtrack Hrer und die CD als Ganzes. War das beabsichtigt?

Der rote Faden anstatt reinem, vereinzeltem Songwriting war schon ein Plan, ja. Trotzdem beschftigt man sich natrlich wochen- oder monatelang mit einem bestimmten Song, weil man ja auch wei, dass Titel verstrkt einzeln gekauft werden. Wer das Gesamtkunstwerk erleben mchte, muss sich die CD aber von Anfang bis Ende anhren.

Das letzte Werk fand ich nicht schlecht, aber kein Highlight. Hast du Lieblingsalben von Kamelot (egal ob du als Musiker dabei warst )?

hat im Laufe der Jahre eine enorme Entwicklung durchgemacht. Es fllt mir schwer, ein Lieblingsalbum unter denselben Gesichtspunkten herauszusuchen. Was die Produktion angeht, finde ich persnlich 'Black Halo' unschlagbar. "Epica" vereint wiederum einigen meiner Lieblingssongs. "Poetry For The Poisoned" andererseits ist wahrscheinlich homogener als alle anderen.

Wenn ich mir das Booklet durchlese, war neben den blichen Verdchtigen wie Sascha Paeth, Amanda Somerville und Simone Simons auch fast das ganze Avantasia Studio Rckgrat vertreten als Gste und machen einen sehr guten Job. Genauso wie Gastsnger Jon Oliva. Wie wichtig sind solche Gste fr euch und die Songs?

Sie verleihen zustzlich Farbe. Es ist sehr interessant, einen Song an Gste zu geben, ihnen einen bestimmten Part zuzuweisen mit der Aussage: "Mach was draus!" Es fhlt sich an wie Weihnachten, wenn man die Parts dann zurckkriegt.

Frher kam es mir so vor, als wre Thom Youngblood immer alleiniger Songwriter, doch nun ist das etwas mehr verteilt und auch du bist bei einer Nummer dabei. Wie siehst du das?

Roy und Thomas waren die Hauptsongwriter, ja. Ich habe neben "Dissection" auch noch den Bonustrack der japanischen Edition geschrieben. Mir wurde frher schon angeboten, am Songwriting teilzunehmen, aber das ist eine delikate Angelegenheit nach dem Motto: Never change a winning team! Es ist schwer, den speziellen Sound einer Band zu treffen, insbesondere weil die Vorproduktion jeder Band ganz unterschiedlich ist.

Rage haben in den 90ern eine Welle der Sorte Metalband + Orchester los getreten, die in den 70ern von Bands wie Deep Purple angefangen wurde. Mittlerweile ist das nix neues oder spannendes mehr. Bands wie Dimmu Borgir versuchen nun das Niveau einige Stufen hher zu tragen. Wie siehst du die Entwicklung in diesem Bereich, positiv oder negativ?

Kamelot

Das hngt stark von der Orchestration ab. Da gibt es von Top-Acts Platten, die schrecklich sind. Eine Metalband im Vordergrund und sliche, langweilige Orchestration hinten rum. Obwohl die viel Geld fr die Produktion haben. Interessant wird es, wenn sich die Orchestration mehr mit der Band verzahnt. Ansonsten finde ich Musiker aus Fleisch und Blut immer interessanter als Samples.

Orchestrale, bombastische Sounds und Chre werden bei vielen Bands live gerne von Band eingespielt. Du als Keyboarder kannst sicherlich ein "Lied" davon singen. Ist man da als Musiker nicht etwas in einem Korsett gefangen, bei dem man schlecht improvisieren kann?

Mit Improvisation hat das eigentlich wenig zu tun. Ich kann zum Beispiel bei Kamelot ziemlich viel improvisieren. Viele der Arpeggio-Synthie-Sounds und Chre werden abgespielt, die Hauptstreicher- und Klavierlinien spiele ich. Es ist eher das feste Tempo, das einschrnkt. Wenn ich mit einer Jazz- Combo spiele, entwickelt sich jeder Song jeden Abend anders. Das ist bei einer symphonischen Metal-Band natrlich nicht mglich.

Siehst du dich eher als Keyboarder oder als Gitarrist?

Oh, diese Frage schon wieder (lacht)! Ist als Instrumentalist schwer nachvollziehbar, warum diese so oft gestellt wird. Jedes Instrument ist nur ein Medium; die Musik entsteht ja vorher in meinem Kopf. Ich spiele Klavier, Gitarre, Bass, singe und sehe auch den Computer als Instrument. Da gibt es keine Prferenzen.

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