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22. Mai 2013 - Uhr
 
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KAMELOT
Auch ein Computer ist ein Instrument!
Thorsten Dietrich
www.kamelot.com


Bei vielen Bands machen immer die gleichen Musiker die Promoarbeit. So sind auch bei Kamelot Roy Khan und Thom Youngblood die Männer für die Interviews. Ich schnappte mir jedoch den aus Deutschland stammenden Keyboarder der Band, Oliver Palotai um Auskunft über die Band zu bekommen.

Kamelot

Deinen Namen kennt man im Zusammenhang als Tourkeyboarder / Gitarrist für namenhafte Acts wie Doro, Blaze Bayley und Circle II Circle, bevor du bei Kamelot eingestiegen bist, wie bist du dazu gekommen professionell Musik zu machen? Erzähl doch mal was.

Meine Entscheidung, professioneller Musiker zu werden, stand mit 15 nach der Gründung meiner ersten Band fest. Allerdings waren wir da noch die Helden in einem kleinen, schwäbischen Dorf und meine Eltern bezahlten die Rechnungen. Dementsprechend leicht fällt man solche Entscheidungen. Ich hatte dann noch eine kurze, wenig erfolgreiche Begegnung mit der Realität, als ich mich nach dem Abitur mit einem geisteswissenschaftlichen Studium in Tübingen gegen die Unbilden des Musikbusiness absichern wollte. Mitten in einer Vorlesung stand ich dann plötzlich auf und verließ die Fakultät mit dem Gedanken: Selbst wenn ich unter einer Brücke schlafen muss, mache ich von jetzt an nur noch Musik. Grund war, dass eine Hälfte der Studenten um mich herum mit verzücktem Gesichtsausdruck dem Dozenten und irgendwelchen frühmittelalterlichen Gedichten lauschte, während der Rest rumhockte wie in der Schule. Nun, ich gehörte zum Rest und wusste endgültig, wo ich hingehörte. Ich machte dann die Aufnahmeprüfung auf einer Musikhochschule und studierte Jazz und Klassik.

Hast du eigentlich nur noch für Kamelot und deine zweite Band Sons Of Season Zeit mit der du ja wirklich viele Gigs in letzter Zeit bei uns in der Ecke zockst?

Von Kamelot allein kann ich nicht leben und Sons Of Seasons muss noch geraume Zeit wachsen, bis die Band keine Geldvernichtungsmaschine mehr ist. Außerdem brauche ich Abwechslung. Als mein Kerngebiet sehe ich Komposition, Orchestration und Produktion. D.h. ich schreibe die symphonischen Parts für Bands und Projekte, bringe Solo-Sänger zu dem Punkt, wo sie sich Labels anbieten können etc. Zu guter Letzt gebe ich ambitionierten Musikern Privatunterricht.

Bei Kamelot ist das Lineup seit einiger Zeit stabil, überrascht hat mich den Ausstieg des langjährigen Bassisten Glenn Barry für den Sean Tibbets kam. So viel gelesen habe ich da nicht drüber, war das eine Geschichte die ohne Probleme ablief?

Relativ problemlos. Glenn hatte seit einiger Zeit keinen Spaß mehr am Touren. Ich konnte ihn teilweise verstehen: Touren bedeutet hauptsächlich Rumsitzen und Warten oder unglaublich viel Zeit mit Aktivitäten wie Duschen oder Frühstücken zu verbringen, weil man auf Tour alles mit 15 Leuten teilen muss und nicht immer gleich an der Reihe ist. Glenn wurde auch Vater eines zweiten Kindes und hatte neben Kamelot einen festen Job. Letzterer lässt sich oft nicht mit dem Touren vereinbaren.

Aktuell ist euer Sänger Roy Khan krank. Die US-Tour wurde trotz Verpflichtung eines Ersatzsängers abgesagt. Wie geht es Roy und wie geht es nun weiter?

Kamelot

Roy hat immens viel Energie in das neue Album gesteckt. Ich nehme an, es hat ihn ausgebrannt. Danach kann einem eine weitere Kraftanstrengung wie eine solche Tour wie eine unüberwindbare Mauer vorkommen. Wir werden sehen, wann er die Batterie wieder aufgeladen hat.

Das neue Album ist optisch ein richtiger Augenschmaus was Booklet und Cover betrifft. Glaubst du so etwas muss heutzutage sein um überhaupt noch eine echte CD zu verkaufen?

Klar, man muss den Fans etwas bieten. Ich persönlich kaufe mir immer CDs meiner favorisierten Bands, weil ich weiß, dass die optische Präsentation Hand in Hand geht mit der Musik. Außerdem ist es ein Dankeschön an alle ehrlichen Musikfans, die wissen, dass das Überleben von Bands davon abhängt, dass Musik nicht illegal konsumiert wird.

Alben wie "Karma", "Epica" und teilweise auch "Black Halo" sind meiner Meinung nach etwas softer und haben ein paar Nummern die etwas raus stechen und poppiger wirken. Bei "Poetry For The Poisoned" fühle ich mich mehr als Soundtrack Hörer und die CD als Ganzes. War das beabsichtigt?

Der rote Faden anstatt reinem, vereinzeltem Songwriting war schon ein Plan, ja. Trotzdem beschäftigt man sich natürlich wochen- oder monatelang mit einem bestimmten Song, weil man ja auch weiß, dass Titel verstärkt einzeln gekauft werden. Wer das Gesamtkunstwerk erleben möchte, muss sich die CD aber von Anfang bis Ende anhören.

Das letzte Werk fand ich nicht schlecht, aber kein Highlight. Hast du Lieblingsalben von Kamelot (egal ob du als Musiker dabei warst )?

hat im Laufe der Jahre eine enorme Entwicklung durchgemacht. Es fällt mir schwer, ein Lieblingsalbum unter denselben Gesichtspunkten herauszusuchen. Was die Produktion angeht, finde ich persönlich 'Black Halo' unschlagbar. "Epica" vereint wiederum einigen meiner Lieblingssongs. "Poetry For The Poisoned" andererseits ist wahrscheinlich homogener als alle anderen.

Wenn ich mir das Booklet durchlese, war neben den üblichen Verdächtigen wie Sascha Paeth, Amanda Somerville und Simone Simons auch fast das ganze Avantasia Studio Rückgrat vertreten als Gäste und machen einen sehr guten Job. Genauso wie Gastsänger Jon Oliva. Wie wichtig sind solche Gäste für euch und die Songs?

Sie verleihen zusätzlich Farbe. Es ist sehr interessant, einen Song an Gäste zu geben, ihnen einen bestimmten Part zuzuweisen mit der Aussage: "Mach was draus!" Es fühlt sich an wie Weihnachten, wenn man die Parts dann zurückkriegt.

Früher kam es mir so vor, als wäre Thom Youngblood immer alleiniger Songwriter, doch nun ist das etwas mehr verteilt und auch du bist bei einer Nummer dabei. Wie siehst du das?

Roy und Thomas waren die Hauptsongwriter, ja. Ich habe neben "Dissection" auch noch den Bonustrack der japanischen Edition geschrieben. Mir wurde früher schon angeboten, am Songwriting teilzunehmen, aber das ist eine delikate Angelegenheit nach dem Motto: Never change a winning team! Es ist schwer, den speziellen Sound einer Band zu treffen, insbesondere weil die Vorproduktion jeder Band ganz unterschiedlich ist.

Rage haben in den 90ern eine Welle der Sorte Metalband + Orchester los getreten, die in den 70ern von Bands wie Deep Purple angefangen wurde. Mittlerweile ist das nix neues oder spannendes mehr. Bands wie Dimmu Borgir versuchen nun das Niveau einige Stufen höher zu tragen. Wie siehst du die Entwicklung in diesem Bereich, positiv oder negativ?

Kamelot

Das hängt stark von der Orchestration ab. Da gibt es von Top-Acts Platten, die schrecklich sind. Eine Metalband im Vordergrund und süßliche, langweilige Orchestration hinten rum. Obwohl die viel Geld für die Produktion haben. Interessant wird es, wenn sich die Orchestration mehr mit der Band verzahnt. Ansonsten finde ich Musiker aus Fleisch und Blut immer interessanter als Samples.

Orchestrale, bombastische Sounds und Chöre werden bei vielen Bands live gerne von Band eingespielt. Du als Keyboarder kannst sicherlich ein "Lied" davon singen. Ist man da als Musiker nicht etwas in einem Korsett gefangen, bei dem man schlecht improvisieren kann?

Mit Improvisation hat das eigentlich wenig zu tun. Ich kann zum Beispiel bei Kamelot ziemlich viel improvisieren. Viele der Arpeggio-Synthie-Sounds und Chöre werden abgespielt, die Hauptstreicher- und Klavierlinien spiele ich. Es ist eher das feste Tempo, das einschränkt. Wenn ich mit einer Jazz- Combo spiele, entwickelt sich jeder Song jeden Abend anders. Das ist bei einer symphonischen Metal-Band natürlich nicht möglich.

Siehst du dich eher als Keyboarder oder als Gitarrist?

Oh, diese Frage schon wieder (lacht)! Ist als Instrumentalist schwer nachvollziehbar, warum diese so oft gestellt wird. Jedes Instrument ist nur ein Medium; die Musik entsteht ja vorher in meinem Kopf. Ich spiele Klavier, Gitarre, Bass, singe und sehe auch den Computer als Instrument. Da gibt es keine Präferenzen.

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