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23. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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CANCER BATS
Ein Leben für die Musik
Sebastian Braun / Christian Schäfer
www.cancerbats.com


Die Cancer Bats haben mit ihrem neuen Album "Bears, Mayors, Scraps & Bones" Aufsehen erregt. Wir konnten bei ihrer Solo-Tour in Frankfurt mit Liam, dem Sänger der aufstrebenden Kanadier sprechen.

Erste Frage. Könnt ihr von eurer Musik leben, d.h. seid ihr professionelle Musiker?

Ja, was immer das bedeutet (lacht). Wir hatten bis ungefähr 2006 normale Jobs, jetzt können wir endlich das machen was wir uns immer gewünscht haben und uns Spaß macht. Das heißt nicht dass wir reich sind, aber für uns ist Musik eher eine Lebenseinstellung. Wir brauchen keinen Luxus oder große Apartments, uns ist wichtig das tun zu können was wir gerne machen: Musik.

Wie läuft eure Tour? Ich habe gelesen, euch sind Notebooks und diverse Dinge gestohlen worden vor ein paar Tagen.

Ja das stimmt, ärgerlich, besonders weil der Pass von unserem Drummer geklaut wurde. Das ist nicht so einfach, weil wir ja nicht mehrere Tage an einem Ort sind um etwas zu organisieren oder sich schicken zu lassen. Aber die Shows hier in Europa sind fantastisch, die Leute singen das neue Album mit, ziemlich verrückt. Vermutlich müssen wir leider die letzte Show in der Schweiz ausfallen lassen um für den Heimflug einen neuen Pass zu organisieren.

Du sagst, dass die Leute das neue Album schon kennen, was heißt der Titel "Bears, Mayors, Scraps & Bones"?

Das sind unsere vier Spitznamen. Das Album ist das erste welches wir alle zusammen an einem Stück aufgenommen haben. Vorher gab ein Wechsel von unserem Bassisten, "Hail Destroyer" haben wir in mehreren Teilen aufnehmen müssen. Das neue Album ist so, wie wir uns vorgestellt haben, dass die Cancer Bats klingen sollen, deshalb der Bezug zu unserem Spitznamen.

Dann erst mal Glückwunsch zu dem gelungenen Album. Es ist härter geworden, als der Vorgänger, mehr Metal, weniger Hardcore-Punk, war das euer Plan?

Ja, wir sind härter geworden, die ersten beiden Alben waren punkiger. Das hat auch viel mit unsere Erfahrung in Aufnahmetechniken und Ähnlichem zu tun. Auf unserer Tour nach dem ersten Album, waren die Leute immer erstaunt, dass wir Live härter klingen als auf der CD. Dann haben wir "Hail Destroyer" aufgenommen und dachten, das ist das Härteste was wir je gemacht haben. Mit dem dritten Album haben wir versucht das weiter zu führen und noch besser zu werden.

Auf dem neuen Album sind neben Punk und Hardcore auch Southern-Rock Einflüsse zu hören. Ist es für euch wichtiger "Heavy Music" zu machen, als eine bestimmte Kategorie zu bedienen?

Ja, am Ende sind wir vor allem große Musikfans, wir hören gerne alle möglichen Arten von guter Musik und sind von dieser beeinflusst.

Hat euch diese Offenheit auch dazu inspiriert mit "Sabotage" einen Beasty Boys Song zu covern?

Eigentlich war es gar nicht der Plan den Song aufzunehmen, wir haben den nur auf ein paar Festivals gespielt. Aber die Reaktionen waren so positiv dass wir ihn aufgenommen und ins Internet gestellt haben. Dann tauchte der Song bei YouTube auf und wir wurden mit Mails überschüttet, wie gut der Song den Leuten gefällt, also haben wir beschlossen ihn mit auf das Album zu nehmen. Nachdem wir dann feststellen mussten, dass das Album nicht wie geplant im Februar rauskommen kann, haben wir noch ein Video zu Sabotage gedreht, weil wir zu der Zeit auf Tour mit Billy Talent in Europa gegangen sind und etwas neues im Gepäck für die Kids haben wollten.

Du hast vorhin schon mal von Kids gesprochen, sind eure Fans vornämlich Teenager?

Mmh, manche ja, aber ich meine Kids eher im Allgemeinen. Hardcore-Kids oder Punkrock-Kids. Ich bin jetzt 30 Jahre alt und auch ein Hardcore-Kid.

Ihr kommt aus Kanada. Viele Bands stammen aus den U.S.A. Seit einiger Zeit kommen Bands aus Kanada, wie Alexisonfire, Billy Talent ...

... oder Come Back Kid. Ja, die Kanadische Szene ist eigentlich sehr gut, bekommt aber mit Bands wie Alexisonfire oder Billy Talent international mehr Aufmerksamkeit. In den USA gibt es viele Bands die gleich klingen, in Kanada haben wir gar nicht genug Musiker für so was (lacht), deswegen müssen wir alle unseren eigen Stil kreieren.

Ihr habt schon einige Touren hinter euch, mit Billy Talent, Alexisonfire oder In Flames?

Nein, die Tour mit den In Flames war in Planung, aber leider ist es nicht dazu gekommen. Wir spielen gerne Metal, also wollten wir auch mehr mit Metal Bands touren. Wir haben auch mal eine Show mit Cavalera Conspiracy in Brüssel gespielt und ein Jahr später in Japan, vielleicht sollten wir mit denen oder Soulfly mal eine Tour machen (lacht)

Gute Idee. Kennst du auch ein paar deutsche Hardcore Bands?

Nicht so viele. Ein paar wie Black Friday 29, Blackout Argument oder Zero Mentality. Aber ich kenne nicht so viele und da oft auf Deutsch gesungen wird, ist das für uns schwer.

Bleibt euch bei den ganzen Touren noch Zeit Musik zu hören? Was hört ihr so?

Eigentlich hören wir alles Mögliche, wir sind große Musik Fans. Bands wie The National, Band Of Horses, The Gaslight Anthem oder Minus The Bear. Aber nach einer Hardcore Show sitzen wir auch manchmal im Van und hören Hip Hop, Notorious B.I.G., oder solche Sachen um mal Abwechslung zu haben.

Manche Kritiker finden das neue Album zu aggressiv, zu unmelodisch, es würde zu viel geschrien...

Da kann ich nicht zustimmen. Vielleicht hat der Reviewer es seiner Mutter vorgespielt, zumindest hat er keine Ahnung von Hardcore oder Metal (lacht). Aber du kannst es nie Allen recht machen. Wenn wir das versuchen würden, wären wir The Killer oder Maroon Five. Wir wollen Musik machen, die uns gefällt und nicht unbedingt einen Song bei MTV haben und ein Pop Album machen.

Wir schreibt ihr eure Songs? Welche Rolle spielen Texte für dich?

Wir schreiben alle Songs zusammen, Proben zusammen. Wenn der Song dann steht, schreibe ich den Text. Ich finde Texte wichtig, aber die Atmosphäre des Songs gibt vor, wie der Text dann wird.

Also habt ihr keine politische Botschaft, wie viele andere Punk- oder Hardcore Bands?

Nein nicht explizit. Wir hoffen, dass die Leute bei unserer Musik den Stress vergessen können, den Sie mit der Polizei hatten (lacht). Das Problem bei politischen Bands wie Noise Conspiracy ist, dass du an deiner politischen Botschaft gemessen wirst. Du wirst kritisiert für Sachen die du nicht tust, weil deine T-Shirts nicht Fair Trade ist oder solche Dinge und keiner achtet mehr darauf, was du eigentlich alles tust.

Manche Bands wie Rage Against The Machine sind da sehr konsequent...

Ja, die machen definitiv ihr Ding. Für mich persönlich ist das zu viel. Wenn du dich dazu entscheidest musst du das konsequent durchziehen und dafür bin ich nicht bereit (lacht). Meine nächste Band wird bestimmt sehr politisch, ich lebe in den Bergen und Kämpfe für die Freiheit... Dann und nur dann bin ich eine politische Band.

Hat euer Name Cancer Bats eigentlich irgendeinen tieferen Sinn?

Nein eigentlich nicht. Mir fiel der Bandname ein, bevor es die Band gab und ich fand ihn cool für eine Hardcore Band.

Das letzte Wort gehört dir: Hast du eine Nachricht für eure deutschen Fans?

"Ich liebe dich" (auf Deutsch).

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