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20. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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CONCEPT INSOMNIA
Schlaflos in der Wetterau
Alexander Meyer
www.myspace.com/conceptinsomnia


Genauso hoffnungsfroh wie unsere junge Fuballnationalmannschaft stimmt einen derzeit der metallische Nachwuchs in diesem unserem Lande. Concept Insomnia gehren zu den deutschen Newcomern, die richtig Spa machen und das nicht nur musikalisch, sondern auch in diesem Interview. Also lest selbst und amsiert euch ber die Vorlieben der Jungs Luke (Gesang) und Phil (Bass) fr Doppelherz, Minztee und andere (nicht-)alkoholische Getrnke.

Concept Insomnia

Ich finde sowohl euren Bandnamen als auch den Titel eueres Debtalbums "Perpetuum Mobile" sehr interessant. Was habt ihr euch bei der Namensgebung gedacht?

Luke: Wir haben sehr, sehr lange daran gearbeitet, die Band "Concept Insomnia" aus dem Boden zu stampfen. Da war uns einfach ein Name wichtig, der beschreibt, wieviel Arbeit in dieser Truppe liegt und "Firemamas of Steel" war da einfach nicht passend. Das Konzept hatten wir schon lngere Zeit vor der Grndung, bis zur Umsetzung und letztendlich auch zu den aktuellen Erfolgen ging der ein oder andere Tag ohne Schlaf dabei drauf, "Insomnia" ist ja eigentlich ein Fachbegriff aus der Medizin fr die krankhafte Schlaflosigkeit. Wir knnen euch aber beruhigen: sofern wir unseren Standard-Promillewert abends erreichen, klappt's noch mit dem Einschlafen ohne Granufink und Doppelherz. Phil: So sieht's aus. Der Titel "Perpetuum Mobile" ergab sich wiederum vornehmlich aus der Tatsache, dass wir mit dem Album mehr oder weniger einen Querschnitt durch unser bisheriges Schaffen abliefern und dementsprechend keinen Titel auf Tasche hatten, der alle enthaltenen Songs in sich vereint. Der Name bezieht sich also mehr auf uns als Band: einmal angeschmissen, laufen wir einfach immer weiter und liefern uns dabei die Energie zum Antrieb selbst, durch unsere Musik.

Es gibt mittlerweile recht viele Bands, die sich musikalisch im Spannungsfeld zwischen Hrte und Harmonie bewegen und ebenso beim Gesang auf diese Dualitt setzen. Was fasziniert euch an diesem Stil und was unterscheidet euch von anderen Combos dieser Richtung?

Luke: Unser jetziger Stil ist einfach ein Ergebnis unserer Entwicklung. Wir haben uns nicht im Proberaum getroffen und gesagt "Hey, wir springen jetzt mal auf die aktuell angesagte Schiene drauf!", im Gegenteil: Unser erstes Demo klang eher nach einer Mischung zwischen SAVATAGE und PAIN OF SALVATION, zugegebenermaen einer ziemlich schlechten. Wir haben viele Dinge ausprobiert im Proberaum, herausgekommen ist nach einigen Jahren eben unser heutiger Stil. In dieser Art von Metal knnen wir uns am meisten musikalisch entfalten, von ruhigen Cello-Clean-Parts bis zu Death-Thrash-Attacken ist jeder Part legitim. Wir fhlen uns wohl mit dieser Freiheit. Dadurch fllt es zwar vielen Leuten schwer uns einzuordnen, aber auch das mgen wir. Ob wir uns damit von den anderen Bands unterscheiden muss jeder Hrer letztlich selbst beantworten. Einflsse knnen und wollen wir nicht leugnen, dennoch ist unserer individuelle musikalische Entwicklung unserer Meinung nach der hrbare Unterschied.

Mir gefallen auf "PM" die Songs "Mountains Falling" mit dem schnen Cello-Mittelteil und "Chapter One" wegen des geilen Riffs am besten. Was sind eure Favoriten?

Phil: Das ist immer ne ziemlich schwierige Frage. Mein persnlicher Favorit ist wohl "Frost", weil er so schn auf`s Maul geht. Insgesamt muss man aber wohl sagen, dass man da bezglich seines eigenen Schaffens meist wenig objektiv sein kann und die Hrer besser selbst entscheiden sollten, was ihnen am ehesten zusagt. Mit "Mountains Falling" liegst du aber brigens ganz gut im Trend; der Song scheint allgemein gut anzukommen und in Krze wird's dazu auch unser erstes Video, einen Zusammenschnitt aus Videoaufnahmen der CD-Releaseparty in Frankfurt, geben. Luke: Ja, "Mountains Falling" schafft es auch bei mir am hufigsten in die Playlist. Dicht gefolgt von "DeadHead Symmetry", den ich wegen seiner Atmosphre und seiner Struktur sehr lieb gewonnen habe. Aber der Liebling wechselt auch gerne mal, wie der Phil seine Lieblingsgrassorte. Schlimm diese Unstetigkeit.

Concept Insomnia

Sind eure Texte nur schmckendes Beiwerk oder habt ihr wirklich etwas zu sagen?

Luke: In der Tat gebe ich mir schon ein bisschen Mhe mit dem Gesabber. Unsere Songs sind garantiert fantasyfrei und lassen einen auch mal nachdenken. Tragische Einzelschicksale verpackt in schwierige, aber alltagstaugliche Realitts-Thriller! Die besten Ideen kommen mir meistens beim Rasen mhen, Pilze sammeln oder Fang-den-Hut spielen, aber das nur nebenbei.

Eure Region scheint eine Brutsttte fr gute Metalbands zu sein. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich hier COMPLEX 7 interviewt. Habt ihr was mit den Jungs zu tun und gibt es noch mehr viel versprechende Kapellen in Gieen und Umgebung?

Phil: Da mssen wir zunchst leichten Einspruch erheben, wir sind keine Giessener Band, sondern unsere Wurzeln (und unser Proberaum) liegen in der Wetterau (Lokalpatriotismus wird bei uns gro geschrieben!). Aber Du hast sicher recht, Mittelhessen und das Rhein/Main-Gebiet haben netterweise einen durchaus lebhaften Underground. Complex 7 habe ich neulich als Vorband von Freak Kitchen gesehen und deren Snger kenn ich ber ne andere Band, in der er auch singt, sonst bestehen da aber keine Verbindungen. Hrenswerte Musikanten gibt's hier in unserem Umfeld aber allemal: ob unsere Freunde von Sapiency aus Frankfurt, Lay Down Rotten aus Marburg oder 47 Million Dollars aus Darmstadt, wir sind froh, dass in unserer Ecke, entgegen dem im Raum Frankfurt immer bestehenden Elektro-Trend, auch hartwurstmig einiges geht! Luke: Nachwuchsbands gibt es hier tatschlich sehr viele und sehr gute. Leider sind die Auftrittsmglichkeiten in unserem Areal recht begrenzt. Wenn man auf eine stattliche Anzahl von Gigs kommen mchte, muss man sich also weiter weg bewegen. Das erfordert Zeit, Geld und vor allem einen nchternen Fahrer. Sptestens an letzterem scheitern dann ja leider meistens die Mglichkeiten vieler junger Bands.

Ihr seid in eurer jungen Karriere bereits in Wacken aufgetreten. Wie war das fr euch und was erwartet einen bei einer CI-Show?

Phil: Wacken war ganz klar unser bisheriges Live-Highlight! Vor 3.000 Leuten spielt man ja nun doch eher selten und wenn dann auch noch die Resonanz derart positiv ausfllt, ist das schon recht berwltigend. Das ganze Drumherum dort tut natrlich sein briges und durch die Backstage-Bndchen von allen Anstehschlangen befreit, trinkt es sich in Wacken sogar trotz der mittlerweile malosen berfllung sehr angenehm. Knnen wir weiterempfehlen. Bei unseren Live-Shows versuchen wir natrlich immer das vielzitierte Credo einzuhalten, vor drei Gsten genauso viel Gas zu geben wie vor 3.000, was uns denke ich auch ganz gut gelingt. Auf der Bhne muss was los sein, sonst isses ja auch langweilig und wir knnten das Ganze "ffentliche Probe" nennen. Concept Insomnia Luke: Richtig, wir haben einfach ein gewisses Feeling wenn wir auf die Bhne raus gehen. Wacken war ein Highlight, einen Gig vor zwei Leuten im JuZ spielen wir aber nicht weniger intensiv. Wir lieben das, was wir machen und fhlen uns pudelwohl da oben. Phil bekommt davon leider nie was mit, der hat meistens whrend des Intros seinen ersten Filmriss. Spter zeigen wir ihm alles auf Video, damit er unsere warmen Glckgefhle nachempfinden kann.

Was darf man in Zukunft von euch erwarten? Ist eine Tour geplant oder habt ihr schon neue Songs fr euer zweites Album geschrieben?

Phil: Eine Tour ist heutzutage gerade als Newcomer leider verdammt teuer, daher stellt sich dieses Vorhaben ein bisschen diffizil dar. Aber wir arbeiten dran und hoffen, vielleicht den ein oder anderen Support-Slot einheimsen zu knnen. Davon abgesehen haben wir diesen Sommer die Ehre, zusammen mit Arch Enemy, Sepultura, Sodom und unzhligen anderen groen Knstlern auf dem Rockarea-Festival und auerdem auf dem sehr sympathischen Ost Mountain Fest in Rumnien aufspielen zu drfen, worber und worauf wir uns sehr freuen. Dort wird es dann auch schon Material vom neuen Album zu hren geben, an welchem wir bereits mit Herz und Sack arbeiten. Luke: Festival-Zeit ist immer das Jahres-Highlight fr uns, 2010 mit neuem Material im Programm dann auch noch musikalisch herausfordernd. Wir freuen uns riesig darauf, euch auch unsere nchste musikalische Weiterentwicklung live mit einem Stck Kuchen und einer Tasse lauwarmen Minztees feierlich kredenzen zu drfen. Bis dahin!

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