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19. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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1349
Wie es uns gefällt!
Patrick Steffenhagen
www.legion1349.com


Wer hat's erfunden? - Im Falle des Black Metal nicht die Schweizer und auch nicht 1349. Dennoch hatten sich die Norweger vom ersten Moment an den Ursprüngen verschrieben und in einer Zeit der Mischstile, Experimente und Einflüsse die Fahne des alten Schwarzmetalls hochgehalten. Nach dem fantastischen "Demonoir" blieb mir als Fan und Redakteur nichts anderes übrig, als an die Pforte der Formation zu klopfen, um ein Interview zu führen. Glücklicherweise öffnete Bassist Seidemann und stand Rede und Antwort.

1349 - ein denkwürdiges Jahr für Norwegen, sicherlich eine interessante Namenswahl für eine Band. Wie seid ihr eigentlich auf diesen Namen gekommen?

1349

Die Idee dazu kam Ravn vor langer Zeit, das Jahr 1349 ist ein dunkles und wird mit Tod, Krankheit und Leiden verbunden, perfekt für eine Black Metal-Band! Außerdem sticht der Name aus den Myriaden von Namen heraus.

Im vergangenen Jahrzehnt hat sich Black Metal, zumindest das, was manche so bezeichnen, in eine eher sinfonische, Klassik-inspirierte - einige sagen sogar kommerzialisierte - Richtung entwickelt. Als ihr 1349 gegründet und euch entschlossen habt, den rohen, harten und doch technisch versierten Sound vieler norwegischer Bands beizubehalten - habt ihr diese Entwicklung vorausgesehen und absichtlich einen gegensätzlichen Klang kreiert oder ist das eher "zufällig" passiert?

Wir haben 1349 gegründet, weil wir Black Metal so spielen wollen, wir es uns gefällt. Es gibt haufenweise Leute, die alles kritisieren, aber nie selbst versuchen, etwas eigenes zu schaffen... Es gab und gibt immer noch viel zu viel über-produzierten Schrott da draußen und heutzutage auch noch einen Haufen unter-produzierten Schrott dazu.

Erfahrene Musiker, altgedient in Sachen technischer Umsetzung und Komposition, scheint ihr euch dennoch mit jedem Album weiterzuentwickeln. Reden wir hier über reines Talent oder folgt ihr einem tatsächlichen Trainingsprogramm um euch konstant zu verbessern?

Wir versuchen immer, unsere vorherigen Anstrengungen zu übertreffen, jedes Mal, wenn wir ein Album veröffentlichen. Der Fortschritt kommt einfach, da wir älter werden und eine Menge Zeit auf der Bühne verbringen, üben und Musik schaffen.

Eure Musik nutzt viele Effekte, atmosphärische Elemente und Soundscapes - für einige sogar zu viele. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen und wie plant ihr die Richtung, in die ihr euch bewegt (wenn überhaupt)?

1349 ging es schon immer um die Atmosphäre, wie schon den guten alten Bands wie zum Beispiel Burzum. Wir hatten schon immer viele atmosphärische Elemente im Mix, meist tiefer vergraben und auf "Revelations" haben wir diese dann an die Front gestellt. Auf "Demonoir" haben wir diese dann gleichwertig mit den Instrumenten integriert. Ravn hat seine Ideen und Visionen und für die meisten Alben eine Art "Masterplan".

Eure letzten Veröffentlichungen entwickelten sich von geradlinigen, schellen und brutalen Songs hin zum Einbau von langsameren, schwülen und manchmal sogar ruhigen Elementen. Wie kam es zur Entwicklung in diese Richtung, der (machen Stimmen nach) Herausnahme der rauen und direkten Dynamik und die Bewegung in eine eher düstere Ambient-Stimmung anstelle der puren Aggression?

Hey, ich denke, die Dynamik ist präsenter als jemals zuvor, besonders aufgrund der langsamen und ruhigen Elemente. Einfach nur 350 bpm Blastbeats für die Dauer eines ganzen Albums heraus zu hauen ist nicht wirklich dynamisch.
Ich hatte das zuvor schonmal angeschnitten, Atmosphäre ist essentiell für uns und Black Metal auf 1349-Art. Was manche Leute begreifen müssen, ist daß wir machen, was auch immer wir machen wollen und so ist unsere Musik auch genau die Musik, die wir machen wollen.

Einige von euch benennen Celtic Frost als einen euer Haupteinflüsse. Wurdet ihr - alle bereits erfahrene Musiker - doch noch etwas nervös, als ihr schließlich mit den Schweizern auf Tour wart? Wie kam es denn eigentlich zur Zusammenarbeit mit dieser Legende und lief das für euch?

Wir haben die Jungs von Celtic Frost das erste Mal 2004 getroffen, als wir mir Gorgoroth auf Tour waren. Wir sind richtig gut miteinander ausgekommen und wenn man sich das etwas besser kennenlernt, lassen auch die Fanboy-Symptome nach.
Mit den Jungs in den USA auf Tour zu sein war richtig gut und für viele Leute ein Augenöffner. Wir hatten zuvor noch nie in den Staaten gespielt, aber seitdem waren wir jedes Jahr dort unterwegs.
Tom G. Warrior (Anmerkung des Autor: Mitbegründer von Hellhammer sowie Celtic Frost, Sänger und Gitarrist) ist ein großartiger Sänger und Musiker und hat haufenweise Musikerfahrungen, sowohl was Auftritte als auch die Industrie angeht. Seine Ratschläge, Unterstützung und Inspiration waren für uns unschätzbar im Studio.

1349

Viele Metalgenes scheinen miteinander in Konkurrenz zu stehen, einige entwickeln sogar tiefe und sehr emotionale Abgründe sich und den anderen Stilen. Ich denke, keine davon sind so "lebendig" miteinander im Krieg wie es heutzutage die verschiedenen Richtungen des Black Metal stellenweise sind. Was denkst du über die verschiedenen Ausprägung von "Black Metal", dem Hass der sich oftmals gegeneinander entwickelt und wo würdest du euch in diesem Spektrum platzieren?

Viele Leute stecken anscheinend im Internet fest, ohne irgendetwas sinnvolles zu tun zu haben, also erschaffen sie irgendwelches Konkurrenzdenken sowie kleinliche "Kriege" und benutzen das Wort "true" viel zu oft. Wenn du mal anfängst, solche Menschen zu ignoerieren und einfach die Musiker selbst fragst, wirst du feststellen, daß fast keiner so Genre-besessen ist. Schau' dir einfach mal an, wie die frühen Black Metal-Bands stellenweise völlig unterschiedlich klangen und trotzdem alle als Teil des Black Metal fühlten.
Wir machen Black Metal genau so, wie wir es machen wollen und sind einfach zu beschäftigt, um uns darum zu kümmern, was andere denken mögen. Die Menschheit hat einfach diese nervtötende Angewohnheit, alles in irgendwelche Schubladen stecken zu müssen...

Unter Fans, angeheizt von der Presse, scheint es eine riesige Meinungsverschiedenheit zu geben, was Black Metal eigentlich ist, was echt ist, was "true" ist. Wo steht ihr in dieser Frage? Beschäftigt ihr euch überhaupt mit sowas?

Ah, was für ein Spaß! *lacht* Was ist echt, was ist "true"? Wie ich schon bis zur Erschöpfung immer wieder gesagt habe: Wenn du die Musik machst, die du machen willst, die Musik machst, die du hören willst, dann ist die echt und "true". Mehr gibt es nicht!
Die meisten Menschen würden die Realität nichtmal erkennen, wenn die ihnen ins Gesicht schlagen würde und irgendetwas, das "true", also "wahr" sein soll, ist natürlich immer relativ. Zermahle das Universum zu Sand und dann zeige mir ein Korn Wahrheit - viel Glück!

Wo wir gerade so schön bei "echt" waren - viele Pressestimmen bezeichnen euch als Abklatsch, nur eine weitere Band, die auf der Second Wave of Scandinavian Black Metal mitreitet. Wie antwortest du darauf? Siehst du an 1349 irgendetwas besonderes?

Meine Antwort ist: Ignoriere einfach, was andere Leute sagen, wir machen das was wir machen, weil wir es machen wollen. Würden wir nichts besonderes an 1349 sehen, würden wir es nicht machen oder?

Ich habe mittlerweile viele Leute getroffen, die der Meinung sind, die ganze Selbstdarstellung vieler Black Metal-Bands, Facepaint, Kleidung, auch die Photoshoots seien veraltet, lächerlich sogar und viele Bands lassen diese Dinge bereits weg. Wie ist deine Meinung zur "Old-School" der Erscheinung und des Auftretens?

Es ist wichtig, einen visuellen Aspekt zu integrieren, der zur Musik paßt. Für 1349 fanden wir, daß Facepaint und Dornen gut zu uns passen, also nutzen wir das auch. Auf kleine Weise ist das unsere Hommage an die Bands, von denen wir inspiriert wurden, aber hauptsächlich machen wir das, weil wir es wollen. Und wie alles andere auch muß man es auch richtig machen, um einen Effekt erzielen zu können.

Ihr habt angekündigt, mit "Demonoir" wieder mehr zu den Wurzeln eurer Musik zurückzukehren und dabei weiterhin die langsameren Elemente des Vorgängers zu nutzen. Wie entscheidet ihr, wohin der Weg als nächstes führt?

Haben wir das angekündigt oder irgendein Labelmensch? Ist ja auch egal. Wir gehen hin, wo auch immer die Musik uns hinführt. 1349 ist größer als die Summe seiner Teile und glücklicherweise haben wir uns noch nicht gegenseitig umgebracht, es könnte also noch ein weiteres Album geben oder vielleicht zehn.

"Set" kann viele Charaktere meinen - in Religion, Mythologie, sogar im "Conan"-Universum - welchen (wenn überhaupt) meint ihr denn auf "Demonoir", da ihr die Instrumentalstücke alle "Tunnels of Set" genannt habt?

Set ist eine farbenfrohe Wesenheit in vielen Zusammenhängen, aber in diesem Fall haben wir den gesamten Ausdruck geborgt. "Tunnels of Set" von Kenneth Grant (Anmerkung des Autors: Oberhaupt des Typhonian Order, britischer Okkultist, Schüler von Aleister Crowley). Er benutzt diesen Ausdruck, um die Passagen zwischen den Qlipoth auf dem Schattenbaum im judaistischen Mystizismus zu beschreiben. Wenn du "Demonoir" als Reise durch die Schichten der Hölle betrachtest, sind diese Tunnel die Wege, die dich von einer Ebene zur nächsten führen.

Im Grunde - worum geht es bei "Demonoir" und woher nehmt ihr die Idee für eure Alben und Songs?

Die Essenz von "Demonoir" ist Black Metal auf 1349-Art. Inspiration kommt aus verschiedenen Quellen, ich kann nur für mich sprechen, aber die Menschheit mit ihrem unendlichen Repertoire an Dummheit und Arroganz ist eine wichtige Inspiration. Natürlich gibt es auch noch Literatur, Musik und haufenweise andere Quellen da draußen.

1349

Nun, da "Demonoir" vollendet wurde, die Veröffentlichung stand an, erste Rezensionen sind geschrieben - bist du zufrieden mit dem Album and dessen Aufnahme soweit? Schaut ihr euch die Alben überhaupt rückblickend an und behaltet die Reaktionen von Fans und Kritikern im Kopf?

Wir sind überaus zufrieden mit "Demonoir", anderweitig hätten wir es gar nicht veröffentlicht. Die Reaktionen sind zwar unterhaltsam, spielen aber keine Rolle, wenn es darum geht, ob wir etwas machen oder nicht. Außer wenn wir eine Setlist für Liveauftritte erstellen, dabei beachten wir die Fans eventuell.

Viele Europäer betrachten die USA als eine Art "schwarzes Loch" wenn es um Black Metal geht - wie habt ihr die US-Szene erlebt, sind euch Unterschiede zur europäischen Szene aufgefallen?

Meiner Erfahrung nach sind die Menschen überall eher gleich. Ich persönlich bin sehr gerne in den USA auf Tour und die Leute scheinen etwas weniger zu polarisieren als in Europa. Viele Menschen dort scheinen eher frei zu sein von der ganzen Genre-Sklaverei.

Da ihr ja gerade von dort zurück seid - wie lief die Tour und habt ihr vielleicht schon Tourpläne für Europa in naher Zukunft?

Die zurückliegende Tour mit Cannibal Corpse lief richtig gut, obwohl es einige Probleme mit den Visas gab und dann ja auch noch der Vulkanausbruch war. Wir haben zehn Shows gespielt und die waren alle verdammt gut.
Diesen Sommer spielt 1349 in Wacken und auf dem Summer Breeze, dann gehen wir wahrscheinlich wieder auf Tour. Und dieses Mal werden wir wieder in Europa unterwegs sein, da wir dort seit 2005 nicht mehr gespielt haben.

Besten Dank für deine Zeit und wir sehen uns, wenn nicht in Wacken, dann spätestens auf eurer Tour!

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