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18. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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GWYDION
Schlemmen mit den Göttern!
Patrick Steffenhagen
www.myspace.com/gwydionmetal


Mit ihrem Zweitling "Horn Triskelion" haben die portugiesischen Wikinger Gwydion es geschafft - ein fantastisches Epic/Viking-Album erblickte das Licht der Welt und begeisterte Fans wie Kritiker! Selbst meiner einer, der sich des Vikings müde wähnte, konnte ordentlich überrascht und mächtig begeistert werden. So eine Hammerscheibe - aus dem sonnigen Portugal? Da war die Neugier groß und ein Interview unumgänglich! Freundlicherweise stand Sänger Ruben bereit und nahm sich die Zeit für meine Fragen.

Gwydion

Ihr seid offensichtlich eine von der Wikinger-Mythologie inspirierte Band: Die Songs und das Coverartwork von "Horn Triskelion" zumindest lassen das annehmen. Wie kamt ihr dazu, den Namen "Gwydion" zu wählen - ein Magier der walisischen Mythologie - oberflächlich betrachtet ein nur wenig verwandter Charakter?

Gwydion ist der große Druide des gällischen Volkes. Er ist ein Barde und Druide, er beherrscht die Illusion, Magie und den Wandel. Der Name hat Kraft. Musik ist für uns etwas magisches und sie ist voller Illusionen und Träume. Die Musik kann uns auf eine spirituelle Reise führen, die zu einem Wandel in unseren Leben führt, mit einem größeren Bewußtsein für wer wir sind. Es war kein Zufall, das wir uns nach einer keltischen Gottheit benannt haben. Seit dem Anfang spürten wir eine große Affinität zu den Kelten, ihrer Kultur und Mythologie, besonders zu dem Kult, dem die Druiden vor tausenden von Jahren angehörten. Unser Interesse hat uns dazu gebracht, die Traditionen und Rituale zu studieren, oder beispielsweise wie die christliche Religion heidnische Symbole integriert hat, um leichter von den Menschen akzeptiert zu werden. Den Namen "Gwydion" zu wählen war also keine schwere Entscheidung. Das heißt aber nicht, mythologisch gesprochen, das wir Gwydion allen anderen Göttern vorziehen.

In eurer Biographie erwähnt ihr diverse Besetzungswechsel bevor das eigentliche Debüt "Ynys Mön" aufgenommen werden konnte. Kamt ihr jemals an einen Punkt des Zweifelns? An einen Moment, an dem ihr befürchten mußtet, die Band würde nicht überleben, würde nie die Chance bekommen, die Arbeit zu beenden? Falls dem so war - wie habt ihr diesen überwunden und die Energie gefunden weiterzumachen?

Diese Periode war ziemlich frustrierend da wir, obwohl wir aktiv waren und einige Gigs gespielt haben, irgendwie feststeckten. Leute kamen und verließen die Band und obwohl das nur wenige waren, hat es unsere Arbeit beeinflußt und unseren inneren Willen getestet, aber glücklicherweise sind wir vorwärts zum Sieg marschiert... Nach dieser Zeit, als Abreu das Schlagzeug übernahm, bekamen wir einen wesentlich erwachseneren Blick auf unsere Arbeit und auch die Stabilität die wir nie zuvor gehabt hatten. Irgendwann 2008 unterzeichneten wir den Vertrag mit TrollZorn und veröffentlichten "Ynys Mön" und spielten auf der Ragnarok Askereia Tour mit Tyr, Alestorm, Svartsot und Hollenthon, stets mit guten Reaktionen von den meisten Fans. Die Bühne war fertig... jetzt können wir hoffen, in der Zukunft höher hinauf zu steigen, besonders mit der Veröffentlichung unseres zweiten Albums "Horn Triskelion".

Die meisten Viking/Pagan-Bands haben ihre Wurzeln im europäischen Norden, Skandinavien. Einige betrachten euch - eine vollständig portugiesische Band - sicherlich als einen Außenseiter oder wenigstens als eine Art "Wild Card". Seid ihr je auf seltsame oder überraschte Reaktionen getroffen, als Leute herausfanden, daß ihr aus Portugal stammt?

Diese Frage wird uns oft gestellt, aber die Gründe hinter unseren Entscheidungen sind ziemlich simpel. Damals, als Gwydion gegründet wurde, teilten wir alle die gemeinsame Faszination für alte europäische Kulturen, besonders für die keltische. Beide unsere Demos und unser erstes Album folgten im allgemeinen diesem Pfad und auf "Horn Triskelion" konzentrieren wir uns mehr auf die nordische Mythologie. Auf diesem Weg ist das Album eher solide und erwachsener als es anderweitig geworden wäre. Über unsere eigenen Wurzeln können wir sagen, daß unsere Mythologie sehr reichhaltig und interessant ist, aber die Informationen sind weit verzeigt und fehlen oft und bekommen unglücklicherweise nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Seit wir Kinder waren, interessierten sich die meisten von uns schon immer für Literatur, das Studium altertümlicher Geschichte, mittelalterlicher Geschichte und Folklore, nicht im Sinne eines Studenten, mehr als Hobby und wachsende Neugierde. Aber a propos Geschichte: Die Kelten und eine kleine Gruppe germanischer Stämme errichteten im Norden Portugals und in Galicien (Spanien) im Alterum einige Siedlungen, Castros genannt, und vermischten sich später mit den Iberern, wurden dann zu den Keltiberern und Lusitanern, unseren Vorfahren. Besonders in den nördlichen Provinzen von Portugal kannst du viele keltische Einflüsse finden und auch einige germanische aus den Zeiten der Völkerwanderung zwischen dem vierten und fünften Jahrhundert (wir hatten Goten, Westgoten, Vandalen, Sueben, etc.). Wie wir es schon mit "Ofíussa" gemacht haben, möchten wir auf unserem nächsten Album mehr portugiesische Elemente einbringen. Aber ja, viele Leuten zeigen merkwürdige Reaktionen gegenüber uns als Portugiesen, die über nordische Mythologie schreiben, damit gehen wir ganz natürlich um und respektieren deren Meinung, aber wir haben unsere eigenen Ideen für die Band und machen offensichtlich was am besten für uns ist.

War "Ynys Mön" noch komplett auf Englisch, finden sich auf "Horn Triskelion" auch portugiesische Texte - haben diese eine besondere Bedeutung für euch, die Verwendung eurer Muttersprache, oder war das einfach eine praktische Entscheidung?

Wir haben englische Texte immer bevorzugt, da sie dadurch für jeden sofort verständlich sind und, phonetisch gesprochen, besser zum keligen Gesang passen als portugiesische. Auf "Horn Triskelion" haben wir einige musikalische Experimente gemacht, aufgrund unserer größeren Erfahrung und besserer Technik und führten einige klare Gesangslinien für den Song "Ofíussa" ein, die von unserer weit zurückliegenden Herkunft handeln. Das war ein idealer Titel um auf Portugiesisch geschrieben zu werden. Am Ende hat es sehr gut funktioniert, macht den Song reichhaltiger und aussagekräftiger.

Gwydion

Wie läuft euer Songwriting-Prozess ab? Habt ihr eine spezielle Formel, nach der ihr vorgeht oder wo liegt das Geheimnis so vieler fantastischer Songs?

Na, das ist ziemlich einfach, wir sagen nie "Laßt uns einen neuen Song komponieren", wir treffen uns normalerweise mit einigen neuen Ideen und Melodien und fangen an, diese zum Spaß zu spielen...nach einiger Zeit haben wir dann neue Musik gschrieben. So schaffen wir die meisten Songs...wir lassen sie natürlich erscheinen und erzwingen es nicht.

Einige Fans fragen sich vielleicht - was bedeuten die Titel "Ynys Mön" und "Horn Triskelion" eigentlich und wie kamt ihr dazu, diese speziellen Titel zu wählen?

Ynys Mön war der heiligste Ort für Druiden wo sich die Druiden von weit weg zu saisonalen Treffen sammelten um Traditionen am Leben zu erhalten und Wissen zu teilen. Als wir uns entschieden, das zweite Album "Horn Triskelion" zu nennen, kannten wir keine andere Band, die diese Wikingerune (Anmerkung des Autors: Die Triskele ist ein altertümliches, regional weit verbreitetes Symbol, dessen Bedeutung meist als "Sonne", "Leben" oder "Kreislauf des Lebens" interpretiert wird) je erwähnt hatte. Natürlich haben wir einige Zeit damit verbracht, welche zu finden und waren ziemlich überrascht wegen der ausbleibenden Ergebnisse. Wenn schon sonst nichts, zeigte es uns wenigstens, das Horn Triskelion kaum oder gar nicht verwendet wurde. In unserem Fall war die Wahl also einfach, "Horn Triskelion" ist das Element, das die Songs verbindet und ist einfach der richtige Name für das Album. Zur Wikingerkultur und - mythologie, die gehören zu den reichhaltigsten und interessantesten Vermächtnissen der europäischen Geschichte und es gibt noch viele Perlen zu entdecken.

"Ynys Mön", eine bemerkenswerte Verbesserung eures Schaffens - in Sachen technischer als auch musikalischer Fähigkeiten - verglichen mit euren früheren Demos und wurde extrem gut aufgenommen. Standet ihr unter irgendeiner Art Druck als ihr angefangen habt, an dem Nachfolger zu arbeiten? Von euch, von der Presse, Fans oder sogar von eurem Label?

Naja, sicher spürten wir einen gewissen Druck unser vorheriges Werk zu übertreffen, aber wir waren absolut zuversichtlich, da es so viele Dinge zu verbessern gab. Es war also einfach, damit umzugehen. Viele Dinge hatten sich seit unserem letzten Album geändert. "Ynys Mön" wurde von Gwydion bei Kaveirina zu Hause aufgenommen, es war eine Heimproduktion, die Songs wurden über einen Zeitraum von sechs Jahren geschrieben, wir hatten keine Ahnung, wie die Dinge in der richtigen Metalszene funktionierten, da wir so daran gewöhnt waren, eine portugiesische Undergroundband zu sein und nach "Ynys Mön" war das vorbei und plötzlich mußten wir als professionelle Band arbeiten und mit großen Erwartungen umgehen. Nach all dem und während einer erfolgreichen Europatour neben einigen der besten Bands des Genres nahmen wir viele Ideen auf und komponierten "Horn Triskelion" bis ins kleinste Detail, wir wollten, daß das Album perfekt wird. Wir wollen zwei, drei Schritte der Evolution einer normalen Band überspringen, da wir uns vorbereitet und fähig fühlten, also haben wir in eine gute Aufnahme, gute Produktion und ein gutes Coverartwork investiert, neben der Kreativität um die Songs zu komponieren. Das lief so gut in einer kurzen Kompositionszeit, daß wir im Studio nur noch einige Komponenten hinzufügen mußten, um das Album voller und größer zu machen, da die Basis bereits hervorragend war.

Ich muß sagen, eure Fähigkeiten haben sich seit euren Demotagen bemerkenswert verbessert. Wie habt ihr an euren Talenten gearbeitet? Übt ihr einfach "nur" oder nehmt ihr auch professionelles Training in Anspruch?

Nö, das ganze "Training" ist hausgemacht, aber da der größte Teil der Band schon seit langer Zeit zusammen spielt, ist es ganz normal, daß unsere Fähigkeiten zunehmen...aber größtenteils weil jeder von uns mehr Zeit und Hingabe in die Band investiert.

Euer Coverartwork von "Horn Triskelion" scheint sich in bester Tradition des Viking zu bewegen, sehr atmosphärisch! Habt ihr es selbst hergestellt?

Nein, überhaupt nicht. Das Artwork stammt von Designer Jan von Darkgroove Designs. Wir hatten eine Vorstellung davon, was wir wollten, aber er hat die Idee erfasst und auf das nächste Level gebracht. Von dem Ergebnis waren wir sehr beeindruckt, es war weitaus besser, als wir erwartet hatten!

Sechs Wikinger wir ihr, zusammengepfercht auf einer Livetour, ich kann mir vorstellen, daß das nicht immer einfach war. Wie sind eure Erfahrungen von eurer ersten Tour 2008, besonders mit einigen der bekannten und erfahrenen Bands, die ebenfalls dabei waren?

Naja, besonders schwierig war es eigentlich nicht, vor allem, weil wir einen tiefen Respekt vor einander haben und bevor wir eine Band wurden, waren wir bereits lange Freunde, die Tour lief also ohne Probleme. Was andere Bands angeht, es war großartig, solche Profis bei der Arbeit zu sehen, wir haben unheimlich viel von ihnen gelernt und hatten auch noch haufenweise Spaß! Das sind tolle Menschen und obwohl sie weitaus erfahrener waren als wir, hatten wir immer deren Respekt. Es war eine fantastische Tour!

Die Songs auf "Horn Triskelion" sind zweifellos überaus beeindruckend und extrem bombastisch. Der epische, sinfonische Teil der Musik scheint euer Hauptfokus geworden zu sein, sehr ihr das auch so? Für den modernen Viking eine eher außergewöhnliche Eigenschaft. Wie haben diese Songs das Tageslicht erblickt?

Ja, auf jeden Fall! Wir versuchen, Epic und Symphonic in unsere Musik einzubauen und außerdem eine gute Portion Folk, damit die Leute Spaß auf unseres Konzerte haben können. Die Musik kommt einfach nur aus uns, wenn wir anfangen, Songs zu schreiben. Wir probieren gar nicht, so oder so zu klingen, wir komponieren einfach ein paar Riffs und versuchen dann, gute Arrangements zu schreiben, die ein guter Song werden könnten.

Ich bin sicher nach eurer ersten Tournee und dem großen Erfolg von "Horn Triskelion" wundern sich bereits haufenweise Fans - gibt es schon Zukunftspläne für weitere Auftritte, vielleicht sogar eine größere Tour?

Absolut! Nach der Veröffentlichung von "Horn Triskelion" ist das unser Hauptziel für dieses Jahr! Wir haben bereits einige Angebote und befinden uns zurzeit in Verhandlungen, aber wir wissen noch nicht, ob es eine größere Tournee oder eine ähnliche wie zuvor werden wird. Klar, wenn wir einen Deal für eine große Tour abschließen könnten, wäre das fantastisch, dann könnten wir die Musik zu unseren Fans bringen! Im Moment sind wir aber offen für Angebote und selbst wenn wir nur eine kleine Tour machen, werden wir auf jeden Fall versuchen, einige lose Gigs in ganz Europe zu spielen.

Momentan steht ihr beim deutschen Label TrollZorn unter Vertrag - wir kamen Gwydion und TrollZorn zusammen und wie gefällt euch die Zusammenarbeit soweit?

Gwydion

Das war ein einfacher und simpler Prozess, wir standen nirgendwo unter Vertrag und spielten mit dem Gedanken, "Ynys Mön" selbst zu produzieren und zum richtigen Zeitpunkt wurden wir von TrollZorn kontaktiert, um ihnen einen Song zur Probe zuzusenden...der gefiehl ihnen sehr und so bekamen wir einen Vertrag angeboten. Bisher war die Zusammenarbeit klasse, alle sind eine große Familie und man kann sich auf jeden verlassen! Trotz der Entfernung zwischen Portugal und Deutschland arbeiten wir sehr eng zusammen und alles wird bis ins kleinste Detail koordiniert, damit wir das bestmögliche Resultat erzielen können und ich denke, bisher haben wir das auch geschafft!

Jeder Musiker, besonders solche, die in den diversen Subgenres des Metal aktiv sind, hat seine Helden. Wer sind eure Vorbilder und Inspiration aus den Tagen als ihr selbst noch junge Erwachsene und Fans wart?

Wir hören so ziemlich alle Arten von Metal. Vielleicht hören wir ein bißchen mehr Viking und Pagan oder Folk wie beispielsweise Korpiklaani oder Finntroll, aber wir versuchen, für alle Genres offen zu sein. Außerdem mögen wir einige Old School-Death Metal-Bands wie etwa Unleashed.

Eure Fans hören zu, buchstäblich: Gibt es etwas, das ihr Fans, Kritikern, den Menschen im allgemeinen, sagen wollt?

Im Grunde, wenn ihr die Chance bekommt - hört euch "Horn Triskelion" an, laßt euch nicht davon, daß wir keine Norweger, Finnen, Dänen, etc. sind, davon abhalten, das Album so zu genießen, wie wir es genossen haben, es aufzunehmen. Ihr werdet sicher nicht enttäuscht werden! Es ist ein Album, das euch in Stimmung bringen wird, zu trinken, es wird euch Axt und Schild greifen lassen wollen, um zum Berserker zu werden und nach einem epischen Sieg mit den Göttern zu schlemmen!

Abschließend - was können wir von Gwydion in Zukunft erwarten und, mit einer ordentlichen Portion persönlicher Hoffnung, wann?

Unser zweites Album "Horn Triskelion" wurde veröffentlicht und alles, was wir zurzeit machen wollen, ist das Album so gut wie möglich zu bewerben, in Portugal und dem Rest von Europa. Das heißt viele Auftritte und idealerweise auch eine Tour und wir freuen uns richtig darauf! Daneben wollen wir uns weiter steigern, die Bühnenproduktion ausbauen, unsere Ausrüstung verbessern und unsere Musik weiterentwickeln. Danach werden wir uns der Komposition unseres dritten Albums widmen, aber es ist noch zu früh, um schon darüber zu reden.

Vielen Dank für deine Zeit und alles Gute für die Zukunft!

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