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16. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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MARK SWEENEY
Die Vielfalt als Hindernis?
Matthias Decklar
www.marksweeney.ch


Es gibt Menschen in unserer Szene, denen wrde man einen breiten Durchbruch wnschen, weil sie ungeheuer sympathisch rberkommen und weil die Musik, die sie machen, unter einem anderen Namen zu Weltruhm gelangen wrde. Ich schrieb bereits beim Debt von Mark Sweeney, dass er sich hier qualitativ nicht hinter Solowerken von JON BON JOVI verstecken muss. Alleine Aufmerksamkeit zu bekommen, ist heute nahezu ein Ding der Unmglichkeit, wenn man nicht einer groen Firma angeschlossen oder in deren Abhngigkeit geraten ist. Wie auch immer. Wie Schweizer nun mal sind, lsst sich der gute Mark aber nicht unterkriegen und verffentlicht, im sicheren Wissen kaum Resonanz zu erzielen, ein weiteres hochwertiges Soloalbum, dass wiederum ein exzellentes Stck Rockmusik geworden ist. Meine Fragen beantwortete Sweeney mit einer Offenheit, die zwar realistisch erscheint, aber auch ein Stck weit von schlechten Erfahrungen der Szene beeinflusst ist.

Mark Sweeney

Hallo Mark, die Reaktionen auf dein Debt "Slow Food" waren ja durchweg sehr positiv. Hat sich das fr dich auch bemerkbar gemacht, was Chartplatzierungen, Verkufe und Gigs anging?

Ja, berraschenderweise wurde ich sogar in den etwas metallischeren Mags gut bewertet, obwohl "Slow Food" wirklich sehr leichte Musik ist. Ich spielte mit meinen Solo Projekt keine Live-Gigs und Chartsplatzierungen gab es natrlich auch keine. Dafr bin ich zu unbekannt. Die Verkufe waren okay, bin ganz zufrieden.

Nach dem letzen CRYSTAL BALL Album blieb es relativ ruhig um die Band, was Aktivitten anging. War dies fr dich ein Grund ein weiteres Soloalbum anzugehen oder willst du auch weiterhin zweigleisig fahren?

Sowohl als auch. Wir werden mit Crystal Ball im Herbst 2010 wieder zu Stefan Kaufmann ins Studio gehen um Longplayer 7 auf zu nehmen. Wir tourten uns mit Crystal Ball mit den ersten 5 Alben den Arsch ab, bei "Secrets" war es nun weniger, das stimmt. Nachdem Dany und Tom die Band verlieen gingen auch die Live-Aktivitten zurck. Wir waren halt schon ein eingespieltes Team und verstanden uns blind. Nichtsdestotrotz will ich mit dem neuen CB-Album wieder vermehrt live spielen, das hat uns ja schlussendlich auch ausgemacht.Mit Solo-Alben ist nun mal Schluss, mal schauen wie die CD anluft. Aber es ist schwierig mit softeren Material Fuss zu fassen, weil die "Radio-Welt" kennt mich nicht und die Metal Fans die mich kennen, erwarten hrteres von mir. Ich glaube ich habe dies begriffen. Im Moment plane ich noch ein weiteres Projekt, da soll es wieder deftig knallen, in alter Manier, ohne Schnick-Schnack und Plschtieren.

Kommen wir zum Album "All In". Das Cover zeigt dich sehr seris mit modischem Kurzhaarschnitt, im schicken Hemd. Eine klare Ansage fr die Kufer, dass es sich hier um ein Stck glatt gebgelte Musik handelt?

Ach, hrt mir doch endlich mal mit den Haaren auf! Ich bin berzeugt, dass deine Lieblingsband Metallica heit und da trgt ein gewisser James Hetfield die Haare auch kurz. Auch der AC/DC Shouter hat nicht grad ne Haarpracht bis an den Arsch!Ich bin im Herzen Rocker und werde es immer sein. Ich werde mich nicht entschuldigen, dass ich meine Haare nun kurz trage. Ich frage mich eher, wie mancher langhaariger wirklich im Herzen Hardrocker ist und nicht nur auf dem Kopf. Ausserdem habe ich auch nicht mehr die Haarpracht wie mit 27. Krampfhaft lange Haare zu tragen, wenn einem nur noch Fden runterhngen finde ich nicht appetitlich.

Der Opener "Line Of Fire" klingt sehr modern und ist eher untypisch fr den Rest des Materials. Braucht man heute so eine Single, um in den Radios Gehr zu finden, damit dann auch das Gesamtprodukt beim Fan ankommt?

Ich bin sehr stolz, dass ich mit Harry Sommerdahl einen exzellenten Songwriter fand, welcher mir diesen Song fr mein Soloprojekt angeboten hat. Auf meinem Solo-Trip kann ich rumprobieren, mal auch etwas moderner sein und will in keine Schublade reingesteckt sein. In erster Linie bin ich Musiker und hab auch Spass daran, zu experimentieren, neues zu machen und Grenzen auszuloten. Darum mache ich das ja nicht mit Crystal Ball sondern solo. Und ja, wenn man ins Radio kommen will, muss man solche Songs haben.

Du hast hochkartige Gste fr dein Album gewinnen knnen, von denen Robin Beck und Bruce Kulick natrlich herausragen. Wir kam es zur jeweiligen Zusammenarbeit?

Robin Beck war ein Glcksfall, denn Vossi mein Produzent kannte sie noch von den Voices of Rock Aufnahmen. Ich war sehr neidisch, dass er sie fr sein Projekt gewinnen konnte. Er meinte nur, dass wir ihr den Song "Moments" mal mailen knnten, evtl. wrde sie ja auch ein Duett mit mir singen. Gesagt getan und siehe da, Frau Beck war mehr als angetan und wollte das Duett unbedingt mit mir singen. Mit Kulick war ich ja schon als Snger auf Tour. Ich begleitete ihn damals fr ein paar Gigs in der Schweiz und Italien, als er sein Solo-Album promotete.

Wie war es fr dich mit Robin den Song "Moments" einzusingen? Ist man da nervs oder luft das ganz normal und routiniert ab?

Da sie sehr geerdet ist und berhaupt keine Starallren hat, war alles sehr relaxt als ich sie traf. Wir quatschten als wre sie eine nette Nachbarin oder so etwas. Die Vocals selber nahm sie in ihrem eigenen Studio in Amerika auf. Sie ist ja mit dem House of Lords Snger verheiratet welcher selber Produzent ist.

Der hrteste Song des Albums heit "Demons" und ist eine Zusammenarbeit mit den deutschen Metal-Ikonen Jrg Michael und Stefan Kaufmann. Warum muss sich dieser berragende Hammer das Deckmntelchen des Bonustracks berziehen? Weil er eigentlich zu hart fr das Album ist und dich als berragenden Metal-Snger outet?

Nun, wie schon erwhnt, darf alles auf eine Solo CD mit drauf. Also auch eine solche Nummer. Aber hast schon recht, ich hab diesen Song Bonustrack getauft, weil er vom brigen Material abweicht. Auerdem wollte ich den Kritikern schon mal den Wind aus den Segeln nehmen, wenn sie wieder ber mich als Schmusesnger lstern werden.

Was wrdest du von einer Clubtour Mark Sweeney/Oliver Hartmann halten? Ihr beiden macht ungefhr die gleiche Art von rockiger Songwriter-Mucke. Das msste doch fr viele Fans interessant sein, oder?

Hartmann ist ein Ausnahmesnger und super Songwriter. Leider kenne ich ihn nicht persnlich. Ich kenne vor allem seine Arbeit damals noch bei At Vance. Die Solo-Geschichten muss ich mir auch noch mal reinziehen. Live werde ich auch diesmal nicht unterwegs sein mit All In, da kmen zu wenig Leute.

Du bist nun schon gut 15 Jahre im Geschft dabei. Bist du ein gut geltes Teilchen der Maschinerie geworden oder kotzt dich das Business, wie viele andere auch, mittlerweile an und du machst halt weiter, weil es sonst keine Mglichkeit gibt etwas anderes zu tun?

Mark Sweeney

(lacht) Ich tue schon was anderes, keine Angst. In der Schweiz kannst du mit Musik nicht berleben. Nein, ich mache Musik weil es mir nach wie vor Spass macht. Den Durchbruch habe ich eh nicht geschafft, obwohl wir mit Crystal Ball alles versucht haben. Scheinbar waren wir zu wenig gut und das muss man halt auch einfach mal annehmen. Aber solange der Spass an der Musik da ist, mache ich weiter ob Solo, mit Crystal Ball oder meinem neuen Projekt welches ich am planen bin.

Hast du noch ein passendes Schlusswort, einen klugen Satz oder eine Lebensweisheit zum Abschluss?

Ich verlange von keinem Hardrock-oder Metalfan, dass er mein Solo-Zeugs gut findet. Aber zumindest soll jeder fr sich entscheiden, ob es ihm gefllt oder nicht. Anspruch war auch diesmal wieder, mich als Snger zu prsentieren und ein breites Spektrum abzudecken. Kommerziell wohl ein absoluter Bldsinn, als Musiker aber eine spannende Sache.

Dann danke ich dir an dieser Stelle fr deine Zeit und wnsche dir viel Erfolg mit "All In".

Ich hab zu danken fr den Support und wnsch Dir ebenfalls nur das Beste!

Ich denke, man kann deutlich an den Antworten von Mark heraus hren, was heute Sache ist. Trotz eines grandiosen Songwritings hast du auf dem Markt keine Chance. Die Radiostationen spielen lediglich Newcomer von Plattenfirmen, die gut bezahlen und als Knstler eines Rocklabels hast du eh keine Chance. Es liegt an uns, so auergewhnliche Menschen und Knstler zu untersttzen, wenn wir nicht im Pop-Brei untergehen wollen. Ein Soloauftritt auf dem "Rock Of Ages" wre genau das Terrain, das einen Mark Sweeney in der Szene zumindest einer greren ffentlichkeit bekannt machen knnte. Das kategorische Ablehnen von Livegigs ist nicht eine Frage des Wollens, sondern die traurige Einsicht, dass solches nicht zu finanzieren wre, wobei wir hier nicht ber Betrge im fnfstelligen Bereich reden. Eigentlich schade!

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