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18. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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LAMB OF GOD
Fucking Heavy Metal
Jennifer Laux/Ruth Knepel
www.lamb-of-god.com


Jeder fngt mal klein an, so auch die Urgesteine von Lamb of God, von denen sich Mark Morton, Chris Adler und John Campbell bereits an der Virginia Commonwealth University kennenlernten. Bei all dem Studienstress hatten sie dann irgendwann mal die glorreiche Idee, im Hinterhofschuppen von Chris' Eltern in Richmond zu jammen. Wie man heute sieht hat es sich fr die Jungs gelohnt, dass sie dort dem Alkohol verfallen sind und sich den Hintern abgefroren haben, denn daraus sind eine Menge toller Metalsongs entstanden. Wir sprachen auf Tour mit Bassist John Campbell in Wiesbaden.

Lamb of God

Ihr habt die Band Burn The Priest, den Vorgnger von Lamb of God schon 1990 gegrndet?

Nein, diesbezglich gibt es in schon lange ein Missverstndnis. Wir haben uns 1990 an der Uni getroffen: Mark, Chris und ich. Und natrlich kannten sich Chris und Willie bereits. Burn The Priest haben wir aber dann erst 1994 gegrndet und 1995 unser erstes Demo aufgenommen.

Warum hat das so lange gedauert? Vier Jahre sind ja eine lange Zeit, um zu merken, dass man eine Band sein will.

Naja, wir waren in anderen Bands und so. Wir sind halt zusammen aufgewachsen in Richmond.

Was gab dann den Ausschlag, euch als Band zu formieren und zusammen Musik zu machen?

Um ehrlich zu sein, hatte ich zu der Zeit mal wieder keinen Job und habe viel rumgehangen. Und dann bin ich in einem 7/11 oder einem Sandwich-Laden in Chris hineingelaufen und wir haben geredet und er hat mir einen langweiligen Job in einem Callcenter besorgt. Gesundheitsumfragen fr die Regierung. Und nach ein paar Wochen haben wir gemerkt, dass wir lieber jammen wollen. Also haben wir ne Metal Band gegrndet und haben bei ihm zuhause geprobt, wirklich trivial...

Wenn Ihr Euch von der Uni kennt, was habt Ihr eigentlich studiert?

Drogen! Abrecherquoten... *lacht* Ich bin ein Uniabrecher, also hab ich eigentlich gar nicht studiert. Sagen wir mal, ich hab das Wort 'studieren' ziemlich frei interpretiert, aber eigentlich wre es Anglistik gewesen bei mir. Mark hat tatschlich einen Abschluss in Politikwissenschaften. Willie war ein Kunststudent und Randy hat glaub ich auch Englisch gemacht?

Das sind ja eher geisteswissenschaftliche Themen...

Ja, das hat viel damit zu tun, in Richmond zu leben. Zu dieser Zeit war die Virginia Commonwealth University hauptschlich eine Kunsthochschule. Man konnte Malerei oder Bildhauerei belegen und so weiter. Das hat eine Gemeinschaft in Richmond hervorgebracht, die immer noch floriert, von Knstlern und andern liberalen Kpfen.

Lamb of God

Das ist interessant. Man hrt in Deutschland selten mal von Virginia. Es hat so den Anklang von "am Arsch der Welt"...

Also hr mal! Von Amerika hast du aber schon mal was gehrt? Wir haben Amerika erfunden! Jamestown war die erste Kolonie. Thomas Jefferson und so weiter... Aber knstlerisch? Ich wei nicht. Amerikaner sind immer irgendwie unterwegs. Ich habe mein halbes Leben in Virginia verbracht, aber eigentlich bin ich aus Alabama. War eine Weile in Maryland. Leute, die in einer Stadt wohnen, sind normalerweise nicht dort geboren. So ist sogar Richmond multikulturell... Leider bin ich total ignorant, wenn es um andere Lnder geht. Habt Ihr zum Beispiel Lnder innerhalb Deutschlands?

Klar, haben wir. Du befindest Dich brigens gerade in Wiesbaden der Hauptstadt des Bundeslands Hessen. Ich hoffe, du hast schon Apfelwein probiert!

Ich bin mehr der Whiskey-Typ, wie man an der Jim Beam Flasche hier sieht. Nur eine Flasche, weil ich der einzige Whiskey-Trinker in der Band bin. Die anderen trinken Bier. Und im Tourbus haben wir einen Riesenvorrat an Wodka, Tequila und anderen Sauereien.

Das klingt, als httet Ihr eine Menge Spa hier. Eigentlich habe ich diese Frage fr das Ende gedacht, aber das passt jetzt gut. Tourt Ihr gern in Deutschland oder mgt ihr kein Bier? Alle Bands sind immer begeistert von den Biersorten hier und finden es deswegen gut in Deutschland?

*lacht* Nun, ich mag Deutschland mittlerweile super gern, weil sich eine Menge fr uns gendert hat, seit wir bei Roadrunner gesigned sind und auf Tour mit Metallica waren. Das hier ist unsere erste Headliner-Tour seitdem und die Leute kommen tatschlich in unsere Shows und langsam komme ich echt in Stimmung! Gestern haben wir in Wien gespielt - was ja rein technisch gesehen nicht Deutschland ist. Die Dinge stehen einfach gut fr uns im Moment. Wir spielen viel grere Locations und verkaufen sogar ein paar davon aus.

Letztes Jahr habt Ihr mit Metallica die Sonisphere Festivals gespielt. Erzhl uns was davon!

Fuck yeah! Das war geil! Ich meine, wir waren auf Tour mit Metallica!!! Wir hatten schon so ziemlich mit jeder Band gespielt. Zum Beispiel Festivals mit Iron Maiden. Und dann denkt man, was kann jetzt noch kommen? Klar, Metallica! Wir dachten, die nehmen uns doch nie im Leben mit und dann haben sie's tatschlich getan!

Da habt Ihr sicher ordentlich was zum ins Tagebuch schreiben oder an den Bettpfosten zu ritzen. Ist das dann so in der Art "Been there - done that"?

*lacht* Das wre Thema fr einen ganzen Roman. Aber eigentlich nicht. Ich vergesse leider das Meiste, was so passiert, wenn ich ehrlich sein soll. Ich mag es, wenn Leute Fotos machen, weil es ja das Internet gibt. Habt ihr schon mal vom so genannten "Code oft he Road" gehrt? 'Was auf der Strae, also auf Tour, passiert, bleibt auf der Strae'. Heutzutage heit das 'Was auf der Strae passiert, lebt fr immer im Internet weiter'. Das ist eine neue Regel, nach der man leben muss. Was immer Du tust, es ist eine Kamera darauf gerichtet.

Du hast mal gesagt, Lamb of God seien eine Punk Band, die Heavy Metal spielt. Das musst Du mal genauer erklren.

Ich denke, um ehrlich zu sein, ich habe keine Ahnung wie man Bass spielt. Ich be jetzt seit 15 Jahren. Wir gehen nicht als ausgebildete Musiker auf die Bhne, die eine Auffhrung herunterspielen. Wir gehen da raus, schwitzend und stinkend und so sauer, wie wir nur sein knnen. Fr mich ist das Punk Rock. Wir sind definitiv keine schne Band.

Nun ja, eine Menge Leute sind der Meinung, dass Ihr spielerisch einiges auf dem Kasten habt. Teilweise ziemlich kompliziertes Zeug, das Ihr spielt. Wie passt das zusammen?

*lacht* Das wird immer zu ernst genommen. Ich meine, manches ist sicher nicht ganz einfach, aber wir machen es auch schon eine Weile. Manche Sachen muss man halt einfach mal probiert haben. Aber ist es deswegen kompliziert? Ich wei nicht... ja, manchmal ein bisschen, aber nicht komplexer, als was andere Bands liefern. Ich hab meinen bungsraum, meinen Computer und spiele nebenher ein bisschen Gitarre.

Also sitzt Ihr nicht zusammen und berlegt, was besonders fies klingen knnte?

Nein, hr Dir mal die 'Wrath' an, da gibt es auch einige sehr nette Parts.

Lamb of God

Apropos 'Wrath': Erzhl uns etwas ber die neue Platte, die ja im Vergleich zu anderen Lamb of God Alben ziemlich anders klingt.

Ja, 'Wrath' ist anders und das soll auch so sein. Ich finde die 'Sacrament' war sehr produziert und wir sind bewusst davon weggegangen. Wir wollten wieder rauer klingen, organischer, nicht so poliert. Es sind sogar Fehler auf der Platte, die wir uns haben durchgehen lassen. Man kann sie nicht wirklich raus hren, naja, ich kann schon, aber ist das so schlimm?

Wie waren die Reaktionen auf die Platte?

Ich glaube, das Album ist gut angekommen. Ich meine, es ist eine Metal Platte. Sie ist rau und aggressiv und laut. So soll das doch auch sein

War die Machart des Albums also vorausgeplant?

Wir haben wirklich hart an diesem Album gearbeitet. Wir haben uns 2008 vom Touren freigenommen, um uns ganz den Aufnahmen von 'Wrath' zu widmen. Wir haben das ganze Jahr damit zugebracht Songs zu schreiben, zu proben und aufzunehmen. Im Februar 2009 kam dann die Platte raus. Und hier stehen wir, ein Jahr spter, und touren immer noch damit. Und wir haben noch 9 lange Monate auf Tour vor uns.

Das klingt jetzt weniger nach nur Spa...

Wir opfern schon auch eine Menge dafr. Manchmal ist es schwierig. Meinem Sohn, der noch nicht mal zwei Jahre alt ist, ging es heute Morgen schlecht, er musste kotzen und ich war nicht da. Heutzutage haben wir wenigstens Computer mit Videofunktion. Es ist also nicht mehr wie frher, wo man alle paar Tage mal eine Telefonzelle finden musste, aber es ist trotzdem manchmal nicht leicht.

Wie geht's Deinen Bandkollegen damit?

Eigentlich genauso. Es gibt noch zwei weitere Kinder. Aber jeder ist verheiratet. Wir haben alle unsere Leben und Familien und Freunde. Wenn Du 15 Jahre mit denselben Arschlchern abhngst, ist es manchmal nett, eine Pause zu haben. *lacht* Immerhin werde ich fast 1 Jahre auf Tour gewesen sein, wenn ich wieder heim komme. Aber wir haben auch Pausen, jetzt gerade an Weihnachten, als wir aus Australien kamen. Wir versuchen, immer mal wieder 2-3 Wochen Pause einzulegen. Trotzdem macht Touren natrlich immer noch einen Riesenspa. Ich muss nirgendwo selbst hinfahren. Ich kann saufen, soviel ich will. Keinen strt's . Und ich kann ausschlafen. Wenn ich zuhause bin, hab ich's nicht so leicht. Es ist also cool, die Mglichkeit zu haben, so etwas zu machen.

Ganz anderes Thema. Wie hat sich Eure thematische Ausrichtung in den Texten verndert?

Naja, frher waren es eher politische Texte. Wir haben uns - trotz des Namens - erst auf der 'Sacrament' auch mit religisen Themen beschftigt. Wie in dem Song 'Walk With Me in Hell' zum Beispiel. Wir machen Heavy Metal. Wir schreiben nicht ber die Freuden des sich Verliebens oder kleine Ktzchen und Hndchen. Bei uns geht's um aggressive, gemeine, hssliche und dreckige Sachen. Nach den Texten gefragt zu werden ist irgendwie immer, wie danach gefragt zu werden, warum man in ner Metal Band spielt. Weil es halt 'fucking Heavy Metal' ist!

Manche Leute beschweren sich ja immer, dass Politik in der Musik nichts zu suchen hat.

Das finde ich total rckstndig. Musik ist ein Mittel, um Meinungen zu transportieren. Es ist eine Kunstform, mit der man durchaus eine Idee kommunizieren kann. Wer was dagegen sagt, sperrt sich gegen die ganze Idee, die hinter der Kunst steckt. Also ja, die Kunst kann politisch sein, aber wir sind deswegen keine Partei, die den Leuten aufdrckt, was sie denken sollen oder welche Entscheidungen sie treffen sollen. Wir vermitteln unsere sehr persnliche Meinung. Wir versuchen nicht, jemandes Stimme bei einer Wahl zu ergattern oder fr eine bestimmte Partei Stimmung zu machen. Ich meine, ich wrde Leute, die sowas machen nicht in meinem Haus wollen. Bleibt mir blo weg damit!

Ihr wart schon zweimal fr einen Grammy in der Kategorie Beste Metal Performance nominiert. Seid Ihr geehrt oder genervt, dass Ihr jedes Mal gegen alte Scke wie Slayer (2007) und Judas Priest (2010)verloren habt.

Ehrlich gesagt ist mir das egal. Es ist einfach nicht der Grund, warum wir tun was wir tun. Wenn Du nominiert wirst, ist das wie in der Schule, wenn man ein Sternchen bekommen hat. Aber ich kann ja nicht meine Bank anrufen, bei der ich eine Hypothek am Laufen habe und sagen: "Hey, vergessen wir die Sache mit dem Kredit. Ich bin fr den Grammy nominiert." Es hat also keinen praktischen Nutzen. Ich nehme an, es hilft unsere Bekanntheit zu erhhen. Vielleicht schauen sich die Leute eher eine Grammy-nominierte Band an... Moment mal, ich rede ja totalen Quatsch. Ich habe noch nie gedacht, ich muss mir eine Band ansehen, nur weil sie fr einen Grammy nominiert ist! Meine Frau andererseits war total aufgeregt, weil sie sich mal in Schale werfen konnte und das tun, was ich gerne "celebrity petting" nenne. Beim letzten Mal wurden wir leider zuhause eingeschneit, als wir eigentlich fliegen sollten. Wir hingen also in Richmond fest. Und meine Mutter war da, um auf das Baby aufzupassen Ich fands super. Aber meine arme Frau konnte nicht auf die Verleihung gehen und war auch noch mit ihrer Schwiegermutter eingeschneit. Nchstes Mal wieder, Baby!

Lamb of God

Bedeuten die Grammys denn nicht auch, dass jemand es ernst nimmt, was man tut? Auf einem hohen Niveau.

Zusammenfassend kann man doch sagen, dass so ein Theater nur darum gemacht wird, wenn es jemandem Geld bringt. Wenn es nicht um Geld ginge, wre es den Leuten egal. Und es bringt anderen Leute eine Menge mehr Geld als uns. Es ist wie es ist. Wir versuchen realistisch an die Sache ranzugehen. Alles was wir wollen, ist Heavy Metal spielen und dabei so viele Leute wie mglich erreichen.

Gibt es denn einen Song, von dem Du wnschtest, Du msstest ihn nicht spielen?

Klar! Aber solche spielen wir normalerweise einfach nicht. Naja, einen gibt es schon, aber ich verrat nicht welcher. Ach was solls! "Fake Messiah". Ich hasse es, diesen Song zu spielen. Verrats keinem weiter. (Uups! Anm. d. Verf.) Fr einen Bassisten ist der Songs saulangweilig. Es ist ein Schlagzeug-Song.

Also insgesamt habe ich das Gefhl, Ihr seid schon eine lustige Truppe.

Wir geben uns Mhe. Und wir kommen auch gut miteinander zurecht. Auerdem sind wir hier mit ein paar ziemlich groartigen Typen unterwegs. Wir waren schon mal mit Job For A Cowboy auf Tour, aber es ist das erste Mal mit August Burns Red und... wie heien die noch mal... Between the Buried And Me. Alles nette Kids. Wir machen das ja jetzt schon eine Weile und manchmal ist es schrg, weil die Jungs so zu uns aufschauen. Manchmal redet man mit einem und dann kommt die Erkenntnis: "Scheie, ich bin doppelt so alt wie dieser Motherfucker!" Das ist lustig, aber wir werden sehen...

Vielen Dank an John Campbell, den Bassisten von Lamb Of God, fr das ausfhrliche, angenehme und durchaus lustige Interview. Im Anschluss daran folgte ein energiegeladener Gig der Truppe und wir hatten allesamt sichtlich Spa. Wir wnschen den Jungs weiterhin viel Erfolg und noch eine Menge Spa auf den bevorstehenden Touren. Stay fukcking heavy!

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