Navigation
                
18. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Band
Titel
Autor
Homepage
>> Als E-Mail versenden
ORDEN OGAN
Hätte gerne 40cm!
Thorsten Dietrich
www.ordenogan.de


Orden wer? Ogan! Diesen Namen müsst ihr euch merken, da die Bayern sicherlich bald in aller Munde und Ohren sind, die guten, melodischen Metal mögen! Sänger Seeb antwortete mir mit Witz und Hirn ausführlich meine Fragen und beweist Geschmack bei seinen Gästen und dem Artworkkünstler.

Seeb, Orden Ogan klingt so mystisch, daher auch die obligatorische Frage nach dem Bandnamen, ist zwar langweilig zu fragen, muss aber sein!

Dark Age

Mir wurde durch meinen Großvater, der sich sein Leben lang mit Archäologie beschäftigte, ein Buch vererbt, das er bei einer Ausgrabung in einer Stadt namens Pling Lung in Südostasien entdeckt hat. Das Buch wurde 743 a.d. von einem Floristen namens Ling Plung geschrieben, der sich mit dem Sexualverhalten einiger besonderer Pflanzen beschäftigte. Eine ganz besondere Pflanze hat sogar einen Penis, den sie bis auf 40 cm ausfahren kann um umliegende Pflanzen zu befruchten. Durch diese Befruchtung wächst ein Ball voller Samen aufn der befruchteten Pflanze, welcher 3 Monate nach der Befruchtung explodiert und die Samen je nach Windlage Kilometerweit schleudert. Diese Pflanze heißt Ordensis Oganis. Eine Pflanze mit 40 cm Penis hat uns dermaßen beeindruckt, dass wir uns danach benannt haben.

Ist klar, du willst mich doch verschaukeln! "Easton Hope" klingt etwas mystisch. Was verbirgt sich hinter dem Titel und euren Texten?

Easton Hope ist ein Konzeptalbum, das die Vorgeschichte der letzten Platte "Vale" erzählt. Die Story spielt in einem düsteren Fantasysetting (ohne Drachen und so'n Scheiß) und beschäftigt sich metaphorisch mit durchaus realen Problemen. Die Gestalt auf dem Coverartwork ist Alister Vale. Ein adeliger, der versucht das dort vorherrschende Regime zu stürzen und auch größtenteils schon erfolgreich war. Dark Age Am Ende seines blutigen Feldzuges kommt er nach Easton Hope, der größten Stadt es Empires, um Gabriel Easton, den Tyrannen, zu stürzen. Dummerweise geht dabei so einiges schief, wie man auf dem Coverartwork sehen kann. Metaphorisch betrachtet geht es darum, was die Leute anfangen mit der Freiheit, die ihnen gegeben wird und was mehr wiegt - das Wohl vieler oder das Wohl eines einzelnen. Die komplette Story konnten wir aufgrund ihrer Länge leider nicht im Booklet abdrucken. Die gibt's aber zum Release der Platte auf www.ordenogan.de und auf der AFM Records Website.

Nun seid ihr mit eurem zweiten Labelalbum bei einem großen Label gelandet. Was hat sich für euch bis jetzt geändert?

Bisher sind alle Veränderungen nur positiv. Einem wird als Band, die gewohnt ist alles selbst zu machen, erstmal viel Arbeit abgenommen. Dafür kommt auf der anderen Seite eine ganze Schüppe Arbeit dazu, da das Interesse an der Band plötzlich sprunghaft angestiegen ist. Ich hab heute beispielsweise noch sieben Interviews vor mir. Generell ist die Zusammenarbeit mit AFM allerdings auch einfach super. Wir haben einen direkten Draht zu unserem A&R und der Promoabteilung, sogar der Chef ist Fan von Orden Ogan. Wir arbeiten also sehr nah zusammen und miteinander und uns wird künstlerisch weitestgehend freie Hand gelassen, was mir auch immer sehr wichtig war. Natürlich kann nicht jedes Anzeigenlayout mit uns abgesprochen werden, aber bei allen anderen wichtigen Entscheidungen werden wir einbezogen und nach unserer Meinung gefragt. Ich kann mir kaum vorstellen, dass alle Bands bei großen Labels so einen Luxus genießen.

Easton Hope Cover

Das neue Cover ist von Andreas Marschall und erinnert an euer Vorgängerwerk "Vale". Liegt da ein Konzept vor? Ihr seid doch bestimmt große Marschall Fans, da der Mann ja mittlerweile sicher nicht billig ist auch Bilder malt anstatt am PC wie ich hörte. War das nicht schweineteuer?

Wie grade schon erklärt, ist "Easton Hope" storytechnisch die Vorgeschichte von "Vale", es lag daher schon nahe den Protagonisten Alister Vale quasi als Leitmotiv wieder auftauchen zu lassen. Wir hatten ein Konzept, das wir mit Andreas durchgesprochen haben, haben ihm aber bei der Gestaltung dann völlig freie Hand gelassen. Bei Ausnahmekünstlern wie Andreas ist es gut ihnen so viel Freiraum wie möglich einzuräumen, damit sie sich kreativ austoben können. Solche Leute zu limitieren ist das schlimmste was man machen kann. Andreas Marschall hat fantastische Coverartworks für einige der besten Platten aller Zeiten gestaltet. Unter anderem war er ja auch für viele Blind Guardian, Grave Digger und Running Wild Cover verantwortlich. Da wir die Tradition des deutschen Melodic Metal weiterführen, dessen Sound wir allerdings auf unsere Art und Weise ins neue Jahrtausend transportieren, stand es außer Frage, wer für die Platten das Cover machen sollte. Allerdings war anfangs gar nicht klar, ob es überhaupt realisierbar wäre, da Andreas sich ja sehr zurückgezogen hat und nur noch ausgewählte Sachen macht und lange nicht mehr so viel wie in den1990ern. Glücklicherweise ist er Fan unseres Sounds und hat sofort zugesagt. Damit ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Und natürlich sind von Hand gemalte Artworks einiges teurer als am PC zusammen geklatschte Cover, das liegt ja auch allein schon am Zeitaufwand. Aber ein "echtes" Artwork ist einfach was ganz anderes - die Liebe zum Detail, die ganzen Kleinigkeiten. Wie oft haben wir alle früher stundenlang irgend welche Cover angeguckt während wir Musik gehört haben?! Das ist heutzutage leider verloren gegangen, was wir alle sehr schade finden. In einem unsere nächsten Making Ofs (siehe YouTube) wirds übrigens auch ein ausführliches Feature mit Andreas Marschall geben, der Einblick in seine Arbeit gibt. Uns war es immer wichtig ein stimmiges Gesamtkunstwerk zu erschaffen. Ich denke das ist uns mit Easton Hope erneut gelungen.

Euch nur als Mischung von Blind Guardian, etwas Savatage und wenig Running Wild zu beschreiben wäre unfair, aber mal ehrlich diese Bands habt ihr doch sicherlich sehr gerne, oder? Ansonsten wären doch nicht die Gäste auf der CD, oder?

Ich tue mich da immer sehr schwer mit für die anderen zu sprechen. Ich bin mal in einem Interview gefragt worden was meiner Meinung nach die besten Platten aller Zeiten sind. Wenn du dann "Imaginations From The Other Side" (Blind Guardian) und "Death or Glory" (Running Wild) sagst heißt es sofort diese beiden Bands wären deine großen Vorbilder. Das kann man so aber nicht sagen. Spätere Werke beider Bands sprechen mich nicht mehr so an, ich höre sehr breitgefächert Musik - von Pop bis Filmmusik, ich war letztens sogar auf einem Sido Konzert, weil ich Karten dafür gewonnen hab (bei einem Gewinnspiel an dem ich gar nicht teilgenommen hatte, (lacht). Hauptsächlich höre ich aber Death Metal und ehrlich gesagt überhaupt keinen Power Metal. Vorbilder in dem Sinne haben wir keine. Alles, was dir in deinem Leben über den Weg läuft oder musiziert kann dir irgendwie inspirieren. Wir machen einfach die Art von Musik, die wir selbst am liebsten hören würden. Aber eine solche Mischung, wie die bei Orden Ogan haben wir sonst eben noch nirgends gefunden. Was die Gastauftritte angeht: "We Are Pirates" ist eine Hommage an Running Wild, ein Dankeschön an den Kapitän im Ruhestand, die mit dem Rest der Platte nicht viel gemein hat. Dort war es naheliegend einen ehemaligen Running Wild Gitarristen zu fragen, ob er nicht Lust hätte an dem Song mitzuwirken. Da "Death Or Glory" die besten Running Wild Platte ist kam von Anfang an nur Majk Moti in Frage. Bei Thomen Stauch (Ex-Blind Guardian) verhielt sich die Sache noch etwas anders. Als wir "Nothing Remains" geprobt haben spielte unser Drummer statt des geplanten Doublebass-Teils plötzlich den von Thomen / Blind Guardian bekannten Uffta-Beat. Wir haben uns kaputtgelacht, weil der Song dann plötzlich wirklich eine Blind Guardian Note bekam und dachten uns WENN wir das so spielen, dann gibt's nur einen, der das so spielen darf. Lustigerweise hatte ich am gleichen Tag Post von Thomen im Briefkasten.

"We Are Pirates" ist das witzigste Low-Budget-Video was ich seit langem gesehen habe! Wie waren denn da die Reaktionen bisher von Running Wild Fans und anderen?

Die Reaktionen auf den Clip sind durch die Bank fantastisch. Auf YouTube gibts 99% positive Kommentare dazu und auch live wird der Song abgefeiert. Interessanterweise sind unsere Fans aus völlig unterschiedlichen Alterschichten. Sowohl auf myspace und youtube als auch Live stellen wir immer wieder fest, das es auf der einen Seite die älteren Metalheads gibt, die möglicherweise auch Running Wild Fans waren, aber der Großteil ist ein sehr junges Publikum, das man eigentlich eher den Metalcore zurechnen würde.

Was ist denn mit eurem Livekonto, müsstet ihr nicht viel spielen? Bis jetzt las ich nur von "Wacken" und der HBN 6", welche wir präsentieren, kommt da noch eine Supporttour?

Was das Live Konto angeht: na ja, wir spielen auch noch auf unserem "WinterNachts Traum Festival" zusammen mit Tyr, Unleashed, Sacred Steel, Dark Age u.v.a. und mehrere Touren sind geplant. Wir befinden uns da grade in Verhandlungen, aber bisher ist leider noch nichts dingfest gemacht. Nach über 70 Shows 2008 haben wir im letzten Jahr relativ wenig gespielt um uns auf die neue Scheibe zu konzentrieren. Das wird sich dieses Jahr aber definitiv wieder ändern (lacht).

Habt ihr als relative Neulinge eigentlich viel "Dreck fressen" müssen oder ist die deutsche Metalszene netter als man denkt? Gerade in Bezug auf Gigs habe es deutsche Bands, die nicht covern und Metal sind doch total schwer um nur einen Punkt zu nennen!

Als deutsche Band hast das generell schwer, nicht nur im Underground. Aber was die Bandgeschichte angeht - zumindest mit unserem Drummer mach ich ja schon seit 1996 zusammen Musik. In der Zeit bis heute haben wir natürlich viel Scheiße erlebt, ich kann mich erinnern, das wir z.B. mal um die 600km zu einem Festival gefahren sind, wo uns dann nach 3 (!) Songs der Saft abgedreht wurden, weil die Veranstalter mit ihrem Programm über 3 Stunden im Verzug waren. Dark Age Es sind aber auch viele tolle Erinnerungen dabei. Wir haben viele Freundschaften geschlossen und eine super Zeit gehabt, die ich um nichts in der Welt missen möchte. Wenn du dich als Undergroundband durchbeißt und alles selbst organisieren musst erlebst du zwangsläufig viele Rückschläge. Wenn ich zurückdenke ist es unglaublich wie viele befreundete Bands an solchen Dingen zerbrochen sind. Aus dem Arnsberger Raum ist z.B. aus der Zeit unserer Bandgründung keine einzige Band mehr übrig.Konzerte zu finden waren im Übrigen für uns nie ein Problem, da wir mit unserem Demos damals schon fantastische Pressereaktionen bekommen haben und nicht zuletzt aufgrund unseres guten Live-Rufs seither viel gebucht worden sind.

Eure Eigenproduktion ist wahrlich nicht übel, wollt ihr die noch mal raus bringen, oder ist die nicht mehr zeitgemäß?

Die "Testimonium A.D." würde ich sehr gern re-releasen. Wenn würde ich sie allerdings vorher remixen um sie auf einen zeitgemäßen Sound zu bringen. Dummerweise ist die Festplatte auf der sich die Spuren befinden aber fehlerhaft und wir können sie nicht mehr auslesen. Wer weiß, vielleicht haben wir ja nächstes Jahr die Zeit und das Geld über da mal einen Fachmann für Harddisk Restauration ranzulassen... Aber erstmal kommt am 22.01. die "Easton Hope". Darauf freuen wir uns alle sehr.

Stimmt.

<< vorheriges Interview
VOYAGER - Multikulti in Down Under
nächstes Interview >>
AUTUMN HOUR - Die Uhr tickt




 Weitere Artikel mit/über ORDEN OGAN: