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11. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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FALCONER
Metzger und Roxette Fan
Thorsten Dietrich
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Früher gab es mal eine Viking Metal Band namens Mithotyn, nach Ihrem Ende gründete Gitarrist Stefan Weinerhall Falconer, vor kurzem brachten sie knapp ein Jahr nach dem selbstbetitelten Debüt ihre zweite Platte "Chapter From A Vale Forlorn" heraus. Beide Veröffentlichungen sind reinrassiger Metal leicht "nordisch gefärbt" mit einem geringen Folkanteil. Stefan Weinerhall stand mir Rede und Antwort.

Warum habt ihr mit MYTHOTYN Schluss gemacht?

MYTHOTYN haben sechs Jahre zusammen gespielt und das ist keine Zeit, die ich bereue oder die ich anders gestalten würde, ich denke, wir haben unser Ding ziemlich gut durchgezogen. Wie jeder andere auch wuchsen wir und nach sechs Jahren in derselben Band denke ich, dass wir alle die Inspiration und das Engagement Stück für Stück verloren haben. Ich fühlte, dass mein Zeug wirklich nicht die richtige Behandlung von der Band erhielt und so versuchte ich, etwas Eigenes zu schaffen, wo ich tun konnte, was immer ich wollte. Nach der dritten CD sagten wir uns, dass wir eine Pause benötigten, um zu sehen, ob die Begeisterung zurückkommen würde (aber wir alle wussten, worum es bei dieser Pause ging... der endgültige Split der Band). Wir haben dann etwas rumgeheult, wie man sagen könnte, aber da sich unser Label Invasion Records so zu sagen in Luft auflöste, nahmen sie uns die Entscheidung quasi ab, das war das Ende. Ich war damals sehr erleichtert, da ich fühlte, dass ich mit etwas Neuem beginnen könnte, etwas, das mehr in die Richtung ging, die ich selber hörte. Wir bekamen von verschiedenen Labels Angebote mit MYTHOTYN weiterzumachen, aber es fühlte sich einfach wie eine Lüge an, das zu tun, also verließen wir die Band und beschritten von da an getrennte Wege.

Ich hörte, dass ich nicht live spielen werdet, warum? Ist FALCONER ein Studioprojekt? Nebenbei, ihr habt keinen Mann am Bass, warum?

Diesen Sommer werden wir einige Festivals spielen. Von Anfang an war es nicht vorgesehen, eine Live-Band zu sein, ganz einfach weil das nicht der Grund ist, warum ich Musik mache. Ich liebe es, Songs zu schreiben, war aber nie wirklich an Konzerten interessiert. Meistens sind sie den Ärger nicht wert. Wir haben uns aber dennoch entschlossen, einige Shows zu spielen, weil viele Fans das anscheinend wollen, dann ist das schon interessanter, besonders wenn es um Festivals geht, bei denen man tatsächlich für einige Leute spielst. Das Line-Up hat bisher prima zusammengearbeitet, vielleicht bei den Proben nicht ganz so gut. Da wir nicht geplant hatten, live zu spielen und keine passenden Leute aus der Umgebung kannten, die wir hätten fragen können, der Band beizutreten, haben wir das Album zu dritt gemacht. Jetzt haben wir zwei Sessionmusiker (Bass und Gitarre), die uns live aushelfen und es funktioniert einfach großartig. Jetzt fragst du dich: "Werden die beiden der Band auf dauerhafter Basis beitreten?". Antwort: Keine Ahnung, das haben wir bisher weder entschieden, noch darüber geredet.

Euer Sänger ist ein Musicalsänger. Wie kamt ihr an ihn? Steht er auf Metal?

Ich habe Mathias dadurch kennen gelernt, dass seinem Vater der örtliche Musikladen gehört und ich war auf der Suche nach einem guten Sänger. Ich würde nicht sagen, dass er Metal ist und dasselbe gilt auch für mich. Nicht, wenn es darum geht, immer schwarze Klamotten zu tragen (selbst wenn es draußen kochend heiß ist) und so viel Bier wie möglich zu trinken und nur Metal zu hören. Es gibt soviel mehr, für das es sich lohnt zu leben, als man innerhalb dieser Grenzen findet.

Bist du der Boss und der alleinige Songwriter?

Ich bin der alleinige Songwriter bei FALCONER, ja. Ich würde aber dennoch sagen, dass jeder seine Meinung haben darf und ein Recht, etwas hinzuzufügen oder zu ändern. Man könnte sagen, dass ich der Anführer einer demokratischen Band bin.

Die neuen Stücke von "Chapter from a vale forlorn" klingen manchmal ein wenig nach Folk, vielleicht mehr als früher. Hörst du privat viel Folk?

Eigentlich nicht. Das ist schon lustig, denn wenn man sich die ersten Sachen anhört, die ich je gemacht habe, hören sie sich manchmal etwas vom Folk beeinflusst an, also würde ich sagen, dass es mein natürlicher Stil ist. Ich versuche einfach Metal zu machen, von dem ich glaube, dass er gut ist. Kürzlich habe ich einige Folk-Alben bekommen, aber ich würde nicht sagen, dass ich sie viel höre.

Was kannst du von den Lyrics zu "Chapter from..." erzählen?

"Decadence of dignity": Ein schneller Song, der von der Gier der Menschen handelt. Wir verkaufen alles, so lange wir schnellen Profit daraus schlagen können und denken nicht über die Konsequenzen nach. Der powermetalligste Titel auf dem Album.
"Enter the glade": Ein rockiges und swingiges Stück über religiöse Profitmacher, die die Menschen sowohl um Hoffnung, als auch um Geld betrügen. Einer meiner Lieblingsstücke es neuen Albums.
"Lament of a minstrel": Ein wirklich langsamer Song wie "The past still lives on". Der Text dreht sich um genau das, was der Titel aussagt.
"For Life and Liberty": Ein Lied, das etwas riffbasierter ist und viele Variationen hat. Langsam, schnell. Einfach perfekt. Der Text dreht sich um die Spannung zwischen dem Mensch und seinem Erzfeind... dem Wolf, der meiner Meinung nach einen zu schlechten Ruf hat. Er war oft ein Sündenbock für den Menschen. Ein weiteres Lieblingsstück.
"We sold our homesteads": Ein weiterer traditioneller Song übe die schwedische Geschichte. Es dreht sich um die Emigranten von uns nach Amerika im 19.Jhd. Das Stück wurde etwas umarrangiert um mehr Variationen zu bekommen. Ein Heavy-Stück, genau wie "Per Tyrsson...".
"The Clarion call": Ein kritischer Song über Krieg, Herren und Anführer, die oft nach Macht und Land streben und dabei nichts gewinnen, sondern nur verlieren. Ein Thema, das immer aktuell war und es auch immer sein wird. Ein weiterer Song mit allen möglichen Variationen.
"Portals of light": Eine Ballade, die, glaube ich, ziemlich gut geworden ist. Noch ein persönlicher Favorit. Die Story dreht sich um den Verlust einer Liebe, in diesem Fall bis zum Tod, aber ich denke, die meisten von uns kennen das Gefühl sowieso.
"Stand in veneration": Ein swingiges kleines Stück über die Überlegenheit der Natur über den Menschen. Im selben Stil wie "A quest..." geschrieben, aber doch anders.
"Busted to the floor": Ein Lied, das aus den Siebzigern stammen könnte. Griffiger Rock mit Andy an der Leadgitarre und wir haben auch etwas Hammondorgel eingebaut. Ein wenig wie ein Hippiesong über gebrochenes Vertrauen.

Interessante Texte!
Was sind deine Einflüsse?

Das ist immer schwer zu sagen, denke ich. Ich weiß wirklich nicht, wo die Grenze zwischen Lieblingsmusik und Einflüssen liegt. Ich denke, beides ist für mich dasselbe, da ich nicht versuche wie dies oder jenes zu klingen. Was ich mir anhöre mag ich und die Dinge, über die ich schreibe auch, also kann man natürlich immer Ähnlichkeiten darin zu diesen Kategorien finden. Tja, und was höre ich mir gerne an? JETHRO TULL, RAINBOW, MIKE OLDFIELD, QUEEN, IRON MAIDEN, MOTLEY CRUE, GUNS'N'ROSES, ROYAL HUNT, ROXETTE (Muaaahahahahahahaaaa, ich lach mich tot!!!! - Anm.v.NDK; Sei still, hast Du als Teenie auch gehört!! - Anm. v. Thor), DEEP PURPLE, DIO, WHITESNAKE, ABBA etc.

Was arbeitest du im "wirklichen Leben"?

Ich arbeite als Schweineschlachter. Da die Musik nicht so lukrativ ist, brauche ich einen regulären Job. Es kann manchmal ziemlich hart sein, Zeit für die Band zu finden, wenn du grade von der Arbeit heimkommst und dich eigentlich nur noch aufs Sofa legen willst. Dank Gott für die Wochenenden. Vielleicht bin ich nicht so metal in meinem Lifestyle oder musikalisch, aber verdammt, ich habe eine Metal-Beschäftigung. Yeah!

Dann bist Du der Mad Butcher? HAHA!
Hat das neue Cover eine spezielle Bedeutung?

Nö, soll nur zum Titel passen.


Auch ne Möglichkeit für ein Cover! Bis dann!

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