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13. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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AXXIS
25 Jahre sind eine lange Zeit
Matthias Decklar
www.axxis.de


Die Besatzung des schwermetallenen Schiffs, das einst von den Scorpions, Accept und MSG erbaut wurde, erhielt Mitte der 80er Zuwachs von einer der Band, die ber einen jungen, selbstbewussten Snger verfgte, der mit seiner hohen Stimme allerdings die Fans spaltete. Man liebte AXXIS oder man lehnte sie ab. Das hat sich irgendwie im Laufe der Zeit gendert. Nach 25 Jahren ist die Band an einem Punkt angekommen, wo sie allerseits Wertschtzung erfhrt, denn gerade im neuen Jahrtausend haben AXXIS ein starkes Album nach dem anderen vorgelegt. Der aktuelle Output "Utopia" fgt sich da nahtlos ein. Snger Bernhard entpuppte sich als uerst auskunftsfreudig und nahm sich viel Zeit fr unsere Fragen.

AXXIS

Hallo Bernhard, ist man eigentlich noch nervs bei einer Albumverffentlichung, wenn man schon so lange im Geschft ist?

Nervs nicht gerade, aber spannend ist es schon. Wenn man bedenkt, dass man fast 6 bis 8 Monate Arbeit in Utopia gesteckt hat und bis zum Release nicht genau wei, wie's ankommt. Das ist immer ne sehr spannende Geschichte. Deshalb bin ich jetzt nach dem Charteinstieg auf 40 erstmal happy.

"Utopia" erscheint mir als eine konsequente Fortsetzung des Weges, den ihr mit "Doom Of Destiny" bereits gegangen seid. Habt ihr diese Ausrichtung, also die Untersttzung einer Frauenstimme und deutsche Texte, fest mit ins AXXIS-Programm aufgenommen?

Nein, ursprnglich sollte die weibliche Stimme nur auf "Paradise in Flames" stattfinden. Wir hatten uns dann aber doch anders entschieden, da uns die "Hellish Rock Tour" angeboten worden war. Wir wollten die Chance fr Lakonia nutzten, europaweit ihren Namen bekannt zu machen. Deshalb haben wir sie auf der "Doom of Destiny" noch mal richtig gefeatured. Hat dann jedoch leider nicht geklappt. Da mir die Sache als Produzent viel Spa gemacht hatte, mit weiblichem Gesang zu arbeiten, haben wir auf UTOPIA Natalie Mol aus Bochum gefragt. Sie hat dann sofort mitgemacht. Ziel war es aber, diese Stimme nicht mehr so sehr in den Vordergrund zu heben. Wir wollten nur die Farbe der Stimme, vor allen Dingen in den Chren, nutzten. Das hatten wir brigens schon bei der "Kingdom" gemacht...allerdings nicht so auffllig.
Da wir immer versuchen viel Abwechslung auf einem Album zu haben, haben wir uns entschlossen, diesmal auch einen deutschen Song regulr auf die CD aufzunehmen. Wir machen so was ja nicht alle Tage, aber es war eine Herausforderung, die eine Menge Spa gemacht hat. Unsere Hoffnung war, dass die Leute beim Hren, da erst mal aufhorchen, da was Unerwartetes passiert. Ich glaube, das ist uns gut gelungen und live kommt der Song hammermig an. So euphorisch hatte ich das aber ehrlich gesagt nicht erwartet...war wohl ne gute Entscheidung.

Ich fand es recht witzig in den vergangenen Tagen die Reviews zum neuen U.D.O. Album, zur PRIMAL FEAR Verffentlichung und zu "Utopia" zu vergleichen. Onkel Udo wird Trendanbiederung vorgeworfen, da er neue Trades in seine Songs integriert hat, PRIMAL FEAR haben sich nach Meinung der Fachpresse zu Softrockern entwickelt und AXXIS sind auch nicht mehr das was sie waren, weil bei eurem Jubilumssong, der als Bonustrack auf der Edit-Version von "Utopia" erscheint, "Nichtrocker" mitgesungen haben. Kann man es irgendjemand noch recht machen?

Ne, mssen wir aber auch nicht und ist auch nicht unser Job, es irgendwelchen Journalisten recht zu machen. Wir arbeiten fr uns und fr die Fans , die uns durch die 20 Jahre begleitet haben. Wenn ich auf die Journalisten 1989 gehrt htte, htten wir den Laden direkt zumachen knnen (lacht) Es gibt auch sehr, sehr gute Journalisten im Metal/Rockbereich, aber manche sind eben auch grenzwertig. Viele hatten ja mal selber eine Band und sind daran klglich gescheitert. Manche von Ihnen sitzen nun in den Redaktionen am Hebel und knnen ihren Frust so richtig schn ablassen. Wir knnen uns dagegen nicht wehren, aber wenn wir Ihnen dabei behilflich sein knnen...gerne. Aber Du hast natrlich Recht. Es ist schon sehr schade, wenn wie bei uns in einem Fall Leute ne CD kritisieren oder abwerten, nur weil Rolf Stahlhofen mitgemacht hat. Immerhin war er unser Tourmanager, sang dann bei den Shnen Mannheims und wenn wir ne Anniversary CD rausbringen, sollte es uns berlassen bleiben, wer da mitmacht. Schade ist auch, dass diese Leute ihre Leser nicht Ernst nehmen, denn die erwarten von einer Kritik/Review, dass der Journalist die Songs auch gehrt hat...dieser hatte den Song mit Rolf noch nicht mal vorliegen bzw. gehrt...schade. Aber wie gesagt, das waren Ausnahmen und ich bin sonst sehr zufrieden mit den Feedbacks, die wir bekommen haben.Und am Ende entscheidet sowieso der Fan, ob's gut oder schlecht luft.

Fr mich stellen gerade die schnellen Abgehnummern, wie der Titelsong, "Sarah Wanna Die" oder "The Eyes Of A Child" die Hhepunkte des Albums dar. Fllt es euch leicht, nach den Jahren noch solche catchy Nummern zu schreiben, oder fliegen einem diese Melodien einfach zu.

Das schwierigste am Songwriting ist immer das Suchen, nach einer guten Melodie, einem Hook, einem guten Song...irgendwas besonderes...irgendwas was Emotionen auslst. Da sitzen wir Stunden dran und sind dabei unsere grten Kritiker. Fr uns ist der Song immer das Wichtigste und wir ordnen uns dem als Musiker unter. Leicht haben wir es uns nie gemacht, weder bei der "Kingdom Of The Night" noch bei "Utopia".

Der Song "Father's Eyes" hat mich sehr beeindruckt, was Text und Stimmung angeht. Hat es eine besondere Bewandtnis mit dieser Nummer?

Der Song ist sehr persnlich, da mein Vater mitten in der Produktion letztes Jahr starb. AXXIS ist fr mich da wirklich mein persnlicher Psychologe. Ich war in dieser Zeit echt von der Rolle und bin dankbar, dass es die Band gibt. Es ist sehr hilfreich mit so einer Situation fertig zu werden, indem man all das, was man nicht sagen kann, in Musik oder einen Song packt. Ich htte mich auch wochenlang besaufen knnen, aber ich dachte, der Song ist die bessere Therapie.

Um uns herum scheint momentan der Metalmarkt so ziemlich zusammenzubrechen. Die Firmen gehen Pleite, die Bands haben immer weniger Verkufe, etc. Ich persnlich sehe aber auch eine Festival- und Konzertflut und vllig berhhte CD-Preise, die das Kaufverhalten der Fans (meines auch) verndert haben. Ich hre mir eigentlich lieber meine alten CDs mittlerweile an, als 17 Euro fr eine neue auszugeben. Bei Preisen von 7 oder 8 Euro wre es allerdings keine Frage, sich wieder drei, vier neue Produkte im Monat zuzulegen. Du bist ein alter Hase im Geschft und hast sicherlich eine fachkundige Meinung dazu.

Nun ja, es ist nur meine Meinung. Ich glaube jedoch, dass auch ein CD Preis von 7 Euro die Leute weiterhin zum illegalen Download drngt. Denn egal wie billig die CDs werden, die Downloads sind einfach umsonst. Ich sehe das doch auch an mir. Wenn die Brtchen beim Bcker X teurer als beim Bcker Y sind, gehe ich zu Bcker Y. Wenn Diebstahl in Kaufhusern nicht geahndet wrde, wrden die Leute doch doof sein, etwas an der Kasse zu bezahlen. AXXIS AXXIS Solange der Diebstahl von Urheberrechten nicht richtig verfolgt wird, wird sich daran auch nichts ndern und die Labels/Bands usw. gehen weiter den Bach runter. Dabei merken viele gar nicht, wie sehr sich die Szene dadurch verndert hat. Bands versuchen ber den Livemarkt ihr Geld wieder reinzubringen. Das berschwemmt den Markt total. Labels geben nur noch Fesseldeals raus und junge, talentierte Truppen haben wohl zunchst einen Deal, um hinterher unter der Brcke pennen zu knnen. Deshalb gibt's ja auch so viele Hobbytruppen. Keine Chance eine Band richtig aufzubauen. Gute, kompetente Leute bei Verlagen, Labels usw. gehen aus dem Musikbusiness raus und die 400 Euro Fachkraft wird A&R Manager. Dass da die Szene ihr eigenes Grab grbt ist schon klar. Aber auch die Bands versuchen immer billiger zu produzieren und ich hre bei vielen Produktionen nur noch irgendwelche virtuellen Drummer PlugIns, Samples und sonstige virtuelle Musiker aus der Softwareszene. Das macht die Sache fr uns eben schwerer, da wir noch nicht die Hoffnung aufgegeben haben, eine gute, aufwendige Produktion abzuliefern... und das kostet eben... leider! Und wenn dann deine CD drei Wochen vor V schon auf einem russischen Server zum Download angeboten wird, kommt man schon ins Grbeln.

Ihr habt bereits einige konkrete Konzerttermine verffentlicht. Nach einer greren Tour sieht das aber noch nicht aus.

Zuerst einmal wollten wir uns auf die Festivals konzentrieren und haben nun unsere Anniversaryshow am 13.12.in der Zeche Bochum im Kopf. Aber eine Tournee ist schon bei uns ein Thema. Wichtig ist es uns nur, ein gutes Package zusammen zu bekommen. Durch die Tourneen mit Pink Cream 69 oder auch durch die "Hellish Rock Tour" wird klar, dass ein gutes Package fr die Fans wertvoller ist, als alleine durch die Gegend zu tingeln. Ich gehe im brigen auch lieber zu Gigs, bei denen ich fr denselben Preis einen tollen Abend mit mehreren Bands bekomme. Oder aber Festivals sind der Renner. Deshalb wird die Entscheidung fr eine Tournee durch die erfolgreiche Suche nach einem zweiten Headliner abhngig gemacht. Wie Du eben schon selber sagtest, es sind so viele Bands auf Tour, dass man heute schon was bieten muss, und das ist auch gut so!

Ich hab als Jugendlicher "Kingdom Of The Night" vergttert und meine Uhr aus der Picture-Single von "Fire And Ice" existiert immer noch. Was ist da Geheimnis der ewigen Jugend von AXXIS, den "Utopia" klingt erstaunlich frisch?

Nun ja, einfach nicht stehen bleiben, neues ausprobieren und sich selbst immer wieder kritisch hinterfragen. Wir versuchen bei jedem Album Neues auszuprobieren, manchmal mit weiblichen Stimmen, manchmal spielen wir mit unterschiedlichsten musikalischen Elementen. Diesmal haben wir den deutschen Song und natrlich den Anniversary Song mit Andi Deris, DORO, Schmier, David Readman, Claus Lessmann, Rolf Stahlhofen, Walter Pietsch. Das war echt eine Herausforderung, da alle im Vorfeld meinten, dass man diese unterschiedlichen Snger nicht zusammenbringen knne. Deshalb bin ich umso stolzer darauf, dass das so gut geklappt hat und dass das Ergebnis echt der Hammer ist. Metal-, Soul-, Rock- und Thrash- Stimmen kommen zusammen und geben richtig Gas.

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