Navigation
                
12. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Band
Titel
Autor
Homepage
>> Als E-Mail versenden
END OF GREEN
Melancholisch im Sommer
Thorsten Dietrich
www.endofgreen.de


Die Süddeutschen Melancholic Rocker End Of Green haben mit ihrer neuen Platte "Last Night On Earth" einen genreübergreifenden Rundumschlag getätigt der von Ohrwürmern nur so strotzt. Deshalb wollte ich von den Jungs mal wissen was sich seit letztem Jahr geändert hat und wie der Weg zur Weltherrschaft ist. Gitarrist Michael Setzer lies sich witzig über
diesen steinigen Weg aus und bewies, dass traurige Musik nicht traurige Musiker bedeuten muss.


Hallo Michael!
Die neue Platte "Last Night On Earth" erschien sehr kurz nach der letzten. Was habt ihr der Zwischenzeit so erlebt?

Wir haben sehr viele Konzerte gespielt und viele neue Erfahrungen gemacht .... oder auch einige alte wieder aufgefrischt. Das letzte Jahr war recht turbulent für uns. Dennoch haben wir es geschafft: ein Jahr auf der Straße und keinen Unfall mit dem Bus oder Auto. Klopf auf Holz, dass es so weitergeht.

Toi, Toi Toi!
Seid ihr flotte Songschreiber und arbeitet ihr im Team?

Songwriting macht uns wirklich Spaß, keine Frage. Aber zur Fließbandarbeit sind wir in der Hinsicht nicht geboren. Gut Ding braucht manchmal ja wirklich Weile. Beim Songwriting sind wir ein Team mit Führungsspieler. Michelle macht den Bärenanteil am Songwriting - Texte sowieso - und wir alle machen dann das Beste aus allem. Wenn ich das so sagen darf.

Du darfst. Ihr seid trotzdem keine langsamen Songwriter.
Wie deutest du das Cover der Platte? Ist im übrigen viiieel besser als das letzte!

End of Green

Eigentlich mochte ich auch das letzte Cover sehr. Das Artwork erledigt unser Gitarrist Oliver. Ich weiß nicht genau, was er mit dem Foto bezweckt hat, mich fasziniert nur, dass der Hand bereits ein Teil des Daumens abgefallen ist. Ich glaube sie hat schon sehr lange darauf gewartet, von jemandem an der Hand genommen zu werden. Ihre glücklichen Zeiten hat sie hinter sich, jetzt kommt nur noch der Verfall .... hab ich das gerade gesagt?

"Left To Rot" würde ich dazu sagen!
Ihr wurdet gerne in die Type O Ecke gezerrt, wegen dem Gesang und der Coverversion von "Black No.1". Da gab es mitunter viel "Reviewgemecker". Habt ihr euch deswegen geändert?

Du glaubst es mir wahrscheinlich eh nicht. Wir haben uns nie gesagt "Auf geht's, wir machen mal einen auf Type O" - außer bei der Coverversion, natürlich.
Dementsprechend mussten wir auch nicht wieder zurückrudern. Die Coverversion auf die CD zu packen war wahrscheinlich wirklich nicht die schlauste aller möglichen Entscheidungen. Ansonsten sehe ich nur die Parallele, dass Michelle sehr tief singen kann. Dass wir oft als "die deutschen Type O Negative" tituliert wurden, war sicherlich manchmal ein wenig ermüdend .... aber mal ehrlich: Es gibt wirklich schlechtere Bands mit denen man verglichen werden könnte.

Stimmt es gibt schlimmere Vergleiche, aber die Coverversion hätte ihr euch schenken können.
Wo seht ihr eure Fanschichten?

Wir nehmen jeden. Im Ernst: Ich freue mich, wenn ich ins Publikum schaue und ein buntgemischtes Publikum aus Metal-Fans, Goths, Hippies, Indie-Leute oder wen auch immer sehe. Das trifft ja auch auf unsere Hörgewohnheiten zu. Manchmal treffen wir Leute, die sagen "ihr seid ein bisschen ZU Metal" und fünf Minuten später kommt jemand und ruft "Ihr Girlies. Geht's nicht härter, ihr Schwuchtel?!". Es liegt wohl im, äh, Ohr des Betrachters.

Gute Antwort! Haha!
Glaubt ihr noch an den kommerziellen Durchbruch, habt ihr noch Träume?

End of Green

Träume haben wir natürlich. Die wird's auch immer geben, ansonsten müssten wir aufhören. Was den kommerziellen Durchbruch angeht sind wir, denke ich, recht realistisch. Klar wollen wir das, aber nicht um jeden Preis. Ich denke eine unserer besseren Eigenschaften ist, dass wir recht unverkrampft sind. Es gab schon viele merkwürdige Angebote, von denen wir nicht begeistert waren und "Nö, lieber nicht" gesagt haben. Ob das immer kommerziell schlau war, weiß ich nicht. Falls wir je "breakthroughen" sollten, dann hätten wir das schon am liebsten, wenn das mit unseren eigenen Liedern wäre. Vielleicht steht auf unserem Grabstein ja irgendwann "Hier liegt ein Flop, weil sie zu dumm waren, ehemalige Chart-Hits gescheit zu covern."

Naja, aber besser als schlecht covern, wie z.B. es Bands mit 80ern Songs oft machen!
Wieso wird das eigentlich geile Lied "Queen Of My Dreams" so schräg betont im Titel?

Du meinst "Kwieh-haaan", oder? Das ist das gesunde Mischverhältnis von Akzent und künstlerischer Kraft. Mein Mitbewohner hat das auch schon gesagt, dass er die Betonung sehr "visionär" findet. Das ist mir bei uns eigentlich nie wirklich aufgefallen - warte mal - Rob Zombie würde wohl "kwiiie-yeah-n, yeah" singen." Ich versuch mir gerade andere Sänger vorzustellen, die das Wort "queen" singen. Das macht Spaß. James Hetfield: "Kwie-yeahyeahyeah-n" oder Snoop Dogg: "Yo, Bitch"

Klar, und Bei Manowar käme noch "Queeeen , Die" oder "Steeel" dabei!
Bei Bands wie ihr sind die Texte immer ein wichtiger Punkt! Welche sind Dir wichtig und kannst Du was darüber erzählen?

Ich kann gar nicht so viel über die Texte sagen, die kommen ausschließlich von Michelle. Manchmal ändert sich mein Bild von seinen Texten an verschiedenen Tagen komplett. Mal empfinde ich sie sehr romantisch, manchmal sehr traurig und manchmal auch wahnsinnig zynisch. Ich frage ihn aber nie, was er genau damit meint, es könnte meine Wahrnehmung ändern.

Schade!
Geht ihr eigentlich mal auf eine richtige Tour, oder bleibt es bei Einzelgigs?

Im Sommer werden wir hauptsächlich auf Open-Air Festivals unterwegs sein. Aber im Herbst setzen wir uns dann gemeinsam mit Undertow in den Bus und bereisen die Republik.

Das ist ein gutes Package!
Denkt ihr nicht eure Scheibe müsste im Herbst veröffentlicht werden? :)

End of Green

Allerdings! Das habe ich schon bei "Songs For A Dying World" gedacht - wir sind eine "klassische Novemberband" - Scheisswetter, es wird früh dunkel, es ist kalt und trostlos. Silverdust sehen das aber irgendwie anders. Ich tue mich schwer damit, mir Menschen vorzustellen, die im Cabrio oder meinetwegen im Bikini unsere Platten anhören - bei Sonnenuntergang, okay - aber tagsüber? Den Soundtrack zum Strandkorb machen wir wirklich nicht. Vielleicht haben Silverdust ja irgendwann Einsicht mit uns.

Das wäre echt mal fällig. Ihr seid halt "October Rust" Hahaha.
Seid ihr melancholische, nachdenkliche Menschen, oder könntet ihr auch Gute Laune Mucke machen?

Wir sind nicht schlechter gelaunt als alle anderen Menschen auf der Welt - gewiss nicht. Wir schauen manchen Tatsachen einfach entschlossener ins Auge. Bei "Gute Laune Musik" muss ich immer an Fun-Punk denken ... da gibt's vermutlich bessere Adressen als uns. Ansonsten sind wir wohl wie diese Menschen, die Witze kennen, aber selbst keine erzählen - oder die, die sie sofort wieder vergessen, nachdem sie herzhaft gelacht haben.

Ich kenne auch keine Witze, wenn sind sie mies.
Wer sind denn eure Einflüsse bei der Musik und den Texten?

Bei den Texten sind es eindeutig, die Momente des Tages, in denen man keinen Ausweg sieht und sich einsam und scheiße fühlt. Musikalisch haben wir recht breitgefächerte Interessen von Crowbar über Jimmy Eat World bis hin zu Countrymusik. Man sollte aber zwischen Einflüssen und Hörgewohnheiten unterscheiden. Sicherlich sind da Bands wie Bay Laurel, The Cult, Metallica, Alice In Chains und so ins Gehirn eingebrannt. Ich mag aber beispielsweise At The Drive-In, möchte aber behaupten, dass wir überhaupt nicht so klingen. Unsere Haupteinflüsse sind sicherlich die so genannte "Grunge-Musik", Metal und 80er-Goth/Indierock.

Glaube ich Dir alles!
Wie siehst Du Mp3s, Internet und das Brennen als Mitglied einer "kleineren Band" ?

Bands in unserer Liga hilft das oft, Songs an viele Menschen zu verbreiten. Sicherlich fehlt das auch in den Verkäufen, aber andererseits kenne ich mich selbst zu gut: Es gibt viele Platten, die ich mir nie kaufen wollen würde - interessieren würde es mich aber schon, wie sie klingen. Der Idealfall, sind die romatischen Nerds, sie saugen sich zwei mp3s - finden das gut - und kaufen dann die Platte, weil sie ein gescheites Cover und ein "Produkt" in der Hand halten wollen und nicht eine Datei oder einen hässlichen CD Rohling - handbeschriftet.

Das passiert bestimmt, ist aber nicht der Idealfall. Ich denke aber auch, dass durch das Internet viele Leute auf Bands wie End Of Green aufmerksam werden!


Gute Musik, witziges Interview! Schaut rein, bei www.endofgreen.de


<< vorheriges Interview
END OF GREEN - Zwischen Type O und bei Ben Becker
nchstes Interview >>
EVIDENCE ONE - Neue Band, alte Namen und viel Klasse




 Weitere Artikel mit/ber END OF GREEN: