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15. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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ROME
Klassischer Chanson auch für Metalheads
Sabine Jordan
www.romepage.eu


"Flowers From Exile" von Rome aus Luxemburg ist mal wieder eine Scheibe gewesen, in die ich mich erst einmal einhören musste, ehe ich mich so richtig begeistern konnte. Aber oft sind es ja gerade genau diese Scheiben, an denen man später auch am längsten Freude hat. Ich habe dann schliesslich doch Patrick und Jerome ein paar Fragen gestellt und hoffe, dass sich der ein oder andere Leser vielleicht auch noch mit der Musik von Rome anfreunden kann...

Wie ich gelesen habe starte ROME eigentlich als 1-Mann-Projekt von Jerome Reuter. Wie und wann genau kam Patrick dazu? Hat sich das einfach so ergeben nachdem er das Demo der späteren "Berlin"-EP gehört hat?

Jerome: Noch vor ROME bin ich für einige Aufnahmen zu Patrick ins Studio. Wir kannten uns noch von früher. Nach und nach ist sein Input für ROME immer wichtiger geworden. Patricks Aufnahme- und Produktionsstil war von Anfang an charakteristisch für unseren Sound und somit auch für die Identität von ROME. Ich habe ihn und seine Ideen für Arrangements im Laufe der Alben mehr und mehr zu Wort kommen lassen, und so war es nur natürlich ihn irgendwann - kurz nach dem dritten Longplayer "Masse Mensch Material"- als festes Mitglied anzusehen. Seitdem ist ROME ein Zweiergespann.

Rome

Patrick ist ein Freund von Dir und "Flowers From Exile", sowie auch andere Rome-Scheiben wurde in seinem Tonstudio aufgenommen? Macht das die Zusammenarbeit einfacher?

Jerome: Es hat sicherlich die klangliche Identitätsfindung von ROME deutlich einfacher gemacht. Ich bin über unsere Zusammenarbeit über die Massen glücklich, da wir uns perfekt ergänzen. Zwischen uns herrscht auch gegenseitiges Vertrauen, was die kreative Arbeit um so mehr fördert.

Patrick, wenn man sich die ganzen Alben (Rome, Falkenbach, usw) anschaut, auf denen Du schon Deine Kunst (Bass, Gitarre, Gesang, Programmierung, Produktion) beigesteuert hast und die Bands, die bei dir aufgenommen haben, anschaut, dann könnte man meinen, dass Du gar keine Zeit mehr für andere Dinge hast. Sieht Dein Zeitplan auch noch Beschäftigungen oder Hobbies neben der Musik vor?

Patrick: Nun, ich verdiene meine Brötchen ja mit der Musik, und bin daher nicht gezwungen in meiner Freizeit zu musizieren. Die meisten musikalischen Beiträge meinerseits in diversen Bands sind im Studio während der Produktion der jeweiligen Alben entstanden, und haben selten Freizeit ausserhalb meiner Arbeitszeit beansprucht. In meiner Branche ist die 40 Stunden-Woche zwar als eher utopisch anzusehen, aber auch mein Arbeitstag ist irgendwann zu Ende, und dann wird auf jeden Fall das Privatleben inklusive Freunde und Hobbies gepflegt.

Wer sind denn eigentlich die Männer auf dem Cover und im Booklet von "Flowers From Exile", welche Idee verfolgt Ihr mit dem Artwork? Ich nehme an es passt zum textlichen Konzept. Kannst Du dazu auch noch etwas sagen?

Rome

Jerome: Die Aufnahmen stammen aus dem kargen Fundus meiner Familie. Der Mann links ist der Vater meines Onkels, die anderen zwei seiner Kameraden. Die anderen Fotos im Booklet sind aus der gleichen Sammlung. Es sind alles Spanienkämpfer im Exil in Tunesien, Frankreich, etc. Auf der Flucht vor Franco. Das war auch Thema der Platte. Wir hätten kein passenderes Artwork finden können.

Ihr verwendet mehrere Sprachen. Welche Sprachen sind das und wieso setzt Ihr dieses Stilmittel ein? Spricht einer von Euch auch die ganzen Sprachen?

Jerome: Wir sind mehrsprachig aufgewachsen. Wir sprechen fliessend Luxemburgisch, Deutsch, Französisch und Englisch. Mein Spanisch, Flämisch und Italienisch lässt noch stark zu wünschen übrig, aber für basale Kommunikation reicht es. Wir lieben diese Sprachen, sie sind ein Teil von uns und unserer Kultur und haben deshalb auch ihren Platz in unserer Musik.

Wir sind ja hauptsächlich ein Online-Magazin für Metal. Patrick kommt ursprünglich auch eher aus dem Metalbereich, wenn ich das Richtig in Erinnerung habe...Wie würdet Ihr unseren Lesern Eure Musik schmackhaft machen und wie würdest Du/Ihr selbst Eure Musik beschreiben?

Jerome: Ich denke es gibt zwischen den einzelnen Musikszenen vieles was sich überschneidet. Wir haben viele Fans aus dem Metalbereich - nicht nur weil wir beide der Szene nie ganz fremd waren - Patrick hat immerhin mit vielen Bands aus dem Genre zusammengearbeitet. Was wir zur Zeit machen geht zwar eher in Richtung klassische Chanson, ist aber dennoch kein rotes Tuch für Metalheads. Es gibt im Metalbereich immer Platz für atmosphärische Balladen, warme Gitarren, etc. Metalheads sind doch meist auch einfach Musikliebhaber - und die wissen Qualität zu schätzen...

Rome

Das stimmt. Aber wie sieht der typische Rome-Fan aus? Oder gibt es den nicht?

Den gibt es so nicht wirklich. Gottseidank. Wir wollen alle möglichen Leute ansprechen. Bei uns auf Konzerten gibt es sogenannte Normalos, Gothics, Metalheads, Punks, etc., etc. Da ist alles vertreten und willkommen.

Patrick, wie sehr verändert Deine Arbeit mit dem Tonstudio Deinen Geschmack und Deine Empfindungen für Musik? Gibt es überhaupt noch Musik, die dich von den Socken haut, im positiven Sinne?

Ich schätze, ich habe auch meine "Berufsleiden", wie jeder andere auch...
Ich kann gar nicht anders, als eine jede CD beim Hören zu analysieren...Ich höre mir an, wie die Hallräume gemacht sind, wie die einzelnen Instrumente arrangiert sind, und mit welcher Technik sie wohl aufgenommen wurden...
Dann bin ich wohl recht empfindlich, was schiefe Töne und mittelmäßiges Timing angeht (lacht)
Mit den Jahren werden die Ohren extrem geschult, und man hört auf einmal Details, die einem vor Jahren nie aufgefallen wären. Ein Segen für die Arbeit, und ein Fluch beim Musikhören. Das Resultat ist, dass wenn eine CD wirklich gut ist, ich eine Riesenfreude daran habe, und jeden Ton genieße....leider ist es dann aber auch so, dass wenn es schlecht gemacht ist, ich oft wirklich gar keine Lust habe, es zu hören.

Was ist Deiner Meinung nach das größte Problem der Musikindustrie?

Rome

Patrick: Ich könnte mir vorstellen, dass man es den Konsumenten wieder schmackhafter machen könnte, mehr Musik zu kaufen, indem man die Menge reduziert, und dafür die Qualität erhöht.
Einfach gesagt, und leider fast unmöglich zu realisieren! Die Hörer werden zugeschüttet mit überdurchschnittlich mittelmäßigen Veröffentlichungen, und die Qualität nimmt stetig ab, und es wundert mich nicht, dass weniger Musik gekauft wird. Es könnten insgesamt weniger CDs auf den Markt kommen, dafür aber allesamt mit höherem Anspruch, mit besserer Qualität und mehr Liebe zum Detail...Dann bräuchten sich auch nicht so viele den großen Kuchen zu teilen, und vielleicht hätten alle Beteiligten mehr davon, und der "Musikindustrie" ginge es besser...

Ihr habt dieses Jahr auch wieder auf dem WGT in Leipzig gespielt, habt Ihr da schon neue Songs gespielt und wie sind die angekommen?

Jerome: Ja, wir haben ein paar von den neuen Sachen gespielt und die sind auch überraschend gut aufgenommen worden. Das war für uns äußerst spannend, da wir doch stilistisch Neues gewagt haben, und dann noch vor so einem großen Publikum... Ich glaube wir waren insgeheim ganz schön nervös. Aber ist alles gut gegangen!

Wie sieht es denn generell mit Live-Auftritten aus? Ich habe auf Eurer Homepage nur ein paar vereinzelte Tourdates in geographisch weiter Ferne für September, Oktober und November gesehen,. Bekommt man noch mal in der Nähe und nach der Urlaubszeit die Möglichkeit Euch live zu erleben?

Jerome: Konzerte in Deutschland und Umgebung wird es auf jeden Fall regelmäßig geben, keine Sorge. Da sind auch schon einige Sachen in Planung...mal schauen!

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