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18. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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ROXXCALIBUR
Feiern ein Jubiläum!
Thorsten Dietrich
www.roxxcalibur.de


Wenn eine Band mit fremden Songs, die sie teilweise kräftig entstauben musste, eine tierisch geile Platte macht, die dazu noch den Bands und dem 30.Geburtstag der "NWOBHM" Tribut zollen, ist das eine feine Sache. Deshalb und auch als Geschichtsunterricht in Sachen Metal musste ein Interview mit ROXXCALIBUR in Gestalt von Schlagzeuger Andreas "Neudi" Neuderth her.

ROXXCALIBUR sind eine Cover/Tributeband einer Bewegung, der "NWOBHM", die 30. Geburtstag feiert. Normalerweise thematisiert eine Coverband eine Band und keine Bewegung, oder spielt an sich Metalcover. Wie seid ihr zu der Idee gekommen und wie haben sich die Musiker dazu gefunden?

ROXXCALIBUR

Eigentlich haben wir bis 1978 alle als Exildeutsche in London gelebt und haben schon als Kinder zusammen eine Band namens LASSIE'S REVENGE gehabt. Wir haben da einige gute Nummern geschrieben wie z.B. "The Number of the Beast" oder "Denim and Leather". Leider sind unsere Eltern 1978 mit uns zurück nach Deutschland gezogen, allerdings haben wir kurz vorher sämtliche Songs auf Tonband aufgenommen. Verschiedene damals neue Bands haben sich dann an den Songs auf dem Band bedient. Im Jahre 2007, mittlerweile spielten wir in verschiedenen anderen Bands wie VIRON oder ABANDONED, haben wir dann beschlossen, einige der alten Stücke doch noch für eine LP, heute halt CD, aufzunehmen. Jetzt haben die Leute erstmalig die Chance, die Originalband zu hören, flunkert Märchenonkel Neudi. Mal von dem Hintergrund abgesehen hatten Alexx und ich schon länger Pläne für eine solche Band. Durch den Hessenkontakt dank unserem Gitarrist Roger (auch VIRON) waren Mario (Bass, Teebeutel) und Kalli (Gitarre, Äpplwoi) schnell dabei. Die Gründung der Band war das Resultat eines Grillabends mit intensivem NWOBHM-Hören. Zwei Wochen später war dann die erste Probe mit den ersten drei Songs. Doch alleine schon die Idee kam bei vielen Leuten im Vorfeld sehr gut an. Es gab sogar Spezialisten, die herum erzählt haben, wir wären eine geile Band, obwohl wir zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal geprobt hatten!

Neudi, du arbeitest im Media Markt, machst VIRON, Streetclip TV und jetzt auch noch ROXXCALIBUR. Bist du ein Workoholic?

Dass, und da spreche ich für alle Bandmitglieder und Streetclip.TV-Leute, niemand von uns ohne Musik leben kann, sollte ein Hauptantrieb für ein künstlerisches, ja sogar kaufmännisches Schaffen sein. Wenn man etwas gerne macht, dann macht man es i.d.R. auch gut. Ich selbst habe als Kind zu meinen Eltern gesagt, dass ich später mal nur Musik machen möchte. Und im Grunde habe ich das geschafft, wenn man den Posten als Abteilungsleiter der CD-Abteilung in die Musikszene integriert. Ich habe täglich nur mir Musik zu tun. Von den Bands, über streetclip bis zum Media Markt herrscht überall ein dermaßen positives Arbeitsklima, dass selbst stressige Zeiten immer noch mit Spaß verbunden sind. Während den ROXXCALIBUR-Aufnahmen lagen VIRON auf Eis. Dies wäre allerdings auch ohne die zweite Band so gewesen, da zwei Bandmitglieder den Übergang im Studium ins Berufsleben bewerkstelligen mussten. Also war der Zeitpunkt für die Recordings im Herbst/Winter 2008 perfekt, sieht man mal von Uwe Lulis (Produzent) Motorradunfall nach dem vierten Studiotag ab.

Roxxcalibur

Cover, Bandname und Titel des Albums sind an bekannte Veröffentlichungen und Sampler der NWOBHM angelehnt, gibt das keinen Ärger und wie kamt ihr darauf?

Als VIRON noch SEDUCTION hießen und wir uns um benennen wollten, hatte ich bereits Roxcalibur, Lead Weight und Brute Force als Vorschlag eingereicht, allerdings fanden alle Namen wenig Anklang bei meinen Mitmusikern. Wir sind für die NWOBHM-Tribute Band dann sämtliche Compilations (mir fehlt leider immer noch "As unheared of...") durchgegangen und haben uns auf Roxcalibur mit einem Extra-X geeinigt. Zusammen mit dem Logo und dem Schwert/Totenkopf ist das dermaßen oldschool, dass jeder Korn-Fan direkt die Finger von uns lässt (lacht). Ärger wird es wohl kaum geben können. Im Gegenteil: Vielleicht wird der CD-Re-release mal wieder aufgelegt. Der Sampler war zu 80% geil!

Die Setlist eures Albums besteht aus bekannten, weniger bekannten und öfters total unbekannten Stücken, die auch heute noch rocken.
Wie findet man solche Bands und war es euch ein Anliegen diese Bands einem jüngeren Publikum zugänglich zu machen bzw. sie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen?

Du stellst ja lauter Fragen, die mich in den Vordergrund rücken. Wenn ich von meinen Kollegen auf die Schnute bekomme, bist Du schuld, heult Neudi. Fakt ist, dass ich eine recht umfangreiche Sammlung an NWOBHM-LPs und vor allem Singles besitze. Da ich diese Scheiben alle digitalisiert habe, war es ein einfaches CDR-Compilations zu machen und jedem Bandmitglied mitzugeben. Dann wurde einfach abgestimmt und jeder hatte noch einen Joker, wenn er einen Song unbedingt machen wollte. Natürlich haben wir auch auf Vocals geachtet, owohl wir schon geplant haben, dass bei je einem Song von TANK und VENOM unser Kalli singen muss. Das passt zu ihm. Bei manchen Songs muss man aber auch verschiedene widrige Umstände im Kopf ausschalten, um zu erkennen, wie geil er eigentlich ist. Wer das Original von ARCs "War of the Ring" kennt, versteht was ich damit meine. Der richtig gute Song versteckt sich hinter einem dünnen und schwammigen Sound, ein Rohdiamant immer noch Felsen umgeben quasi.

Bist du so verrückt für alte LPs und Singles der NWOBHM hunderte von Euros auszugeben?

ROXXCALIBUR

Grundsätzlich gehöre ich nicht zu den Sammlern, bei denen die Gleichung Teuer = Gut gilt. Das ist Käse und outet auch niemanden als besonderen Fan. Ich kannte z.B. "Rainbow Warrior" von BLEAK HOUSE nur von einer Bootleg-Compilation. Da ich diesen Song bahnbrechend finde, habe ich also Alles daran gesetzt, um beide Singles zu bekommen. Und da wanderten für ca. 25 Minuten Musik dann mehrere Hundert Euro über den Tisch, die ich bis heute nicht bereut habe. Es gibt allerdings auch teure Original-LPs und -Singles, die ich damals einfach kaufen musste, weil ich sonst niemals an die Musik gekommen wäre. Heute gibt es sehr viele Underground-Labels, die sich auf Re-Releases aus dieser Zeit spezialisiert haben. Und ganz ehrlich: Wenn ich die Songs an sich in irgendeiner Form hier habe, bin ich mittlerweile fürs Erste schon mal zufrieden.

Wie lief denn der Gig vor kurzem auf dem "Keep It True" Festival?

Wenn ich diese Frage emotional beantworten würde, könnte man ein Sonderheft daraus machen! Also fasse ich mich kurz: Es war der Wahnsinn, sowohl vom Erlebten als auch vom Erfolg. Eine solch einmalige Show einen Tag nach dem Release der CD ist schon fast Perfektion und ein Traumstart für eine neue Band. Die Foren sind voll mit lobenden Worten, Musiker (von denen ich teilweise selbst Fan bin) klopften uns aufgrund unserer Leistung auf die Schulter. Es ist einfach nicht in Worte zu fassen, was uns dieser ganze Tag bedeutet.

Ist die Band auf lange Sicht geplant, wollt ihr noch mehr Alben machen und wie sieht es mit Konzerten aus?

Wir sind eine Band und kein Projekt und wir behandeln auch die Songs, die wir covern, als unsere Babies. 99% aller Metalfans unter 30 hören Songs wie "7 Days of Splendour", "War of the Ring" oder "Rainbow Warrior" durch unser Album das erste Mal. Für diese Leute sollte es auch gar keine Rolle spielen ob wir die Songs geschrieben haben oder nicht. Wir wären ja auch nicht die erste Gruppe mit externen Songwritern. Eigentlich sind wir nur für ein paar Tausend Insider weltweit eine Coverband. Eine lange Liste mit Songs für die nächsten Alben besteht bereits. Gigs und Tourneen resultieren natürlich auch aus den CD-Verkäufen und den nun kommenden Reviews der CD und vor allem vom "KIT"-Festival. Meistens haben solche Auftritte einen Schneeballeffekt. Mit FFM-Rock haben wir auch eine gute Bookingagentur, die Gottseidank mit Bands nicht überladen ist.

Gab es eigentlich Feedback von Musikern der Bands auf eurem Album und wie sind die Resonanzen an sich bis jetzt?

Die Resonanz ist extrem positiv, auch schon vor der CD. Allein die Idee dieser Band kommt da draußen sehr gut an. Natürlich gab es ein paar Online-Magazin-Nasen, die bemängelt haben, dass wir kein JUDAS PRIEST oder MOTÖRHEAD (!) auf der CD haben, aber da wurde unsere Bio einfach nicht gelesen. Gerade bei uns müssen Journalisten erst verstehen und lesen was wir machen und am Besten dann die CD hören. Und wer bitteschön braucht nach Hunderten "A Tribute to..." Compilations noch nachgespielte Versionen von SAXON oder MAIDEN? Live ja, aber auf CD? Da sind wir schon froh, dass es Leute wie Dich oder Götz Kühnemund gibt, die aufgrund ihres Fachwissens direkt verstehen, um was es hier geht.

Hey, ich werde noch rot, aber das mit MOTÖRHEAD ist schon köstlich!

Die Resonanzen der Originalbands (wir halten Kontakt zu ca. 70% der Band, die wir auf der CD covern) sind gigantisch. Gerade die obskuren Gruppen freuen sich sehr, dass sich nach so vielen Jahren noch ein paar verrückte Deutsche an sie erinnern. Und unsere Versionen kamen ausnahmslos gut an. Außerdem haben wir in den letzten Tagen sehr sehr positive E-Mails von Schlüsselpersonen der Metalszene bekommen, was uns richtig stolz macht.

ROXXCALIBUR

Manche Leute könnten denken ihr seid ewig gestrige Metalfans, magst du auch moderner klingende Sachen wie z.B. ILL NINO, FEAR FACTORY oder anderes?

Vielleicht sollten die Leute einfach mal darüber nachdenken, warum es den Satz "Früher war Alles besser" in der Metalszene so häufig zu hören gibt. Es fällt vielen Fans ab 30 schwer in Worte zu fassen, warum die Achtziger aufregender waren, als die heutigen Veröffentlichungen. Ich als Musiker habe da ein paar Hilfen parat. Sieht man mal vom berühmten "Soundtrack of Life" ab, haben wir heute einige Entwicklungen, die eigentlich komplett gegen das läuft, was Heavy Metal mal bedeutet hat. Egal wie gut die Songs einer neuen Band sind, wenn sie auf das volle Spektrum der modernen Studiotechnik zurückgreifen und diese nicht nur (wie wir) als Hilfe nutzen, dann fehlt dem Endresultat jegliche Energie, jegliches Leben und jeglicher "Human Factor". Metal ist hart gespielte Rockmusik und diese hat gefälligst zumindest tendenziell Livecharakter zu haben. Früher hat man VAN HALEN u.a. am Sound der Hi Hat erkannt, OVERKILL und MAIDEN am Bass-Sound, KISS an Ace Frehleys Plektronquietschen... heute klingen viele Metalproduktionen gleich glatt gebügelt. Und durch die heutige Technik kann auch noch jede Kellercombo eine halbwegs gute CD aufnehmen. Diese werden dann den Labels kostenfrei übergeben, was zur Release-Schwemme führte. Und wenn ein Label gar nichts zahlen muss, dann fehlt auch die Motivation, etwas für das Produkt zu tun. Das alles ist ein Rattenschwanz. Ich höre mir kein FEAR FACTORY an, aber ich empfinde die modernen Elemente bei modernen Bands nicht störend. Das ist deren Stil. Wenn die Metalcore-Drummer diesen getriggerten Nähmaschinensound wollen, weil es irgendwie zu dem Stil gehört, dann ist das für mich völlig legitim. Aber ich möchte mir von einer klassischen Metalband wie JUDAS PRIEST nicht so eine gequirlte Kacke wie "Nostradamus" anhören. Und über die letzten Wohnzimmerproduktionen von RUNNING WILD brauchen wir auch nicht sprechen... Hauptsache der echte Metal (Heavy Metal, Thrash, Speed, Doom) bleibt so, wie er gehört.

Ich schwafele ja gerne, hier sage ich nur: Recht hat er!

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