Navigation
                
17. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Band
Titel
Autor
Homepage
>> Als E-Mail versenden
OBSCURA
Atheisten, der Tod und kosmische Genese
David Lang
www.myspace.com/realmofobscura


Technischer Death Metal erlebt gerade seinen zweiten Frhling, doch in wenig anderen Genres wird sich dermaen oft in kaum mehr nachvollziehbaren Arrangements verzettelt als hier. Dass es auch anders geht beweisen die deutschen OBSCURA, die mit "Cosmogenesis" gerade ihr zweites Album verffentlicht haben... und das auf Relapse! Snger / Gitarrist Steffen zeigt sich auskunftsfreudig.

Hallo Steffen! Seit eurem Debut "Retribution" sind bereits gut fnf Jahre ins Land gezogen. Was ist in der Zwischenzeit alles passiert und wie kam es zu der langen Wartezeit?

OBSCURA

Das Debt ist erst 2006 verffentlicht worden, da wir bis dahin vergeblich auf Labelsuche waren. Mit der Platte im Rcken konnten wir eine Europatournee mit SUFFOCATION 2006, und eine weitere Europatour 2007 realisieren. Nach der letzten Tour wollten sich einige Mitglieder auf ihre Studien bzw. Arbeit konzentrieren da der Zeitaufwand zu immens war. Glcklicherweise konnten wir drei neue Mitglieder finden: Jeroen Thesseling (Ex-PESTILENCE), Hannes Grossmann und Christian Mnzner (beide Ex-NECROPHAGIST). Als das Line-up wieder komplett war haben wir alle unsere Ideen zusammengetragen und neue Songs geschrieben, von denen wir drei als Demoversion aufnahmen. Das Demo kam bei den wenigsten Labels durch, es ist halt doch recht schwierig, auf diese Weise auf sich aufmerksam zu machen. Relapse Records waren von allen greren Metal-Labels das einzige, welches wirklich groes Interesse gezeigt hat. Schlielich haben wir bei Relapse unterschrieben und "Cosmogenesis" aufgenommen.

"Retribution" war im Grunde schon ein Ausrufezeichen in der Szene, doch erst mit "Cosmogenesis" habt ihr euren festen Platz gefunden, wie ich finde. Das neue Werk strotzt nur so vor (guten) Ideen und Details. Was hat sich am Songwriting gendert und wie kam es dazu?

Naja, durch andere Leute ndert sich zwangslufig auch die Art des Songwritings, da jeder von uns verschiedene Einflsse einbringt. OBSCURA war schlielich nie ein One-Man-Project sondern immer als echte Band gedacht. Da wir allerdings geografisch ein wenig voneinander entfernt leben, arbeiten wir viel mit Computer. Wir schreiben unsere Ideen mit einem Tabulaturprogramm auf und schicken sie uns gegenseitig per E-Mail. Das ist ziemlich modern, aber man hat den Vorteil, dass man seine Songs sehr genau planen kann und nicht erst aufnehmen muss, um die Musik beurteilen zu knnen.

An manchen Stellen meine ich Chuck Schuldiner und DEATH als Einfluss heraus zu hren; an anderen wiederum CYNIC. Zufall?

Eigentlich ist dieser Einfluss ziemlich bewusst in unseren Sound eingearbeitet. DEATH und CYNIC sind bzw. waren zwei der innovativsten Death Metal Bands. Wir mchten nicht wie eine Kopie klingen, aber gewisse Teile kann man guten Gewissens an diese Bands anlehnen.

Relapse Records sind eines der angesehensten Labels fr extreme Musik weltweit. Wie kam es zu der Zusammenarbeit und wie fhlt es sich an, als eine von zwei deutschen Bands dabei zu sein?

Relapse haben sich eben wie gesagt als ziemlich einziges Label fr unser Demo interessiert. Da Hannes und Chris beide mit NECROPHAGIST auch bei Relapse unter Vertrag standen, war womglich die Aufmerksamkeit seitens des Labels sowieso schon vorhanden. In jedem Fall war es eine gute Wahl, da uns Relapse super untersttzen.

Obscura Cosmogenesis Cover

Der Titel "Cosmogenesis" lsst in Verbindung mit dem (geilen) Albumcover im Grunde nur eine Interpretationsmglichkeit offen. Die Schpfung des Kosmos als Thema fr ein Death Metal Album ist doch mal eine willkommene Abwechslung zu bluttriefenden Metzgerstories. Inwieweit vertieft ihr die Thematik auf der Platte (mir liegen leider keine Texte vor) oder liege ich eventuell ganz falsch?

Im groen und ganzen ist es richtig was du sagst, wir wollten uns nicht auf die Splatter- und Gore-Schiene einlassen, das war einfach schon zu oft da. Mit Texten die etwas anders geraten sind haben wir schon auf unserem Debt "Retribution" mit dem Song "Hymn To A Nocturnal Visitor" begonnen und mit "Cosmogenesis" fortgefhrt. Mit den kommenden Alben werden wir sehen wohin uns die Reise fhrt, jedoch versuchen wir immer einen gewissen Anspruch zu wahren.

Euer Bassist Jeroen hat einige Jahre bei PESTILENCE gespielt. Wie steht ihr zu den unzhligen Reunions, die seit Jahren vonstatten gehen? Wie steht ihr zu der PESTILENCE-Reunion im Speziellen?

Von der neuen PESTILENCE Scheibe kenne ich bislang nur einen Song der mir aber sehr gut gefallen hat. Der Song war mehr in Richtung der "Testimony Of The Ancients", jedoch finde ich gerade die Experimente auf der Scheibe "Spheres" sehr innovativ da sie einfach Neuland betreten haben was den Death Metal betrifft.
Reunions im Allgemeinen habe fr mich immer einen faden Beigeschmack, man wei nie aus welchen Grnden sich die Bands wirklich neu reformieren. Es gibt aber auch sehr positive Beispiele wie CYNIC, die mit "Traced In Air" ein unglaubliches Album geschrieben haben und sich dennoch nicht selbst kopiert haben. Auch SADIST haben ein starkes Comeback geschrieben, leider ist die Platte etwas untergegangen.

Hrt man sich "Cosmogenesis" an, prasseln unglaublich viele Stile extremer Musik auf den Hrer ein. Aus welchen musikalischen Vorlieben der verschiedenen Mitglieder setzt sich euer Sound zusammen?

Jeder hat seinen Beitrag zum Songwriting beigetragen und hat ganz unterschiedliche Einflsse bzw. einen anderen Background. Jeroen hat etwa 14 Jahre keinen Metal mehr gespielt, stattdessen in diversen Flamenco- und Jazz-Ensembles gespielt. Christian hat an einigen Instituten Gitarre studiert und mit dem MGI in Mnchen sehr viel Wissen ber Fusion/Metal erhalten. Hannes hat viel Progrock und Metal in seinem CD- und Plattenregal. Letztendlich knnen wir uns alle auf DEATH, CYNIC und ein paar Fusionplatten einigen. Die Grundlage unseres Sounds ist definitiv Death Metal, der jeweils eigene Stempel der Musiker macht aus "Cosmogenesis" das was die Scheibe geworden ist, und sie wrde anders klingen, wrden andere Musiker auf der Platte mitwirken.

Habt ihr in diesem Zusammenhang einige Plattentipps fr uns und unsere Leser? Womglich einige unentdeckte Perlen, Highlights aus dem Underground oder vielleicht komplett Unmetallisches?

Generell CYNIC, ATHEIST, DEATH, die blichen Verdchtigen. "Prometheus" von EMPEROR sollte man auch besitzen und DISSECTIONs "Storm Of The Lights Bane" ("Jepp", Anm. des Red.) sollte jeder mindestens einmal gekauft haben. Unmetallisch aber dennoch hrenswert sind PORTISHEAD, ST. GERMAIN, JAMIROQUAI und YES.

Euer Terminkalender, allein fr April / Mai ist zum Bersten voll. Freut ihr euch jetzt in erster Linie drauf wieder dermaen prsent und permanent auf Tour zu sein, oder ist es doch mit gemischten Gefhlen versehen?

Wir haben uns alles sehr auf die Tour mit CANNIBAL CORPSE gefreut, und man kann sagen sie war ein voller Erfolg. In den USA und Kanada sind wir sehr gut aufgenommen worden und auch das Feedback war wunderbar. Im August sind wir mit ATHEIST auf einer kurzen Festivaltour und im Oktober mit CANNIBAL CORPSE auf einer ausgedehnten Europatournee zu sehen. Bis dahin ist noch viel Zeit um die Batterien wieder aufzuladen und sich um Beruf/Studium zu kmmern.

Jemand hat noch keinen Ton von euch gehrt und ihr mchtet ihm ein OBSCURA Konzert schmackhaft machen... wie stellt ihr das an?

Wenn ihr eine authentische Band sehen wollt die leicht proggigen Death Metal spielt und dabei die Haare fliegen lsst - schaut mal vorbei.

Ein Mann - ein Wort!

<< vorheriges Interview
GWYLLION - Aus den Tiefen von Kortrijk
nchstes Interview >>
DEBAUCHERY - Back From EKTOMORF




 Weitere Artikel mit/ber OBSCURA: