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24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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VOODOO CIRCLE
Tief in der Vergangenheit und ein Highlight 2008!
Thorsten Schwalbach
www.voodoocircle.com


Die Band VOODOO CIRCLE um den Gitarristen Alex Beyrodt hat mit ihren Debtalbum fr mich eins der Highlights von 2008 verffentlicht. Nachdem die Band mich auch live bei ihrem ersten Konzert im Frankfurter Club Die Halle begeistert hat, nutzte ich einige Tage spter die Chance zu einem Interview. Wobei das eigentlich die falsche Bezeichnung ist. Mein Telefonat mit Alex war eher ein lngeres Gesprch ber sehr viele unterschiedliche Themen. Alex war die ganze Zeit sehr freundlich und auskunftsfreudig, weshalb mir die Sache sehr viel Spa gemacht hat. Aber lest selbst, er hat so einiges zu sagen.

Hallo erstmal und riesen Kompliment zum Album von VOODOO CIRCLE. Wie kam es zu der Idee, ein solches Album in der Tradition von Gren wie RAINBOW, WHITESNAKE oder DEEP PURPLE aufzunehmen?

Das war eigentlich ein ganz natrlicher wenn auch schleichender Prozess. Ich bin mit dieser Musik gro geworden, habe in verschiedenen Bands gespielt und verschiedene Sachen gemacht. Die Szene ist dann immer grer geworden und immer unbersichtlicher. Und so vor ungefhr 4 - 5 Jahren fing dieser ganze Verffentlichungswahn und auch die Qualitt des kompletten Heavy Metal Business an, mich furchtbar zu langweilen. Ich bin auch nicht der erste, der so etwas von sich gibt. Eine ganze Menge von etwa gleichaltrigen Kollegen und auch Journalisten haben da vlliges Verstndnis fr. Mit so einer Aussage muss man natrlich ein bisschen vorsichtig sein. Aber das muss man im Zusammenhang sehen. Es geht mir um diese Flut und auch diese mindere Qualitt vieler Verffentlichungen. Die Musik an sich liebe ich ja immer noch. Ich hoffe, diese Erklrung ist jetzt angekommen. (Anmerkung: Bei mir auf jeden Fall, was ich dann auch so gesagt habe. Diesen Ansichten muss man zustimmen.) Und in dieser Zeit habe mich einfach rckbesinnt und etwas getan, was ich schon viel frher mal htte machen sollen. Ich habe angefangen, mal wieder meine alten Platten zu hren, die alten Scheiben, die ich mir zu groen Teilen mittlerweile auch als CD zugelegt habe und habe dann wieder "In Rock" von DEEP PURPLE oder meine alten Sachen von RAINBOW gehrt. Ich habe diese Musik fr mich wieder neu entdeckt. Neu entdeckt deshalb, weil ich sie dann mit ganz anderen Ohren gehrt habe als damals, als ich 15/16 Jahre alt war. Und dabei habe ich einfach die Qualitt solcher Musik vllig neu schtzen gelernt. Und ich muss ehrlich sagen, ich hre auch derzeit nichts anderes mehr als Bands, die ich sage einfach mal "DEEP PURPLE - related" sind. Also Sachen wie DEEP PURPLE, WHITESNAKE und RAINBOW oder die Soloalben von Glen Hughes. Alles, was so aus diesem Dunstkreis und aus dieser Zeit kommt ist fr mich im Moment musikalisch einfach meine Welt. Und ich bin so froh darber, dass ich diese Rckbesinnung gemacht habe. Und so fing das alles dann erstmal an. Zeitgleich wurde ich dann eingeladen, an einer Session-Tournee hier am Niederrhein teilzunehmen. Und bei dieser Tournee hatte ich auch Einfluss auf die Zusammenstellung der Band und habe mir dann den Mel Gaynor am Schlagzeug (u. a. SIMPLE MINDS) und den David Readman als Snger gewnscht. Und das hat dann auch tatschlich geklappt. Diese Session-Tournee war dann vor ungefhr 3 Jahren. Wir haben uns dann zum ersten Konzert getroffen und besprochen, welche Songs wir spielen, Coversongs von DEEP PURPLE, LED ZEPPELIN und solchen Bands. Und dann haben wir ohne jemals vorher auch nur eine Note gemeinsam gespielt zu haben ein Konzert gegeben, bei dem die Leute komplett ausgerastet sind. Und dann wurde eine Tournee von 10 Konzerten draus und bereits nach dem dritten Konzert habe ich den David und den Mel gefragt, ob sie nicht Lust htten, mit mir zusammen eine neue Band zu grnden. Diese zweistndigen Konzerte waren Improvisationskunst der ganz hohen Schule. Dabei habe ich dann zum ersten Mal dieses Konzept, was in den 70er Jahren einfach gang und gbe war, dass Bands einfach gejammt haben, so richtig erlebt. Im Heavy Metal Bereich ist ja jammen eigentlich etwas, was gar nicht existent ist. Die Bands sind alle hervorragend eingeprobt, da sitzt jede Note, jeder Schlag, alles ist einfach perfekt. Dieses Gefhl, auf die Bhne zu gehen ohne groes Konzept mit der Freiheit, einfach zu sehen, was an diesem Abend passiert, das gibt es da eigentlich nicht. Und diese Erfahrungen haben wir alle bei dieser Session-Tournee gemacht, und so ist bei mir der Wunsch entstanden, eine Band zu haben, mit der ich richtig jammen kann. Nicht im Proberaum, sondern auf der Bhne. Und dabei entstehen dann diese einzigartigen Dinge, die so nur in diesem Moment passieren. Und das ist das Konzept von VOODOO CIRCLE. Dazu gehrt auch das Songwriting, wo ich so vor ungefhr 4 Jahren angefangen habe, Songs zu schreiben, die frmlich aus mir rausgeflossen sind, und das sind dann auch die Songs, die man jetzt auf der Platte hrt. Jetzt bin ich dann aber fertig.

VOODOO CIRCLE

Euer Konzert im Mrz in Frankfurt hatte ja auch ein bisschen diesen jammartigen Charakter.

Ja, das war natrlich die absolute Premiere, und da hatten wir auch den Mat (Sinner / Bass) und den Jimmy (Kresic / Keyboards) dabei, und haben auch teilweise ein bisschen gejammt. Und im Laufe der weiteren Konzerte haben wir noch mehr zu uns gefunden.

Dieses Jammen kam auch so rber. Wobei das Konzert ein bisschen kurz war, ihr httet da ruhig noch ein bisschen lnger spielen knnen.

Wir waren nur fr eine Stunde gebucht, das Konzert war ja im Rahmen der "Marshall-Guitar-Master-Show" und von daher mussten wir uns dem Zeitplan, der da geplant war, anpassen.

Um nochmal auf die angesprochene Verffentlichungsflut zurckzukommen. Das ist etwas, was wir auch jeden Monat feststellen. Da fragt man sich teilweise, warum man sich das anhren soll, wenn man vieles doch schon von woanders kennt. Das gilt natrlich nicht fr alle Neuverffentlichungen, es gibt da auch stets wieder positive berraschungen.

Oh ja, ich habe auch krzlich in einem bekannten Magazin den Soundcheck mitgemacht. Da wurden mir dann 35 CDs zugeschickt, zu denen ich mein Urteil abgeben musste und das war teilweise wirklich erschreckend. Teilweise war das auch richtig gut, ich war manchmal wirklich angenehm berrascht. Aber wenn ich dann sehe, was da zum Teil fr Produktionen abgeliefert werden, da frage ich mich echt, was das soll. Teilweise knnen die Leute gar nicht richtig spielen. Und 90 % der mir vorgelegten Sachen haben auch einfach nicht meinen Geschmack getroffen, aber das ist ja was, da kann ich nichts dafr. Da gibt es ja so eine Tendenz, dass vieles immer hrter, immer schneller und immer bser wird, und das bin nicht ich, das trifft nicht meinen Geschmack. Aber was noch viel schlimmer ist einfach diese unglaubliche Flut. ber dieses Thema wird ja jetzt bestimmt seit 10 Jahren ffentlich diskutiert, aber so richtig passiert nichts. Die Plattenfirmen verffentlichen alles, was bei drei nicht auf dem Baum ist, weil das der einzige Weg ist, noch irgendwie ein bisschen Geld zu verdienen, anstatt sich auf vielleicht 10 Bands zu konzentrieren und diese dann dafr auch richtig zu pushen. Aber die heutigen Zeiten sind halt leider anders und verdammt schwer, dafr habe ich ja auch Verstndnis. Aber teilweise finde ich das, was da passiert, einfach nur arm.

Das alles kriegen wir ja auch genauso mit. Was da kommt an Verffentlichungswut, ist schon teilweise traurig. Schn, dass das mal jemand wie du so sagt. Aber fr mich sind VOODOO CIRCLE ein Licht, das sich von diesem Konzept abhebt.

Das freut mich natrlich auch, dass Qualitt noch geschtzt wird. Aber stell dir mal vor, dieses Album wre vor 15 Jahren verffentlicht worden. Das wre doch eine Revolution gewesen. Das htte doch damals wahrscheinlich vielmehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen und wre viel erfolgreicher gewesen.

Ja, das stimmt schon. Man kann das Album momentan nicht gerade als voll im aktuellen Trend liegend bezeichnen.

Absolut, und das ist auch Absicht. Ich mache ja Musik, die mir gefllt. Ich produziere Alben, die ich selber auch kaufen wrde.

Und genau das hrt man auf dem Album. Das ganze Album ist fr mich unheimlich rund, es hat fr mich diese Wrme, diese Magie, die du auch in deinen Linernotes ansprichst. Ich finde es toll, dass ihr das Album so gemacht habt, und ich hoffen da kommt noch mehr. Gibt es da weitere Plne?

Wir sind da bereits in der Planung! Wir haben jetzt schon 35 Songs vorbereitet, und davon sind 30 Songs so, dass du sie schon im jetzigen Zustand fr ein Album einspielen knntest. Darber habe ich auch krzlich noch mit dem Mat gesprochen. Nur die restlichen Songs sind sogenannte Fller. Aber die anderen 30 Songs sind einfach nur Knaller. Und aus diesen 30 Songs suchen wir uns jetzt 12 oder 13 Stcke raus, die wir noch weiter ausarbeiten werden. Und dann geht es so schnell wie mglich ins Studio.

Schn zu hren, dass es so mit VOODOO CIRCLE weitergeht. Aber was ist denn eigentlich mit SILENT FORCE, deiner anderen Band?

Mit SILENT FORCE gnnen wir uns derzeit eine Auszeit, in der jeder tun und lassen kann, was er will. Das hat vielerlei Grnde, sowohl privat als auch geschftlich/musikalisch. Wir haben uns mit SILENT FORCE von Album zu Album gesteigert. Jedesmal wurden die Kritiken besser, und jedesmal hie es, dass wir wieder ein besseres Album gemacht haben. Und das ist etwas, was wir so auch gerne beibehalten mchten. Mit einem Album um die Ecke zu kommen, was das letzte Album toppt, ist mittlerweile nicht mehr ganz so einfach. Wir mchten uns einfach dafr die Zeit nehmen. Und wenn wir der Meinung sind, dass wir wirklich die Songs haben, die es wert sind, verffentlicht zu werden und die es dann auch mit dem letzten Album "Walk The Earth" aufnehmen knnen, dann gehen wir ins Studio und geben Gas. Weiterhin ist es so, dass DC Cooper (Snger von SILENT FORCE) mittlerweile seit rund 8 Jahren an seinem zweiten Soloalbum schreibt und der Andre (Hilgers, Schlagzeuger) mit RAGE super beschftigt ist. Deshalb passt es derzeit einfach zeitlich nicht so richtig. Es ist also auf jeden Fall besprochen, dass es auch mit SILENT FORCE so weiter geht.

Um dann mal wieder zurck zu VOODOO CIRCLE zu kommen, fllt einem auch auf, dass das Album insgesamt sehr abwechslungsreich ist. Es gibt da auch einige fast schon bluesige Sachen von dir. War das Absicht, oder hat sich das einfach so ergeben? Wie entstehen solche Dinge?

Ich glaube, was du mit Blues meinst, wrde ich jetzt eher mit Gefhl beschreiben. Ich denke, du meinst da eher gefhlvolle Melodien oder gefhlvolle Phrasierungen und den Mut zur Lcke und auch mal den Mut zu haben, langsam anstatt immer nur schnell zu spielen und Gas zu geben. Und das ist einfach eine Sache, die zu dieser Stilistik, zu dieser Musik gehrt. Und sowas gehrt auch zu meinem Stil. Ich habe schon immer sehr melodisch gespielt, was ich bei diesem Album dann auch nachhaltig beweisen konnte.

Dazu dann direkt eine Frage. Was sind eigentlich deine Lieblingsgitarristen, die deinen Stil am meisten geprgt haben, neben Ritchie Blackmore natrlich?

Das geht ganz schnell, also Ritchie Blackmore, dann noch der Richard Schwarzmehr, aber auch Yngwie Malmsteen oder John Sykes. Ein weiterer groer Gitarrist ist natrlich Randy Rhoads, der spielt eine tragende Rolle in meinem Leben. Weiterhin stehe ich natrlich auf Jimi Hendrix, das ist ja sowieso klar. Dann gibt es noch so ein paar andere wie z. B. George Lynch, da habe ich mal eine Zeit lang alles aufgesaugt, was der so gespielt hat. Fr mich ist wichtig, dass ein Gitarrist ein schnes Vibrato hat und dass man ihn an seinem Ton erkennt. Weiterhin ist fr mich wichtig, dass jemand geschmackvoll spielt und wie jemand auf der Bhne rberkommt, dass man auch dort Charisma und gekonnte Bhnenprsenz zeigt. Und das sind Dinge, die ich heute doch bei einigen Nachwuchshelden vermisse

Kommen wir mal zu den Texten von VOODOO CIRCLE. Die sind ja teilweise richtig dster, z. B. in "We'll Never Learn", was ja fast schon hoffnungslos ist. Seht ihr die Welt wirklich so dster, oder wollt ihr die Leute einfach nur ein bisschen zum Nachdenken bringen?

Also bei den Texten habe ich dem David vllig freie Hand gelassen. David ist Englnder, und ich wre wohl ein ganz schlechter Musiker und Produzent, wenn ich einem Englnder vorschreiben wrde, was er auf Englisch zu singen hat. Man soll ja aus den Fhigkeiten der Mitmusiker Kapital schlagen. Dazu muss ich sagen, dass ich von der Grundeinstellung eigentlich ein positiver Mensch bin. Allerdings kann man bei der Entwicklung, die momentan auf unserem Planeten von statten geht, eigentlich nur schwarz sehen. Ich glaube nicht, dass sich die Menschheit noch eines besseren besinnt und pltzlich alle anfangen, einen auf Umwelt- oder Klimaschtzer zu machen. Ich denke, die Quittung fr unser Verhalten kommt frher oder spter. Ich lebe trotzdem mein Leben und habe jeden Tag meinen Spa. Aber ich glaube halt nicht, dass sich die Menschheit noch gro ndern wird, der Zug ist abgefahren. Das ist eigentlich genau das gleiche wie mit dem Internet und Musikdownloads. Der Zug ist auch abgefahren. Das ist einfach so. Die Menschheit wird sich im Prinzip selber richten, und die Anfnge davon erleben wir gerade.

Es gibt da noch einen besonderen Song, den Bonustrack des Digipacks "Wings Of Sorrow", der sich ein bisschen vom Rest abhebt, auch durch die Akustikgitarren. Warum ist der nur auf dem Digipack drauf?

Das ist immer diese leidige Entscheidung, welchen Song man als Exclusivetrack nimmt. Die Plattenfirma will sowas haben, und dann musst du dich fr eins deiner Babys entscheiden. Zu dem Song kam es, weil ich auch sehr gerne Akustikgitarre spiele, und so ist der Song einfach aus mir rausgekommen. Der hat so ein Feeling, wie es teilweise damals auch BAD COMPANY hatten. David klingt hier auch ein bisschen wie Paul Rodgers, und eigentlich ist der Song fr mich auch eins der Highlights. Aber wir mussten halt eine Entscheidung treffen.

VOODOO CIRCLE

Du hast eben auch das Thema Downloads angesprochen, und das hat sich nicht gerade begeistert angehrt. Ich denke dabei immer, dass die Leute was verpassen. Wenn man sich Sachen ansieht, wie euer Digipack, sowas gibt einem doch kein Download. Wie denkts du darber?

Klar, da gebe ich dir absolut recht. Ich bin halt noch mit der Schallplatte aufgewachsen, es gab groe Cover, viel zu sehen und zu lesen. Die Schallplatte war anfllig, die musste man subern, bevor man die gehrt hatte. Das waren noch Rituale, und so hatte die Musik einen viel hheren Wert als heute. Auf CD oder MP3 geht nichts mehr kaputt. Das hat alles Vor- und Nachteile. Fr die Kids ist das alles einfach nicht mehr wichtig. Das ist traurig, aber man muss es akzeptieren. Den Kids ist es teilweise egal, die wissen ja manchmal noch nicht mal, wie die Songs heien. Die haben 500 Alben auf ihrem MP3-Stick, und wenn man den verliert, besorgt man sich die halt nochmal, der Kumpel hat die doch auf Festplatte. Das finde ich nicht gut, aber ich muss damit leben.

Und wie verkauft sich die Platte denn eigentlich, die ist ja jetzt seit ungefhr 4 Monaten drauen?

Das Digipack ist ausverkauft, die Auflage davon ist komplett vergriffen. In England wurde bereits dreimal nachbestellt. Es verkauft sich also wie geschnittenes Brot.

Bei eurem Konzert in Frankfurt habt ihr ja einige Coverversionen gespielt. Wie kam es dazu, "Are You Gonna Go My Way" von LENNY KRAVITZ zu spielen, das hat mich doch ein bisschen berrascht?

LENNY KRAVITZ ist ein unglaublich toller Musiker und Songschreiber und der David kann seine Sachen sehr gut singen. Der Song eignet sich einfach ganz hervorragend, um live ein bisschen auszubrechen und zu experimentieren. Der Song hat diese 70th-Feeling, auch etwas von Hendrix, und so ist er halt in unserer Setlist gelandet.

Kannst du noch etwas zu dem Instrumental "White Lady Requiem" auf eurem Album erzhlen?

Dieses Instrumental ist ein Stck, das ich seit ungefhr 2001 weltweit bei meinen Workshops spiele. Seit 2001 bereise ich die Welt und fhre Gitarrenverstrker und Gitarren vor, und dabei braucht man halt Songs, bei denen man als Gitarrist Gas geben kann. Die Leute wollen ja auch beeindruckt werden, und so habe ich schon vor langer, langer Zeit diesen Song geschrieben und auch schon viele hundertmal weltweit gespielt, z. B. in Japan, Malaysia und China. Und als wir dann das Album aufgenommen haben, brachte ich das Stck halt aufs Band, um meiner Gitarre, der "White Lady" mal die Ehre zu erweisen, die mich ja jetzt seit einigen Jahren um den Erdball begleitet und sich ja doch viele Schrammen abgeholt hat. Und jetzt ist er auf dem Album, und ich bin froh darum.

Ich habe ja schon mehrfach gelesen, dass du noch Randy Rhoads live gesehen hast. Wie war das denn damals?

Das ist jetzt eine lngere Story. Ich muss so ungefhr 16 Jahre alt gewesen sein, ich hatte zu der Zeit schon meine eigene Band, und damals sind wir nach Saarbrcken gefahren, zu einem Konzert von SAXON, DEF LEPPARD und OZZY OSBOURNE, das war irgendwann Anfang der 80er. Ich hatte damals noch gar nicht richtig mitgekriegt, dass OZZY OSBOURNE eine Solokarriere begonnen hatte. Und irgendwann ging das Licht aus, das Konzert von OZZY OSBOURNE fing an, und in dem Moment, als Randy angefangen hat zu spielen ist in mir eine Art Atombombe explodiert. Einfach unglaublich, zum einen natrlich spielerisch, aber zum anderen mit einem unglaublichen Charisma, einer unglaublichen Bhnenprsenz. Dazu noch Tommy Aldridge am Schlagzeug, Rudy Sarzo am Bass und Ozzy selbst in Hochform. Und whrend diesem Konzert habe ich den Entschluss gefasst, Profimusiker zu werden, und zwar mit allem, was dazu gehrt. Das war fr mich ein wichtiger Moment, und ich sehe Randy jetzt auch irgendwie noch vor mir. Dazu gibt es noch weitere Anekdoten. Eine Woche nach diesem Konzert hat mir ein Freund eine Randy Rhoads - Gitarre als Anhnger gebaut, und seit diesem Tag, also seit mehr als 25 Jahren trage ich diesen Anhnger. Ich habe die sogar mal im Urlaub beim Baden im Meer verloren und dann spter im seichten Wasser wiedergefunden. Die Gitarre ist also zu mir "zurckgekommen". Und das alles hat fr mich eine Bedeutung, das sind Bausteine eines groen Puzzles. Vor 2 Jahren habe ich mal Rudy Sarzo kennengelernt und dem das alles auch so erzhlt. Auch dass er auf der Bhne stand, als ich beschlossen habe, Profimusiker zu werden. Und irgendwie habe ich gemerkt, dass das alles den Rudy schon beeindruckt hat und ihn dann gefragt, ob er nicht Lust hat, auf meinem neuen Album auf einem Song Bass zu spielen. Und er hat dann meinen Arm ergriffen und mir gesagt, dass es fr ihn eine Ehre wre, auf meinem Album zu spielen. Das sind alles spirituelle Momente, mein Leben, meine Musikerkarriere ist von solchen Momenten geprgt. Ich glaube an sowas und bin dankbar fr solche Momente.

Zu solchen Momenten fllt mir dann ein, dass ich sowohl jetzt in Frankfurt bei euren ersten Konzert von VOODOO CIRCLE als auch damals bei eurem erstem Konzert mit SILENT FORCE dabei war. Ich glaube, das war im Jahr 2000.

Absolut richtig, das war 2000 in Strasbourg. Und das ist jetzt schn, dass du das erwhnst, denn da habe ich den Norifumi Shima (japanischer Gitarrist) von CONCERTO MOON / DOUBLE DEALER kennengelernt, der jetzt auch auf unserem Album ein Solo gespielt hat. Die haben damals vor uns gespielt. Und MAJESTIC haben da auch gespielt mit Richard Andersson am Keyboard, der auch ein Solo auf VOODOO CIRCLE gespielt hat. Dieses Festival in Strasbourg hatte also dann nachhaltige Auswirkungen, die einem damals noch gar nicht bewusst waren. Das ist dann wieder so ein Baustein.

Die hast ja mittlerweile auch deine eigenen Gitarreneffekte. Kannst du da noch was zu sagen?

Na klar, wer sich dafr interessiert, nhere Infos gibt es unter www.guitarslingerproducts.com, die haben wir dieses Jahr auch in Frankfurt auf der Musikmesse vorgestellt. Ich habe irgendwann angefangen, mit einem japanischen Elektronikgenie meine eigenen Effektpedale zu machen, weil ich auf der Suche war nach diesem typischen 70er-Gitarrensound. Ich habe da jede Menge andere Sachen ausprobiert, aber immer gedacht, dass das noch besser gehen muss und irgendwann angefangen, meine eigenen Pedale zu bauen. Und die Dinge laufen sehr erfolgreich, die waren teilweise sogar ausverkauft.

VOODOO CIRCLE

Frage: Damit wre ich dann eigentlich auch durch. Ich mchte mich wirklich herzlich fr dieses sehr nette und informative Gesprch bedanken. Dieser ganze Spirit, den du mehrfach angesprochen hast und der auch in deiner Musik ist, der kam fr mich auch hier rber.

Das freut mich jetzt sehr. Fr mich ist es auch wichtig, dass die Leute wissen und merken, dass man authentisch ist und dass man das alles auch lebt. Musik ist fr mich weitaus mehr als einfach nur ein bisschen auf einer Gitarre rumzuspielen. Und wenn das auch rberkommt und die Leute das merken, dann bin auch ich froh.

Wenn du zum Abschluss noch was sagen mchtest, du hast dann jetzt das letzte Wort und ich kann nur nochmal sagen "vielen Dank fr dieses Gesprch".

Ich mchte mich auch bedanken und fand es auch klasse. Abschlieend mchte ich noch sagen, dass ich mich freuen wrde, wenn die Leute ein bisschen mehr Wert auf die Vergangenheit legen oder die Vergangenheit ein bisschen mehr respektieren wrden, denn die Gegenwart, in der wir heute leben, ist eine Summe der Vergangenheit eines jeden Einzelnen. Wenn man die Vergangenheit nicht respektiert, nicht recht behandelt, dann kann auch die Gegenwart in keinem guten Zustand sein.

Wirklich tolle Worte von Alex zum Ende, die man sowohl auf die Musik als auch allgemein auf unsere Gesellschaft bertragen kann. Ich hoffe, dass euch das Lesen Spa gemacht hat. Ich jeden Fall hatte viel Freude bei diesem Interview und hoffe auf weitere Taten von VOODOO CIRCLE, ob auf CD oder auch live. Damit wre dann aber wirklich alles gesagt. Auer vielleicht noch "Long Life Rock 'N' Roll"...

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