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23. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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LONG DISTANCE CALLING
Proberaumkomplexe. Oder: Wie aus der Not ein Experiment wird.
Andreas Goericke
www.myspace.com/longdistancecalling


Die Ausnahmekapelle LONG DISTANCE CALLING hat soeben Ihre neue Langrille "Avoid The Light" auf den Markt gebracht und wird im Umfeld der Verffentlichung auch tchtig Live aufspielen. Zum Auftakt hatte ich die erfreuliche Gelegenheit, Gitarrist Dave mit ein paar Fragen zu lchern.

Wie kommt man auf die Idee, eine Band wie LDC zu starten? Was sind eure Einflsse und wie hat sich das ergeben?

Auf die Idee kommt man recht spontan, wenn man 'n paar Leute kennt, deren Hrgewohnheiten sich an den relevanten Punkten berschneiden.

LONG DISTANCE CALLING

Ihr kommt ja scheinbar teilweise aus unterschiedlichsten Ecken der Musik. Kanntet ihr euch und die Absichten schon vorher, oder ist LDC eher aus einer Proberaum- und Bierlaune entsprungen?

Das ist richtig aber gerade das ist ja auch immer das Interessante, nmlich verschiedene Einflsse aufeinanderprallen zu lassen! Wir kannten uns damals grob ber unsere weiteren Freundeskreis und ber unsere Proberume, die damals im gleichen Komplex waren. So kam man ab und an mal ins Gesprch und es kristallisierte sich heraus, dass wir mal Lust auf was Neues hatten und trafen uns nach einiger Zeit auf 'nen Jam. Das hat auf Anhieb sehr gut harmoniert und so wurde daraus was Regelmiges. Wir alle haben in der Zeit ziemlich viel Porcupine Tree gehrt und da einen sowas phasenweise immer beeinflusst, hatten wir natrlich Lust auf irgendwas Progiges. Als 'n paar Songideen standen, haben wir uns auf die Suche nach 'nen geeigneten Snger begeben, doch diese bleib leider ein halbes Jahr lang erfolglos. Daraufhin haben wir Reimut einfach mal eingeladen, da wir wussten, dass er elektromig unterwegs war und wir uns das als zustzliche Farbe gut vorstellen konnten. Parallel ging die Sngersuche weiter, blieb aber weiterhin erfolglos. Daher entschieden wir uns aus der Not, was Instrumentales zu starten.

War es generell das Ziel, relativ massenkompatible Musik zu verfassen, oder hat euch der schlagartige Erfolg ebenso berrascht?

Das Ganze ist damals eher als Neben- bzw. Spaprojekt gestartet, daher hat's uns damals schon ziemlich aus den Socken geholt, als wir seinerzeit Demo des Monats im Visions und auch noch im RockHard waren. So ergeht es uns heute immer noch, wenn z. B. wir zu hren bekommen, dass wir mit Opeth spielen. Wir fragen uns immer wieder: Wie ist das mglich?! Wir sind immer wieder auf's Neue berwltigt, wenn mal wieder so 'ne Killermail reinkommt!

Was war denn bisher der strkste Moment eurer bisherigen Karriere?

Highlights waren bisher definitiv die "Rock am Ring"-Show und die Dredg-Tour letztes Jahr und fr mich persnlich war es Gestern unsere Releaseshow in Mnster. Das waren definitiv sehr bewegende und intensive 1,5 Stunden. Es ist schon 'n gutes Stck intimer, wenn der Groteil der Leute, die einem nahe Stehen, bei so einem Konzert dabei sind. Das sind seltene und schne Momente. Davon mal abgesehen freuen wir uns riesig auf die zwei Shows mit Opeth!

Funktioniert es zeitlich denn gut fr euch, entstehen aus anderen Projekten keine Konflikte? Welche Projekte fahren die einzelnen Mnner denn nebenbei und was macht ihr generell um euren Lebensunterhalt zu verdienen? Auch wenn ich es euch natrlich sehr wnschen wrde, gehe ich mal davon aus, dass ihr noch weltliche Jobs habt und mit Sicherheit auch Familien.

Bandmig gibt es terminlich ab und an mal berschneidungen aber bisher haben wir fr jedes Problem immer 'ne passable Lsung gefunden. Das grte Potenzial, was diese Thematik angeht, hat natrlich Misery Speaks, die Zweitband von Flo und Janosch. Reimut wird demnchst seine Soloscheibe unter dem Namen Kadrage bei VivaHate rausbringen. Jans Zweitprojekt ist mittlerweile fast ein Jahr alt, ca. 'nen halben Meter gro (Tendenz steigend) und wird hoffentlich bald aufhren, seine Windeln voll zu ballern. Ich bin gerade dabei, 'nen Song aufzunehmen, den ich vor 'nem Jahr mal geschrieben hab, um produktions- uns recordingtechnisch mehr Erfahrungen zu sammeln. Jobmig sind wir natrlich auch alle eingebunden. Flo studiert und geht nem Nebenjob nach, Reimut studiert, Jan hat als einziger von uns nen richtigen Beruf, Janosch macht hauptschlich Nebenjobs (was ne Wortkombo), um zeitlich flexibel zu bleiben und ich arbeite hier in Mnster in nem Gitarrenladen, studiere und gebe Gitarrenunterricht.

LONG DISTANCE CALLING

Wie luft die Komposition bei LDC ab? Ich denke mal, die Ambience-Sounds beispielsweise stehen primr eher erst hinten an, oder?

In der Regel zocken wir im Bunker drauf los, greifen dann raus, was sich in unseren Ohren gut anhrt und gut anfhlt, arbeiten es aus, nehmen es auf und schicken es dann Reimut, der bedingt durch die 400km, die uns trennen, nicht so oft beim Proben dabei sein kann.

Kommt man bei der Komposition komplett instrumentaler Musik mit berlangen Songs nicht gelegentlich an Stellen, an denen man bewusst etwas in die Lnge zieht oder sozusagen Angst hat, die Zeit nicht fllen zu knnen? Nicht, dass es so wre! Ich finde es extrem bemerkenswert, wie LDC es schaffen, auch fast vollstndig ohne Vocals den Raum auf den Scheiben zu fllen und die manchmal filmreife Atmosphre zu erschaffen. Fliegen euch diese Songs einfach so zu?

Unser Ziel ist es ja nicht, berlange Songs zu schreiben, daher knnen wir auch nicht in Versuchung geraten, Parts knstlich in die Lnge zu ziehen. Das wrde den Songs alles andere als gut tun. Wenn in 'nem Part alles gesagt ist, ist halt alles gesagt und dann muss man sich halt was Neues einfallen lassen, auch wenn einem manchmal ber Wochen nichts Adquates einfllt. Dieses "Vor-sich-hin-pltschern" ist genau das, was wir unbedingt umgehen wollen, damit's uns Spa macht und es nicht langweilig wird.

Hat sich von jeher nie die Frage gestellt, einen festen Snger zu installieren? Und werden die Vocal-Experimente auf jeder Platte zu hren sein, oder ist das auch eher Zufall?

Was Gesang angeht, sind wir da sehr offen fr Experimente und wrden uns definitiv nicht verschlieen, wenn uns 'n Snger ber'n Weg laufen wrde, der die Musik bereichern wrde. Was die Gastgesnge angeht, wre es natrlich super, wenn das so weiterlaufen wrde! Aber davon kann mal ja nicht ausgehe, da wir bisher immer groen Glck hatten.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Jonas Renkse ergeben? Kennt ihr euch oder habt ihr ihn direkt angefragt?

LONG DISTANCE CALLING

Frei nach Jans Motto: Fragen kostet ja nichts!

Wie war es, mit diesem Mann zu arbeiten? Habt ihr fr den Song geprobt, oder lief das ber die typische Mail- und mp3 Verbindung?

Wir haben den Song bei mir so weit vorproduziert, so dass Jonas 'ne adquate Grundlage hatte und ihm dann den Song geschickt ohne irgendwelche Vorgaben. Das macht einen Groteil des Reizes solcher Projekte aus. Das Ergebnis hat uns definitiv umgehauen!

Wie sehen eure weiteren Plne dieses Jahr aus, sind schon groe Festivals geplant? Wie habt ihr eigentlich damals die Nummer mit Rock am Ring hinbekommen? Da tten manche Bands ja fr!

Wir freuen uns schon riesig auf die kommende Tour im Mai und natrlich noch mehr auf die zwei o. g. Opeth-Shows. Des weiteren ist das ein oder andere Festival gebucht und 'n paar weitere Shows aber 'n bisschen Platz ist da auch noch im Kalender der potenziellen Gigtermine.

Das mit Rock am Ring ist uns ber die Popakademie in Mannheim, an der Reimut studiert, zugekommen. Die hatten damals 'nen Slot, auf den sich Bands bewerben konnten, was wir natrlich nicht ausgelassen haben. Uns so kam es, dass wir's dann auf einmal waren, die diesen belegen durften. Unverhofft kommt oft und bei uns in letzter Zeit sehr oft...

Tja, dann bleibt mir nur noch brig, den vielversprechenden Mnsteranern weiterhin viel Erfolg zu wnschen und mich auf die Tour zu freuen. Tatschlich sehe ich mir die Knaben dann bei OPETH zum zweiten mal im Mai an. Wer ein Date in der Nhe hat, sollte dringend sein Ticket sichern und sich LONG DISTANCE CALLING zu Gemte fhren, sie sind es absolut Wert!

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