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17. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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DEADLOCK
Hip Hop, Techno und die Scheiß-Technik
David Lang
www.xdeadlockx.com


Um aus dem Sumpf der aktuellen Veröffentlichungen heraus zu stechen muss man sich heutzutage echt etwas einfallen lassen. Die deutschen Vegan Metaller von DEADLOCK haben ihr ganz eigenes Rezept, um aufzufallen. Bassist John über verschiedene Einflüsse, Coversongs und den Disko-Faktor.

Herzlichen Glückwunsch zu eurem neuen Kracher "Manifesto". Wie kann man sich die Arbeit an einem DEADLOCK Album vorstellen? Die Gesangslinien und Synthesizer Arrangements sind ja nicht gerade typisch Metal. Also wer macht was bei euch wie?

Vielen herzlichen Dank für das Kompliment, so was hören wir natürlich sehr gern. Die Frage nach dem wie ist relativ einfach beantwortet. Alle Arrangements und Songideen entstehen im wesentlichen im Kopf unseres Gitarristen Basti. Aufgrund des Vorteiles, dass er ein eigenes Studio besitzt, sind diese auch relativ fix "zu Papier" gebracht um weiter ausgearbeitet zu werden. Auch hier führt Basti die Feder. Beim Ausarbeiten der Schlagzeugparts wird er dabei tatkräftig durch unseren Drummer Tobi unterstützt. Gesangslinien und Keyboards/Synthies gehen (fast logisch) auch auf das Konto unseres Haus-Komponisten, der sich lediglich zum Finetuning dann mit Sabine und Joe abstimmt, welcher Gesangs-Part wie zu klingen hat bzw. ausgearbeitet wird.

DEADLOCK

Als ich den Titel des Intros las, dachte ich zunächst an ein bombastisches, eher klassisches Intro, wie es die meisten moderneren Metalbands gerne benutzen. Das was folgte war ja in Verbindung mit "Martyr To Science" (dem "richtigen" Opener der Platte) durchaus schlüssig und ich persönlich finde es auch cool, aber warum ist es letztlich ein Techno Intro geworden? Reines Kalkül? Wolltet ihr die im Grunde recht konservative Szene ein wenig necken oder fließen hier einfach persönliche Geschmäcker ein?

Naja das kann man sehen wie man will. Wir sind generell eine Band ohne wesentliche musikalische Dogmen. Insofern kommt dieses "Szenepolizei" necken schon nahe. Andererseits sagt ja niemand, dass man so etwas nicht auch mal darf. Bewundernswert ist, dass dich der Hip-Hop-Part dann gar nicht zu stören scheint. Dieser hat im Gegensatz zum Intro ja etwas mehr für Diskussionen gesorgt - insgesamt betrachtet ist es doch aber eine schöne Sache wenn man den Leuten damit eine Stammtisch-Diskussionsgrundlage geben kann. Ob das jetzt auch konform mit den persönlichen Geschmäckern der einzelnen Mitglieder geht... ist durchaus möglich... in jedem Fall mal eine Alternative zum althergebrachten "Bombast-Opus"-Intro oder zur oftmals verwendeten Kriegs-und Schlachtfeldgeräuschkulisse.

Sowohl die Refrains auf "Manifesto" als auch eure Kompositionen generell sind einfach nur geil, obwohl oder gerade weil sie entgegen der meisten aktuellen Veröffentlichungen relativ simplen Anordnungen und Arrangements folgen. Seid ihr auch Verfechter des klassischen "Popsongs"?

Nochmals Danke für die Blumen. Als Verfechter des Popsongs würde ich uns nicht zu 100 % bezeichnen. Ich bin der Meinung, ein Song an sich kann ruhig in Teilen einfach und nachvollziehbar strukturiert sein (das erhöht den Disko-Faktor haha). Die einzelnen Parts sollten dafür umso anspruchsvoller geschrieben, ausgearbeitet und ausgereift sein. Ich denke, das ist das Geheimrezept aller DEADLOCK-Songs...aber eigentlich wollten wir das nie jemandem verraten... ich hoffe das bleibt unter uns... okay? (klar... Anm. des Redakteurs)

Bei all den verschiedenen Einflüssen liegt die Frage nahe, welche Bands ihr euch privat gebt.

Ich glaub da ist das Spektrum ziemlich vielseitig - im Großen und Ganzen aber größtenteils im Metal anzusiedeln. Wobei keiner von uns da auf einen speziellen Style festgelegt ist. Bei uns im Bus läuft von True Metal bis Primordial eigentlich alles. Ich persönlich favorisiere schon den Death Metal schwedischer Natur, während Tobi und Basti auch eine gewisse Affinität zum Power-Metal haben. Sabine hört sehr viel Indie und Rock, Gert auch mal die eine oder andere Punksache... quer Beet eben. Für Ausflüge ins Elektro- oder Alternativ-Lager sind eigentlich auch alle offen - was man ja beim Hören der Alben auch mitbekommt.

Wäre es für eine Band wie ihr es seid nicht konsequenter, weil mutiger, gewesen, etwas Abwegigeres als "Temple Of Love" zu covern?

Sicherlich hätte man sich auch an einen weniger bekannten oder progressiveren Song herantrauen können, jedoch gehören Sisters of Mercy auch zu unseren Fav.-Bands und es macht großen Spaß, den Song zu spielen. Wir werden ihn sicherlich auch während der Sommerfestivals das eine oder andere Mal zum Besten geben. Man darf auch nicht vergessen, dass es der erste Coversong war, den DEADLOCK jemals auf einer Platte veröffentlicht haben - also dann doch lieber einen "relativ" einfach zu spielenden Song neu interpretieren als sich an einem vergleichsweise schwereren, uneingängigeren Song zu verzetteln.

DEADLOCK

Sabines Stimme ist auf Platte der Hit. Ich will hier niemandem Trickserei vorwerfen, aber 2 Freunde, die euch in Köln mit Soilwork gesehen haben (und eure neue Platte ebenfalls sehr geil finden) sprachen unisono von einer "grauenhaften Darbietung der Sängerin". Natürlich war ich persönlich nicht dabei, doch auf das Urteil der Jungs (beides selbst Musiker, jedoch keine ätzende "Musikerpolizei") kann ich mich im Grunde verlassen. Ich mag jetzt auch gar keine miesen Wortspielchen mit Sabines Nachnamen machen, aber hat sie sich im Studio vielleicht ein bisschen übernommen? Solche Hammermelodien sind natürlich verlockend, aber live sollte man das dann natürlich auch umsetzen können.

Haha, ich glaube deine Kumpels waren auf einer anderen Show... nein, im Ernst. Zum Glück ist Wahrnehmung immer noch subjektiv. Deswegen würde ich die beiden Skeptiker gern vom Gegenteil überzeugen. Ihr drei seid herzlich zu einer der kommenden Shows eingeladen. Wortspiele auf Nachnamen machen ist auch nicht cool - da hab ich ganz böse Erinnerungen an die anderen Kinder in der Schule... (Gott waren die gemein zu mir).

Apropos live: ich durfte euch bisher erst einmal auf einer Bühne bewundern und zwar beim "Santa Claws" Ende 2006 in Losheim. Dort haben eure Synthies versagt, womit euch ein elementarer Bestandteil eurer Musik flöten gegangen ist. Leider klang das Set dann auch nicht so prall. Wäre es für DEADLOCK nicht mal an der Zeit für einen Keyboarder? Das kann auch cool aussehen. Ich erinnere hier nur an die göttlichen Faith No More.

Faih No More - da bekomm ich doch glatt Lust ne Runde "Angel Dust" zu hören... Ich glaube im Moment denkt niemand an einen festen Keyboarder - auch dem kann das Equipment mal verrecken. Wobei wir beim Thema wären und ich Dir Recht geben muss, dass ein DEADLOCK-Set ohne Synthies nicht funktioniert. So wie Slayer nicht ohne King-Solos funktionieren würden, oder My Dying Bride ohne Streicher. Live spielt einem die Technik manchmal üble Streiche, denen man nur schwer Herr wird. Aber auch hier würde ich meine Einladung von oben gern nochmal zu Protokoll geben...dafür müssen wir Dich ja entschädigen Dave.

Was sie dann auch kurz darauf in die Tat umsetzten.

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