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19. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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The Trophy
Ohne Käufer kein neues Album
Thorsten Dietrich
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Die Projekte der Firma Frontiers Records teile ich persönlich in 50 % ganz nett und in richtige Kracher ein. Dazu gehört sicherlich auch The Trophy von Gitarrist Torsten "Todd" Wolf, der mit Sänger Michel Bormann und Keyboarder Marco Grasshoff dieses Projekt gestartet hat und da Genre Melodic Rock ohne übertriebene moderne Spielereien fantastisch entstaubt hat. Der freundliche und auskunftsfreudige Torsten war dann auch mein Auskunftsgeber in Sachen The Trophy. Ich hoffe nur, dass dieses Projekt nicht nach einem Album wieder in der Versenkung verschwindet.

Servus, Torsten, im Interview von 2008 mit deiner Band Human Fortress hast du ja etwas verlauten lassen über dein Projekt mit Michael Bormann. Erzähl trotzdem mal genauer wie es nun zu The Trophy kam und ob es bei dieser einen Scheibe bleiben wird?

The Trophy

Hi Thorsten, schön wieder mal mir Dir zu sprechen! The Trophy hat in der Tat als Projekt begonnen. Bei mir hat sich in den letzten Jahren eine Menge Material angesammelt, dass ich für Human Fortress nicht verwenden konnte. Die Songs bzw. Ideen waren aber einfach zu gut war, um in meiner Schublade zu vergammeln. Das größte Problem war jedoch die passenden Musiker für die Umsetzung meiner musikalischen Vision zu finden.Glücklicherweise konnte ich Michael Bormann für begeistern. Später kam dann noch Marco (Keys) dazu und schon ist aus dem Projekt dann doch noch eine richtige Band entstanden. Über die Zukunft von The Trophy entscheiden die Fans. Jeder Käufer unserer Scheibe kann ein wenig dazu beitragen, dass es mit dieser Band weitergeht. Wenn jedoch jeder sich das Teil illegal bei irgendwelchen Tauschbörsen downloaded, bedeutet das für uns zwangsläufig das Ende. Wir werden bei unserem Label schließlich an den Verkaufszahlen gemessen. Kein Verkauf bedeutet kein Budget für das nächste Album. Kein Budget bedeutet kein weiteres Album. Vielen Leuten ist das scheinbar nicht bewusst.

Wie hoch war dein Input in diese Scheibe und wieso habt ihr einen Keyboarder aber keinen Drummer aus Fleisch und Blut auf dieser Scheibe?

Ich habe den Löwenanteil der Songs (inklusive Gesangmelodien und Texten) in Hannover geschrieben. Drei weitere Songs habe ich mit Michael während der Vorproduktion in Duisburg komponiert. "The Shades Of Grey" stammt aus dem Archiv von Michael. Da Michael ein gelernter Drummer ist, haben wir keinen Schlagzeuger gebraucht. Wir haben noch viel an den Songs während der Produktion gearbeitet. Michael war immer anwesend und so konnten wir schnell Änderungen an den Drums vornehmen. Als Gastkeyboarder spielt außerdem auch noch Dirk Marquardt von Human Fortress auf dem Album. Marco ist erst später zu uns gestoßen und hat die restlichen Keys eingespielt.

Ich finde den Mr. Bormann ja klasse, aber hat der gute Mann nicht schon vielen Bands und Projekten seine Stimme geliehen (Zeno, Jaded Heart, Rain, Bloodbound, Soloalbe, The Sygnet). Hattest du keine Angst, dass er da überpräsent ist?

Michael ist sich dieser Tatsache durchaus bewusst! Daher lehnt er auch fast alle Anfragen ab. Er hatte in der Vergangenheit aber auch mit dem Timing der Veröffentlichungen etwas Pech. Da wurden innerhalb weniger Monate gleich vier Alben mit ihm veröffentlicht, die über einen Zeitraum von zwei Jahren aufgenommen wurden. Glücklicherweise haben ihm meine Songs gefallen und ich bin super happy, dass er bei The Trophy im Boot ist. Seine Stimme passt perfekt zu The Trophy. Ich finde auch, dass sich The Trophy (von Michaels markanter Stimme einmal abgesehen) musikalisch von anderen Bands und Projekten von Michael unterscheidet. Mein Schreibstil und meine Gitarrenarbeit ist schon etwas anders. Meine Riffs für The Trophy sind deutlich Crossover orientiert. Die epischen Keys von HF wollte ich auch als einen wichtigen Baustein für unsere Musik haben. Wir haben in den Songs viele Loops eingebaut und eher groovige Drums gespielt. Auch haben mich bei Songs wie "Get The Cup" oder "Justice" eher Bands wie The Rasmus beeinflusst. "The Way I Am" hat durch die Keys sogar einen düsteren Gothictouch bekommen. Aber wir haben mit unseren Experimenten sicher nicht übertrieben. Die Melodicfans kommen bei den Hooks wieder voll auf ihre Kosten. Hier war wirklich nur das Beste vom Besten gut genug und mit einem Ausnahmesänger wie Michael setzt man den Songs dann noch die Krone auf.

The Trophy

Musikalisch verbindet für mich The Trophy dezent moderne Sounds mit Melodic Hard Rock, ohne alte Fans dieser Richtung zu vergraulen. War das deinen Intention?

Ich bin ein großer Fan melodischer Rockmusik. Aber wir wollten kein typisches melodisches Hard Rock Album aufnehmen. Da gibt es schon genügend Bands auf diesem Planeten. Es macht ja keinen Sinn einem Label wie Frontiers Musik anzubieten, die nach Toto, Journey, Styx oder Danger Danger klingt. Was sollen sie damit? Sie haben die Originale unter Vertrag.

Auf jeden Fall! Leider finde ich das Cover etwas seltsam und altbacken für diese knackige Scheibe, war das eine Notlösung oder was bedeutet die Dame auf dem Bild?

Mit dem Artwork hatte ich nichts zu tun. Frontiers hat das Artwork gemacht. Mir wurde nur die finale Version geschickt. Auf der Frontseite wird der Kreislauf des Lebens dargestellt. Leben entsteht und vergeht! Die Umsetzung ist ganz gut gelungen. Allerdings erinnert auch mich das Artwork eher an Bands wie Edenbridge oder Nighwish und nicht an modernen Melodicrock.

Das stimmt sicherlich! 98% der Frontiers Projekte finden leider nur im Studio statt. Bei euch schätze ich, bleibt das genauso, oder? Ich fände es cool, wenn die Herren von Frontiers mal ein Festival machen würden und die ganzen Musiker dieser Projekte wie Allen/ Lande, Place Vendome usw. würden da einen Allstar Gig zocken!

Ich finde allerdings, dass viele Projekte wie Sunstorm, Allen/Lande oder Place Vendom wirklich klasse haben. Serafino hat da ein gutes Händchen. Die Zukunft von The Trophy entscheiden die Fans. Sollte das Album gut einschlagen, sind wir sicher auch Live am Start. Diese Option gibt es. Michael, Marco und ich haben große Lust noch ein weiteres Album zu machen. Die Chemie stimmt und die Zusammenarbeit macht großen Spaß.
Melodic Festivals gibt es ja schon in England ("Firefest"), Belgien und gab es auch zuletzt in Ludwigsburg. Leider können sich nicht genügend Fans aufraffen,diese Shows zu besuchen. Lieber geben sie zum fünften Mal 200 Euro für die Rolling Stones oder U2 aus, als kleine Clubgigs von lokalen Bands zu besuchen.Vor nicht langer Zeit gab es in Hannover eine Melodic Rocknachtmit Joe Lynn Turner, Jimi Jamison (Survivor) und Dominoe aus München. Die spielten dann im großen Capitol vor vielleicht dreißig zahlenden Gästen. So sieht leider die Realität von Melodicrock in Deutschland aus!!! Bei Y&T waren es zuvor glücklicherweise etwas mehr, aber der Markt ist schwierig.

Eine traurige Wahrheit, an denen nur die Fans und Leser was ändern könnten! Was machst du eigentlich neben deiner Musik. Davon kann ja keiner leben denke ich?

Nein, ich bin kaufmännischer Angestellter bei einem großen Industrieunternehmen in Hannover. Ansonsten verbringe ich meine freie Zeit mit meiner Familie.

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