Navigation
                
17. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Band
Titel
Autor
Homepage
>> Als E-Mail versenden
THE BLACKOUT ARGUMENT
Zuazogene Münchneraner mit Helfersyndrom
Christoph Füllenbach
www.theblackoutargument.com


THE BLACKOUT ARGUMENT haben vor wenigen Woche ihre neue Scheibe "Remedies" veröffentlich, was ich als Grund sah, die deutsche Antwort auf RISE AGAINST mal ein bisschen auszuquetschen. Rede und Antwort standen mir dabei Raphael und Chris.

Erzählt doch kurz was über euch, wie es zum Sängerwechsel kam und wie bis jetzt die Reaktionen auf eure aktuelle Scheibe ausgefallen sind.

Chris: Der Sängerwechsel hat ja bereits im Juni 2007 stattgefunden, also vor über 1,5 Jahren! Für uns ist das also schon lange kein Thema mehr, auch wenn wir immer noch in Interviews viel danach gefragt werden. Sinan (der alte Sänger) hat damals aus persönlichen Gründen die Band verlassen und ohne groß irgendwelche anderen Kandidaten auszutesten, haben wir sofort nahtlos mit Raphael weitergemacht, der bereits auf "Decisions" Guest Vocals beigesteuert hatte. Wir kannten seine Stimme und wussten, dass er ein cooler Typ ist und super in die Band passt. Seitdem merken wir fast täglich, dass es die beste Wahl war, die wir hätten treffen können! Raphael ist eine unglaubliche Bereicherung für die Band, sowohl stimmlich als auch menschlich und wir sind super happy mit ihm! Die Reaktionen auf seine Vocals waren bisher überwältigend positiv! Es gibt quasi kein Review zur "Smile Like A Wolf" EP oder "Remedies" (und das sind inzwischen schon verdammt viele) in dem nicht mindestens 1 Zeile darauf eingeht, wie herausragend gut der Gesang ist und wie viel er zur Qualität der Songs beisteuert. Das ist manchmal schon fast beängstigend, vor allem wenn man bedenkt, dass Raphael eigentlich eine schon recht eigene Stimme hat. Wir freuen uns natürlich darüber und warten stündlich drauf, dass Take That anrufen und ihn als Ersatz für Robby Williams buchen wollen hahaha!

Die Stimmung auf "Remedies" ist ja nicht unbedingt die Beste. Wie kommt's, dass ihr häufig über die schweren Momente im Leben singt?

Raphael: Das Leben ist einfach so. Jedoch finde ich gar nicht, dass meine Texte so "dunkel" sind, im Gegenteil. Die Texte befassen sich mit Schwierigkeiten und Extremsituationen, mit denen man im Leben zu kämpfen hat. Es geht nicht darum, zu jammern, sondern all seine Aggression in positive Energie umzuwandeln und zu nutzen, um nach vorne schauen zu können und sein Leben trotz Rückschlägen positiv und optimistisch zu gestalten. Die Texte sind total angepisst und doch unendlich hoffnungsvoll. Die Songs sind für uns eine Art Heilmittel. Im Prinzip geht es darum, was Lou Koller schon auf der "scratch the surface" singt: "You can't change the world but you can change yourself."

The Blackout Argument

In der Beschreibung zur Platte sprecht ihr von Unterstützung, die ihr den Hörern geben wollt, um den normalen Alltag zu überstehen. Scheinen da die Hardcorewurzeln durch, oder seid ihr einfach nur nette Jungs?

Chris: Hahaha, eigentlich sind wir ziemliche Arschlöcher! Nein, nur Spass. Für mich, und ich denke den anderen in der Band geht es genauso, war Musik schon immer mehr als nur tonale Berieselung. Musik kann Kraft spenden, auffangen und den Hörer "verstehen". Texte tragen dazu einen großen Teil bei und uns als band ist es wichtig, dass unsere Songs immer auf BEIDEN Ebenen funktionieren.

Raphael: Mir würde der Alltag besonders in schwierigen Situationen ohne Musik unendlich schwer fallen. Hardcore war für mich schon immer mehr als drei Akkorde. Es war die Befreiung von Gefühlen wie Wut, Angst und Frust, was mich von Anfang an immer viel Kraft gegeben hat und mich unglaublich in den Bann gezogen hat. Wir wollen auf "Remedies" nichts schön reden, das ist nicht unsere Art. Aber wir wollen auch Hoffnung vermitteln und Möglichkeiten aufzeigen, sich selbst aus der Scheiße zu ziehen, auch wenn sie einem bis zum Halse steht. Die Texte sind uns unglaublich wichtig.

Passend dazu steht ja auch eine Tour an, die euch sogar bis rauf nach Schweden bringt! Freut ihr euch euren neuen Kram Live performen zu können?

Chris: Kannste wetten! Die Tour wird ohne Zweifel eines DER Highlights 2009, sowohl als Band als auch für uns persönlich. In Schweden war ich noch nie obwohl ich seit 2001 konstant mit Bands toure. Aber auch die 7 UK Dates werden sicher der Hammer. Besonders freuen wir uns aber auf THIS IS HELL, die verdammt coole Typen sind. Das wird abhäng-technisch also sicherlich auch der Hit!

Zum Song "Dead But So Alive" habt ihr ja kürzlich ein Video abgedreht. Warum genau der Song und warum ein Livevideo? Wann kriegen wir denn was davon zu sehen?

Chris: Wir haben lange rumüberlegt zu welchem Song wir letztendlich das Video drehen, sind dann aber bei "Dead But So Alive" hängen geblieben, weil der Song einfach am besten repräsentiert, wofür wir als Band musikalisch und auch inhaltlich stehen. Dazu ist er ohne Zweifel einer der stärksten Songs auf "Remedies". Das Video wird kein reines Live-Video, hat am Ende aber ein paar coole Live-Sequenzen drin. Wir haben zusätzlich zur Show in Rosenheim noch einen weiteren Tag andere Einstellungen gedreht. Bisher habe ich vom Video noch nichts gesehen, bin deshalb noch sehr gespannt!!

Ihr hebt euch von der normalen Hardcoreszene ab, indem ihr mehr Melodien und mehr klaren Gesang zeigt, andere tun dies, indem sie durch Mischen Death Metal immer brutaler werden. Was haltet ihr von der momentanen Bewegung um "Bollerbands" wir SUICIDE SILENCE oder DESPISED ICON?

Chris: Also die Verschmelzung von (Death) Metal und Hardcore ist ja nicht das Neueste. Bereits Mitte/Ende der 90er haben Bands wie EARTH CRISIS, LIAR, CONGRESS, etc. angefangen Metal und Hardcore in Einklang zu bringen und streng genommen haben das beispielsweise MERAUDER sogar noch mal 5 Jahre früher gemacht. Was jedoch neu ist, ist die technische Perfektion und die Dominanz des Metaleinflusses. Bands wie SUICIDE SILENCE oder DESPISED ICON sind musikalisch dort, wo früher nur "echte" Metalbands verortet waren und ziehen deshalb auch ein breites Publikum aus Metallern, Hardcore-Kids und Myspace-Kids die genre-technisch deutlich flexibler sind. Ich find's cool, wenn es Bands schaffen, ein breites Publikum anzusprechen, wenn sie dann dazu noch was zu sagen haben und diese "Chance nutzen" Leute mit Inhalten zu erreichen, gibt es da gar nichts gegen einzuwenden.

The Blackout Argument

Ehrlich gesagt kann ich mir die Hardcoreattitüde schlecht an einem typischen Bayern vorstellen. Ihr als Münchner Vertreter: wie kann man sich die Szene in ihrer Stadt vorstellen? Viele Clubs und Gigs, oder hält sich das Ganze eher in Grenzen?

Chris: Hahaha, lass mal überlegen... so wie's aussieht ist KEINER von uns ein "echter Bayer" (was auch immer da die genauen Kriterien sind). Wir sind alle "Zuazogene" (wie man in München sagt) und sprechen weder Bayerisch noch tragen wir Lederhosen. Aber du hast schon recht, eine konservative Großstadt wie München ist nicht gerade das ideale Pflaster für alternative Subkulturen wie die Hardcore-Szene. Dennoch gibt es hier eine Vielzahl an Bands, jede Woche Shows und eine Menge Kids die selbst im Punk/Hardcore/DIY-Dunstkreis aktiv sind. Wenn man dann noch bedenkt dass die beste Booking Agentur (Avocado Booking) und das beste Plattenlabel (Let it Burn Records) der Welt hier situiert sind, dann ist es noch offensichtlicher, dass Munich das heimliche Hardcore-Headquater Europas ist hehehe ;-)

Zum Schluss noch eine Frage zur Download-EP "Smile like a Wolf". Aus heutiger Sicht: Was hat euch die Aktion gebracht. Habt ihr dadurch viele neue Hörer gewonnen? Ihr standet auch damals schon bei LIFEFORCE unter Vertrag; was war denn deren Meinung dazu, dass ihr eine kostenlose Platte rausbringen wolltet?

Chris: Auch rückblickend betrachtet hat sich die Veröffentlichung von "Smile Like A Wolf" als kostenlose Download EP definitiv gelohnt. Durch diese Aktion sind tausende Leute auf uns aufmerksam geworden die noch nie zuvor von uns gehört hatten. Wir haben eine Menge positives Feedback bekommen, sowohl von Seitens der Presse als auch von Kids direkt und auch live merken wir, dass die meisten Leute auf Shows die Songs der EP kennen. Mit Lifeforce war das natürlich alle abgesprochen und für Stefan war das kein Problem. Ich denke auch, dass die Gratis Download EP einen großen Teil zur umfangreichen Medienpräsenz unseres aktuellen Albums "Remedies" beigetragen hat.

Selten hab ich mit so netten Leuten ein Interview geführt. Die Jungs reden nicht nur davon, mit ihrer Musik positive Energie zu verbreiten, sie strahlen sie auch aus. Schön das es heute noch Leute gibt, die sich wirklich Zeit für ein paar Fragen nehmen und diese dann auch umfangreich beantworten. Die kostenlose "Smile like a wolf"-Ep gibt es übrigens unter: www.smilelikeawolf.com

<< vorheriges Interview
ENSLAVED - Frost ist ein alter Hut!
nächstes Interview >>
TEN YEARS AFTER - 40 Jahre nach Woodstock immer noch sehr [...]




 Weitere Artikel mit/über THE BLACKOUT ARGUMENT: