Navigation
                
19. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Band
Titel
Autor
Homepage
>> Als E-Mail versenden
ENSLAVED
Frost ist ein alter Hut!
Andreas Goericke
www.enslaved.no


Im Vorfeld des furiosen Konzerts von ENSLAVED im Steinbruch Theater bei Darmstadt, welches an anderer Stelle ebenfalls besprochen ist, hatte ich kurze Gelegenheit, ein paar Takte in gemtlicher Atmosphre bei einem gepflegten Weizen mit Grutle zu plaudern.

Wie war die Tour fr euch bisher? Ist alles gut gelaufen fr euch?

Wir haben 40 Konzerte in 45 Tagen gespielt. Das war ziemlich hart bisher. Allerdings ist das auch die lngste Tour, die wir bisher am Stck gespielt haben. Manche Tage liefen natrlich nicht so gut, wie sie htten laufen knnen oder sollen, auch war ich leider zuletzt ein wenig erkltet und bin es auch jetzt noch, aber alles in allem sind wir sehr zufrieden, wie es sich bisher darstellt.

Wie hltst Du das mit deiner Stimme aus? Vor allem, da du ja in zwei verschiedenen Stilen Nacht fr Nacht zugange sein musst, musst du dich doch schwer schonen?

Naja, ich habe mir in den letzten Jahren ein paar Tricks von anderen abgeschaut. Zuerst mache ich ein ordentliches Warm-Up eine Stunde vor der Show und dann gibt es da eben Dinge, die man umgehen muss, beispielsweise zuviel Alkohol, besonders Schnaps, und eben nicht herumgrlen, wenn man spter noch mit den Fans und Jungs feiern geht!

Ihr wart ja nun auch bereits in Amerika, was ja ein groer und wichtiger Schritt fr eine Black-Metal Band ist.

Ohja, wir waren bereits in 1995 und 2001 fr ein paar Dates drben und 2007 dann die grere Tour mit DARK FUNERAL.

Wie ist es denn da drben fr eine progressive Schwarzmetall - Kapelle wie ENSLAVED? War es erfolgreich fr euch?

Es gibt schon groe Unterschiede zwischen Amerika und den Lndern im Europischen Bereich! Wir waren dort viel unterwegs, besonders gut lief es in Canada und New York, auch Texas und Kalifornien. Allerdings sind die Clubs meist sehr schrottig, die PA-Systeme sind bel und die Gigs stehen dadurch vorerst mal unter einem schlechten Stern. Allerdings haben die Amis eine gute Aufnahmekapazitt fr progressive Bands, schlielich luft bei denen beispielsweise RUSH einfach im Radio, so dass wir dort im Gegensatz zu Europa stets recht gut ankamen.

Wie luft denn da der finanzielle Aspekt? Zahlt sich eine Amerika-Tour dann letztendlich aus, oder legt ihr da nur drauf?

Wir fliegen fr solche Touren nur mit leichtem Gepck, bringen ja nur die Klampfen und Becken mit und der Rest wird von Backlinern gestellt. Also rechnet es sich meist ganz gut fr uns, auch solche Wege in Angriff zu nehmen.

Ihr habt tatschlich mit euren beiden letzten Platten "Isa" und "Ruun" norwegische Grammys abgerumt! Was ist das fr ein Gefhl?

Natrlich ein sehr gutes! Dazu muss aber gesagt sein, dass in Norwegen ein viel breiteres Spektrum an Musik akzeptiert wird, als beispielsweise in Deutschland. Dort findet man allein fr Hard-Rock schon viel offenere Ohren. Aber es ist natrlich ein wahnsinnig gutes Gefhl, klar!

Enslaved

Setzt euch diese Sache nicht enorm unter Druck? Ist es nicht so, dass man dann weiterhin solche Platten nachlegen mchte?

Nein. Natrlich sind wir stolz, dies erreicht zu haben. Aber wir wrden uns nur massiv blockieren, wenn wir beim Songwriting versuchen wrden, erneut etwas Populres zu schaffen. Es ist eher ein Gefhl wie: hat man mal erlebt, schn wars! Wir setzen uns also nur unter Druck, um weiterhin gute Musik zu schreiben.

Wie schreibt ihr denn generell an eurer Musik? Ist das ein gemeinschaftlicher Prozess, oder geben alle Stck fr Stck ihren Input dazu?

Hauptschlich ist das Ivar. Er gibt uns die Sachen auf CD und wir arbeiten dann gemeinsam die nchsten sechs bis sieben Monate an dem Material. Natrlich ist das dann auch die Stelle, an der die anderen Musiker ihren Input liefern. Aber er ist der Initiator. Allerdings lsst er auch jedem sein Fachgebiet, mischt sich also nicht in die Gesnge oder so ein.

Also schreibt ihr tatschlich ein Album in einem halben Jahr? Wie luft es mit den Texten? Diese sind ja meist sehr von Mythologie und hnlichem durchzogen?

Wir beschftigen uns alle sehr mit diesen Themen. Es ist ein Teil deiner selbst, deiner Natur und deines Daseins. Wir alle sehen das so und somit sind auch die Texte eher ein gemeinschaftlicher Prozess, bis sie sich stimmig in unsere Musik einfgen. Die Mythologie ist da natrlich nur eine Funktion. Du musst reflektieren, was dir dort geboten wird und dies in deine Erkenntniswelt und Ansichten einflieen lassen.

Handelt es sich dabei also um eine eher persnliche Ansicht der Dinge?

Ja, absolut. Wir sehen und interpretieren all das unter sehr persnlichen Aspekten.

Wie sieht es mit der Zeit aus? Reicht ENSLAVED um davon leben zu knnen, oder msst ihr euch in der Zwischenzeit um weltliche Jobs bemhen?

Na ja, es ist ziemlich schwer, allein von der Musik zu leben. Es ist klar, dass das mit dem deutschen Begriff von Vollzeitarbeit nicht zusammenpasst. In Norwegen gibt es gute Mglichkeiten fr Teilzeitjobs, die sehr flexibel sind. So passt das dann einigermaen.

Kommen wir zu "Vertebrae". Ist dies, was ENSLAVED immer ausdrcken wollten, ich muss dazu sagen, dass ich Fan der ersten Stunde bin und allen Platten etwas abgewinnen konnte. Aber wie kommt man nun von "Frost" bis dahin? Ist das, was immer beabsichtigt war, oder habt ihr euch hnlich wie die Hrerschaft einfach nur weiterentwickelt?

Wenn wir jemals aufgehrt htten, uns zu entwickeln, wre das das Ende der Band gewesen! Du musst dich entfernen, neue Ufer erschlieen um die Musik fr dich und andere lebendig zu halten! Wir haben keine Grenzen und versuchen, dies auf all unseren Platten - auch fr uns selbst- zu zeigen.

Auch "Frost" war seinerzeit grenzberschreitend. Ist dies der Hauptaspekt, den ihr euch zugrunde gelegt habt? Grenzen zu sprengen? Wenn auch damals in einer sehr extremen Form?

Ich denke, "Frost" war in diesem Augenblick 1994 genau dasselbe, wie die Musik, die wir heute machen. Nur anders. Es war letztendlich ebenso eine bertretung von Grenzen, wie sie es heute ist. Nur das wir damals mit 17 und 19 Jahren eben auf diese Weise ausdrcken wollten, was wir fr interessante Musik halten. Das ist ebenso beim Sound. "Frost" war bewusst sehr kalt gehalten, wohingegen die neueren Platten eher einen warmen, fast weichen, Sound innehaben. Es ist eben die Entwicklung, die du als Hrer und wir als Musiker durchleben.

Ist das heute auch die Musik, die du hrst? Hrt man den Wandel deines Geschmacks auch in ENSLAVED?

Enslaved

Ja, dass stimmt schon. Im Moment hre ich viel PINK FLOYD, GENESIS und andere progressive Sachen, so dass man durchaus sagen kann, dass sich die Gewohnheiten einfach verndern und dann die Musik mitnehmen.

Wie aber habt ihr "Vertebrae" dann aufgenommen? Ist das mehr eine Show zwischen dir und Ivar, oder setzt ihr euch auseinander, wie man es von einer klassischen Band erwarten wrde?

Wir haben uns wie gesagt sehr gut vorbereitet und trafen uns daher im Studio kaum noch. Jeder hat seine Passagen eingespielt und nach und nach kam die Platte zusammen, wie es auch bei den letzten Verffentlichungen gewesen ist.

Wie sind denn die Stilwechsel zustande gekommen? War das eine bewusste Entscheidung, dorthin zu gelangen, oder war das eher Zufall?

Wir haben uns die Frage mit "Monumension" das erste Mal gestellt. Wir hatten einfach zu viele Ideen und Passagen die aus uns raus wollten, so dass wir am Ende auch alle Konventionen ber Bord warfen und uns bewusst waren, dass nun etwas seltsames passieren wird. Als wren wir freigelassen worden. Irgendwie hat sich das auch ein wenig entwickelt. Wir haben seit einer Weile das stabilste Line-Up seit bestehen der Band und die Reife, die wir mittlerweile dort einbringen, hrt man einfach und lsst nicht zu, ein zweites "Frost" zu produzieren, da wir diesen aggressiven Teil lngst hinter uns gelassen haben.

Was kann man also vom nchsten ENSLAVED Album erwarten? Knnte es nach den ruhigeren Alben nun auch wieder ein furchtbar aggressives geben, oder worauf drfen sich die Hrer einstellen?

Erwartet das Unerwartete!

Noch kurz etwas eher Privates: Wie alt zum Geier bist du eigentlich?

Ich bin 35, also war ich 17 als wir "Frost" geschrieben haben.

Das ist aber mal eine Ansage! Grutle, ich bedanke mich fr das Gesprch und viel Vergngen auf der Bhne heute Abend!

Ohjeh, da mssen sich wohl alle Musikschaffenden unter uns massiv auf den Hosenboden setzen. Ich besitze "Frost" selbst seit sie herauskam, ich also 15 war und gerade so aufrecht an einem Schlagzeug sitzen konnte. Schwer beeindruckt stellte ich mich also vor die Bhne und lie mir noch weitere Lektionen zum Thema Musikbusiness verpassen, als die Mnner ihr sagenhaftes Set herunter rissen. Wenn das mal keine Ausnahmekapelle ist!

<< vorheriges Interview
LUNATIC SOUL - Die dunklere, tiefere Seite von Riversid [...]
nchstes Interview >>
THE BLACKOUT ARGUMENT - Zuazogene Mnchneraner mit Helfersyndrom




 Weitere Artikel mit/ber ENSLAVED: