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18. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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INFINITE HORIZON
Manchmal brauchen Musiker Geduld!
Thorsten Dietrich
www.infinite-horizon.de


Die Melodic Power Metaller von INFINITE HORIZON sind nach langer Funkstille mit einem neuen Album und Label auf der Bildflche erschienen. Aus diesem Grund war es mal an der Zeit bei Schlagzeuger Christian Schmidt anzuklopfen und etwas ber die Band zu erfahren!

Hand aufs Herz, habt ihr euch nach dem RAGE-Song "Invisible Horizons" benannt oder ist das zu weit von mir her geholt?

INFINITE HORIZON

Also, wir haben uns leider nicht nach diesem Song benannt. INFINITE HORIZON ist eigentlich aus zwei Bands entstanden, nmlich MILLENIUMS END und CANDLELIGHT, in denen damals einige Leute aus der heutigen Band spielten. Als diese beiden Bands sozusagen fusionierten war es an der Zeit, sich nach einem neuen Namen umzusehen. Die erste Idee war INFINITY. Da es aber glaube ich schon eine Band mit diesem Namen gab fiel das leider flach. Dann stand die Idee EVENT HORIZON im Raum, benannt nach dem gleichnamigen groartigen Film mit Sam Neil und Laurence Fishburn. Aus INFINITY und EVENT HORIZON wurde dann logisch die Schlussfolgerung INFINITE HORIZON. So in etwas drfte sich das damals entwickelt haben. Allerdings muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich damals noch nicht in der Band war und es nicht direkt miterlebt habe.

Was war denn mit eurem letzten Label und euch, wieso muss man denn als Undergroundband wie ihr es seid vor Gericht kmpfen und kann vier Jahre keine Scheibe heraus bringen?

Uff, das ist eine sehr lange Geschichte. Wir hatten damals einen Plattenvertrag ber das Album "Soul Reducer" unterschrieben. In diesem Vertrag war festgelegt, dass das Album in einem bestimmten Zeitraum nach den Aufnahmen verffentlicht werden muss, ich glaube es waren zwlf Monate. Wir haben das Album dann damals auch bei dem besagten Label im hauseigenen Studio in Bremen aufgenommen. Leider vergingen dann nicht nur zwlf Monate, sondern drei Jahre und unsere Geduld neigte sich langsam aber sicher dem Ende zu. Die Plattenfirma antwortete nach einer Zeit nicht mehr auf unsere Kontaktaufnahmen und uns blieb nichts andere brig, als einen Anwalt zu konsultieren. Der riet uns dann, das Master des Albums, welches vertraglich der Band zustand, gerichtlich einzuklagen. Auerdem war der Vertrag durch die lange Verzgerungszeit sowieso null und nichtig. Wir bekamen dann gerichtlich das Master zugesprochen und konnten es bei unserem jetzigen Label "Black Bards Entertainment" verffentlichen. Leider erst nach vier Jahren Wartezeit.

Da ihr einen Keyboarder in der Band habt, hre ich dezenten Progflair, bertreibe ich aufgrund dieses Klischees "Keys=Prog"?

INFINITE HORIZON

Nein du bertreibst nicht. Die progressiven Einflsse in der Band sind abgesehen von der ersten EP "The Prophecy" schon immer in der Band vorhanden gewesen. Das Album "Mind Passages" ist ein sehr progressives Album mit teilweise zehn Minuten langen epischen Songs. Unsere Band hat sich stets weiterentwickelt, deshalb haben wir in den letzten Jahren die progressiven Einflsse mehr und mehr zurckgeschraubt, sie aber nie ganz verdrngt. "Soul Reducer" ist ein sehr straightes, rockiges Album geworden. Leider waren manche Zeitschriften und Magazine nicht mehr auf dem neuesten Stand was uns betrifft, auch bezugnehmend auf die progressiven Elemente, nach vier Jahren nicht verwunderlich. Deshalb waren die Erwartungen "Soul Reducer" betreffend vielleicht auch andere und nicht alle Magazine kamen mit dieser Entwicklung klar. Das Keyboard grundlegend "Keys=Prog" bedeutet wrde ich allerdings verneinen. Es gibt unzhlige Bands mit Keyboard, die keinen Prog spielen. Ich denke es kommt darauf an, wie man die Keys einsetzt.

Sicherlich richtig! Vom Gesang her geht es bei euch auch mal zur Sache und die Grundstimmung ist recht melancholisch, was auch die lesenswerten Texte angeht. Auch eine Art sich abzugrenzen, oder?

Das ist aber nicht unser Hintergedanke. Wir machen was uns Spa macht und was sich beim Songwriting Prozess ergibt. Da wir alle sehr viel unterschiedliche Musik hren, ergibt sich automatisch auch ein eigenwilliger Sound. Ich bin froh, dass wir kein "Fantasy Geballer" oder "Arsch-Powermetal" spielen, denn dann wre ich nicht mehr in der Band. Ich finde, unsere Musik sollte ein gewisses musikalisches Niveau, welches wir fr uns in Anspruch nehmen, nicht unterschreiten. Leider sehen das viele Leute der Metal-Szene anders. Die Texte sind inhaltlich fr die Katz, es geht um Tod, Teufel, Knig Artus, Fantasy oder vllig am historischen Hintergrund vorbei gehende Texte von "Hobby-Historikern", die im Geschichtsunterricht lieber htten aufpassen sollen. Es gibt natrlich auch viele Bands mit groartigen Texten, nicht die gesamte Metal-Szene denkt so. Aber wir legen Wert auf anspruchsvolle Texte, die Tagesthemen geben leider auch genug depressive Themen her, daran mangelt es zur Zeit nicht. Aber Musik ist ja nun mal Geschmackssache, ich mchte natrlich niemanden beleidigen, der auf Fantasy steht. Unser Ding ist es nicht!

INFINITE HORIZON Cover

Das Cover ist fr mich der Schwachpunkt des Albums, da das Motiv recht - sagen wir fr meine Augen amateurhaft umgesetzt wurde. Die Idee ist ja nicht schlecht und auch dass jeder Song ein Foto aus den abgebildeten TV-Schirmen zugeteilt bekam war eine gute Idee! Hat euch denn RIOTs Hammeralbum "The Privilege Of Power" beim Cover inspiriert?

Wir hatten damals einfach eine Idee im Kopf: Ein Mann sitzt gefesselt vor einer Wand mit Fernsehern. Das war der Ausgangspunkt. Die Umsetzung gestaltete sich als schwierig. Man htte es zeichnen knnen, aber wir wollten kein gezeichnetes Cover. Man htte es einer professionellen Medienagentur vorbringen knnen, aber wer soll das bezahlen? Deshalb musste mit Photoshop ein wenig gezaubert werden und es kam schlielich dieses Ergebnis heraus, welches unsere Vorstellungen am ehesten umgesetzt hatte. Thematisch passt es hervorragend zu den Songs. RIOTs Album hat uns allerdings nicht inspiriert.

Bei deutschen Bands ist es oft so, dass man im Ausland angesehener ist, wie sieht das bei euch da aus?

Wir hatten bisher noch nicht viele Kontakte ins Ausland. Vor ein paar Jahren hatten wir mal ein Interview mit einer sdamerikanischen Radiostation. Ich denke, dass der Markt in Sdamerika einiges an Potential besitzt. Auch Japan ist sehr am kommen. Mal sehen was die Zukunft da noch bringt. Ich denke nicht, dass die Bands im Ausland unbedingt angesehener sind, ich denke die Fans sind einfach offener, manchmal nicht so verklemmt wie die Deutschen. Ich habe viele Konzertberichte gelesen, in denen europische Bands in Japan und Sdamerika aufgetreten sind. Ich glaube die Fans dort sind einfach verrckt nach Metal, im positiven Sinn.

INFINITE HORIZON

Viele Musiker haben Probleme an ordentliche Gigs zu bekommen, da die Groen den Kuchen recht abgreifen, was macht ihr, um an Gigs zu kommen oder macht ihr euch live eher rar?

Bei uns handelt es sich eigentlich um eine Mischung aus wir bekommen ein Angebot von unserer Plattenfirma, wir bekommen ein Angebot von einem privaten Veranstalter oder wir kmmern uns selbst um Gigs. Ich denke auch die Reihenfolge passt zur Zeit ganz gut. Durch unsere Booking-Agentur kommen wir in letzter Zeit sehr oft an Gigs, auch private Veranstalter kommen fter auf uns zu. Durch diverse Konzerte in der Vergangenheit haben wir uns auch Beziehungen zu anderen Band unseres Genres aufgebaut, mit diesen Bands kann man immer wieder Austauschgigs veranstalten. Wie zum Beispiel im Dezember mit SKY'S SHADOW in Leverkusen. Auf diese Weise kommt man immer recht gut an Konzerte. Im Frhjahr nchsten Jahres ist durch unsere Plattenfirma eine kleine Tour geplant, mal schauen wann und wie es stattfindet. Gute Konzerte sind heutzutage leider mehr und mehr eine Geldfrage als eine Frage der musikalischen Qualitt.

Wohl wahr!

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