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17. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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SOULFLY
Ein Plauderstündchen über Gott, die Welt, Musik und manches mehr
hristian Schäfer
www.soulflyweb.com


SOULFLY in der Batschkapp in Frankfurt. Zu dieser Band muss ich wohl keine Worte verlieren, zumindest tue ich es an dieser Stelle nicht. Genauso sieht's mit ihrem Boss, dem ehemaligen SEPULTURA-Vorsitzenden Max Cavalera aus. Zu ihm nur so viel: ich halte Max für Gott.
Entsprechend groß war meine Vorfreude, entsprechend voll war meine Hose vor dem Interview mit diesem Mann.
Aber der ist nicht da. Kommt auch nicht. Ein Mitarbeiter der Batschkapp teilt den Roadrunner-Mitarbeitern Alex und Robert mit, dass Max unterwegs sei. Unterwegs in Eschersheim, dem vermutlich verpenntesten Stadtteil der Mainmetropole? Freiwillig? Komisch, schade, befremdlich und irgendwie auch ärgerlich. Jetzt doch kein Interview oder was??
Dann, gute zwei Stunden nach dem vereinbarten Termin erscheint Max. Mit Kopftuch, Schlabberhose und Umhängetasche sieht er aus als käme er von einem Hippieflohmarkt. Marschiert gelassen durch die wartende Menge, unterschreibt CDs und Schallplatten, eine Gitarre, diverse Kutten und -weit oben, fast schon am Hals- eine Titte. Daraufhin verschwindet er im SOULFLY-Nightliner, in den ich kurz darauf zitiert werde.
Dann sitze ich Max Cavalera gegenüber und kann es immer noch nicht richtig fassen, als er sich mit leiser Stimme für sein Zuspätkommen entschuldigt und erklärt, dass sein Schwager in New York gestorben sei und er knapp drei Stunden damit beschäftigt war, per Handy seine Schwester zu trösten. Der Mann, den ich auf der Bühne bereits des öfteren als Mischung aus tollwütigem Keiler und zotteligem Uruk-Hai erlebt habe, sitzt als Häufchen Elend vor mir, bemüht sich um Fassung und erzählt von seiner Familie, dem Leben und davon, wie schnell es zu Ende gehen kann. Ich traue mich nicht, ihm mein Diktiergerät unter die Nase zu halten. Doch dann sagt Max:

Soulfly

...allerdings gibt es auch gute Nachrichten. [Unauffällig schalte ich das Diktiergerät an und lege es auf den Tisch] Nicht nur für mich, sondern für uns, für SOULFLY. Unser neues Album "Conquer" kommt sehr gut an und ist auch in Deutschland sehr hoch eingestiegen. Das freut uns natürlich sehr. Auch live sind die Reaktionen unglaublich. In England und in der Schweiz waren die Leute völlig am Ausrasten. Es ist schön zu sehen dass die Leute unsere Musik so schätzen. SOULFLY wächst und wird stärker. Ein Freund hat mir erzählt dass sogar zwei deutsche Komiker hier sind. Die möchten die Band kennen lernen, das finde ich cool. Ich kenne die beiden nicht, aber es freut mich immer, Künstler aus anderen Sparten zu treffen oder mit ihnen zu arbeiten. Das erlebe ich als sehr inspirierend und als persönlich bereichernd (Ob Max das nach dem Zusammentreffen mit MUNDSTUHL, denn von denen reden wir hier, immer noch so sieht ist mir nicht bekannt, Anm. d. Verf.). Z.B. habe ich in Bulgarien den Regiesseur von "Amadeus" (Eine semifiktive Mozart-Biographie, USA 1984) getroffen, Milos Forman. Mozart ist ein Gigant, der war... ein Zauberer, seine Musik ist absolut magisch, unerreicht. Ich habe Milos gesagt dass dieser Film mein absoluter Lieblingsfilm ist und dass ich sogar meinen Sohn danach benannt habe, Igor Amadeus Cavalera.

Echt?

Ja, er konnte das auch kaum glauben und fühlte sich sehr geehrt. Er hat mir empfohlen auch seine anderen Filme anzuschauen. Von ihm stammt auch "Einer flog über's Kuckucksnest" mit Jack Nicholson. Er macht eigentlich nur tolle Filme, wie auch "The Ghost Of Goya" (auf deutsch "Goyas Geister") über Francisco de Goya, einen spanischen Maler des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein verdammt deprimierender Film. So düster... du blickst in Abgründe der menschlichen Seele, religiösen Wahnsinn. Gerade das Ende hat mich echt runter gezogen. Das ist so traurig...
Na, was aber cool ist: Javier Bardem, der Mann, der in diesem Film Lorenzo spielt, ist ein echter Metalhead! Als wir mit SEPULTURA und RAGE AGAINST THE MACHINE in Madrid gespielt haben, war Javier da. Ganz vorne, mit Lederjacke, und hat wie alle anderen gebangt! Ich dachte, ich träume. Nach der Show haben wir uns unterhalten und Bilder miteinander gemacht und festgestellt, dass wir schon lange Fans voneinander sind. Verrückt, oder? Wir sind beide Filmfreaks und haben uns ein paar Stunden lang über Filme unterhalten und dabei auch ein paar Bier ablaufen lassen. Zwischenzeitlich hat er sogar einen Oscar gewonnen. Echt stark, der Typ. Ja, das meinte ich- es ist cool, Künstler außerhalb des Musikgeschäfts kennen zu lernen. Man profitiert voneinander, freundet sich an... mir bedeutet es wahnsinnig viel. Es ist immer lustig und macht immer Spaß. Wie mit Fußballspielern. Vor ein paar Jahren habe ich Pélé getroffen, den berühmtesten Stürmer Brasiliens, vielleicht sogar der ganzen Welt. Hast du schon von ihm gehört?

Klar.

Manchmal bin ich sehr neugierig und habe eine große Klappe. Ich habe Pélé in Italien gesehen. Ich war mir sicher dass er es ist. Also habe ich ihn angesprochen und ihn gelöchert, ich wollte alles wissen. Bei SEPULTURA waren wir damals alle große Fußballfans und ich bin es immer noch. Und weißt du was? Fußballspieler leben nicht viel anders als wir. Sie fahren viel mit dem Bus durch die Gegend, übernachten in Hotels und machen vor jedem Spiel ein paar Trainingseinheiten, so wie Musiker einen Soundcheck machen. Ihre Spiele sind wie unsere Shows. Die Leute kommen von überall her, man feiert zusammen mit den Fans und irgendwann geht's mit dem Bus weiter. Nächste Stadt, nächste Show. Es ist wie unser Leben als Musiker. Nur etwas physischer, mehr körperbetont. Dafür ist es bei uns lauter, wenn auch nicht viel. Nun, Pélé hat von seinem 1000. Tor erzählt. Als er geschossen hatte, brach der Schiedsrichter das Spiel ab.

Einfach so?

Ja. Der Schiedsrichter darf das. Das war das erste Mal, dass in Rio de Janeiro ein Spiel abgebrochen wurde. Er sagte: "Wow, Pélé hat sein 1000. Tor geschossen. Das feiern wir jetzt alle zusammen". Und das war vor der Halbzeit! Was denkst du, wie die Leute reagiert haben?

Keine Ahnung, haben sie sich beschwert?

Nein. Sie fanden es toll und haben Pélé hochleben lassen. Beide Mannschaften und alle Fans haben zusammen eine gigantische Party gefeiert. Später haben Igor (Max' Bruder Igor) und ich ihn noch mal in New York getroffen und ein paar Fotos mit ihm gemacht. Er ist ein sehr netter und sehr ruhiger Mensch... aber hey, sollen wir auch noch ein bisschen über Musik reden?

Ja, so ein paar Fragen hätte ich schon, aber du warst gerade so begeistert, da wollte ich nicht unterbrechen.

Das ist aber nett.

Ich höre solche Geschichten gern. Daran merke ich immer, dass Musiker auch ganz normale Menschen sind. Das ist mindestens genauso spannend wie die Musik, um die es sonst immer geht.

Vielleicht sollte ich mal ein Buch schreiben, was meinst du?

Unbedingt!!

Hm... ich könnte einfach von meinem Leben erzählen. Das wird immer verrückter, das kannst du glauben. Ach was, ich glaube niemand würde das glauben. Weißt du, was ich gar nicht leiden kann? Diese Fernsehshows, in denen Familien den ganzen Tag lang gefilmt werden.

Du meinst "The Osbournes"?

Genau. Das hat man Gloria und mir auch angeboten. Das würde ich nie tun. Weißt du, ich mag das Verrückte an meinem Leben. Ich teile es auch gern mit Menschen, an denen mir etwas liegt. Aber ich möchte nicht dass mich die ganze Welt beim Frühstücken beobachten kann. Dabei wäre das sicher lukrativ und auch unterhaltsam. Aber unsere Kinder und Haustiere bekämen sicher einen Dachschaden wenn sie ständig über Kabel Kameras steigen müssten und nie Ruhe hätten. Ich muss dir was von unserem Sohn erzählen, Igor. Er ist jetzt zwölf Jahre alt. Er spielt Schlagzeug. Auf unserer Europatour mit CAVALERA CONSPIRACY hat er jeden Abend bei "Troops Of Doom" Schlagzeug gespielt. Als wir Anfang August mit METALLICA auf dem Ozzfest in Texas gespielt haben, stand Lars Ulrich die ganze Zeit neben der Bühne und ist völlig ausgeflippt als er Igor gesehen hat. Nach der Show kam er in die Kabine, um Igor kennen zu lernen.

Ui, das ist aber eine Auszeichnung.

Hähä... ja. Das Witzige war, Lars wollte ein Bild von sich und Igor haben. Und Igor sagte nein.

Nein!?

Ja, haha! Ich habe ihn angeschaut und gefragt ob er wüsste, wer dieser Mann ist. Er wusste es und wollte trotzdem nicht. Du hättest es sehen müssen, Igor stand einfach da in seinem NAPALM DEATH-Shirt und hatte keine Lust auf ein Foto mit Lars Ulrich. Andere würden sich für eine solche Gelegenheit prügeln, schätze ich. Solche Geschichten muss man aufschreiben, aber ich habe die Zeit einfach nicht. Schade.

Was hat Lars dazu gesagt?

Der war cool, hat's mit Humor genommen. Hehe... was sollte er auch sonst sagen? Ich war in diesem Moment sehr stolz auf Igor, seine Punkeinstellung. Ich bin immer stolz auf ihn, versteh' mich nicht falsch. Aber das war trotzdem was ganz besonderes! Ich denke, er geht seinen Weg. Obwohl er noch sehr jung ist. Und das ist gut so, das ist wichtig. Er übt viel Schlagzeug und spielen oft zusammen. TERRORIZER und MASSACRE mag er, seine Lieblings-Hardcoreband sind SICK OF IT ALL. Solches Zeug spielen wir. Aber auch guten alten Rock, BLUE OYSTER CULT z.B, die finde ich toll. Oder Reggae. Johnny Cash (Max deutet auf mein T-Shirt) auch. Du bist übrigens der erste, der mich in einem Johnny Cash-Shirt interviewt.

Das weißt du so genau?

Ich bin mir sicher, ja. Ich finde Johnny Cash cool.

Ui.

Erstaunt dich das?

Na ja, das mit Mozart hat mich schon überrascht, aber dass du auch auf Cash stehst...

Warum nicht? Ich mag seine Einstellung, sein Engagement für soziale Projekte. Klar, musikalisch... ich komme vom Punk und Metal. Aber Johny Cash war einer von denen, die damit begonnen haben. Für mich ist Johnny Cash einer der ersten Punks gewesen. So wie Mozart es in seiner Zeit war. Beide sind ihren Weg gegangen und mussten dafür einen hohen Preis zahlen. Legenden wie die beiden und viele andere auch haben ein hartes Leben. Stress, Arbeit, wenig Zeit. Zu Lebzeiten werden sie verkannt, im Nachhinein werden sie vergöttert. Beides zusammen gibt's nicht. Denk' an Hendrix oder Bob Marley. Aber nicht nur Musiker. Martin Luther King. Alexander der Große, sie alle mussten da durch. Man könnte es so sagen: dein Ruhm ist dein Untergang (your fame is your doom)-

Wow, Max!

Soulfly

Hehe, gefällt dir das?

Ja, das ist cool! Mach einen Song daraus!

Au ja, haha! Ja... es gibt das eine nicht ohne das andere. Joey Ramone musste das auch erleben. Du kennst sicher die RAMONES?

Ja.

Heutzutage ist er eine Legende. Damals, als wir in Brasilien fünf Shows mit den RAMONES spielten, erzählte er mir, dass sie in New York vor höchstens 200 Leuten auftreten. Keiner wollte mehr die RAMONES sehen, stell dir das mal vor! Die alten Punklegenden waren den Leuten egal, stattdessen sahen sie sich GREEN DAY an. Bei denen war die Hütte immer voll. Totaler Irrsinn ist so was!

Allerdings. Du, ich hätte da auch noch 'ne Frage zu eurem neuen Album...

Natürlich, bitte!

Im Pressezettel von Roadrunner wird "Conquer" mit einer Art Soundtrack für einen noch nicht gedrehten Film á la "Braveheart" oder "300" verglichen. Beide Filme zeichnen sich durch historisch weitgehend nicht belegte, teils eklige Gewaltdarstellungen aus. Was sagst du zu diesem Vergleich?

"Gladiator" passt da auch noch rein! Ja, die Filme gefallen mir. Der Vergleich gefällt mir auch. Auch wenn ich "Conquer" für weniger komplex als einen Soundtrack halte. Weißt du, es gibt so viele Schrottfilme, aber diese hier haben zumindest etwas historischen Bezug. Und diese Schlachtszenen- klar sind die brutal, aber die sind einfach toll gemacht. Ich schau' mir das gern an.

Ich auch, ja. Witzig wird's nur, wenn ich das jemandem erzähle, der weiß, dass ich Sonderpädagogik studiere. Die wenigsten können das verstehen und fragen dann, wie ich mir als Pädagoge so eine kranke Kacke antun kann.

Jeder Mensch hat seine zwei Seiten. Eine gute und eine böse. Du bist noch recht jung und hast deine beiden Seiten schon entdeckt. Das ist gut. Viele andere können ihre dunkle Seite nicht so einfach definieren und haben noch viel schlimmere Hobbys als sich brutale Filme rein zu zerren. Ich habe diese Filme mit meinen Kindern angeschaut. Wenn ich das erzähle, werde ich auch gefragt, was das soll. Man darf Kinder nicht unterschätzen. Das muss ich dir nicht erklären. Die können schon viel früher zwischen Wahrheit und Fiktion unterscheiden als wir Erwachsenen es glauben. Und da halte ich Filme wie "Gladiator" für wirklich unbedenklich. So was wie "Saw" macht mir da eher Angst.

Stimmt, das ist auch echt krank.

Ja, wir haben es zusammen angeschaut.

"Saw"!?

Genau. Und glaub' mir, meine Kinder werden nicht losziehen und Dinge anstellen wie der Typ in diesem Film. Im Film sehen sie was böse ist, was man nicht tun darf. So bleibt das Böse etwas Irreales. So lernen sie, zwischen gut und böse zu unterscheiden, Dinge zu reflektieren, sich bewusst für eine Handlungsalternative zu entscheiden. Was glaubst du, würde es bringen, wenn ich meine Kinder von allem Bösen in der Welt abschirmen wollte? Das geht gar nicht. Irgendwann würden sie es sich doch anschauen. Da ist es mir lieber wenn ich dabei bin als irgendwelche Typen, die ihnen erzählen, dass Mord und Gewalt cool sind.

Stimmt, durch Verbote werden Dinge für Kinder nur interessant. So war's bei mir mit Heavy Metal. MANOWAR, ALICE COOPER-

OZZY!

Klar, der sowieso! Meine Mutter war echt besorgt um mich. Was ich ja gut finde, im Nachhinein. Schließlich kümmern sich nicht alle Mütter so um ihre Kinder. Damals hat's genervt und ich fand Metal um so spannender.

Und letztendlich sitzen wir deswegen heute zusammen.

Ja. Meine gute Mutter! Irgendwann hat sie wohl gemerkt dass Metal mich nicht zu einem bösen Menschen macht. Mich würde in diesem Zusammenhang jedoch deine Meinung zu Kerry Kings "God Hates Us All"-Tattoo interessieren, er hat das großflächig auf dem linken Unterarm stehen.

Das ist eine gute Frage... ich weiß auch nicht, ehrlich gesagt. Wie du vielleicht weißt beschäftige ich mich viel mit Religion und bin ein sehr religiöser Mensch. Was ich jedoch ablehne, ja sogar verabscheue ist jede Form organisierter Religion oder allein der Versuch, Religion in Regeln zu fassen. Das Ziel hiervon ist früher oder später immer Menschen zu unterdrücken, zu manipulieren und ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die Menschen sollen gefügig gemacht und ihrer Individualität beraubt werden. Ordentlich aussehen, sonntags zur Kirche gehen- Schwachsinn! Wenn Gott uns so haben wollte, hätte er uns so gemacht. Hat er aber nicht, was also soll das? Schau uns an. Mit diesen Klamotten, langen Haaren- glaubst du, dass Gott einen Menschen nicht liebt, weil er keinem bestimmten Kleiderkodex entsprechend rumläuft? Bullshit! Ich sage dir was: ich werde nie aufhören, Metalshirts zu tragen, CARCASS, SIX FEET UNDER oder eben SLAYER, und das ist Gott völlig egal. Und wegen deiner Frage: vielleicht versteht Kerry diesen Spruch als Statement gegen die Kirche und den Papst? Dann wäre ich seiner Meinung, obwohl ich es anders formulieren würde. Ich weiß es nicht, ich müsste ihn das selbst fragen. Auch ich werde immer wieder gefragt, wie das für mich zusammenpasst, "böse" Musik zu spielen und an Gott zu glauben. Ich kann dazu nur sagen: für mich funktioniert es. Es funktioniert wunderbar, und das schon seit vielen Jahren. Ganz einfach.

Gut.

Klingt das logisch?

Nein, gut. Was heißt schon logisch? Wenn ich eine Sache nicht nachvollziehen kann heißt das nicht, dass es nicht sein kann. Manche Dinge, die ich nicht verstehe kann, ich zumindest als gegeben akzeptieren. Aber ich denke, ich verstehe das.

In Amerika versteht das kein Mensch. Für die gibt es nur Gott oder den Teufel, nichts dazwischen. Liebe oder Hass, schwarz oder weiß, sie kennen nur die Extreme. Dabei enthält alles Gute auch einen Teil Böses und umgekehrt. Das besagt das chinesische Yin-Yang-Symbol. Ich z.B. erlebe Gott als positiv, als spirituelle Hilfe im Alltag. Für mich persönlich kann ich sagen: Gott ist gut. Aber schau' dir die Welt an, schau' Nachrichten. Drei Viertel unseres Planeten sehen reichlich beschissen aus. Was tut Gott da? Oder tut er da nichts? Meint er es mit mir besser als mit anderen? Und wenn ja, warum? Das sind Fragen, die ich mir immer wieder stelle, die mich nicht loslassen...
Was mich rasend macht sind diese Arschlöcher von der "Born Again Christian"-Bewegung.
Bush gehört zu denen. Die erheben sich hochnäsig über alle anderen Menschen und halten sich für was besseres. Die glauben, dass jeder, der schlecht dran ist, das auch verdient. Als Strafe für irgendwas. Die haben nichts kapiert! Gar nichts! Wenn du die Bibel liest stellst du schnell fest, dass Jesus mit solchen Klugscheißern nichts zu tun hatte. Der war mit den kaputten Typen unterwegs. Huren, Betrüger, Mörder.

Apropos Mörder. In deinen Texten geht's oft um Gewalt, Hass, Aggression, Konfrontation usw. geht's hierbei auch um Kirche, Kapital, willkürlich agierende Machthaber?

Kann sein.

Kann sein?

Kann sein. Ich weiß es nicht. Es sind Gefühle, die aus mir herausplatzen, da ist sicher eine Menge Hass gegenüber diesen Typen, über die wir gesprochen haben, dabei. Leute, die sich Gott besonders nahe fühlen und sich hierbei immer weiter von ihm entfernen. Ich war zwei mal in einem sibirischen Kloster. Die Mönche dort, die sind nah bei Gott. Was glaubst du, was sie als erstes tun, wenn jemand zu ihnen kommt?

Den Gast begrüßen?

Hehe. Klar. Aber dann servieren sie eine heiße Suppe. Und das ohne dich erst anzuschauen, um sicher zu gehen, dass du ein guter Mensch und ihrer Suppe würdig bist. Das sind wahre Christen, die haben verstanden, um was es bei Gott geht. Denen ist es scheißegal ob du Bart, Bauch oder lange Haare hast. Die sind nah bei Gott, dem wahren Gott. Gott findest du nicht in der Kirche. Aber du kannst ihn in den Bergen von Sibirien treffen. Die leben ihre Religion. Wenn ich dann an dieser pädophilen Arschlöcher in der westlichen Kirche denke, die Kinder missbrauchen, dann könnte ich kotzen. Du kannst dir nicht vorstellen wie wütend es mich macht, wenn ich von solchen Fällen höre. Ich schätze dass viele meiner Texte von denen inspiriert sind.

Ich würde jetzt gern noch was zu den Gastmusikern fragen, die bei SOULFLY involviert sind. Neben verschiedenen Leuten von SLAYER, SLIPKNOT, MEGADETH usw. hast du auch schon mit Sean Lennon gearbeitet-

Soulfly

Sean ist ein toller Kerl! Wir haben uns in Australien kennen gelernt, im Flugzeug. Wir saßen uns am Gang gegenüber und ich sah, dass er malte. Ich fragte ihn, was er male und wir kamen ins Gespräch. Als wir uns vorstellten mussten wir beide lachen, weil wir schon eine Menge voneinander gehört hatten und die Musik des jeweils anderen kannten. Also fragte ich ihn, ob er einen Song mit mir aufnehmen wollte. Ich sagte, ich würde ihm seinen Hotelaufenthalt bezahlen, er solle nach Arizona kommen, das würde eine tolle Sache. Er stimmte zu, wollte aber nicht ins Hotel.

Sondern?

Zu uns nach Hause. Ich sagte ihm: "Sean, das willst du nicht wirklich. Wir haben 'ne Menge Katzen, Hunde und Kinder. Du kannst in diesem Haus kein Auge zu tun!"

Ein sehr lebendiges Haus also.

Ein lebendiger Alptraum, haha! Zumindest für Leute, die das nicht gewöhnt sind. Das war ihm aber egal, also kam er irgendwann an und blieb eine Woche. Wir waren zusammen im Zoo weil Sean sich sehr für Tiere interessiert. Als wir am Gehege des Schnabeltiers waren sagte er: "Siehst du, Max, auch Gott macht Fehler", haha! Das war eine sehr lustige Zeit. Zum Abschied hat er eine Wand in unserem Haus bemalt. Er ist sehr humorvoller Mensch und ein echtes Allroundtalent. Wie sein Vater.

Okay Max, unsere Zeit ist leider um.

Schon? Das ging aber schnell. Hat mich gefreut. (Auf deutsch:) Vielen Dank!

Ich danke!

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