
U.D.O. existieren seit 20 Jahren und haben seit Jahren ein stabiles
Line-up, bei dem die alten ACCEPT-Recken Udo Dirkschneider (Gesang) und
Stefan Kaufmann (Gitarre) das Songwriting und auch die Produktion in
den Händen halten. Zur Veröffentlichung des neuen Doppelschlages
"Mastercutor Alive" als Doppel-CD und pralle DVD bekam ich spontan ein
Interview mit Stefan, der noch in Nürnberg im Studio den Schnitt der
DVD überarbeitete, da die Band damit nicht zufrieden war. Ansonsten
macht ja Frontmann Udo Dirkschneider alle Interviews, so hat man mal
eine etwas andere Sicht auf die Band, da Stefan auch der Mann hinter
dem Mischpult bei der Band ist.
Hallo Stefan, wie kam ihr denn auf die Idee diese Live-Sachen heraus zu
bringen?
Wir dachten es wäre mal wieder Zeit so was zu veröffentlichen, zumal
wir noch keine richtige Live-DVD gemacht haben. Auf der DVD kommen zu
dem Konzert aus Tuttlingen ja noch Sachen aus Minsk und
Backstagesachen.
Die Live CD ist ja quasi das Beste von U.D.O. und ACCEPT. Wie habt ihr
da die Setlist zusammengesellt, durften da die Fans per Internet
abstimmen?
Wir haben einfach die Setlist von der aktuellen Tour
genommen und um eine Stunde verlängert. So eine Voting haben wir schon
auf der Tour gemacht und noch ein paar Klassiker mit reingenommen. Das
sind dann Songs, die einfach dazu gehören und wir haben ja echt viele
Sachen zur Auswahl und haben noch ein paar kleine Überraschungen
eingebaut.
Du bist ja der Mann für die Produktion und bist nun noch am
Schnitt der DVD am arbeiten. Was war denn mit dem ersten Schnitt?
Ich bin gerade in Nürnberg und mache den Schnitt von Tuttlingen komplett
neu! Da sind wir auch mit der Hälfte durch und das wird auch noch vier
Tage sicherlich dauern, dann wird das abgegeben damit die DVD nicht
allzu spät veröffentlicht wird. Die CD wird aber pünktlich erscheinen.
Du bist ja auch Produzent, früher schon bei ACCEPT, jetzt auch schon
länger bei U.D.O..Wie groß ist dein Einfluss auf Albumproduktionen?
Von der Produktion und der technischen Abwicklung an sich liegt
sicherlich ein großer Teil der Arbeit bei mir. Die Band hat sicherlich
da auch eine Mitsprache von der künstlerischen Seite, da arbeiten wir
dann gemeinsam. In meinem Studio produziere ich ja auch Bands und
Musik. Sachen, die gut sind und mir gefallen.
Musikalisch sieht es für mich aber so aus, als ob Udo und du die
Songwriter bei der Band sind!
Das stimmt, da haben wir uns
teilweise auch länger gegen gewehrt, aber das hat sich immer so
ergeben. Wir sind da schon eine demokratische Band und die anderen
Jungs können sich da auch einbringen und tun es auch. Es ist aber nicht
wichtig, wer was gemacht hat, wie schon damals bei ACCEPT. Am Ende
nehmen wir das Beste und dann ist es doch wieder eine Sache von uns
beiden (lacht). Manche Dinge ergeben sich einfach so!
Mir ist auch aufgefallen, dass ihr auch keine großen Line-upänderungen
hattet.
Ja, vor vier oder fünf Jahren ist unser
Schlagzeuger Lorenzo ausgestiegen. Der wollte einfach nicht mehr, das
wurde ihm zu viel mit dem Touren. Daraufhin haben wir den Marcello
kurzfristig für die Skandinavientour verpflichtet. Das hat dann so gut
geklappt, dass er einfach bei uns geblieben ist. Hätte Lorenzo nicht
gehen wollen, denke ich nicht, dass wir eine Besetzungsänderung in der
Band gehabt hätten!
Das merkt man ja auch euren Konzerten an, wo ihr euch als eingespieltes
Team präsentiert!
Das ist ja auch wichtig, um live spontan zu sein, oder mal ein Späßchen
zu reißen, das sieht man auch auf der DVD bei den Hintergrundszenen.
Wir kennen uns halt auch schon länger.
Bei Konzerten von U.D.O. fällt der verdammt laute, aber gute Sound auf.
Was macht ihr denn live, um den Fans die Ohren zu bürsten?
(lacht) Wir arbeiten seit Jahren mit
denselben Leuten, die auch ganz wichtig für eine Band sind. Die Fans
sehen halt oft nur die Band, aber diese Menschen sind für gute Konzerte
neben gutem Equipment auch ganz wichtig. Einen Mann aus der Crew, den
Lichtmann, mussten wir aus terminlichen Gründen von 1,5 Jahren zwar
austauschen, aber ansonsten sind das seit Jahren dieselben Leute. Da
muss man auf ein eingespieltes Team zurückgreifen.
In den letzten Tagen habe ich mir aufgrund des Interviews und der
Rezension der Live-DVD mal ein paar Livealben quer durch meine Sammlung
angehört und stellte mir dann wieder die Frage, was live ist und was
nicht. Ich denke eure 2CD ist eine tolle Best-Of-Sache. Wie siehst du
das Verhältnis aus Livesound und Nachbearbeitung?
Wir haben nichts nachbearbeitet. Das können die Leute nun glauben oder
nicht, im Endeffekt ist mir das sowieso egal. Das einzige, was wir
gemacht haben, ist die einzelnen Musiker und Instrumente so zu mischen,
dass sie im Einklang miteinander stehen. Dies ist bei 2,5 Stunden Musik
am Stück natürlich eine Menge Arbeit! Wir haben da nichts repariert
oder nachbearbeitet und das, was in Tuttlingen daneben gegangen ist, ist
am Ende auch noch drauf, sonst wäre es auch kein Unterschied zum Album.
Das ist dann halt live!
Recht hat der Stefan sicherlich nicht nur mit dieser Einstellung, auch
bei dem Thema Ansagen auf der Bühne kann ich dem Mann nur zustimmen:
Da brauchen wir gar nicht drüber zu reden, ich liebe Bands wie
RAMMSTEIN oder AC/DC die keine oder kaum Ansagen machen und nur die
Musik für sich sprechen lassen! Wir machen das ähnlich. Wir begrüßen
einmal die Leute, sagen vielleicht kurz zwei Ansagen zwischendurch mal was
und ansonsten ballern wir durch. Ich hasse manche Bands, sie labern wie
ein Wasserfall und es interessiert doch keinen wann und wie der Musiker
nachts das Lied geschrieben hat. Besonders manche Bands aus Amerika
übertreiben es in dieser Richtung tierisch, echauffiert sich Stefan
sicherlich nicht zu Unrecht, wenn ich an unseren Stand-up Comedian Joey
de M. denke!
In Sachen Fans hat mir mal jemand gesagt, das viele Bands bestimmte
Fangruppen haben, bei U.D.O. tippe ich da auf die Kategorie männlich
und über 25 Jahre.
Das kann man auf Deutschland und das umliegende Nachbarland teilweise
sicherlich sagen, aber im Ausland sieht da die Sache schon ganz anders
aus.
In Ländern wie Italien, Baltikum oder Russland kann das Verhältnis aber
70:30 oder 60:40 sein. Deutschland und die kälteren Länder wie
Skandinavien (lacht) sind dann halt mehr männlich.
Das sieht man halt auch auf der DVD, denke ich. Wie sieht es denn nun
mit eurem Plattenvertrag aus? 2007 kam noch eine Best Of bei AFM
Records heraus, eure Livesachen erscheinen nun bei Zyx. Seid ihr nun
nicht bei AFM unter Vertrag?
Da kann ich dir nun keine Antwort drauf geben! Das ist nicht, weil ich es nicht möchte, ich weiß
momentan nicht wie die Dinge stehen, da kümmert sich das Management
drum. Da gibt es sicherlich Verhandlungen, da werden noch Punkte
geklärt und ich denke das Management wird die beste Lösung sicherlich
finden! Wir haben ja unabhängig davon die Option Produkte bei anderen
Firmen zu veröffentlichen, die unser Label nicht machen will.
Wie sieht denn die nahe Zukunft von U.D.O. aus?
Wir werden lange touren und danach ein neues Album in Angriff nehmen, so dass ich bis Januar
ausgelastet bin. Das macht aber nichts, ich arbeite ja gern!
U.D.O. haben ein tolles Livepaket geschnürt, was sich kein Fan der Band
entgehe lassen sollte und ich freue mich jetzt schon auf das Album
2009. Hoffentlich kann ich den Haufen dann auch mal 2009 wieder live
erleben, bis dahin muss halt die DVD reichen!
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