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24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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HAGGARD
Alle vier Jahre wieder
Thorsten Dietrich
www.haggard.de


Im Sommer ist halt Festivalzeit, trotzdem mssen Interviews gefhrt werden, Hefte gedruckt und Gigs gespielt werden. Gerade so hat das Interview mit Bandkopf Asis Nasseri von HAGGARD geklappt, der sich bei einem Konzert in Tschechien durch einen Sto eine Knochenabsplitterung am Arm zugezogen hatte, so dass der arme Kerl im Krankenhaus liegt und wenn er noch mehr Pech hat, operiert werden muss. Dann von uns aus gute Besserung!
HAGGARD sind seit Jahren fr die Symbiose von Mittelalter, klassischen Elementen und Metal bekannt. Bandfotos sind immer Massenansammlungen, die Bhne ist immer voller Musiker und sogar im fernen Mexiko gab man schon bejubelte Konzerte. Neben Geschichte in der Vergangenheit ist das Thema der neuen Scheibe eine Fantasystory. Dabei ist fr mich nicht alles toll bei HAGGARD und ich habe deshalb Asis auch ein paar unbequemere Fragen gestellt abseits gngiger "Wischi Waschi"-Interviews. Auch wenn der Mann da sicherlich anderer Meinung war als ich, haben wir und dann aber doch nicht im Streit getrennt.

HAGGARD

Asis, vielleicht ist es schon eine abgedroschene Frage, aber wie bist du eigentlich auf den Namen HAGGARD gekommen und was bedeutet er?

Der Name HAGGARD entstand eigentlich durch Zufall, durch einen Fingerzeig in ein Wrterbuch mit verbundenen Augen (lacht). Der Name existiert seit 1989, und bedeutet so viel wie "wild" (altenglisch).

Die neue HAGGARD Scheibe ist ja diesmal eine Fantasykonzeptstory geworden. Ich dachte immer die historischen Themen seien ein Trademark von HAGGARD, wieso hast du das gendert und warum muss es dann gleich wieder eine Konzeptstory sein und keinen einzelnen Songs?

Nun, Konzeptalben sind fr mich attraktiver, da man Zeit hat, sich einem Thema intensiv zu widmen. Als Trademark wrde ich die historischen Themen nicht sehen, sie sind sicherlich optimal fr die Musik HAGGARDs. Ein weiteres historisches Thema wre etwas, was die Fans von mir erwarten wrden. Eine eigene Geschichte ist der logische nchste Schritt fr mich, wobei ich mir durchaus vorstellen knnte, wieder ber eine historische Person zu schreiben.

HAGGARD-Scheiben erscheinen im Schnitt alle vier Jahre, sind recht kurz ausgefallen fr solche Musik und bei Konzeptalben sind die Spielzeiten oft laaaang. Bist du so ein langsamer Songwriter und wieso ist bei 42 Minuten noch ein Coversong dabei, der fr meine Ohren gar nicht so richtig reinpassen will, auerdem hat der ja noch berlieferte Texte!?

Ja, ich schreib die Stcke nicht im Wochentakt, und ich fhle mich auch sehr wohl damit, etwas lnger zu brauchen, ich sehe ja, was dabei rauskommt, haha. Allerdings darfst Du dabei nicht vergessen, dass da ein paar Instrumente mehr dahinterstecken als zwei Gitarren, Bass, Drums und Gesang. Da sind noch Gesnge (Tenor, Sopran, Alt), Violinen, Viola, Violoncello, Harfe, Kontrabass, klassisches Schlagwerk, Oboe, Flten, Hrner und so weiter. Das braucht Zeit. 42 Minuten inklusive Coversong ist fr mich akzeptabel, es gibt gengend geile Alben, die knapp ber 30 min lang sind. Quantitt ist nicht gleich Qualitt. Zu den Coversongs "Herr Mannelig" (auf der "Eppur Si Muove" CD) und "Hijo de la Luna" (auf der "Tales Of Ithiria" CD) kann ich nur sagen, dass ich sie liebe und voll dahinter stehe. Es sind Traditionals, die seit Hunderten von Jahren existieren. Und das ist es wert, sie erneut zu interpretieren.

HAGGARD

Bist du einverstanden wenn man euch als Symbiose aus Metal, Klassik und Mittelalter bezeichnet und welche Musikrichtung davon sagt dir am meisten zu als Einfluss?

Ich bin damit absolut einverstanden, das ist auch die Bezeichnung, die ich whlen wrde. Die strksten Einflsse sind Metal (hre ich seit 22 Jahren) und Klassik (15 Jahre).

HAGGARD sind als Groband bekannt. Wie kann ich mir als Musikfan das vorstellen? Seid ihr immer so viele Musiker wie auf frheren Fotos oder ist das eine normale Metalband mit vielen Gastmusikern? Ich glaube in der Vergangenheit hattest du auch einige Umbesetzungen!

Ja, Umbesetzungen gab es, so ca. 75! Insgesamt waren bei HAGGARD bis jetzt ca. 80 Musiker, das ist eine ganze Menge. Die Besetzung ist konstant zwischen 14 und 17 Personen, allerdings wird jetzt auf bis zu 19 Musikern aufgestockt, da das neue Material bombastischer und epischer ist. Ja, Musikertechnisch wurde viel gewechselt, und die jetzige Besetzung stellt in meinen Augen das Optimum dar, vom Menschlichen und Musikalischen.

Musikalisch setzt du ja noch immer auf deine Grunzstimme, die ich fr recht eindimensional halte, hast du nie berlegt nur mit normalem Gesang bzw. Gastsngern zu arbeiten, da dies sicherlich auch zur Musik gut passen wrde oder siehst du das als Trademark der Band an?

Hrst Du Dir unsere CDs auch wirklich an? (lacht).Auf jeder CD singe ich viele Parts in meiner Singstimme, weiterhin haben wir mit Sopran, Tenor, Alt und Bass viele "normale" Stimmen dabei, und auch an Gastsngern mangelt es nicht.

Tja, ich dachte immer, der normale Gesang wre nicht von dir. Da bin ich nun etwas schlauer.

HAGGARD

Die "tiefe" Stimme ist ein Farbtupfer, genau wie alle anderen Elemente in HAGGARD. Da ich unsere Death Metal-Roots nie aufgeben bzw. verleugnen wrde, wird die tiefe Stimme auch konsequent weiter eingesetzt! Zu eindimensional kann ich nur sagen, dass jede Stimme auch Geschmackssache ist. Unsere Fans wrden die Hnde ber den Kopf zusammenschlagen, wenn auf einmal eine Power Metal-Stimme oder etwas hnliches die Leads singen wrde.
Da wrde der "Schne-und-das-Biest-Effekt" in sich zusammenfallen, glaub mir. HAGGARD ist alles andere als eine "normale" Metalband, und darauf bin ich extrem stolz!

Wie sieht es eigentlich mit Songwriting, Proben bei HAGGARD aus bzw. wie luft das bei euch ab?

Das Songwriting kommt von mir, Proben finden durchschnittlich einmal die Woche in unserem Proberaum statt.

Irre ich mich, oder sind HAGGARD die letzten Jahren recht wenig live aufgetreten? Zu eurer Live-DVD aus Mexiko habe ich in einer Zeitschrift recht bse Leserbriefe gelesen, wo behauptet wurde Bild und Ton stammen von verschiedenen Orten. Erzhl doch mal was darber!

Ja, livetechnisch haben wir uns rar gemacht, dafr spielen wir jetzt um so mehr. Wir sind 2001 nach Mexiko geflogen, um Konzerte zu spielen und die DVD aufzunehmen,. Die mexikanische Crew hat das mit dem Ton nicht so wirklich hinbekommen. Da wurde dann "overdubbt" was ging.

In den letzten Jahren sind sogenannte Pagan Metaller, Folk Metalbands und Mittelalter Combos teilweise sehr erfolgreich geworden. Der derzeitige Trend ist ja Old School Thrash. Du bist ja schon recht lange dabei, wie siehst du die aktuelle Metalszene?

HAGGARD

Ja, Mittelalter, Folk und Pagan sind schon zig Jahre ein Trend. Wie bei jedem Trend sind immer eine Menge qualitativ sehr guter Bands dabei (meist die, die den Trend starten), und die, die diese Bands kopieren. Ich stehe total auf Old School Death oder Thrash Metal. Ich denke, dass alle Trends "rotieren", also dass sie - wann auch immer - wieder auftauchen werden. Das ist klasse, gerade, weil jeder Trend fr die nachkommende Metalgeneration ja "neu" ist.

Auf deiner Scheibe spricht ja Mike Terrana mit toller Erzhlstimme. Der ist doch sonst nur Mietdrummer und hat glaube ich bis jetzt nur auf einer RAGE-Platte und Victor Smolksi Scheibe eine Sprechrolle gehabt, bist du so auf ihn gekommen?

Oh-Ohhh... Mietdrummer... ich mag das Wort nicht. Mike ist ein exzellenter, talentierter Drummer und auch menschlich sehr sympathisch. Ich hab ihn mal kurz auf einem Soloalbum von Victor gehrt (das ist Jahre her), und mir gedacht, dass - falls ich jemals einen Sprecher fr HAGGARD bentigen wrde - Mike meine erste Wahl wre.

Das ist der gute Mike auf jeden Fall, der knnte Hrbcher locker einsprechen mit der Stimme.

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