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23. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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CATARACT
Die Zeit ist knapp
Thorsten Dietrich
www.cataract.cc


Eine harte Metalband aus der Schweiz ist fr meine Ohren recht selten in der Masse von Hard Rock- und Melodic Metal-Combos, die jedes Jahr in unserem Magazin auftauchen! CATARACT sind schon zehn Jahre dabei und haben fnf Alben drauen. Schlagzeuger Patrick "Ricky" Drst gab detailliert Auskunft.

Das haben bestimmt schon viele gefragt, aber wie kommt man denn als Metalband auf die Idee einen medizinischen Fachbegriff wie CATARACT als Bandnamen zu nehmen?

Cataract

Wir haben den Namen (wie's halt so ist) vor allem genommen, weil er gut klingt und auch weil er nicht direkte Schlsse auf die Musik zulie. Darauf gekommen sind wir ber einen Kumpel, der in solchen Belangen schon die halbe Schweiz mit Bandnamen versorgt hat, und er hatte CATARACT von einer 7" der Kanadier STRAIN, die Anfang der 90er schon sehr visionr schwere Metal-Einflsse in die Mucke eingebaut hatten. Passte also perfekt zu unseren Plnen... im Nachhinein haben wir dann natrlich auch rausgefunden wofr der Namen steht, wobei ich nicht mal die Augenkrankheit als primre Definition fr uns sehe, sondern die zweite Bedeutung - Wasserfall. Es gibt brigens von HR Giger ein so benanntes Bild, das sollten wir mal klauen...

Seit einigen Jahren werden nicht mehr nur Debtalben bei Metalbands selbstbetitelt oder quasi ohne Namen gelassen, sondern auch das zweite Album wie bei CROWBAR damals oder einfach Album Nummer fnf wie bei euch. Wieso habt ihr das so gemacht?

Unterm Strich hatten wir bei diesem Album mehrere Grnde. Einer war sicher, dass es sich um ein "Jubilumsalbum" handelt (10tes Bandjahr) und auch, dass es bereits der fnfte Longplayer fr uns ist. Der wichtigste Grund war aber sicher, dass wir in der Band einige Wechsel hatten, Simon, der mit mir und Greg die Band gegrndet hatte, hat uns verlassen, um andere Ziele zu verfolgen und damit war einer der beiden Songschreiber weg. Wir holten also Tom Kuzmic an Bord und der brauchte natrlich erstmal Zeit um sich in unseren Sound einzuleben - ist ja ne ziemliche nderung zu seiner zweiten Band DISPARAGED. Um ne lange Geschichte kurz zu machen, fr uns war dieses Album wie ein neuer Start, der Sound hat sich einiges weiterentwickelt und Bandintern hatten wir wieder die Ruhe, um uns auf die Musik zu konzentrieren - und diesen Neustart wollten wir mit dem selbstbetitelten Album verdeutlichen.

In letzter Zeit waren bei CATARACT doch recht viele Besetzungswechsel an der Tagesordnung, die ich gar nicht mal so rekapituliert bekomme. Was war denn los bei euch und was hat sich nun in Bezug auf das Songwriting und die Band an sich gendert?

Ja, da war so ab Herbst 2006 dauernd was los, was leider nicht sehr frderlich fr uns war. Zuerst haben wir Michael mit Kay am Bass ersetzt, dann nahm Simon Anfangs 2007 die Mtze und im Sommer 2007 mussten wir dann Kay raus schmeien, den haben wir dann Anfangs 2008 mit Nico Schlpfer ersetzt. Jetzt denke ich aber haben wir ne stabile Konstellation und die sollte nen Weilchen so bleiben. Wie schon angesprochen, musste sich Tom erst mal in unsere Mucke einleben, und da wir nicht noch mehr Zeit verlieren sondern loslegen wollten, gab es die wohl intensivsten Proberaum-Wochen in der Geschichte der Band. Die meisten Songs stammen aus Gregs Feder wobei ich sagen muss, dass Tom einen fantastischen Job als "Executive Producer" gemacht hat (lacht). Er hat jedem Song noch was mitgegeben und so entstand eigentlich fast jeder Song beim Jammen im Proberaum, wir lieen die Tracks organisch wachsen und haben keinen davon in irgend ne Richtung gedrngt. Greg und Tom haben sich fantastisch ergnzt und zum Schluss kam Tom dann auch mit kompletten eigenen Songs an.
Die Strukturen in der Band haben sich nun wieder gesetzt, wir hatten uns ein wenig neu organisiert und das ganze musste sich dann erst einlaufen. Es funktioniert mittlerweile ganz gut, so dass wir uns wieder voll auf die Musik konzentrieren knnen.

Euer neues Album sehe ich als Bastard aus Death Metal, Hardcore und Thrash. Ihr wollt wohl in keine Schublade passen und seid dadurch recht vielseitig. Knnt ihr es verstehen wenn manche euch als Metalcore-Band bezeichnen oder ist das mittlerweile ein Schimpfwort fr euch?

Ich denke du siehst das ganz richtig mit deiner Beschreibung, denn eigentlich ist es egal, ob uns jemand in die Schublade packt oder nicht. Als wir vor zehn Jahren gestartet haben, nahmen wir und andere Bands wie eben HSB, CALIBAN, LIAR (BE), DAY OF SUFFERING etc. den Begriff gerne in den Mund, da er unseren Stil grob umriss und den Kern der Sache getroffen hat - es haben sich zwei Welten getroffen und das Resultat davon passte weder in die klassische Metalkiste noch in die Hardcoresparte. Du siehst es aber ganz richtig, dass der Begriff mittlerweile ne negative Schlagseite hat und viele Leute davon abhlt, eine Band wie uns mal anzuhren. Ich kann es niemandem belnehmen, denn was mittlerweile alles unter dem Banner verkauft wird, treibt einem die Galle in den Mund - es fehlt nur noch ein TV-Format, in dem eine Metalcore-Band zusammen gecastet wird.

Aus der Schweiz kenne ich viele Hard Rock- oder Melodic Metal-Bands. Fr richtig derben Metal ist die Schweiz kein Synonym. Woran knnte das liegen und wie sehr ihr das Ganze?

Ich denke das hat sicher damit zu tun, dass Schweizer Bands irgendwie zwischen den Sthlen sitzen wenn es um den Status geht. Wir sind irgendwie exotisch, haben aber nicht automatisch ne Position wie z.B.. ne Amiband sie in Deutschland geniest. Andererseits genieen wir nicht die Vorteile, die eine deutsche Band im eigenen Land hat. Wir knnen hier zwar durchaus beachtliche Gre erreichen, es reicht aber noch lange nicht, um damit ber die Runden zu kommen. Ich muss aber sagen, dass Bands wie CELTIC FROST, SAMAEL, CORONER international einen sehr guten Namen haben, und die eine oder andere Kultcombo wie MESSIAH, FEAR OF GOD, CALHOUN CONQUER oder DRIFTER haben wir auch noch auf Lager. Und was die aktuellen Combos angeht - da kann ich mir nicht recht erklren, wieso dass Bands wie KRUGER, REQUIEM, MUMAKIL (die eben auf Relapse gelandet sind), DISPARAGED und wer wei ich noch alles nicht greren Bekanntheitsgrad genieen, denn die brauchen sich hinter niemandem zu verstecken.

CATARACT sind als Combo bekannt, die viele Gigs spielt. Ist das mit den Jahren immer noch schn, oder habt ihr schon mal die Schnauze voll davon?

Wir haben das "Handicap", dass wir mehr oder weniger normale 100% Jobs haben, so knnen wir nicht so viele Shows spielen wie wir gerne mchten. Wir hatten nach dem Release der "With Triumph Comes Loss"-CD fast eineinhalb Jahre lang jedes Weekend Konzerte und da musste ein Stopp her. Ein bisschen Freizeit muss einfach sein, sonst macht es irgendwann keinen Bock mehr, ich bin mehr oder weniger direkt vom Job zum Proberaum gefahren, dort den Bus vollgepackt, und ab auf die Autobahn. Am Sonntag dann wieder zurck, gerdert ins Bett und um 6 wieder raus zur Arbeit. Auf die Dauer ist das nichts. Wir haben dann gebremst mit den Shows und spielen nun in der Regel 2-3 Weekends pro Monat im Ausland. Dieses "Handicap" hat aber den Vorteil, dass ich mich auf jede Show freue, denn die Shows sind willkommene Abwechslung zum Alltag; weil das ist einer der Grnde, warum ich in ner Band spiele, um rumzukommen, neue Leute und Bands zu treffen etc. Das macht auch nach zehn Jahren immer noch Spa. Vor allem wenn man Leute trifft, die man sonst nie sieht oder die schon seit Jahren immer wieder mal auftauchen.

Cataract

Wenn ich ehrlich bin, habe ich nur ein Problem mit euch - der Gesang! Das ist mir dann doch zu austauschbar und hnelt anderen Bands mit hnlicher Musik. Wre es da nicht mal gut sich etwas weiter zu entwickeln und vielleicht sogar mehr Melodie reinzubringen, ohne gleich wie eine Emoband zu klingen?

Uh, Melodie. Kommt halt drauf an. Ich knnte es mir denken im Rahmen eines "alten" James Hetfield oder Chuck Billy, die immer noch shouten... im Rahmen von cleanem Gesang a la 08/15-Metalcore wrde ich mich quer stellen, ich kann damit nicht viel Anfangen. Ich mag klassischen Metal-Gesang wie bei CANDLEMASS, AGENT STEEL, HELSTAR oder eher gewagte Stimmen wie bei Bluuurrrggghhh oder KING DIAMOND, so was wrde aber nicht zu unserem Sound passen. Und was sich da seit FEAR FACTORY alles eingebrgert hat als Wechselgesang, nicht mein Ding. Ich denke Fedi hat ne sehr kraftvolle Stimme und es hngt sicher an ihm, wie viel er da ndern mchte. Wir werden Tom (der bei DISPARAGED den Gesang besorgt) in Zukunft mehr einbringen in die Songs und so mehr Abwechslung bieten. Das wird dann eher Richtung Death Metal gehen von der Stimme her... aber dass der Gesang sich grundlegend ndert sehe ich nicht, es wird weiterhin brutal bleiben.

Habt ihr das Gefhl, dass die Hrer auf eure Texte wert legen, oder achten diese mehr auf die aggressive Musik. Was habt ihr da fr Erfahrungen gemacht?

Ich muss ehrlich sagen dass ich da von den Reaktionen nicht viel mitkriege. Ich wei, dass sich ab und zu Leute genauer nach den Texten, respektive deren Bedeutung erkundigen und wir kriegen auch fter Rckmeldungen von Fans, die ihre Zustimmung kundtun, die eigene Meinung dazu uern oder andersweitig zu erkennen geben, dass sie sich damit auseinandergesetzt haben. Ich denke wir knnen davon ausgehen, dass die Mehrzahl unserer Hrer sich abwenden wrde, htten wir pltzlich nichtssagende oder z.B. rassistische Lyrics.

Von euch gibt es ja auch Videoclips. Sind diese heutzutage deiner Meinung nach sehr wichtig oder gar ein Muss, um als Band im Netz und auf DVD-Samplern prsent zu sein? Das Fernsehen sendet in unseren Breitengraden so was schon lnger nicht mehr.

Wir sind grade dran, uns auf einen Videodreh vorzubereiten, der dient aber vor allem der Selbstpromotion und ich mchte schon fast sagen wir machen den vor allem aus Spa. Denn es ist tatschlich so, dass die Programme, die solche Clips zeigen, immer weniger werden, und das wird sich in naher Zukunft auch nicht ndern. Ich sehe es einerseits einfach als nettes "goodie" fr die Fans und andererseits als eine Mglichkeit, die Band selbst zu promoten; sei das ber das Netz und die gngigen Medien wie Youtube, Myspace, Homepage...

Viele Bands haben durch die allgemeinen Lage Probleme als Profimusiker zu leben und haben oft mehr als einen Job um ber die Runden zu kommen. Wie kommt ihr klar und wie sieht es mit Jobs innerhalb und auerhalb des Musikbusiness aus?

Wie oben erwhnt, bei uns haben drei von fnf Nasen nen 100% Job und bei zweien sieht es so aus, dass die das Studium bald abschlieen oder wieder aufnehmen. Die zwei Arbeiten dann aber nebenbei Teilzeit oder machen Gelegenheitsjobs, um an die ntige Kohle zu kommen, um hier die Rechnungen zu zahlen. Wir sind weit davon entfernt, von der Band leben zu knnen, es wre schn aber in der aktuellen Situation wrde das bedeuten, dass wir dauernd Konzerte spielen und jeden Euro zweimal umdrehen mssten um einigermaen ber die Runden zu kommen. Da treten wir lieber einen Schritt krzer und machen das ganze weniger intensiv, haben dafr Spa an der Sache und knnen nebenbei unsere Rente sichern fr den Fall, dass wir's mal nicht mehr auf die Bhne schaffen!

Interessante Aussage, die vielleicht einige Leser bei einer Band mit dem Status von CATARACT nicht erwartet haben! Es ist halt nicht so einfach im Musikzirkus und harte Arbeit!

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