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21. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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Perzonal War
Einfach Bock auf Metal!
Thorsten Dietrich
www.perzonalwar.de


Perzonal War aus dem Bonner Raum spielen seit Jahren gute Platten ein und auch die neueste Scheibe Bloodline ist ein wirklicher Kracher. Frontmann und Gitarrist Matthias Zimmer stand mir auskunftsfreudig zur Verfgung. Fragen kann man bei der Band ja genug. Neue Platte, neues Lineup, neue Gste. Aber lest selber.

Die neue Scheibe ist fr mich einfach unglaublich vielseitig und nicht in eine Schublade passend, war das so gewollt?

Nein, wirklich vorgenommen haben wir uns das nicht; die Vielseitigkeit hat sich einfach ergeben. Mit der letzten Scheibe When Times Turn Red haben wir wirklich versucht, ganz bewusst von der Metallica Schiene wegzukommen und das wurde seitens Presse und Fans auch honoriert. Beim neuen Album haben wir also einfach drauflos gezockt, ohne uns darum zu scheren, was letztendlich dabei herauskommt. Wir wussten, dass wir eigenstndige Songs schreiben knnen, warum sollten wir uns also nicht einfach ein bisschen weiter aus dem Fenster lehnen. Letztendlich ist es am wichtigsten, dass Du als Musiker bzw. als Band zufrieden bist und das trifft zu 100% zu. Ich denke, wir haben unseren eigenen Stil gefunden, ohne dabei unsere Wurzeln zu vergessen und wir knnen mit dieser Entwicklung sehr gut leben.

Frher wurdet ihr als Metallica Clones verschrien, heute lese ich ihr bietet euch jedem Metalstil an. Man wohl der Presse nicht alles recht machen, kotzt dich so Geschreibsel an?

Ganz ehrlich geht mir das mittlerweile am Arsch vorbei; man sieht teilweise wie intensiv sich manche Redakteure mit einer Band oder einem Album beschftigen und da wird man dann ganz schnell in die erste Schublade gepackt, die greifbar ist. Man kann es nicht jedem Recht machen und die verschiedenen Leute finden auch Gefallen an verschiedenen Facetten der Band. Manche stehen nur auf unsere schnellen, brutaleren Nummern; andere auf die melodischen Songs oder die Groove-Songs. Ich kann nur sagen, dass wir von Anfang an versucht haben, so abwechslungsreich wie mglich zu klingen, ohne jedoch den roten Faden zu verlieren. Letztendlich ist das natrlich alles eine Frage des Geschmacks, aber ich finde unsere Weiterentwicklung vllig nachvollziehbar.

Im Moment seid ihr zu zweit, auf der CD zu dritt und noch frher waren es auch mehr. Was ist los bei euch und werdet ihr die Band wieder auffllen?

Perzonal War

Die Band ist mittlerweile wieder komplett. Leider hat es bei uns im Line Up ein bisschen gerappelt. Man muss einfach sagen, dass es immer schwieriger wird eine Band, die einen gewissen musikalischen Level erreicht hat, neben Job, Family und sonstigen Verpflichtungen aufrecht zu halten. Eine Band bedeutet nicht nur Spa und Saufen, sondern viel Arbeit und auch eine Menge investierte Zeit. Und da es einfach unmglich ist bei einem vergleichbaren Status wie bei uns, sein Geld mit Musik zu verdienen, muss das parallel funktionieren. Sascha und Sven hatten einfach keine Lust mehr, die Zeit und Power in die Band zu investieren, und das ist auch vllig ok und verstndlich, leider bremst so eine Einstellung und beide waren so fair uns dies ganz offen und ehrlich zu sagen. Dennoch war es fr uns sehr schwer, denn immerhin haben wir extrem lange im gleichen Line Up musiziert und besonders auf persnlicher Ebene ist es sehr schwer, nach dieser langen Zeit diese Lcke mit neuen Leuten zu fllen. Mit Bjrn, der uns auch schon auf der Tour mit Destruction und Candlemass ausgeholfen hat und Daniel haben wir zwei hochmotivierte, nette und auch spieltechnisch absolut fitte Leute an Bord und wir freuen uns, dass die Maschine so langsam wieder ins Rollen kommt. Wir wnschen Sascha und Sven auf jeden Fall alles Gute; Sven wird uns auch weiterhin als Aushilfsbasser erhalten bleiben, wenn Bjrn mal verhindert sein sollte. /p>

Eure Videos wie "MY SECRET" sind echt gut gemacht, auch das neue "Utopia", wobei das ja sehr krass ist und sicherlich nicht im Musik TV luft. Wie kam es zu solch einem brutalem Clip und wie sind bis jetzt die Reaktionen?

Der Clip ist wirklich starker Tobak. Die Idee stammt von Regisseur Burkhard Schmitz, der sich fr den Dreh und den Schnitt verantwortlich zeigt. Die Reaktionen sind bisher zum grten Teil positiv, manche finden die Idee allerdings zu krass, was ich aber auch vllig nachvollziehen kann. Es macht nicht wirklich Spa sich den Clip anzugucken; wenn man aber bis zum Ende durchhlt, wird die Message des Ganzen, glaube ich, sehr klar. Und das Ganze ist natrlich in keinster Weise als gewaltverherrlichend zu sehen, im Gegenteil. Beim Dreh des Clips ist uns aber auch ein wenig mulmig geworden, weil die Schauspielerin die Umsetzung so tuschend echt gespielt hat: Starker Tobak mit ebenso starker Message.

Auf eurer neuen Scheibe sind ja recht viele Gastmusiker. Ein Promoter aus der Metalszene sagte mir heutzutage brauchen das viele Bands um Aufmerksamkeit zu erhalten. Wie denkst du ber diese Sache und wie kam das bei euch?

Die Idee mit den Gastmusikern kam uns in einer Zwangspause. Ursprnglich sollte das Album wesentlich frher verffentlicht werden; das ging allerdings nicht mit dem Verffentlichungsplan von AFM-Records konform, wodurch wir notgedrungen Lehrlauf hatten. Wir berlegten also, wie wir die Zeit sinnvoll nutzen knnten; nderten einige Songs ab, schrieben den Song Evolution und berlegten, ob wir nicht noch ein paar befreundete Musiker fragen sollten. Zu allen beteiligten Muckern haben wir einen sehr guten Kontakt und wir freuten uns sehr, dass alle direkt mit dabei waren. Jeder Beteiligte spielt eine Rolle in der Entwicklung von Perzonal War, sei es als musikalischer Einfluss oder auch als Freund und fr uns ist natrlich auch ein kleiner persnlicher Traum in Erfllung gegangen, mit so coolen Leuten zusammenarbeiten zu drfen. Aber ein reines Verkaufsargument sind die Gastbeitrge nicht; natrlich wrde es uns freuen, wenn auch Fans der beteiligten Bands mal in die Scheibe reinhren wrden. Letztendlich bedeuten die Gastbeitrge fr uns persnlich aber am meisten.

Perzonal War

An der Livefront seid ihr eher mit Einzelgigs vertreten, liegt das an euren Jobs wie dem Studio eures Drummers?

Wir werden sehr oft gefragt, warum wir nicht viel mehr touren. Ganz einfach: Es ist zu teuer! Wir wrden sehr gerne mehr und fters unterwegs sein. Als Headliner bringt Dir das in unserem Status aber nicht viel und als Support fr grere Acts, musst Du das Ganze erstmal finanziert bekommen. Wenn Du diese Untersttzung seitens Label oder Agentur nicht bekommst, ist das fast unmglich. Es ist natrlich schade, denn Angebote tun sich immer wieder auf. Und wenn Du das Angebot hast mit einer geilen Band eine Tour zu zocken; es dann aber am Finanziellen scheitert, ist das schon ein wenig frustrierend. Aber natrlich muss man das Ganze auch mit dem Job koordiniert bekommen; endlosen Urlaub bekommt man ja leider nicht (lacht)

Das Artwork eurer CD ist echt abgefahren , erzhl uns doch etwas mal darber!

Ja, das Artwork gefllt uns sehr. Die Illustrationen hat meine Freundin, die als Illustratorin ttig ist, gemacht. Wir haben uns zusammengesetzt und Gedanken darber gemacht, wie man die Textinhalte am besten illustratorisch darstellen kann. Herausgekommen ist dann diese comicartige Variante, die schn rau rberkommt. Uns gefllt das sehr, weil es eine Menge Ecken und Kanten hat und einfach gut zur Musik der Band passt.

Stichwort Optik. 1999 habe ich euch mal live gesehen alle mit Matte (glaube ich). Auf My Secret seht ihr aus wie eine Alternative Rock Band und mit furchtbaren Brillengestellen. Jetzt hast du wieder etwas Matte. Wie wichtig ist fr eine Thrash Band das Outfit und wie sehr seid ihr Thrash?

ber die Optikfrage habe ich schon so oft mit Metallern diskutiert, viel wichtiger als den optischen Faktor finde ich die Einstellung. Man sieht doch, ob eine Band motiviert auftritt und Bock auf das hat, was sie macht und nur lange Haare reichen da in meinen Augen nicht aus. Warum muss gerade im Metal so viel reglementiert werden? Die ganze Szene ist aus einer rebellischen Grundeinstellung heraus gewachsen; wenn man dieser Sache optisch nicht entspricht wird man schon direkt als trendy oder nicht Metal angesehen; vlliger Bldsinn. Metal hat fr mich in erster Linie etwas mit Spaߓ und Dampf ablassen zu tun und das besonders als Gegenpol zur Arbeit. Und das mache ich so, wie ich Bock darauf habe und meine Haarlnge ist dabei eigentlich ziemlich wurscht. Ich denke, jeder sollte das so machen, wie er es fr richtig hlt.

Eigentlich hat er recht. Das sollten wir uns wohl alle mal wieder vor Augen fhren.

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