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18. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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ELVENPATH
Die Huldigung an Quorthon
Matthias Decklar
www.elvenpath.com


Die Band aus dem Groraum Frankfurt machte bereits vor einiger Zeit mit dem Vorab-Demo ihres neuen Albums "Spyrol" auf sich aufmerksam und prsentierte drei Songs als Geschmacksanreger fr das gesamte Werk. Alle True und Power Metal Fans drften mit der gerade verffentlichten Eigenproduktion mehr als zufrieden sein. Schn, dass der deutsche Underground lebt und dass es Menschen wie ELVENPATH Mastermind Till Oberboel gibt, der den mageblichen Anteil an Songwriting und an den Texten der Hessen hat. So nahm er sich auch Zeit fr unsere Fragen.

Hi Till,
erzhl unseren Lesern doch zunchst mal das Wichtigste ber die Band und was bis "Spyrol" bisher bei euch gelaufen ist.


Hallo allerseits, Elvenpath gibt es etwa seit Anfang 2002. Wir kommen aus Frankfurt, spielen Power Metal und haben bislang zwei EPs verffentlicht ("2002" und "Gateways"). "Spyrol" ist unser erstes volles Album. Wir spielen gerne live und durften nebst allerlei guten Undergroundbands die Bhne bislang u.a. mit Sabaton, Majesty, Wizard, Accuer und Sacred Sin teilen, und 2006 waren wir mit Skyclad auf Tour. Die aktuelle Besetzung besteht aus Tim am Mikro, Cris am Ba sowie Anastasia und mir an den Gitarren. Dem aufmerksamen Leser wird auffallen, da hier kein Drummer aufgezhlt ist, ein solcher fehlt uns in der Tat leider zur Zeit. Mehr Infos aller Art findet man unter www.elvenpath.com und www.myspace.com/elvenpathmetal. ELVENPATH

Habt ihr schon einmal Probleme damit gehabt, dass man euch aufgrund des Bandnamens eher in Richtung EDENBRIDGE oder NIGHTWISH stecken wollte?

Probleme wrde ich nicht sagen. Wir haben unseren Namen ja bei Nightwish geklaut, und tatschlich kann man in vielen Reviews nachlesen, da der Journalist zuerst an eine Symphonic oder Gothic Metal-Band dachte. Und mitunter kommts auch mal vor, da jemand Elvenpath und Edenbridge verwechselt. Aber sptestens wenn die Musik luft, merkt der Hrer wohl, da wir mit solchen Bands stilistisch kaum etwas gemeinsam haben.

Das neue Album ist nun seit einigen Wochen drauen. Seid ihr mit den Resonanzen und mit dem Absatz zufrieden?

Bislang kann ich dazu noch nicht viel sagen, wir haben erst ein paar Reviews bekommen, aber die sind soweit positiv. Und die Verkufe gehen auch so langsam los. Ich glaube, wenn der Bandname etwas mehr in der Presse steht, werden auch noch mehr Leute auf uns aufmerksam. Aber wir erwarten ja auch keine Rekordverkufe. Wir sind uns bewut, da der Markt wirklich voll ist, insofern sind wir auch mit kleineren Verkaufszahlen durchaus zufrieden.

Euer Songmaterial ist zum Groteil sehr traditionsbewusst und man merkt deutlich, dass du die groen Bands wie JUDAS PRIEST, IRON MAIDEN oder VIRGIN STEELE studiert hast. In wie weit sind ELVENPATH eigenstndig, was macht euch aus?

Wir haben nie bewut versucht, originell zu sein. Wir wollten immer einfach nur die Musik machen, die wir mgen melodischen, traditionellen Power Metal. Allerdings hat sich bei uns schon ein gewisser Stil herauskristallisiert. Die hufig etwas lngeren Songs mit verschiedenen Parts und insbesondere bei den neueren Stcken immer mehr Gitarrenspielereien, das kann man mittlerweile schon als Elvenpath-Markenzeichen bezeichnen, glaube ich. Allerdings bin ich mir natrlich bewut, da es in diesem Musikbereich schwierig ist, wirklich einen komplett eigenstndigen Stil zu entwickeln. Wir verndern uns ja auch immer ein wenig. "Spyrol" hat eine grere stilistische Bandbreite als "Gateways", da sind Sachen drauf, die wir vor ein paar Jahren noch nicht gemacht haben. So ndert sich unsere Musik doch immer mal ein bichen, aber das Grundgerst bleibt gleich. Ich glaube, so bleibt es fr uns wie auch fr die Hrer interessant, trotzdem bewahren wir uns unsere eigene Identitt.

Neben den verdammt starken Nummern "Priest Of War" und "Angel Of Fire" sticht natrlich die Quorthon gewidmete Powerballade "Northern Son" deutlich hervor. Auer der Anregung, dass ich den Refrain schleunigst auf einem T-Shirt haben mchte, der Bemerkung, dass die Wortspiele im Songtext genial sind und ich den Song total liebe, htte ich gerne die Entstehungsgeschichte dieser Hommage von dir gehrt.

Danke, danke, danke! Bathory waren eine der ersten Metalbands, die ich gehrt habe, und ich habe sie vom ersten Ton an hei und innig geliebt. Das war damals, als "Twilight of the gods" rauskam und ich als junger Nachwuchsbanger stndig neue Bands kennenlernen wollte, ich hrte dann auch mal in das Album rein und war sofort wie weggeblasen. Eine solch epische, dramatische Scheibe hatte ich noch nie gehrtnatrlich mute sofort das karge Taschengeld investiert werden. Kurze Zeit spter kam noch "Hammerheart" dazu, und Bathory waren eine meiner absoluten Lieblingsbands, deren Alben ich stndig rauf und runter hrte. Ich habe Quorthon fr sein immenses musikalisches Talent immer sehr bewundert. Deshalb war ich auch unheimlich schockiert, als er so pltzlich starb. Ich fhlte mich, als htte ich einen engen Verwandten oder guten Freund verloren. Quorthons Musik bedeutete mir immer so viel, hatte mir durch viele schwierige Situationen im Leben hindurchgeholfenund pltzlich war er tot. Ich mute diese Trauer irgendwie kanalisieren, und ich wollte ihm ein Denkmal setzen, sein Andenken ehren, und ihm vielleicht etwas davon zurckgeben, was seine Musik mir gegeben hat. Ich wollte aber nicht einfach einen Bathory-Song covern, lieber einen Song schreiben, der ein wenig den Geist Bathorys transportiert und hoffentlich Quorthons wrdig ist. Deshalb das epische Feeling in dem Song und die Verwendung der ganzen Songtitel. Bislang gab es noch wenig Rckmeldungen zu dem textlichen Inhalt des Songs, aber deine Worte zeigen mir, da es noch mehr Fans gibt, die hnlich empfinden wie ich. Lat uns Quorthons Andenken ehren und Bathory am Leben halten, hail! ELVENPATH

Ich finde, "Late At Night" klingt gegenber den anderen Songs sehr kommerziell. Nicht, dass ich etwas dagegen htte, denn meine Lieblingsschweizer von EMERALD fahren ja ein hnliches Rennen. Absicht oder Kalkl?

Dazu kann ich nichts so genaues sagen, denn der Song ist ohne mein Zutun entstanden, ich habe nur nachtrglich den Text geschrieben. Die anderen Jungs haben den Song damals spontan whrend einer Probe, bei der ich nicht anwesend war, geschrieben, insofern war das wohl eine ziemliche Geschichte aus dem Bauch heraus, so da man nicht von Kalkl sprechen kann. Der Song ist ja auch relativ vielschichtig und teilweise auch nicht gerade eingngig. Ich bezweifle allerdings, da es weiterhin solche Stcke von uns geben wird, da unser damaliger Gitarrist, auf dessen Mist der Song berwiegend gewachsen ist, mittlerweile nicht mehr dabei ist. Und wir werden auch keine Single auskoppeln oder hnliche Dinge veranstalten, hehe

Welche Ziele hat Till Oberboel mit ELVENPATH in den nchsten fnf Jahren?

Elvenpath unterlagen in den vergangenen vier Jahren ja nahezu permanenten Besetzungswechseln, und auch jetzt fehlt uns gerade mal wieder ein Schlagzeuger. Insofern ist es mein Hauptziel, da da endlich mal Ruhe einkehrt und wir eine feste Besetzung zusammenhalten knnen. Ansonsten wre es schn, wenn wir live wieder hufiger prsent sein knnten. Wir wrden gerne mehr auf Festivals spielen, da haben wir noch ziemlichen Nachholbedarf. Und wir wrden auch gerne wieder touren, aber da kommt man auch nicht so einfach dran. Verffentlichungstechnisch wollen wir auch 2009 schon wieder zuschlagen, da sich in den letzten Jahren doch einiges an Songmaterial angesammelt hat. Unsere Besetzungsprobleme haben uns da doch hufiger ausgebremst, ich hoffe, da wir jetzt etwas konzentrierter und zielorientierter arbeiten knnen. Es wre natrlich schn, wenn die Band bekannter wrde und wir ein paar Stufen auf der Erfolgsleiter emporklimmen knnten, aber wir sind realistisch genug, um zu wissen, da es da zig Bands gibt, die das gleiche wollen. Daher haben wir unsere Ziele doch recht niedrig gesetzt, aber das ist ok, glauben wir.

Als Hhepunkt eures bisherigen Tourlebens gebt ihr die Europatour mit SKYCLAD an. Welche Erinnerungen hast du rckblickend daran?

berwiegend sehr gute! Es war erstmal geil, berhaupt auf Tour gehen zu knnen, so ein Angebot gibt es ja nicht alle Tage. Dann auch noch mit Skyclad, von denen ich seit "Jonahs ark" auch ein groer Fan bin. Alles in allem wurden wir sehr gut behandelt, Skyclad waren sehr nett zu uns, wir durften fast jeden Abend einen Soundcheck machen und muten auch nichts fr die Tour zahlen sowas gibts heute sogar noch. Leider war die Tour ziemlich schlecht promotet, so da im Schnitt vielleicht 70-80 Leute zu den Gigs kamen, aber es war trotzdem cool. Wir konnten uns sicherlich einige neue Fans erspielen und kamen mal in ein paar Gegenden, wo wir vorher noch nicht waren, z.B. Holland und Belgien. Das Publikum ist dort doch noch um einiges hungriger, wenn eine Power Metal-Band aus Deutschland auftritt, die Reaktionen in Deutschland waren da deutlich trger. Skyclad haben ihrem Ruf als Oberpechvgel brigens alle Ehre gemacht; ihnen ist dreimal der Bus liegengeblieben, zweimal ist ihnen einer reingefahren, uns blieb derartiges zum Glck erspart. Wir waren mit unserem eigenen Sprinter unterwegs und haben in Hostels und bei Bekannten bernachtet, was die englischen Kollegen (acht Leute in einem Tourbus mit sechs Kojen) teilweise ganz schn neidisch machte, hehe. Die einzigen negativen Erlebnisse auf der Tour waren bandinterne Querelen, die dann auch zur Trennung von unserem Gitarristen fhrten. Ansonsten war die Tour einfach klasse, und ich hoffe, wir knnen vielleicht im nchsten Jahr wieder irgendwo aufspringen.

Zum Schluss wrde ich gerne noch von dir wissen, welches deutsche Album fr dich persnlich eine Offenbarung ist und welches total berbewertet wird.

Der erste Teil der Frage ist leicht zu beantworten, auch wenn die Antwort vermutlich nicht gerade originell ist: "Imaginations from the other side" von Blind Guardian. Das Meisterwerk einer meiner absoluten Lieblingsbands, da stimmt einfach alles: geniale Songs, gute Texte, sauber eingespielt, Hansi Krsch auf dem Hhepunkt seiner Power und dazu eins der schnsten Fantasycover berhaupt. Ich mag alle Alben der Band, aber "Imaginations" ist der definitive Hhepunkt fr mich. Ich mu aber auch noch "Songs of moors and misty fields" von Empyrium nennen, das schlgt ja in eine ganz andere stilistische Kerbe, ist aber ebenfalls genial. Atmosphrisch und melancholisch bis zum abwinken, dabei aber nie kitschig, einfach ein wunderschnes Album, das bei mir auch beim 100sten Hren noch Gnsehaut auslst. berbewertet finde ich persnlich die Destruction-Alben nach der Reunion, da gibt es einfach deutlich bessere Thrashbands (Veteranen wie auch Newcomer), die meiner Meinung nach ein greres Forum verdient htten. Aber das ist natrlich Geschmackssache.

Vielen Dank fr das Interview! Wir gren alle Leser und bitten sie, mal auf unserer Homepage vorbeizuschauen. Und wer gerne auf Trommeln und Becken eindrischt und noch Freizeit brig hat, soll sich bei uns melden! Power Metal ist Krieg!

Ja, es sind diese kleinen aber feinen Bands, die unsere Musik so besonders machen. Leider fllt es in der heutigen Metalzeit schwerer denn je, diese Juwelen zu entdecken, aber es gibt sie. Zudem imponiert mir der Realittssinn meines Gesprchspartners, was im Endeffekt fr die Band die besten Zukunftschancen verspricht. Wir werden den Weg von ELVENPATH auf alle Flle weiter verfolgen und ich habe mit "Northern Son" eine weitere Ballade, die in meiner ewigen Bestenliste mit ins Altersheim geht. Danke, danke, danke, "Gates Are Open Wide For Northern Son!"
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