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11. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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At The Soundawn
Qualität statt Quantität
Christoph Füllenbach



At The Soundawn sind eine junge, aufstrebende Band aus dem schönen Italien, welche Musik liefern, die perfekt durchdacht ist und nicht wie sonst so oft im leider fast schon typischen „Hau-Drauf-Stil“ daherkommt. Da die Jungs mittlerweile bei Lifeforce gelandet sind, war es endlich mal Zeit für ein Interview mit Andrea, einem der Gitarristen, der sich sehr motiviert zeigte. Im Laufe des Interviews wird klar, dass die Fünf sehr bodenständig geblieben sind und man bei At The Soundawn keine Spur von Überheblichkeit finden kann.

Hey Andrea, wie geht’s dir und was machst du gerade?

Hi, hier ist alles in bester Ordnung. Ich hab gerade mein Abendessen hinter mir. Jetzt höre ich Achilles Last Stand, die Freunde von uns sind, und kümmere mich dabei um Bandangelegenheiten, es könnte also gar nicht besser sein.

Erstmal Glückwunsch zum Deal mit Lifeforce Records. Ihr hattet eure aktuelle Scheibe "Red Square: We come in Waves" ja schon mal bei UK Division Records / Quickflow veröffentlicht, warum habt ihr das gute Stück nach nur fünf Monaten ein zweites Mal auf den Markt gebracht und warum habt ihr eigentlich das Label gewechselt?

At the Soundawn

Das ist einfach! Lifeforce hat es uns als Amateurband angeboten, dass Album ein zweites Mal in deutlich größerer Auflage herauszubringen, da konnten wir einfach nicht "nein" sein sagen. UK Division ist ein sehr kleines Label und kann nicht mit Lifeforce verglichen werden, zwischen den beiden ist ein verdammt großer Unterschied. So kann man die Wiederveröffentlichung eher als richtiges Release ansehen, da erst diese für Aufmerksamkeit in der großen Szene gesorgt hat. Jetzt bekommen wir weltweit Reviews rein, werden aus allen möglichen Ländern nach Interviews gefragt und touren auch in eben diesen. All dies wäre ohne Lifeforce mit Sicherheit nicht möglich, sodass wir sehr froh sind jetzt bei ihnen unter Vertrag zu stehen.

Das sind ja wahre Lobeshymnen auf den neuen Verein, was man jedoch nachvollziehen kann. Mir gefällt die aktuelle Scheibe sehr gut, hauptsächlich wegen den häufigen Wechseln im Tempo und der Varianz in der Stimme. Wie zufrieden seit ihr denn selbst mit dem Endprodukt?

Dankeschön! Auch wir sind mit dem roten Quadrat sehr zufrieden. Natürlich könnten wir eine lange Liste mit Dingen schreiben, die wir jetzt ändern würden. Wir haben uns das Album Millionen Mal angehört, wodurch uns schneller die schwächeren Stellen oder die, die wir heute anders machen würden auffallen. Ich glaube aber, dass dieses Verhalten unter Musikern sehr typisch ist. Abgesehen davon, ist Red Square das Album, welches uns zu Lifeforce gebracht hat, uns damit viele Türen geöffnet und aus uns wirklich eine Band gemacht hat. Es ist unsere erste eigene Kreation, unsere erste Bestätigung für alles unsere Arbeit, die wir rein gesteckt haben, wir müssen einfach zufrieden sein.

Ihr müsst und könnt, das Album ist wirklich sehr gut. Eine kleine Sache stört mich jedoch und zwar die Länge. Warum belasst ihr es bei nur einer knappen halben Stunde Spielzeit?

Du bist nicht der einzige, dem dieser Aspekt negativ aufgefallen ist, aber um ehrlich zu sein, auch wenn es komisch klingt, bin ich auch ein wenig glücklich über die Bewertung, da sie zeigt das der Wunsch nach mehr da ist. Fakt ist das dieses Album entstanden ist, weil wir uns selbst etwas beweisen wollten. Wir wollten einfach sehen, ob wir in der Lage sind so etwas auf die Beine zustellen. Als wir ins Studio gegangen sind, hatten wir einfach nur die Stücke fertig, die jetzt auf dem Album zu finden sind. Vor und während der Zeit im Studio konnten wir uns einfach nicht vorstellen, dass so viele Leute unsere Musik hören würden. Als wir dann das erste Mastertape gehört haben wurde uns langsam klar, dass wir hier etwas echt Gutes produziert hatten. Aber selbst mit diesem Ergebnis, hätten wir nicht mal im Traum daran gedacht einmal bei einem großen Majorlabel zu landen. Wie du siehst, haben wir uns nicht um die Länge sorgen gemacht, sondern haben hauptsächlich darauf geachtet etwas qualitativ hochwertiges zu produzieren. Im Moment sieht es so aus als hätten wir den richtigen Weg eingeschlagen und wenn am Ende wirklich alles gut wird, werden wir auch für unsere Entscheidung belohnt.

At the Soundawn

Qualität vor Quantität ist immer besser. Erklärt doch bitte kurz das Konzept hinter dem Doppeltitel "Red Square: We come in waves".

Der Titel kann in zwei aufgeteilt werden. "Red Square" bezieht sich direkt auf das Artwork. Nach der Zeit im Studio haben wir etwas Einfaches und Einzigartiges gesucht, womit man die Band direkt in Verbindung bringen kann. Uns kam dann die Idee mit dem roten Quadrat, welche uns zugegebener Maßen am Anfang selbst etwas dumm vorkam. Nach kurzer Zeit haben wir uns jedoch in die Einfachheit verliebt und sind mittlerweile davon überzeugt, die absolut passende Grafik gefunden zu haben. Wir sind so überzeugt davon, dass wir sogar noch einen Schritt weiter gegangen sind und das Konzept in den Albumtitel aufgenommen haben. "We come in Waves" dagegen bezieht sich auf die Musik. Der ständige Wechsel zwischen harten und weichen Parts lässt sich unserer Meinung nach am besten mit einer Wellenbewegung vergleichen.

Wie auch das Design des Albums sind auch eure Shirts sehr simple gehalten, wer ist denn die ausführende Hand hinter den Grafiken, oder habt ihr die auch alle selber gestaltet ?

Wie gesagt, die Idee das Ganze möglichst einfach zu halten war unsere eigene, die entwerfende Hand dahinter war jedoch Federico Antonini. Er arbeitet mit einer Menge an Musikern zusammen (hauptsächlich aus Rom, seiner Heimatstadt ): Vanilla Sky, To Kill (wo er auch Gitarre gespielt hat), The Gaia Corporation, Lifend, Raised Fist, Strength Approach, Your Hero, usw. Schau dir sein Profil auf myspace.com/icarowillfall an, es lohnt sich!

Aber jetzt mal Weg vom Design und hin zur Musik. Das Tempo in euren Stücken wechselt sehr stark, was treibt euch an von klaren, ruhigen Momenten schlagartig ins absolute Verderben zu stürzen?

Das ist ein ziemlich unverständliches Ding und direkt mit dem tiefsten Aspekt der Kreation verbunden. Manchmal merken wir einfach, dass ein Song sich in eine bestimmte Richtung entwickelt und wir lassen ihn laufen. Das sind immer die besten Momente, weil alles wie von alleine funktioniert, leider sind sie nicht besonders häufig. Meistens ist das Gefühl, das sich der Song von selber entwickelt nicht so klar und deutlich, sodass wir mehrere Anläufe machen müssen. Wir hören dann häufig auf zu spielen und diskutieren darüber was wir hören wollen. Es kommt vor, dass wir einen Song auf die nächste Probe, oder sogar auf den nächsten Monat verschieben müssen. Außerdem müssen manche Stücke auch komplett gestoppt werden, meistens können wir einzelne Parts aber dann noch in anderen Songs verwenden. Letzteres ist einer der Nachteile die entstanden sind, nachdem wir den Prozess des Songwrittings verändert haben.

At the Soundawn

Wie kann man sich diesen denn bei euch vorstellen? Die meisten eurer Stücke sind unheimlich verschachtelt, sodass ich mir den eigentlichen Prozess nur sehr schwer vorstellen kann. Schreibt ihr Part für Part zusammen, oder tragt ihr fertige Stücke zusammen?

Die Art und Weise wie wir die Songs für „Red Square“ zusammengetragen haben, unterscheidet sich deutlich von dem jetzigen Vorgang. Damals habe ich fast fertige Lieder in den Proberaum gebracht, die wir dann alle zusammen eingespielt haben. Heute ist es so, dass ich häufiger rohe Stücke oder nur einzelne Riffs mitbringe und wir dann alles zusammen von Anfang an entwickeln. Wir haben viel mehr Spaß daran, die Sachen gemeinsam zu schreiben und wie es aussieht scheinen die neuen Stücke auch noch besser reinzuknallen als die alten. Trotz allen Gedanken, die man sich vorher macht, kann man sagen, dass der eigentliche Geburtsmoment jedes Songs das gemeinsame Einspielen im Proberaum ist, egal ob damals oder heute. Wenn du dir die komplizierten Teile genau anhörst bemerkst du, dass das trickreiche an ihnen nicht ein einzelnes, kompliziertes Riff ist, sondern das Arrangement der verschiedene Parts.

Weil es gerade so gut zum Prozess der Musikentstehung passt: Was hört ihr euch eigentlich in eurer Freizeit an?

Wir hören ganz verschiedene Dinge. Um dir einen Geschmack zu geben nenne ich mal die Musiker und Bands, die ich während dem Beantworten der Fragen gehört habe: Achilles Last Stand, Deerhunter, Don Caballero, Lucio Dalla, Earth Wind and Fire, Portishead, Il Teatro Degli Orrori und Kaki King. Wie du siehst ist sehr viel Abwechslung darin, ein ähnliches Spektrum kannst bei den anderen Bandmitgliedern erwarten. Man kann sagen, dass wir Musik einfach lieben, ohne uns auf eine bestimmte Stilrichtung zu spezialisieren. Ehrlich gesagt mögen wir Künstler aus jedem Bereich, solange die Qualität der Musik stimmt. Man kann immer etwas von anderer Musik lernen, auch von Popmusik, wenn sie mit Herz und Hingabe gemacht ist.

Ihr kennt euch alle schon sehr lange, schon länger als es At The Soundawn gibt. Meinst du das hilft, wenn sich mal ein Streit anbahnt? Könnt ihr dank der Freundschaft anders auf solche Momente reagieren ?

At the Soundawn

Und wie das hilft! Wenn wir zusammen sind hat alles eine witzige Seite, das sieht man auch ganz gut auf dem Bonusvideo von „Red Square“. Das Video hat auch geholfen uns selbst genauer kennen zu lernen, da es nicht immer ganz einfach ist gut miteinander auszukommen.

Das kann ich mir gut vorstellen. Mal etwas anderes, plant ihr eigentlich irgendwelche Gigs außerhalb von Italien dieses Jahr ?

Ja! Wir denken über eine Europatournee, natürlich mit Gigs in Deutschland, im nächsten Herbst nach. Nachdenken ist vielleicht zu wenig gesagt, wie sind dabei die Shows zu planen. Leider kann ich noch nichts genaues sagen, du musst warten bis das offizielle Statement herauskommt.

Na dann seht mal zu, dass ihr einen Stopp in meiner Nähe einlegt... Im Gegensatz zu anderen Bands habt ihr neben myspace noch eine richtige Homepage. Dort steht nun schon seit ein paar Monaten, dass es bald eine neue Version gibt. Wann kann man denn damit rechnen?

Ähmm, nette Frage. Im Moment haben wir eigentlich keine Ahnung. Myspace macht seinen Dienst ganz ordentlich. Vielleicht könnten wir einen Blog machen um die Leute mit aktuellen Bandinfos zu versorgen. Wir hatten bis jetzt noch keine Zeit darüber zu diskutieren, aber wir werden uns auf jedenfall darum kümmern. Ich verspreche dir, dass bis zum nächsten Album etwas heißes hochgeladen wird. Es wird dir gefallen!

Ich hoffe es! Zum Schluss noch eine Frage, die ich eigentlich immer gerne Stelle: Was macht ihr Jungs denn, wenn ihr nicht auf der Bühne steht oder an neuen Songs feilt?

Die meisten von uns haben einen Job, eigentlich alle bis auf mich - Ich schließe gerade mein Studium ab, danach wird sich bestimmt etwas finden. Außerdem treiben wir alle gerne Sport. Allesio (Bass) spielt Inline-Hockey, was ich früher auch mal ein paar Jahre gemacht habe, mittlerweile gehe ich schwimmen oder ins Studio. Enrico (Schlagzeug) geht Boxen, schwimmen und laufen. So oft es die Zeit zulässt hängen wir auch einfach zusammen herum, oder gehen auf Partys. Beides ist leider etwas weniger geworden, da wir nichtmehr so nahe zusammen wohnen wie früher.

Alles klar, dann danke ich euch für das Interview. Gibt es noch irgendetwas von eurer Seite, das ihr loswerden möchtet ?

Danke an euch Leser für eure Aufmerksamkeit und danke an dich, sowie den Rest von myrevelations.de für das Inteview. Geht auf myspace.com/atthesoundawn, hinterlasst einen Beitrag und kauft unser Album. Ach, und verpasst die Shows im Herbst nicht!

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