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18. Mai 2013 - Uhr
 
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REKORDER
Die hessische Revolution
Christian Schäfer
www.musikrekorder.de


REKORDER aus Frankfurt haben ein Album mit dem Titel "Revolution" veröffentlicht. Wer hier an politisch motivierte, harte Musik alter Helden wie RAGE AGAINST THE MACHINE, SEPULTURA oder auch DEAD KENNEDYS mit deutschen Texten denkt, liegt -wie ich vor dem ersten Hören des Albums- gründlich daneben. Okay, REKORDER machen tatsächlich deutschsprachige Musik. Aber Radikalität und Aufruf zum Umsturz werden hier ganz anders artikuliert als man es z.B. von den oben aufgezählten Leuten gewohnt ist.
Grund genug, Sänger und Texter Claudio zu fragen, was REKORDER möchten, wie sie es sagen wollen und wie es nach diesem sehr beeindruckenden und sehr reifen Debüt weitergeht.

Hi Claudio!

Hallo Christian!

Euer Song "Revolution", der Titeltrack eures Debütalbums entstand nach den Demos gegen die von Ministerpräsident Koch eingeführten Studiengebühren in Frankfurt. Was hat euch noch inspiriert?

Rekorder

Die Studentendemos waren der Auslöser der uns dazu bewog über Revolution zu schreiben. Es war auch die Vermutung, dass diese Demonstrationen bei den zuständigen zu wenig Reaktionen hervorgerufen haben. Ein Politiker sagte sogar im Fernsehen dass dieses Thema in zwei Monaten vorbei sei. Er sagte man würde es einfach aussitzen. Man hätte ja Verständnis dafür, dass es die Studenten momentan ärgert, das würde aber vorbei gehen. Wenn man so etwas hört bekommt man ein Gefühl von Ohnmacht und das macht wütend. Auf "Revolution" geht es um dieses Gefühl und den Umgang damit.

Das Album beschreibt die Auflösung eines Konfliktes mit der Gesellschaft im Kompromiss. Wie kam es zu der Idee?

Meiner Meinung nach spielt persönliche Kompromissbereitschaft eine entscheidende Rolle. Ohne sie ist keine konstruktive Diskussion, kein Dialog möglich. Jedoch sollte hierbei jeder Gehör finden und nicht nur wirtschaftlich relevante Gruppen. Wenn die Kompromissbereitschaft nicht mehr vorhanden ist, weil man das Gefühl hat überhört zu werden, wird man auch weniger Verständnis für andere Gruppen haben die sich auch Gehör verschaffen wollen. Das würde zu einem Egoismus führen der keinem Nutzen bringt. Das möchten wir zeigen.

Welche sind Eure musikalischen Einflüsse? Außer Rio Reiser, meine ich?

Rio Reiser wird natürlich immer genannt wenn man deutschsprachige Musik macht.
Wir sind allerdings eher Kinder der Grungezeit. Wir haben uns in unserer Jugend eher zu PEARL JAM und SOUNDGARDEN besoffen als zu Rio Reiser. Da wir sehr unterschiedliche Musik hören ist bei uns kein spezieller Einfluss auszumachen. Wir haben natürlich immer noch unsere Helden aus alten Tagen wie FOO FIGHTERS und QUEENS OF THE STONE AGE. Bei aktueller Musik sind wir jedoch oft anderer Meinung.

Gute und nervige deutschsprachige Bands werden aufgrund der gleichen Sprache gern in einen Topf geworfen. Wie geht ihr mit Vergleichen wie z.B. BLUMFELD, JULI oder REVOLVERHELD um?

Mit diesen Bands wurden wir bisher noch nicht verglichen. Oftmals sind es eher SELIG und NATIONALGALERIE, damit können wir leben. Wenn es den Leuten zum Beschreiben der Musik hilft und sich einer deshalb unsere Platte zulegt, wird er schon selbst merken dass die Vergleiche hinken. In Deutschland ist es auch irgendwie ein Muss alles in einen Topf zu werfen, in Schubladen zu packen und mit einem Etikett zu versehen. Dabei haben wir so viel gute individuelle Künstler, die hierbei völlig untergehen.

Ihr beschreibt grundsätzliche Konflikte der Menschen. Die Kollision Individuum vs. Gesellschaft; Werte, das Altern und auch das Thema Entscheidungsfindung allgemein. Wie kommt Ihr als vergleichsweise junge Leute auf Fragen, die viele sich gar nicht, andere erst im hohen Alter stellen?

Vielen Dank für das Kompliment! Ich denke dass wir in einem Alter sind wo man anfängt seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Das ist vielleicht so wie bei "Eins, Zwei Oder Drei" (Kindersendung im ZDF irgendwann in den 80er Jahren). Man hat das Gefühl dass der Augenblick zählt und wenn man sich falsch entscheidet muss man für den Rest des Lebens mit der Entscheidung umgehen. Das ist jetzt vielleicht drastischer ausgedrückt als ich es meine, jedoch ist das Gefühl da. Gerade als leidenschaftlicher Musiker der mit seinem Hobby nicht sein täglich Brot verdient, stellst du dir die Frage wie lange du die Musik noch in diesem Maße ausleben kannst.

Als Lösungsvorschläge höre ich Ehrlichkeit und Kompromissbereitschaft durch. Habe ich das richtig verstanden? Falls nicht, wie lauten Eure Vorschläge für den Umgang mit diesen alle betreffenden Fragen?

Ehrlichkeit und Kompromissbereitschaft sind schon erste Schritte in die richtige Richtung. Jedoch muss jeder die Lösung, sollte es eine geben, für sich selbst finden. Hierbei gibt es kein Patentrezept. Ich finde das auch gut so, dass fördert den individuellen Fortschritt.

Ein zentrales Moment bei euch ist der Zorn, die ohnmächtige Wut. Das bemerkt jedoch nur der Hörer, der sich mit euren Texten beschäftigt, denn aggressiv klingt Ihr nicht. Im Gegensatz zu anderen Bands, die sich in der Vergangenheit mit ähnlichen Themen beschäftigt haben. Warum habt Ihr diese Art der Musik gewählt und keine härteren Töne angeschlagen?

Rekorder

Wir wollten unter keinen Umständen eine Platte machen die den Finger erhebt.
Es ist die Geschichte eines einzelnen, der seiner Wut Luft macht und seinen eigenen Weg sucht. Mit einer härteren Gangart wäre hierbei vielleicht eine Punkplatte entstanden. Das wären aber nicht wir. Wir hatten nicht vor aufgrund des Themas unseren Stil zu ändern. Zu dem was wir vorher gemacht haben sind viele Songs schon recht aggressiv ausgefallen.

Der Albumtitel "Revolution" und das versöhnliche "Im Nordend" stellen einen Kontrast dar. Wie sind Revolution und Kompromiss vereinbar?

"Revolution" bildet den Anfang. Die Wut und die Erklärung dazu folgen im Laufe der Platte. "Im Nordend" zeigt die innere Zufriedenheit auf, die meiner Meinung nach nötig ist, um Kompromisse einzugehen. Wenn ich mit mir selbst nicht im Reinen bin, wie soll ich dann auf andere zugehen und etwas bewegen?

Wer soll mit "Revolution" angesprochen werden, wie sehen die gewünschten Ziele aus?

"Revolution" soll in erster Distanz als ein Stück Musik angesehen werden.
Hierbei wird die Geschichte eines einzelnen erzählt der seinen eigenen Platz sucht.
Wenn sich durch die Platte jemand motiviert fühlt sich für etwas stark zu machen, wäre dies natürlich etwas Gutes- so lange es gewaltfrei bleibt.

Ich kann mir auch nach längerem Überlegen nicht vorstellen wie euer Nachfolger für "Revolution" aussehen soll. Wie sehen Eure weiteren Pläne aus, musikalischer wie auch inhaltlicher Art?

Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht. Es macht wohl wenig Sinn sich einfach ein Thema auszusuchen über das man dann schreibt. Wir werden uns einfach inspirieren lassen und schauen was auf uns zu kommt.

Ich bleibe gespannt!

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