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18. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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AYREON
Der fliegende Holländer
Thorsten Dietrich
www.ayreon.com


Arjen Anthony Lucassen ist einer der wenigen Musiker, bei dem sich alle freuen, wenn auf jedem Album neue Musiker zu hören sind. Auf den großartigen Alben - welche ich gerne als musikalische Hörbücher des Science Fiction bezeichne - sind immer großartige, bekannte und unbekannte Künstler zu hören. Der Mann hat außerdem interessante Geschichten zu erzählen, ist sehr freundlich, natürlich und gibt sich im Interview recht bescheiden, dazu ist er noch für eine Überraschung gut! Kurzum: Manche Interviews machen einfach irre Spaß und so habe ich Fragen gestellt, deren Antworten ich schon lange erfahren wollte. Deshalb wurde es auch ein laaanges Interview.

Ich bin überrascht, das du wieder so eine verrückte Sci Fi Story gemacht hast. Ich denke immer du bist der Kerl, der Comics, Spiele oder Filme kreieren sollte!

Ja verrückt ist es mal wieder (lacht): Ich habe aber überhaupt keine Ahnung von Computerspielen!

Du hast aber so tolle Geschichten zu erzählen. Kam da niemals ein Regisseur und sagte: Lass uns mal was machen?!

Da kamen mal Leute, aber ich habe keine Ahnung was die wollten und ich mache lieber das was ich mache und kann. Es wäre natürlich toll, wenn irgendwer einen Film aus einem meiner Alben machen könnte. Oder eine Serie wie Star Trek, die ich mir auch schon seit meiner Kindheit anschaue und woher auch meine Inspirationen kommen. Ebenso wie „Battlestar Galactica“.

Deine Alben höre ich mir nur im Bett oder auf der Couch an, nie im Auto. Verstehst du warum?

Das würde vielleicht auch zu Unfällen führen! (lacht). Ich denke die Musik ist zu komplex dafür und das funktioniert da nicht so. Meine Musik ist mehr als Musik es soll ein Abenteuer in eine andere Dimension sein. Das ist für mich sehr wichtig.

Ayreon

Jedes Ayreon Album hat ja neue Sänger und Musiker. Du versuchst immer ein paar Underground Musiker zu pushen und außerdem nimmst du gerne einheimische Musiker aus den Niederlanden.

Ja, das stimmt die zwei neuen sind beide von Holland. Aber auch Simone, Floor und Anneke sind auch aus den Niederlanden, das stimmt schon! Seltsamerweise sind die männlichen Sänger alle aus anderen Ländern!

Das ist wirklich seltsam. Manche Musiker wie Floor sind ja zum zweiten Mal auf einem deiner Alben zu hören. Ich dachte du hast eine Regel, dass kein Musiker doppelt auf deinen Platten sein soll?

Das war eine Regel, die ich nur für das „Human Equation“ Album aufgestellt hatte. Das ist auch gut so, da z.B. Anneke und Floor einen super Job machen! Diesmal hatte ich ja Jorn Lande singen und brauchte einen Gegenspieler, der gegen ihn ansingt. Doch wer bitte soll gegen Jorn Landen ansingen? Da habe ich dann an Floor gedacht, vielleicht auch deshalb weil sie ein großer Fan von Jorn ist. Das letzte Mal als sie für Ayreon gesungen hat, war sie auch nicht so viel beteiligt.

Diesmal hast du auch einen meiner Lieblingssänger an Bord, Steve Lee von Gotthard. Der ist ja auch aus einem etwas anderen Bereich als deine „üblichen“ Sänger.

Er war noch viel besser als ich erwartet und erhofft habe. Ich weiß er kann den kräftigen Stoff singen, den Rock´n´ Roll Kram, aber er kann einfach alles singen: Balladen, hoch singen usw. Er war der Sänger, welcher mich am meisten beeindruckt hat von den Beteiligten!

Du machst ja nicht den Easy Listening Stuff und ich habe viel entdeckt beim ersten Hören! z.B Hansi Kürsch, den habe ich aber direkt mal verdrängt, da ich mich an Jorn Lande und Steve Lee satt hören wollte. Eine Woche später kam dann die neue Avantasia Scheibe und auf einmal waren da wieder Jorn Lande und Bob Catley. Beide Alben kommen zur gleichen Zeit heraus!

Ja der Hansi ist ein Sänger mit einer so markanten Stimme, den hört man überall raus. Das mit Avantasia ist natürlich furchtbar. (lacht). Das sind unglückliche Umstände, ich habe auch mit Jorn Lande vor drei Jahren schon gesprochen, doch da war er sehr stark mit Masterplan beschäftigt. Bob Catley sollte schon auf „The Human Equation“ singen, aber am Ende war kein Platz mehr!

Also war das keine Marketing Strategie mit der zeitgleichen Veröffentlichung?

Nein, bestimmt nicht! Es ist keine Idee beide Alben am selben Tag zu veröffentlichen. Ich denke aber auch die Musik ist anders. Ayreon hat die Wurzeln mehr in den 60er und 70er Jahren, während Avantasia doch eher den 80ern und 90er Jahren zuzuordnen ist. Vielleicht liegt es daran, dass ich so ein alter Bastard bin (lacht).Ich habe all die Bands aufsteigen gesehen, Deep Purple, Sabbath und Konsorten.

Ayreon

Das neue Ayreon Album ist nicht nur meiner Meinung nach mehr Hard Rock und Metal, oder?

Ich denke schon es ist härter geworden als seine Vorgänger. Ich bin durch eine harte Zeit gegangen, auch wegen der Scheidung von meiner Frau. So ist das Album auch dunkler insgesamt.

Du lebst auch nicht mehr auf deinem Hof?

Nein, leider nicht. Ich habe einen neuen Ort gefunden, das wirst du auf der Bonus DVD dann sehen können. Das Teil ist auch besser ausgefallen als die DVD des „Human Equation“, da war ich ja die ganze Zeit am Reden (lacht). Diesmal haben wir die Sänger interviewt.

Wir reden jetzt über viele Dinge, aber ich habe immer noch nicht den Namen deines neuen Albums kapiert!

Das ist ein binärer Code für den Buchstaben Y. Das ist der Name des Planeten der Aliens mit dem Namen Forever. Y wurde bei dem „Universal Migrator“ Album das erste Mal erwähnt. Das Cover zeigt die Wasserwelt mit Maschinen, die aus dem Wasser kommen.

Auf deinem ersten Album mit der Bonus DVD „Actual Fantasy“ gibt es ja eine coole Slideshow zu dem Album, bei dem 5.1 Mix. Da dachte ich immer warum du keinen Clip zu deinen Songs machst. Es gibt ja auch Leute im Internet, die schneiden Mangas zu Metalvideos, so dass es fast wie bei einem echten Clip aussieht!

Ja, dieses Mal ist auf der DVD des Albums ein Clip der „Beneath The Waves“ heißt. Den kann man auch auf My Space schauen, der Videoclip ist wundervoll! Es ist der Planet Y unter Wasser zu sehen und es ist alles Computergrafik.

Du hast ja schon viele Sängerinnen und Musiker gehabt, gibt es denn jemand der zugesagt hatte und es aus terminlichen Gründen nicht geschafft hat?

Ja da wäre z.B. Keith Emerson. Ich flog den ganzen Weg nach L.A., aber aus irgendwelchen Gründen hat er es dann nicht geschafft. Ich bekam auch mal einen Preis für Prog bei einem englischen Magazin. Den Preis überreichte mit Rick Wakeman (Yes), er kannte auch meine Musik und sollte auch ein Solo auf „The Human Equation“ spielen, sogar mit seinem Sohn Oliver. Auch er musste in letzter Minute absagen, doch ich bleibe dran!

Ayreon

Wie lange brauchst du eigentlich für ein Album?

Ich denke etwas mehr als ein Jahr. In der Zeit schreibe ich die Songs, feile an den Texten und baue mir eine Geschichte zusammen. Daneben gilt es ja noch die Gastmusiker zu finden, das Album zu mixen und anderes. Vielleicht sind es auch 1,5 Jahre!

Gehörst du eigentlich zu den Musikern, die sich ihre Alben selber anhören können?

Ja! Ich kann mir alle meine Alben generell anhören und ich bin auf alle stolz. Ich kann nicht meine Sideprojects hören, da denke ich immer da und da hätte ich was ändern können.

Apropos Sideproject. Ich habe nie kapiert warum du bei der Band Stream Of Passion als Gitarrist dabei warst!

Stream Of Passion sollte eigentlich ein Soloalbum der Sängerin Marcela sein, die auch auf „The Human Equation“ gesungen hat. Ich liebe ihre Stimme und wollte mit ihr ein Soloalbum machen. Das endet in Stream Of Passion. Ich wollte nie in eine Band, aber sie baten mich darum, da sie dachten ich weiß, wie das Business läuft und wollten mit mir touren, so dass wir auch Ayreon Songs spielen konnten. Das sind auch alles ganz tolle Menschen. Doch an einem gewissen Punkt musste ich zu Ayreon zurückgehen. Das wussten sie aber von Anfang an, dass es so passieren wird.

Andere Bands machen ganz viel an Promotion. Die haben Videoclips, gehen auf Tour und spielen die großen Festivals. Du machst nur tolle Alben mit tollem Inhalt und Musikern. Ist das genug?

Es ist genug, ja, es ist sehr abgefahren, als ich mit Ayreon startete sagte man mir du kannst das nicht live machen. Dann hat es jeden überrascht, dass das erste Album sich ohne Liveauftritte gut verkauft hat. Das zweite auch und "The Electric Castle" verkaufte sich wie verrückt. Das alles ohne viel Promotion und so. Ich verstehe es auch nicht. Die Ayreon Hörerschaft ist eine Art unsichtbare Menge. Es überrascht mich selber! Livespielen kostet ja auch eine Menge Geld mit Bus, Equipment, Crew. Du gehst als Band eigentlich auf Tour um deine Shirts zu verkaufen (lacht). Ich weiß wie das ist. Als ich mit meinem Projekt Star One getourt bin, habe ich viele Shirts machen lassen. Die waren dann auf der ersten Show ausverkauft. Das hat mich gerettet! Es war ja so, dass ich alle Musiker bezahlen musste, denn ich bin ja alleine.

Kam da nie eine Anfrage von großen Festivals wie "Wacken" ähnlich wie bei Avantasia mal eine Allstarshow aufzustellen?

Ich bekomme die ganze Zeit Angebote! Du musst aber auch bedenken, bei Avantasia singt Tobias auch viele Sachen selbst. Dazu brauchst du dann drei oder vier Sänger. Ich kann dir versichern das Alice Cooper dann nicht dort mit auftritt! Für mich ist das schwer die ganzen Sänger zu bekommen, die sind alle so beschäftigt wie Hansi Kürsch z.B. von Blind Guardian oder Steve Lee von Gotthard. Die würde ich nicht zusammen bekommen, noch nicht mal für eine Nacht!

Die holländischen Musiker würdest du doch bestimmt versammelt bekommen!

Das stimmt auf der Releaseparty und an anderen Terminen gebe ich Akustikkonzerte mit den holländischen Musikern

Apropos Holland. Wie ist als Niederländer eigentlich Deine Beziehung zur deutschen Sprache?

(In perfektem Deutsch) Jeder Holländer spricht doch deutsch, ich verstehe Dich gut. Wir hätten auch das Interview auf Deutsch machen können!

Das ist jetzt nicht wahr, und ich mühe mich in Englisch ab. Ich hätte auch noch Fragen für eine weitere Stunde! Arjen Lucassen hat wirklich einiges zu erzählen, tolle Platten und überraschte mich nicht nur mit tollen Deutschkenntnissen. Das nennt man dann wohl ein Interviewhighlight.

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