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11. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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BOOMERANG
Bodenständiges Wurfgeschoss aus der Pfalz
Thorsten Dietrich
www.boomerang-metal.de


In Rheinland Pfalz gibt es jede Menge Metalbands die sich mehr oder weniger der traditionellen Lehre verschrieben haben. Dazu gehören auch Boomerang eine Band ohne Image, die dazu noch ihren eigenen Stil hat. Der auskunftsfreudige Schlagzeuger Andreas Reichard hat mir einige Fragen beantwortet und sich wacker geschlagen!
Als Newcomer habt ihr nun die Pflicht kurz und knackig über euch als Band was zu Erzählen !


Dann fangen ich mal an: Wir sind fünf gemütliche Pfälzer, die Freitags abends bei Tom im Heizkeller ein bissel Radau machen, Bier vernichten und danach Pizza mampfen, Metal hören, Skat kloppen und Witze reißen. Beheimatet sind wir alle rings um Frankenthal in Riechweite der BASF. Tom spielt die 7 Saiten, schreit und macht sich Gedanken, was er sonst noch auf den 7 Saiten machen könnte. Axel schreit und hüpft rum, macht sich aber weniger Gedanken. Stefan schreit nicht, zupft auch 7 Saiten und behält seine Gedanken meistens für sich. Daniel ist ein Riesenkerl und deswegen sind seine 5 Saiten auch etwas größer. Er schreit zwar auch, würde aber lieber alles alleine singen. Wir lassen ihn aber nicht, haha…. Ich haue ganz oft und schnell auf Sachen drauf und mache mir viele Gedanken - meistens darüber, wie ich noch schneller auf Sachen draufhauen kann...

Wie kommt man denn auf die Idee sich als deutsche Band nach einem Wurfgeschoss aus Australien zu nennen?

Daran ist Axel schuld, auch wenn er es bis heute verbissen dementiert (lacht). Nach dem Split von Arcus fingen Axel, Tom und Stefan wieder an, gemeinsam zu Jammen. Axel sagte dann, wir wären wie ein Boomerang, man kann uns wegschmeißen, aber wir kommen wieder zurück.
Besonders durchdacht war der Namensfindungsprozess nicht und es war auch ne Menge Alkohol im Spiel, aber immerhin hat so jeder Interviewer schon eine Frage, die er uns stellen kann.

Vor der Debüt CD habt ihr zwei ordentliche Eigenproduktionen gemacht, wo noch zwei Sänger am Start waren. Wieso habt ihr das geändert und wie kommt man auf die Idee zwei Frontmänner zu haben?

Tom konnte sich nie entscheiden, ob er lieber singt oder die Gitarre malträtiert, also machte er schon immer beides. Axel hatte das Problem nicht, da er "nur" richtig gut singen kann. Der zweistimmige Gesang hat sich mehr oder weniger von selbst entwickelt, weil sich die beiden Stimmen von ihren Charakteristiken toll ergänzen. Geändert hat sich der Sound eigentlich 2005 als Daniel eingestiegen ist. Wir brauchten dringend einen neuen Bassisten, er ist aber eigentlich ein Sänger, der auch mal Bass gelernt hat. Mit 3 gleichrangigen Stimmen konnte man die alte Machart aber nicht mehr genauso weiterführen, deswegen klingt das jetzt ein bisschen anders. Jetzt führt immer abwechselnd mal eine Stimme und die beiden andern geben den Unterbau.

Die CD heißt "Sound Of Sirens" was aber nur das Intro ist, war das beabsichtigt? Sirenen sind doch Frauen bzw. Sagengestalten die Odysseus vom Kurs abbringen wollen, wieso habt ihr eine Schlange auf dem Cover?

Das Wortspiel „Sounds of Sirens“ (die Assoziation mit „Silence“ ist beabsichtigt) fand eigentlich jeder als Titel gut, vor allem in der Form SOS, weil man ja besser SOS funkt, wenn einem diese Jodeltanten auf dem Meer begegnen. Der Titel hat aber noch mehr Bedeutungsebenen, wir lassen uns nämlich auch nicht so leicht vom Kurs abbringen und was wir uns mit Wattestäbchen aus den Ohren pulen ist nahezu heroisch. „Sirens“ sollte man nicht nur mit den Sirenen der Sagenwelt in Verbindung bringen: Denk einfach mal auch an Sirenen-Geheul (Alarm), wenn Gefahr droht oder. Da haben wir auch wieder ´nen Rückbezug zum Cover.

Ach so! Bei Heavy Metal denkt man gerne an Sagen.

Ein Song mit diesem Titel war eigentlich nie geplant und das Intro kam auch erst ganz am Schluss dazu, da haben wir dann sozusagen auf den letzten Drücker den Bezug hergestellt. In den Texten kommen die Sirenen (sowohl die Sagen-Sirenen als auch die Alarm-Sirenen) übrigens öfter vor, womit sich der Kreis auf jeden Fall schließt. Das Cover war zu der Zeit aber schon in Arbeit, als wir uns für den Titel entschieden haben und wir hatten Dominic Harman bei der Gestaltung und beim Motiv völlig freie Hand gegeben. Wir wollten lediglich bestimmte Assoziationen wie Angriffslust und Power darin sehen. Was er draus gemacht hat ist fantastisch, obwohl er bei nem Bierchen gestand, nicht ganz mit sich zufrieden zu sein. Ein echt cooler Typ, der auch für diverse Bestseller-Autoren wie Barker oder Hohlbein die Cover gestaltet.

Deutsche Bands haben sich oft mit den Texten Mühe gegeben. Erzähle doch mal über eure und was es besonders mit dem Song "Blood Angel (TCO III") auf sich hat!

„TCO III“ steht für „The Cold One- Teil 3” und ist eine Fortsetzung der Story um diesen übellaunigen Dämon, der schon auf unserem Demo sein Unwesen getrieben hat. The Cold One wurde dann für die erste CD „Weaveworld“ noch mal neu aufgenommen, auf „Balance of Hate“ kam es mehr zufällig zu einer Fortsetzung und Tom kommt ungefähr alle eineinhalb Jahre mit ´nem Riff an, das so einem übernatürlichen Wüterich alle Ehre macht. Dann wird der Text weitergesponnen.

Ab und an habt ihr einen leichten folkloristischen Touch, der gut eingearbeitet wurde, steht ihr auf Folk oder die ganzen Mittelalterbands?

Eigentlich nicht. Richtig interessiert hat uns dieses Mittelalterzeugs eigentlich nie. Ich glaube, wir sind auf einem anderen Weg gegangen und dennoch in der Nähe gelandet. Bei Folk ist das wiederum ne andere Sache, Stefan war lange Jahre in einer Irish-Folk Band aktiv und Tom trinkt gerne irischen Whisky. Gerade die Mandoline bei „TCO III“ ist ganz klar Stefans Ding.

Für kleine Bands wie euch ist es schwer ordentliche Gigs an Land zu ziehen und so habe ich bis jetzt nur eure souveränen Gigs beim "Swordbrothers Festival" und der "Headbanger´s Night" im Gedächtnis. Wie sieht es in Zukunft aus und wie viel wollt ihr für eure Band?

Im Moment wären wir für jeden schönen Gig dankbar, wir spielen zwar dieses Jahr einige Shows, der richtige Überknaller wie die Gigs in Griechenland mit Jag Panzer oder als Support von Grave Digger, Sabaton und Tankard ist leider noch nicht dabei. Die beiden Shows, die Du erwähntest waren übrigens nur vom ganzen Drumherum weltklasse, aber wir waren da mit unserer Leistung nicht hundertprozentig zufrieden. Gerade bei der „Headbangers Night“ hatten wir massive technische Probleme, so dass wir froh waren, dass überhaupt irgendwas unten aus den Boxen raus kam. Im Allgemeinen ist es schon schwer, an gute Gigs zu kommen, aber wenn mal nichts klappt, so wie derzeit, dann halten wir uns beschäftigt, indem wir hier und da mal in der Region spielen. Da wir keine Rockstaranforderungen stellen, klappt das auch ganz gut und vor allem macht es Spaß.

Ihr klingt für diesen übervollen Markt sehr eigenständig und wirkt bodenständig. Wie schafft man dies in einer Zeit von Kopisten, Hypes und schnelllebigen Trends?

Das ist ja ein als Frage getarntes Kompliment! Danke! Dann mal zur Antwort: Bodenständig sind wir. Das sind die Pfälzer-Gene. Wir sind eben als Volk eher gemütlich und nicht gerade die offensten, aber wenn man uns erstmal näher kennenlernt, sind wir eigentlich ganz nett. Boomerang kann man sich vorstellen wie ein paar Kumpels, die sich freitags für Metal-Musik machen treffen. Wichtig ist bei uns, dass wir erstmal füreinander da sind, anstatt für den Erfolg über Leichen zu gehen. Das macht sicher auch viel am Klang aus, dass hier nicht 5 Leute ihren Ehrgeiz und ihre Profilneurosen befriedigen wollen, sondern in erster Linie Spaß daran haben, zusammen Musik zu machen. Wir stehen eigentlich alle auf alte und neue Bands und versuchen nicht Mal, uns davon NICHT beeinflussen zu lassen. Wahrscheinlich stecken bei uns so viele verschiedene Einflüsse drin, dass wir dem Vorwurf, irgendwas zu kopieren immer gut entgehen konnten. Außerdem ein großes Kompliment an Alex Koch, unseren Soundmann. Er hat uns genau den individuellen Sound verpasst, den wir haben wollten. Nicht überdigitalisiert aber auch nicht antiquiert, sondern hart und lebendig.

Euer gutes Album hat nur einen Fehler mit knapp 43 Minuten ist es recht kurz. Hattet ihr nicht mehr Material oder war der Rest nicht gut genug? Jetzt sage nicht 1985 waren LPs auch nur 43 Minuten kurz.

Hehe, Du hast gerade dem Phrasenschwein den Schlitz zugegipst. Wir hatten tatsächlich noch einen Song mehr und damit wären wir auf ca. 50 Minuten gekommen, aber der wurde bei der Vorproduktion einstimmig gekickt- irgendwas hat der Nummer gefehlt. Bei uns läuft das so, dass wir eigentlich keine Songs „zu viel“ machen, sondern eher alles verwerfen, was uns nur zu 99 Prozent überzeugt. Diese Karteileichen werden meistens komplett ausgeweidet und teilweise wieder verwendet und tauchen dann in anderen Songs auf. Richtig fertig werden die Songs auch selten, da basteln wir noch bis kurz vor knapp weiter, erst wenn Sie aufgenommen sind, sind sie fixiert. Und selbst dann gibt es live und im Proberaum „Neu-Interpretationen“.
Und hier der Spruch, den jeder bringt, der ein kurzes Album abliefert: Die „Reign in Blood“ von Slayer hatte auch nur 27 Minuten! Dafür zahlen wir auch 3 Euro ins Phrasenschwein (lacht).

Mindestens! So was habe ich schon so oft gehört. Eigentlich müsste ich ein dickes Sparschwein haben.


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