Navigation
                
22. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Band
Titel
Autor
Homepage
>> Als E-Mail versenden
SAATTUE
Thema: Tod
Andre Kreuz
www.myspace.com/saattue


SAATTUE, zu deutsch "Prozession", machen Doom und kommen aus Finnland. Keine gute Voraussetzung fr ein Interview, sollte man dem Klischee vom wortkargen Skandinavier Glauben schenken. Das machen wir natrlich nicht, schlielich haben SAATTUE mit einem Bomben-Album wie "Jhyvsti" im Gepck auch gar keinen Grund zur Schweigsamkeit. Und so entpuppten sich Gitarrist J. Koskela und Snger T. Koskinen als auskunftsfreudige Zeitgenossen, die einen Einbklick hinter die Kulissen finnischer Tonkust gewhrten. Und eins kann ich euch sagen: Ich war noch nie so dankbar fr die Erfindung des Copy'n'Paste wie nach diesem Interview...

Hallo die Herren! Vor eurem Debt "Jhyvsti" habt ihr die beiden EPs "Kivisydn" und "Ikiuneen" aufgenommen. Wie seht ihr die Entwicklung eurer Musik seitdem?

Saattue Saattue

T. Koskinen: Ich schtze wir haben das Tempo ein wenig gedrosselt und ein paar Grunzer mehr hinzugefgt, aber auch etwas mehr Atmosphre und melodische Parts ergnzt, um ein bisschen Kontrast in den Songs zu schaffen. Das Ziel war es Songs zu schreiben, die sich erst nach einer gewissen Zeit entfalten wrden und die einem bei jedem Durchlauf der Scheibe noch etwas Neues entdecken lassen.
J. Koskela: Alle Stcke von "Ikiuneen" befinden sich auch auf "Jhyvsti". Namentlich sind das "Ikiuneen", "Luutarhuri" und "Kaaosmaa". Also ist der musikalische Unterschied zu dieser Verffentlichung nicht so gro. Ich finde, dass die neueren Lieder auf dem Album dunkler sind, aber auch dynamischer. Ich wrde sagen, dass sich unser Sound in eine reichhaltigere Richtung entwickelt hat, aber mittlerweile ist das Gesamtklangbild noch heavier als zuvor. Die "Kivisydn"-EP hat hat auch einiges, das immer noch sehr gut in unser Live-Set passt, auch wenn die EP allgemein einen etwas rockigeren Touch hatte.

Euer Debt war ja auch fast eine weitere EP geworden, da zum Zeitpunkt der Aufnahmen noch kein Label in Sicht war. Dann, nach der Hlfte der Aufnahmen, traten Spikefarm in Erscheinung und boten euch einen Vertrag ber eine komplette CD an. War es nicht schwierig, wieder in die gleiche Stimmung zu kommen, wie beiden Aufnahmen zum ersten Teil? Und warum haben euch Spikefarm den Deal nicht von Anfang an angeboten?

T. Koskinen: Spikefarm waren schon nach der Verffentlichung der "Ikiuneen"-EP 2006 an uns interessiert. Wie auch immer, wir hatten damals nicht genug Material fr ein komplette Album zusammen. Und altes Material zu nehmen, stand vllig auer Frage. Also nahmen wir ein paar neue Songs auf und schickten sie an Spinefarm. Was die Aufnahmen selbst angeht: Wir wussten sehr genau, was fr einen Sound wir auf der CD haben wollten. Also war die Arbeit sehr entspannt und hat uns nicht viel rger bereitet.
J. Koskela: Yeah, es gab einen Notfall-Plan, diese neuen Stcke als EP rauszubringen. Glcklicherweise hat uns Spinefarm grnes Licht gegeben und wir konnten so ein komplettes Album eintten. Es war berhaupt nicht schwer, wieder in die gleiche Stimmung zu kommen und den gleichen Sound zu erreichen. Wir sind einfach im September wieder zurck ins Studio gezogen und haben die Arbeit so fortgesetzt, wie wir sie ein paar Monate zuvor begonnen hatten. Wir haben auch ein paar der Gitarren-Spuren der ersten Session neu aufgenommen, was auch dabei geholfen hat, einen konstanten Sound fr das komplette Album zu bekommen. Ich glaube nicht, dass irgend jemand hren kann, dass das Album in zwei getrennten Sessions entstanden ist.

Ihr verwendet drei Gitarren, um eine massive Sound-Wand hochzuziehen. Wie geht man damit ins Songwriting?

J. Koskela: Drei Gitarren treten mehr oder weniger auf den Plan, wenn wir proben und die Songs arrangieren. Sie kommen auch live sehr zum Tragen. Drei Gitarren zu haben bietet uns mehr Mglichkeiten und weniger Einschrnkungen. Genauso wie es uns die Chance bietet, einen satteren Sound zu fahren, so erlaubt es uns auch viele Gitarren-Harmonien zu erzeugen und verschiedene Arrangements zu kombinieren. Es gibt zum Beispiel in "Vieraaseen multaan" und "Jhyvsti" Passagen, in denen klare Gitarren ber verzerrten liegen. Mit drei Gitarren knnen wir das auch live umsetzen, ohne im Song die Heaviness oder die Atmospre zu verlieren.

Auch wenn ich finde, dass die finnische Sprache gut zu eurer Musik passt: Warum habt ihr keine englischen Texte verwendet, die viel mehr Leute htten verstehen knnen?

T. Koskinen: Die finnische Sprache war seit den Anfngen von SAATTUE so etwas wie ein Trademark von uns - also war klar, dass wir das so beibehalten wrden. Natrlich wre einiges leichter fr uns gewesen, wenn wir englische Texte verfasst htten, aber es wrde uns weniger einzigartig klingen lassen.
J. Koskela: Tja, wir haben nicht bewusst darber nachgedacht, dass wir Musik fr ein greres Publikum machen wrden, das in mehreren verschiedenen Sprachrumen beheimatet ist. Musik zu schreiben ist etwas sehr Persnliches, also schreibt man zunchst einmal mehr oder weniger fr sich selbst. Metal ist im Allgemeinen aber etwas sehr Internationales und wir sind sehr froh, dass die Fans unser Konzept so akzeptieren, wie es ist.

Lasst uns mal bei den Texten bleiben: Worum drehen sie sich? Ich mag besonders die beiden letzten Tracks "Kaaosmaa" und "Varjojen Saattue", vielleicht knntet ihr auf diese etwas eingehen?

T. Koskinen: Die Texte erzhlen prinzipiell Geschichten ber den Tod, betrachtet aus verschiedenen Perspektiven, und die dunkle Seite des menschlichen Verstandes. Manchmal sind die Texte ber den Tod auch eher als Metapher zu verstehen und nicht direkt als den Tod an sich.
J. Koskela: Dadurch, dass du dir "Kaaosmaa" und "Varjojen Saattue" rausgesucht hast, hast du es geschafft die einzigen beiden Stcke zu whlen, die sich nicht wirklich mit dem Thema Tod beschftigen. Sie sind eher Selbstreinigungs- und Selbstbestrafungs-Gedanken einer Person, die sich mit negativen Dingen aus der Vergangenheit auseinandersetzt. Das abschlieende Opus "Varjojen Saattue" dreht sich darum das Vertrauen einer Person zu verraten, die einem sehr nahe steht. Der Titel bezieht sich auf die dunklen Schatten der Vergangenheit, die nicht leicht zu vertreiben sind.

Bei der Recherche im Netz bin ich ber den coolen Videoclip zu "Kaaosmaa" gestolpert. Ist so was nicht sehr teuer, gerade fr eine noch eher junge Band? Wir waren die Aufnahmen und mit wem habt ihr zusammengearbeitet?

J. Koskela: Das "Kaaosmaa"-Video haben wir fr die "Ikiuneen"-Promo-EP 2006 gemacht. Es war eigentlich sehr billig fr uns, das Video zu machen. Es entstand als als Arbeit eines Studenten in einer der Medien-Schulen im sdlichen Finnland. Der Regisseur, Matti Salminen, hat uns kontaktiert, da er die Mglichkeit zu diesem Video hatte. Die Aufnahmen gingen sehr glatt ber die Bhne. Ich kann mich an keine Probleme oder Rckschlge erinnern. Ich finde, dass das Video ein cooles YouTube-Extra ist.

Ihr habt auch eine Gastsngerin dabei, wer ist Ines Lukkanen und wo sonst ist sie mit involviert? Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

J. Koskela: T. Kalliomki hat sie auf finnischen MP3-Musikseiten entdeckt und fand, dass ihre Stimme sehr gut zu unserer Musik passen wrde. Es gibt auch ein paar Frauengesangs-Parts auf der "Kivisydn"-EP und wir wollten das nocheinmal machen. Es war die perfekte Gelegenheit Ines auf "Jhyvsti" mit dabei zu haben. Ich denke, es ist sehr gut mglich, dass wir ihre Stimme in zuknftigen Aufnahmen von SAATTUE wieder hren werden. Ines hat mal fr ein Gothic-/Electro-Projekt namens NEVERNETTLES gesungen und momentan spielt sie zusammen mit T. Kalliomki in EMBASSY OF SILENCE.

Ihr knnt wie viele andere Bands auf MySpace gefunden werden. Wie wichtig ist es eurer Meinung nach heutzutage, sich als Band online zu prsentieren? Und wann wird es eine komplett englische Version von www.saattue.net geben? Momentan sind nur ein paar Infos bersetzt.

T.Koskinen: Ich finde, dass MySpace und andere Seiten es mglich machen, mehr Hrer weltweit zu erreichen. Demnach sehen wir es natrlich als essentiell an, so was heutzutage zu haben. Promotion ist eins der wichtigsten Dinge, wenn du willst, dass die Leute von deiner Musik erfahren. Und ich finde, dass jede Band selbst aktiv sein sollte und auch etwas fr die Promotion tun sollte. Das ist nicht nur Sache des Labels.
Was die Lyrics auf Englisch angeht: Das Problem ist, dass sich finnische Texte recht schwer so ins Englische bersetzen lassen, dass sie nichts von ihrer Gesamtbedeutung und den Reimen usw. verlieren. Wenn wir jemals jemanden finden, der die Texte gekonnt genug bersetzen kann, dann werden wir sie natrlich auf unserer Website verffentlichen. Einfach mal abwarten.
J. Koskela: MySpace ist ein sehr effektiver und schneller Weg die Leute wissen zu lassen, was gerade los ist. In den meisten Fllen sind diese Websites unter der vollen Kontrolle der Bands und daher der vertrauenswrdigste Weg Informationen ber die Band zu bekommen. Es liegt dennoch in den Hnden der Bands und deren Partner, wie diese Mglichkeit genutzt wird. Momentan ist es bei SAATTUE so, dass sich www.saattue.net hauptchlich an finnische Besucher richtet, whrend die MySpace-Seite fr das internationale Publikum ausgelegt ist.

Saattue Saattue

Wie werdet ihr "Jhyvsti" so promoten, wie es das verdient habt? Was sind eure Plne fr die Weltherrschaft?

J. Koskela: Momentan spielen wir Gigs in Finnland und versuchen damit, die Dinge hier weiter aufzubauen. Whrend der letzten Tage haben wir auch viele internationale Interviews gegeben, was uns gegenwrtig die beste Mglichkeit bietet, Promotion im Ausland zu betreiben. Wir haben viele positive Kritiken in auslndischen Magazinen bekommen. Mal abwarten, ob das mehr Leute zu unserem Album fhren wird. Letztlich suchen wir nach Mglichkeiten, auerhalb unserer Landesgrenzen auftreten zu knnen.

Was mich zu meiner vorletzten Frage bringt: Wann wird die Prozession denn mal durch Deutschland ziehen?

J. Koskela: Tja, du kannst davon ausgehen, dass Deutschland ganz oben auf unserer Liste steht. Es wre interessant, rber zu kommen und zu sehen, wie die Leute auf unsere Musik live reagieren. Ich glaube nicht, dass zum gegenwrtigen Zeitpunkt eine ausgedehnte und monatelange Tour drin ist, aber wir wrden uns sehr freuen, ein paar kurze Abstecher nach Europa machen zu knnen, Deutschland inklusive.

Da wrt ihr sicher nicht die einzigen, die sich freuen! Zum Schluss: Danke fr eure Zeit, berhmte letzte Worte?

J. Koskela: Vielen Dank fr das Interview. Jeder, der was fr heavy, doomige und dstere Metal-Musik brig hat, sollte in den nchsten Plattenladen gehen, "Jhyvsti" antesten oder uns unter MySpace besuchen, um in das Album reinzuhren.
Stay tuned for some more saatto metal!

<< vorheriges Interview
EVOLUTION - Justice For All???
nchstes Interview >>
POWERWORLD - Ein kraftvoller Name




 Weitere Artikel mit/ber SAATTUE: