SAATTUE, zu deutsch "Prozession", machen Doom und kommen aus Finnland. Keine gute Voraussetzung für ein Interview, sollte man dem Klischee vom wortkargen Skandinavier Glauben schenken. Das machen wir natürlich nicht, schließlich haben SAATTUE mit einem Bomben-Album wie "Jäähyvästi" im Gepäck auch gar keinen Grund zur Schweigsamkeit. Und so entpuppten sich Gitarrist J. Koskela und Sänger T. Koskinen als auskunftsfreudige Zeitgenossen, die einen Einbklick hinter die Kulissen finnischer Tonkust gewährten. Und eins kann ich euch sagen: Ich war noch nie so dankbar für die Erfindung des Copy'n'Paste wie nach diesem Interview...
Hallo die Herren! Vor eurem Debüt "Jäähyvästi" habt ihr die beiden EPs "Kivisydän" und "Ikiuneen" aufgenommen. Wie seht ihr die Entwicklung eurer Musik seitdem?
T. Koskinen: Ich schätze wir haben das Tempo ein wenig gedrosselt und ein paar Grunzer mehr hinzugefügt, aber auch etwas mehr Atmosphäre und melodische Parts ergänzt, um ein bisschen Kontrast in den Songs zu schaffen. Das Ziel war es Songs zu schreiben, die sich erst nach einer gewissen Zeit entfalten würden und die einem bei jedem Durchlauf der Scheibe noch etwas Neues entdecken lassen. J. Koskela: Alle Stücke von "Ikiuneen" befinden sich auch auf "Jäähyvästi". Namentlich sind das "Ikiuneen", "Luutarhuri" und "Kaaosmaa". Also ist der musikalische Unterschied zu dieser Veröffentlichung nicht so groß. Ich finde, dass die neueren Lieder auf dem Album dunkler sind, aber auch dynamischer. Ich würde sagen, dass sich unser Sound in eine reichhaltigere Richtung entwickelt hat, aber mittlerweile ist das Gesamtklangbild noch heavier als zuvor. Die "Kivisydän"-EP hat hat auch einiges, das immer noch sehr gut in unser Live-Set passt, auch wenn die EP allgemein einen etwas rockigeren Touch hatte.
Euer Debüt war ja auch fast eine weitere EP geworden, da zum Zeitpunkt der Aufnahmen noch kein Label in Sicht war. Dann, nach der Hälfte der Aufnahmen, traten Spikefarm in Erscheinung und boten euch einen Vertrag über eine komplette CD an. War es nicht schwierig, wieder in die gleiche Stimmung zu kommen, wie beiden Aufnahmen zum ersten Teil? Und warum haben euch Spikefarm den Deal nicht von Anfang an angeboten?
T. Koskinen: Spikefarm waren schon nach der Veröffentlichung der "Ikiuneen"-EP 2006 an uns interessiert. Wie auch immer, wir hatten damals nicht genug Material für ein komplette Album zusammen. Und altes Material zu nehmen, stand völlig außer Frage. Also nahmen wir ein paar neue Songs auf und schickten sie an Spinefarm. Was die Aufnahmen selbst angeht: Wir wussten sehr genau, was für einen Sound wir auf der CD haben wollten. Also war die Arbeit sehr entspannt und hat uns nicht viel Ärger bereitet. J. Koskela: Yeah, es gab einen Notfall-Plan, diese neuen Stücke als EP rauszubringen. Glücklicherweise hat uns Spinefarm grünes Licht gegeben und wir konnten so ein komplettes Album eintüten. Es war überhaupt nicht schwer, wieder in die gleiche Stimmung zu kommen und den gleichen Sound zu erreichen. Wir sind einfach im September wieder zurück ins Studio gezogen und haben die Arbeit so fortgesetzt, wie wir sie ein paar Monate zuvor begonnen hatten. Wir haben auch ein paar der Gitarren-Spuren der ersten Session neu aufgenommen, was auch dabei geholfen hat, einen konstanten Sound für das komplette Album zu bekommen. Ich glaube nicht, dass irgend jemand hören kann, dass das Album in zwei getrennten Sessions entstanden ist.
Ihr verwendet drei Gitarren, um eine massive Sound-Wand hochzuziehen. Wie geht man damit ins Songwriting?
J. Koskela: Drei Gitarren treten mehr oder weniger auf den Plan, wenn wir proben und die Songs arrangieren. Sie kommen auch live sehr zum Tragen. Drei Gitarren zu haben bietet uns mehr Möglichkeiten und weniger Einschränkungen. Genauso wie es uns die Chance bietet, einen satteren Sound zu fahren, so erlaubt es uns auch viele Gitarren-Harmonien zu erzeugen und verschiedene Arrangements zu kombinieren. Es gibt zum Beispiel in "Vieraaseen multaan" und "Jäähyvästi" Passagen, in denen klare Gitarren über verzerrten liegen. Mit drei Gitarren können wir das auch live umsetzen, ohne im Song die Heaviness oder die Atmospäre zu verlieren.
Auch wenn ich finde, dass die finnische Sprache gut zu eurer Musik passt: Warum habt ihr keine englischen Texte verwendet, die viel mehr Leute hätten verstehen können?
T. Koskinen: Die finnische Sprache war seit den Anfängen von SAATTUE so etwas wie ein Trademark von uns - also war klar, dass wir das so beibehalten würden. Natürlich wäre einiges leichter für uns gewesen, wenn wir englische Texte verfasst hätten, aber es würde uns weniger einzigartig klingen lassen. J. Koskela: Tja, wir haben nicht bewusst darüber nachgedacht, dass wir Musik für ein größeres Publikum machen würden, das in mehreren verschiedenen Sprachräumen beheimatet ist. Musik zu schreiben ist etwas sehr Persönliches, also schreibt man zunächst einmal mehr oder weniger für sich selbst. Metal ist im Allgemeinen aber etwas sehr Internationales und wir sind sehr froh, dass die Fans unser Konzept so akzeptieren, wie es ist.
Lasst uns mal bei den Texten bleiben: Worum drehen sie sich? Ich mag besonders die beiden letzten Tracks "Kaaosmaa" und "Varjojen Saattue", vielleicht könntet ihr auf diese etwas eingehen?
T. Koskinen: Die Texte erzählen prinzipiell Geschichten über den Tod, betrachtet aus verschiedenen Perspektiven, und die dunkle Seite des menschlichen Verstandes. Manchmal sind die Texte über den Tod auch eher als Metapher zu verstehen und nicht direkt als den Tod an sich. J. Koskela: Dadurch, dass du dir "Kaaosmaa" und "Varjojen Saattue" rausgesucht hast, hast du es geschafft die einzigen beiden Stücke zu wählen, die sich nicht wirklich mit dem Thema Tod beschäftigen. Sie sind eher Selbstreinigungs- und Selbstbestrafungs-Gedanken einer Person, die sich mit negativen Dingen aus der Vergangenheit auseinandersetzt. Das abschließende Opus "Varjojen Saattue" dreht sich darum das Vertrauen einer Person zu verraten, die einem sehr nahe steht. Der Titel bezieht sich auf die dunklen Schatten der Vergangenheit, die nicht leicht zu vertreiben sind.
Bei der Recherche im Netz bin ich über den coolen Videoclip zu "Kaaosmaa" gestolpert. Ist so was nicht sehr teuer, gerade für eine noch eher junge Band? Wir waren die Aufnahmen und mit wem habt ihr zusammengearbeitet?
J. Koskela: Das "Kaaosmaa"-Video haben wir für die "Ikiuneen"-Promo-EP 2006 gemacht. Es war eigentlich sehr billig für uns, das Video zu machen. Es entstand als als Arbeit eines Studenten in einer der Medien-Schulen im südlichen Finnland. Der Regisseur, Matti Salminen, hat uns kontaktiert, da er die Möglichkeit zu diesem Video hatte. Die Aufnahmen gingen sehr glatt über die Bühne. Ich kann mich an keine Probleme oder Rückschläge erinnern. Ich finde, dass das Video ein cooles YouTube-Extra ist.
Ihr habt auch eine Gastsängerin dabei, wer ist Ines Lukkanen und wo sonst ist sie mit involviert? Wie kam es zu der Zusammenarbeit?
J. Koskela: T. Kalliomäki hat sie auf finnischen MP3-Musikseiten entdeckt und fand, dass ihre Stimme sehr gut zu unserer Musik passen würde. Es gibt auch ein paar Frauengesangs-Parts auf der "Kivisydän"-EP und wir wollten das nocheinmal machen. Es war die perfekte Gelegenheit Ines auf "Jäähyvästi" mit dabei zu haben. Ich denke, es ist sehr gut möglich, dass wir ihre Stimme in zukünftigen Aufnahmen von SAATTUE wieder hören werden. Ines hat mal für ein Gothic-/Electro-Projekt namens NEVERNETTLES gesungen und momentan spielt sie zusammen mit T. Kalliomäki in EMBASSY OF SILENCE.
Ihr könnt wie viele andere Bands auf MySpace gefunden werden. Wie wichtig ist es eurer Meinung nach heutzutage, sich als Band online zu präsentieren? Und wann wird es eine komplett englische Version von www.saattue.net geben? Momentan sind nur ein paar Infos übersetzt.
T.Koskinen: Ich finde, dass MySpace und andere Seiten es möglich machen, mehr Hörer weltweit zu erreichen. Demnach sehen wir es natürlich als essentiell an, so was heutzutage zu haben. Promotion ist eins der wichtigsten Dinge, wenn du willst, dass die Leute von deiner Musik erfahren. Und ich finde, dass jede Band selbst aktiv sein sollte und auch etwas für die Promotion tun sollte. Das ist nicht nur Sache des Labels.
Was die Lyrics auf Englisch angeht: Das Problem ist, dass sich finnische Texte recht schwer so ins Englische übersetzen lassen, dass sie nichts von ihrer Gesamtbedeutung und den Reimen usw. verlieren. Wenn wir jemals jemanden finden, der die Texte gekonnt genug übersetzen kann, dann werden wir sie natürlich auf unserer Website veröffentlichen. Einfach mal abwarten. J. Koskela: MySpace ist ein sehr effektiver und schneller Weg die Leute wissen zu lassen, was gerade los ist. In den meisten Fällen sind diese Websites unter der vollen Kontrolle der Bands und daher der vertrauenswürdigste Weg Informationen über die Band zu bekommen. Es liegt dennoch in den Händen der Bands und deren Partner, wie diese Möglichkeit genutzt wird. Momentan ist es bei SAATTUE so, dass sich www.saattue.net hauptächlich an finnische Besucher richtet, während die MySpace-Seite für das internationale Publikum ausgelegt ist.
Wie werdet ihr "Jäähyvästi" so promoten, wie es das verdient habt? Was sind eure Pläne für die Weltherrschaft?
J. Koskela: Momentan spielen wir Gigs in Finnland und versuchen damit, die Dinge hier weiter aufzubauen. Während der letzten Tage haben wir auch viele internationale Interviews gegeben, was uns gegenwärtig die beste Möglichkeit bietet, Promotion im Ausland zu betreiben. Wir haben viele positive Kritiken in ausländischen Magazinen bekommen. Mal abwarten, ob das mehr Leute zu unserem Album führen wird. Letztlich suchen wir nach Möglichkeiten, außerhalb unserer Landesgrenzen auftreten zu können.
Was mich zu meiner vorletzten Frage bringt: Wann wird die Prozession denn mal durch Deutschland ziehen?
J. Koskela: Tja, du kannst davon ausgehen, dass Deutschland ganz oben auf unserer Liste steht. Es wäre interessant, rüber zu kommen und zu sehen, wie die Leute auf unsere Musik live reagieren. Ich glaube nicht, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine ausgedehnte und monatelange Tour drin ist, aber wir würden uns sehr freuen, ein paar kurze Abstecher nach Europa machen zu können, Deutschland inklusive.
Da wärt ihr sicher nicht die einzigen, die sich freuen! Zum Schluss: Danke für eure Zeit, berühmte letzte Worte?
J. Koskela: Vielen Dank für das Interview. Jeder, der was für heavy, doomige und düstere Metal-Musik übrig hat, sollte in den nächsten Plattenladen gehen, "Jäähyvästi" antesten oder uns unter MySpace besuchen, um in das Album reinzuhören. Stay tuned for some more saatto metal!